Inhalt
1 Vorwort 3
2 Die Person Bernhard von Clairvaux 4
2.1 Die Kindheit Bernhards 4
2.2 Die Zeit der Jugend 5
2.3 Der Weg in ein monastisches Leben 6
2.4 Der endgültige Entschluss zum Eintritt ins Kloster 8
2.5 Die Auswahl der Mönchsgemeinschaft 9
3 Das Leben im Kloster 10
3.1 Die ersten Jahre in Citeaux 10
3.2 Die Gründung des Klosters Clairvaux 11
3.3 Der Aufstieg des Klosters im Wermuttal 13
3.4 Von Clairvaux in die Welt 14
4 Die Zisterzienser - Relecture der regula benedicti 15
4.1 Randbedingungen der monastischen Reformen 17
4.1.1 Die Gottesfriedensbewegung 17
4.1.2 Der Investiturstreit 17
4.2 Das einstige Vorbild Cluny 18
4.3 Citeaux und die Gründung der Zisterzienser 20
4.4 Die Rolle Bernhards für die Manifestierung des Ordens 22
5 Fazit 23
6 Literatur 24
2
1 Vorwort
Zwischen „Beförderer der dicksten Mönchsdummheit“ 1 und Motor seines Ordens 2 begegnet in Bernhard de Montbard ein Mann, der nicht nur wahrlich seine Zeit prägte, sondern sich selber im Kontrast als Chimäre 3 seiner Generation betrachtete. 4 Mit dieser Beschreibung seiner eigenen Person wird bereits die innere Zerrissenheit deutlich, die ihn wohl sein ganzes Leben begleitet haben dürfte. Ein Mischwesen, das zwischen weltlicher und geistlicher Sphäre wandelt. Und trotzdem wird dieser Bernhard zu einer der wichtigsten Personen um die Ausbreitung des neuen Ordens der Zisterzienser. Sein „Einfluss auf das geistige wie geistliche, auf das politische wie speziell das kirchenpolitische Leben [lässt ihn zu einer] führenden Gestalt [seiner] Zeit im umfassendsten Sinne - wie wohl keine andere Persönlichkeit in der fast tau- sendjährigenGeschichte des mittelalterlichen Abendlandes [werden].“ 5
Aber gerade dieser Einfluss, den er genießt, lässt ihn in der Reflexion keineswegs nur als schillernde Person der mittelalterlichen monastischen Reformbewegung erstrahlen. Vor allem seine Unterstützung der Kreuzzüge, seine vernichtende Haltung gegenüber neuartigen philosophischen Ansätzen und auch der Zwiespalt zwischen Benediktsregel und deren Einhaltung in seiner späteren Funktion als Abt von Clairvaux überschatten sein Leben und brachten ihm in der Folge herbe Kritik. 6
Diese Arbeit beschäftigt sich mit Bernhards Weg in ein monastisches Leben und seinem Stellenwert für die Ausbreitung des durch Robert von Molesme neugegründeten Ordens der Zisterzienser in Citeaux. Insbesondere wird dabei der Lebensabschnitt Bernhards bis zu seinem Eintritt ins Kloster und etwaige Beweggründe seiner Entscheidung für ein monastisches Leben untersucht. Darüber hinaus soll gezeigt werden, warum die monastische Reformbewegung zu Beginn des 12. Jahrhunderts entsprechenden Zuspruch fand und welchen Einfluss Bernhard von Clairvaux auf die relecture der regula benedicti genommen hat.
1 Bauer, D.: Bernhard von Clairvaux und der Beginn der Moderne, S. 5
2 Vgl. Ebd.
3 Chimäre ist ein antikes Fabelwesen: ein feuerspeiendes, schreckliches Tier als Mischung aus Löwe, Ziege und Drache und damit einhergehend ein Bild des Bösen. Vgl Dinzelbacher, P: Die Bernhardinische Epoche, S. 10
4 Vgl. Dinzelbacher, P: Die Bernhardinische Epoche, S. 8
5 Bauer, D.: Bernhard von Clairvaux und der Beginn der Moderne, S. 5
6 Vgl Ebd.
3
2 Die Person Bernhard von Clairvaux
2.1 Die Kindheit Bernhards
Bernhard von Clairvaux wird 1090 als dritter Sohn adliger, wohlhabender und vor allem sehr frommer Eltern in Fontaines bei Dijon geboren. 7 Sein genaues Geburtsdatum ist heute allerdings nicht mehr nachvollziehbar, wissenschaftlich umstritten auch die Datierung des Geburtsjahres auf 1090. 8 Sein Vater Tescelin le Saur war Vasall des Herzogs von Burgund und entstammte der Familie der Grafen von Runcy mit Verbindungen zum burgundischen Herzogtum. 9 Auch seine Mutter Aleth de Montbard gehörte dem burgundischen Adel an. 10 Möglicherweise ist sie sogar direkte Nachfahrin eines unehelichen Sohnes Herzog Heinrichs I. von Burgund. 11 Trotz dieser Adelszugehörigkeit ist die soziale Stellung der Familie aber nicht zu überschätzen. 12 Der Besitz der Familie dürfte, wie üblich für den niederen Adel, verhältnismäßig klein gewesen sein und umfasste neben der Burg Fontaines noch ein Haus und einige Ländereien. 13 Getauft wurde Bernhard auf den Namen seines Großvaters mütterlicherseits: de Montbard. 14 Vor seiner Geburt sah seine Mutter angeblich einen laut bellenden weißen Welpen mit rotem Rücken im Traum, den sie in sich trug. Diesen Traum ließ sie von einem ihr nahestehenden Mönch, der der Forschung aber bisher unbekannt bleibt, auslegen. In Anlehnung an Isaias 56,10 deutete er, dass ihr Sohn ein großer Bewacher der Kirche und seine Stimme gegen ihre Feinde erheben werde. 15 „Ein ausgezeichneter Prediger wird aus Dir geboren werden, nicht zu vergleichen mit den vielen Hunden, die nicht bellen können.“ 16 Auch wenn über die Kindheit Bernhards nur sehr wenig bekannt ist, so ist jedoch zu belegen, dass er fünf weitere Brüder - Guido, Gerhard, Andreas, Bartholomäus und Nivard - und eine Schwester - Humbeline hat. 17 Obwohl sie damit ebenfalls in die Familie der Grafen
7 Vgl. Dinzelbacher, P.: Bernhard von Clairvaux, S. 3 ff.
8 Vgl. Vosicky, B.: Bernhards Leben mit der Eucharistie, S. 214
9 Vgl. Leclercq, J.: Bernhard von Clairvaux. Ein Mann prägt seine Zeit, S. 13
10 Vgl. Leclercq, J.: Bernhard von Clairvaux, Sp. 268
11 Vgl. Leclercq, J.: Bernhard von Clairvaux. Ein Mann prägt seine Zeit, S. 12
12 Vgl. Dinzelbacher, P.: Bernhard von Clairvaux, S. 3 ff.
13 Vgl. Ebd. S. 25
14 Vgl. Leclercq, J: Der heilige Bernhard und Deutschland, S. 317
15 Vgl. Dinzelbacher, P.: Bernhard von Clairvaux, S. 3 ff.
16 Ebd. S.3 ff.
17 Vgl. Dinzelbacher, P.: Bernhard von Clairvaux, S. 6
4
von Runcy hineingeboren wurden, 18 wurden sie trotzdem alle fromm und an einem einfachen Lebensstil ausgerichtet erzogen. 19 Ausdruck dessen ist auch die Tatsache, dass die Mutter all ihre Kinder selbst stillte, statt sie - wie in der Adelsschicht sonst üblich - einer Amme anzuvertrauen. Es war darüber hinaus die Mutter, die Bernhard religiöse Inhalte vermittelte und ihn schon früh zum Lesen bewog, um wei- tereSelbststudien durchzuführen, da sie ihn und auch ihre anderen Kinder „am liebsten für das Kloster bestimmt hätte.“ 20 Unklar bleibt jedoch, warum die Eltern ihn nicht bereits als Kind in jüngsten Jahren in ein Kloster gaben und stattdessen eine am Klosterleben orientierte Erziehung bevorzugten.
2.2 Die Zeit der Jugend
Nachdem Bernhard von Clairvaux zunächst die Erziehung der Familie genossen hatte, entschieden sich seine Eltern ihn im Alter von 8 Jahren auf eine von Kanonikern geleitete Klosterschule in der Nähe seines Heimatortes zu entsenden. 21 Mit großer Wahrscheinlichkeit wurde Bernhard im Lesen, Schreiben und Auswendiglernen lateinischer Psalmen unterrichtet. 22 Außerdem dürfte er Unterweisung im ersten Teil der „septem artes liberales“ - der sieben freien Künste, bestehend aus Rhetorik, Grammatik und Dialektik erhalten haben. 23 Ob er auch im zweiten Teil, dem Quadrivium in den Disziplinen Arithmetik, Astronomie, Geometrie und Musik unterrichtet wurde, kann nicht mit Bestimmtheit gesagt werden 24 . In mathematisch dominierten Fächern war er wohl weniger erfolgreich. 25 Trotzdem scheint Bernhards Interesse am Erlernen neuer Fähigkeit groß gewesen zu sein, noch größer aber seine Begierde nach der heiligen Schrift. Ein enger Freund während seiner Schulzeit beschreibt Bernhard „erstaunlich nachdenklich, weiters ruhig, gehorsam und ganz versessen darauf, die Heilige Schrift zu studieren: ein katholischer Musterknabe.“ 26 Während seine Brüder
18 Vgl. Leclercq, J.: Bernhard von Clairvaux. Ein Mann prägt seine Zeit, S. 13
19 Vgl. Dinzelbacher, P.: Bernhard von Clairvaux, S. 3 ff
20 Ebd. S.3 ff.
21 Vgl. Leclercq, J: Bernhard von Clairvaux. Entschiedenheit in Demut, S. 178
22 Vgl. Dinzelbacher, P.: Bernhard von Clairvaux, S. 6
23 Vgl. Ebd.
24 Vgl. Leclercq, J.: Bernhard von Clairvaux. Ein Mann prägt seine Zeit, S. 15 ff.
25 Vgl. Wendelborn, G.: Bernhard von Clairvaux, S. 26
26 Dinzelbacher, P.: Bernhard von Clairvaux, S. 6
5
auf eine militärische Laufbahn im Dienste des Herzogs vorbereitet wurden, kam nur Bernhard in den Genuss einer geistlichen Schullaufbahn. 27 Darüber hinaus erhielt aber auch er eine dem Ritterstand angemessene Erziehung, nahm an Turnieren teil und übte den Umgang mit Waffen. 28
Ein tiefer Einschnitt in Bernhards Leben ist der frühe und anscheinend auch überraschende Tod seiner Mutter 1107. 29 Auf der einen Seite erschütterte ihn der Verlust seiner Mutter zutiefst und führt ihn letztendlich auch „zum klösterlichen Lebensideal“ 30 , auf der anderen Seite war es für ihn wohl aber auch eine Befreiung der mütterlichen Bevormundung. 31 Zwar schließt er sich, ganz entgegen seiner bisher sehr frommen Erziehung, nach der Bestattung seiner Mutter zunächst einer Burschenschaft gleichaltriger junger Männer an und verliert sogar zeitweilig den Glauben an Gott, bleibt aber in seinem tiefsten Inneren unschlüssig, für welchen Lebensstil er sich entscheiden solle. 32
2.3 Der Weg in ein monastisches Leben
Erst nach einer langen Phase innerer Einkehr und auch persönlicher Reife entschloss sich Bernhard für ein Leben im Kloster. Diese Entscheidung fiel ihm anscheinend nicht leicht, angezogen von weltlichen Freuden, die ihm bis zum Tod seiner Mutter auch größtenteils verborgen waren. Er selbst nennt zwei Ereignisse als Grund für seine letztendliche Entscheidung zum Ordenseintritt. So war für ihn ein Traum prägend, in dem ihm am Weihnachtsabend die Jesus gebärende Maria erschien. 33 Zum zweiten begründet er den Eintritt ins Kloster in seiner ablehnenden Haltung gegenüber jeglicher Sexualität. Die Anziehung einer Frau habe ihn wohl sogar dazu bewogen, ins eiskalte Wasser zu springen bis er fast ohnmächtig vor Kälte war. 34 Diese Beschreibungen sind wohl aber mehr als hagiographische Elemente 35 seiner
27 Vgl. Leclercq, J.: Bernhard von Clairvaux. Ein Mann prägt seine Zeit, S. 14 ff.
28 Vgl. Wendelborn, G.: Bernhard von Clairvaux, S. 27
29 Vgl. Elm, K.: Die Zisterzienser, S. 47
30 Heutger, N.: Zisterziensisches Wirken in Niedersachsen, S. 8
31 Vgl. Dinzelbacher, P.: Bernhard von Clairvaux, S. 6
32 Vgl. Dinzelbacher, P.: Bernhard von Clairvaux, S. 8
33 Vgl. Leclercq, J.: Bernhard von Clairvaux. Ein Mann prägt seine Zeit, S. 15
34 Vgl. Dinzelbacher, P.: Bernhard von Clairvaux, S. 11
35 Hagiographie bezeichnet im Allgemeinen die Darstellung von Heiligen und deren Erforschung
6
Vita zu betrachten und weniger als historische Fakten. 36 Die für ihn ausschlaggebenden Gründe für seinen Entschluss sind aber sicherlich u.a. in dem Wunsch seiner Mutter zu suchen, dass einer der Söhne Mönch oder Priester werden sollte. Nicht ungewöhnlich für die damalige Zeit und damit in historischem Kontext zu sehen ist die Tatsache, dass mindestens ein Familienmitglied eine geistliche Laufbahn einschlagen sollte, um für das Seelenheil und Gottes Gnade der Familie zu beten und einzustehen. 37 Bernhard war dazu aufgrund seiner Ausbildung und Schullaufbahn maßgeblich prädestiniert. 38 Seine Mutter forcierte die geistliche Laufbahn bereits in der Erziehung ihrer Kinder, die geprägt war von klösterlichem Lebensstil und einer frommen Lebensweise. In der Reflexion Bernhards Lebens ist sicherlich der Tod seiner Mutter einer der entscheidenden Gründe für seine spätere Entscheidung zum Eintritt ins Kloster. 39
Die Entscheidung zu einem auf Gott ausgerichteten Leben fußt neben dem Tode seiner Mutter wohl aber auch im mittelalterlichen Selbstverständnis der Menschen und ihrer Glaubensgrundsätze. Während das Diesseits als unwichtig angesehen wird, liegt der Schwerpunkt ganz in der Vorbereitung auf das Jenseits. 40 Noch nicht ausgehend von der Gnade Gottes, die den Menschen erlöste, war jedem Menschen die Aufgabe gestellt, ein gottgefälliges Leben zu führen, um so nach dem Tod in den Himmel aufgenommen zu werden. Verbunden war diese eschatologische Vorstellung mit der ständigen Angst der Menschen durch ein nicht gottesfürchtiges Leben nach dem Tode für alle Zeiten in die Hölle verbannt zu werden. 41 Auch Bernhard war von dieser Angst geplagt, die ihn u.a. auch zum Eintritt ins Kloster bewogen haben dürfte: „Damals nämlich, wie ich mich gut erinnere, erschütterte er [Gott] mein Herz […] und versetzte [mich/es] in Schrecken, indem er [mich/es] hinabführte zu den Pforten der Hölle und die für die Sünder bereiteten Torturen zeigte.“ 42 Den einzigen Weg aus der Erbsünde und damit dem Fegefeuer der Hölle sah Bernhard in einem von Askese dominierten Leben. Die Nachfolge Jesu, wie sie so oft im Neuen Testament gefordert wird, stellt dabei ein zentrales Fundamentum seiner Askese dar, auch wenn die
36 Vgl. Leclercq, J.: Bernhard von Clairvaux. Ein Mann prägt seine Zeit, S. 15
37 Vgl. Dinzelbacher, P.: Bernhard von Clairvaux, S. 12
38 Vgl. Dinzelbacher, P.: Bernhard von Clairvaux, S. 5
39 Vgl. Leclercq, J.: Bernhard von Clairvaux. Ein Mann prägt seine Zeit, S. 23
40 Vgl. Hölscher, L.: Das Jenseits, S. 14
41 Vgl. Dinzelbacher, P.: Bernhard von Clairvaux, S. 12
42 Dinzelbacher, P.: Bernhard von Clairvaux, S. 12
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Stephan Baier, 2010, Bernhard von Clairvaux und die Relecture der regula benedicti, München, GRIN Verlag GmbH
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