1. Einleitung 4
2. Entstehung und Geschichte der TV-Duelle 5
2.1 Vereinigte Staaten von Amerika 5
2.2 Bundesrepublik Deutschland 6
2.3 Personalisierung 7
3. Beispiel: TV-Duelle im Bundestagswahlkampf 2002 9
3.1 Aufbau und Regeln 9
3.2 TV-Duelle als Schauspiel? 11
4. Unterhaltung versus Inhalte 12
4.1 Vorteile von TV-Duellen 12
4.2 Nachteile von TV-Duellen 13
5. Fazit 18
6. Literaturverzeichnis 21
3
3
1. Einleitung
TV-Duelle sind im deutschen Bundestagswahlkampf eine
verhältnismäßig neue Erscheinung. 1 Auch in diesem Wahljahr werden die beiden Spitzenkandidaten Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Angela Merkel (Union) gegeneinander antreten. Am 13. September 2009 werden sich Angela Merkel (CDU) und Frank-Walter Steinmeier (SPD) zur Diskussion
gegenüberstehen. 2 Die Idee der TV-Duelle stammt aus den USA. 1956 wurde die erste Diskussion im amerikanischen Fernsehen ausgestrahlt. Die Vereinigten Staaten sind eine präsidiale Republik. In den einzelnen Bundesstaaten werden mittelbar Wahlmänner und -frauen gewählt, die dann für ihren Präsidentschaftskandidaten oder -kandidatin stimmen.
Außerdem haben die USA ein Zwei-Parteien-System, es wird von der Demokratischen und der Republikanischen Partei bestimmt. 3 Die Bundesrepublik Deutschland hat eine geteilte Exekutive und ein Mehrparteiensystem. In Deutschland gibt es seit dem Bundestagswahlkampf 2002 TV-Duelle. Doch immer wieder werden Stimmen laut, die eine Veränderung oder gar Abschaffung des vorhandenen Formats der TV-Duelle fordern. 4
In meiner Arbeit will ich zunächst die Geschichte der TV-Duelle
darstellen, dann am Beispiel der ersten deutschen Diskussion dieser Art auf Bundesebene die Regeln und den Aufbau erläutern. Schließlich stelle ich die Vor- und Nachteile von TV-Duellen vor und gelange so zu meinem Fazit.
1 Zeitschrift für Parlamentsfragen: „Journalisten fragen, Politiker antworten? Formate, Inhalte und Strategien der TV-Debatten im Bundestagswahlkampf 2002“ (Römmele, Andrea; Hoffmann, Anja; Jucknat, Kim; Wackershauser, Jochen) Heft 2/2004, Seite 219
2
http://www.faz.net/s/Rub4D6E6242947140018FC1DA8D5E0008C5/Doc~E1F472A79ACEB4CEF82F2ED38E D360C5F~ATpl~Ecommon~Scontent.html, letzter Zugriff: 23. August 2009
3 Duden „Politik und Gesellschaft: Ein Lexikon zum politischen und gesellschaftlichen Grundwissen“, Mannheim, 2005, Seite 422f.
4 Vergleiche hierzu Frankfurter Allgemeine Zeitung: „Das Kanzlerduell ist eine Posse, eine Frace, Guido Westerwelle im Gespräch“, 8. Mai. 2009 ‐ 4 ‐
2. Entstehung und Geschichte der TV-Duelle
Durch den Einsatz von Massenmedien wurden die Wahlkämpfe
in den letzten Jahren deutlich moderner geführt als noch in den 1970er oder 80er Jahren. Die damit einhergehenden Neuerungen werden in der Fachliteratur entweder als „Amerikanisierung“ bezeichnet, da die Vereinigten Staaten häufig als Vorbild dienen. „Wer den Begriff Amerikanisierung nicht akzeptiert“, spricht „statt dessen bei der Betrachtung der Entwicklung von Wahlkämpfen von Modernisierung oder Professionalisierung“ 5 , da deutsche Politiker lediglich einige Teile des amerikanischen Wahlkampfes adaptieren. So wurden auch die politischen Diskussionen von den USA übernommen. Unter TV-Duelle versteht man Wahlkampfdiskussionen im Fernsehen, also Streitgespräche, in denen ein oder mehrere Moderatoren die KandidatInnen zweier Parteien zu den Themen des Wahlkampfs befragen.
2.1 Vereinigte Staaten von Amerika
Die erste politische Kandidaten-Diskussion in den USA fand
1858 zwischen Abraham Lincoln und Stephen Douglas statt -und das gleich sieben Mal über ein Thema: die Sklaverei. 1960 trat der republikanische Vize-Präsident Richard Nixon gegen seinen demokratischen Herausforderer John F. Kennedy an. Nixon war der klare Favorit im Wahlkampf, doch er sah blass und krank aus und war unrasiert. Kennedy dagegen war deutlich jünger, charismatischer und sonnengebräunt, er blickte in die Kamera und sprach - im Gegensatz zu Nixon - die Zuschauer
5 Zeitschrift für Parlamentsfragen (ZParl): „Negative Campaigning: in Deutschland negativ aufgenommen“ (Christine Holtz-Bacha), Heft 3/2001, Seite 669-677, hier: Seite 674,vergleiche hierzu: Brettschneider, Frank; von Deth, Jan; Roller, Edeltraud (Hrgs.): „Die Bundestagswahl 2002, Analysen der Wahlergebnisse und des Wahlkampfes“, 2004, VS-Verlag für Sozialwissenschaften Wiesbaden, Seite 51 ‐ 5 ‐
direkt an. Kennedy gewann das Duell und die Wahl. 6 Daraufhin entstand der Mythos, ein TV-Duell könne die Wahl entscheiden. Doch erst 1976 wurden TV-Duelle zu einer Institution, Gerald Ford und Jimmy Carter diskutierten. In den Wahlkämpfen davor hatte sich immer einer der Kandidaten geweigert, an einer solchen Debatte teilzunehmen. 7 In diesem Jahr -1976- wurden die Kandidaten außerdem zu ersten Mal direkt nach der Debatte durch die Kommentatoren und Berater analysiert. Seitdem haben die Kandidaten außerdem sogenannte spin-doctors 8 (Kandidaten Berater), die mit ihnen Gesten und Formulierungen trainieren und Themen vorgeben, mit denen die Kandidaten beim Zuschauer gut ankommen könnten.
2.2 Bundesrepublik Deutschland
In Deutschland sind TV-Duelle eine vergleichsweise neue
Erscheinung. Wie in den USA treten in Deutschland nur die Kandidaten der beiden großen Parteien in den TV-Duellen gegeneinander an. Regeln und Aufbau der deutschen TV-Duelle werden im Kapitel 3.1 „Aufbau und Regeln“ erläutert.
In Deutschland gab es erstmals im Bundestagswahlkampf 2002
TV-Duelle. Sie galten als weiterer Schritt in Richtung Amerikanisierung/Modernisierung. Es gab die Idee der TV-Duelle allerdings schon vor dem ersten großen Duell Schröder gegen Stoiber 2002. Schon 1969 hatte SPD-Kandidat Willy Brandt versucht, Kanzler Kurt Georg Kiesinger zu einem TV-Duell herauszufordern, doch sein Kontrahent lehnte ab.
6 Schicha, Christian: „Zur Authentizität der politischen Kommunikation beim ‚Duell der Giganten‘, Anmerkungen zu den Fernsehdebatten der Kanzlerkandidaten im Bundestagswahlkampf 2002“, in: Zeitschrift für Kommunikationsökologie, 2/2002, Seite 6-14, hier: Seite 7-8
7 Die Neue Gesellschaft, Frankfurter Hefte: „Das große Zittern, Vor den Fernsehduellen Schröder-Stoiber“ (Gerhard Hofmann), Heft 7/8 2002, Seite 429-430
8 Vergleiche hierzu Tenscher, Jens: „Mythos Spin Doctors‘“ in : Sarcinelli, Ulrich/Tenscher Jens (Hrsg.): „Machtdarstellung und Darstellungsmacht“, Nomos Verlag, Baden-Baden, 2003, Seite 69-83 ‐ 6 ‐
Daraufhin entstand die sogenannte „Elefantenrunde“, die zwischen 1969 und 1987 jeweils kurz vor der Wahl im Fernsehen lief. Es nahmen alle Spitzenpolitiker teil, die Elefantenrunde dauerte jeweils mehrere Stunden. Nach der letzten Sendung 1987 wurde die Elefantenrunde wegen zu schlechter Einschaltquoten eingestellt.
2002 duellierten sich Schröder und Stoiber, die erste Diskussion wurde von RTL und Sat1, die zweite von ARD und ZDF übertragen. Die Mehrzahl der Zuschauer war allerdings der Meinung, dass keine neuen politischen Informationen eingebracht wurden:
„Für den gut informierten politischen Beobachter brachte das erste ‚Duell‘ nur wenig neue Argumente. […] Inhaltlich gab es auch im 9 zweiten ‚Duell‘ wenig Neues zu erfahren.“ Die politischen Diskussionen aus dem Jahr 2002 werden in Kapitel 3 „Beispiel: TV-Duelle im Bundestagswahlkampf 2002“ genauer erläutert.
2005 diskutierten Schröder und Merkel. Es gab allerdings nur ein Duell, da Merkel keine Zeit für ein zweites hatte. Das Duell dauerte eineinhalb Stunden und wurde von ARD, ZDF, Sat1, RTL und einigen Radiosendern übertragen. Als Ersatz für das zweite Duell fand kurze Zeit später ein Gespräch mit Joschka Fischer (Grüne), Guido Westerwelle (FDP) und Oskar Lafontaine (WASG) statt. Dieses Streitgespräch wurde vom ZDF ausgestrahlt.
2.3 Personalisierung
Ein Faktor der Medienwirkung und -entwicklung, der an den TV-Duellen gut zu erkennen ist, ist die Personalisierung, „die Zuspitzung von Wahlkämpfen auf das politische
9 Schicha, 2002, Seite 12-13 ‐ 7 ‐
Arbeit zitieren:
Pola Sarah, 2009, TV-Duelle - Entertainment statt Inhalte?, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation: neuer Titel erschienen: TV-Duelle - Entertainment statt Inhalte?
Pola Sarah hat einen neuen Text hochgeladen
Beurteilung politischer Kandidaten in TV-Duellen
Effekte rezeptionsbegleitender...
Barbara Wolf
0 Kommentare