Inhaltsangabe
Einleitung
1. Das Phänomen Kindertraum
1.1. Was macht Kinderträume so besonders?
1.2. Zentrale Themen und Bilder im Traum eines Kindes
1.3. Wie gehe ich mit den Träumen eines Kindes um?
2. Traumbilder im Vorschulalter
2.1. Sich lösen oder gebunden sein?
2.2. Individuelle Konflikte: Probleme der Eltern im Traum, Geschwisterrivalität
2.3. Die Rolle des Sexuellen
3. Traumbilder der Vorpubertät und Pubertät
3.1. Der Kampf um Individuation
3.2. Ängste und Wünsche
3.3. Soziale Themen und der Einbruch der Sexualität
Abschlie ßende Gedanken zum Umgang mit dem Phänomen Kindertraum
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Einleitung
Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Träumen von Kindern: Wovon träumen Kinder und in welchem Bezug steht dies zu ihrer Entwicklung? In viel stärkerem Ausmaß als bei einem Erwachsenen spielt das jeweilige Entwicklungsstadium eines Kindes eine große Rolle in den nächtlichen Träumen. Jede Entwicklungsphase beinhaltet andere Themen, die nur bestimmten Entwicklungsphasen entsprechen und zu manchen Zeiten besonders intensiv vorkommen. Dies soll, im Bezug zur jeweiligen Entwicklungsphase, oder auch zum Alter des Kindes, erläutert werden. Mit dieser Arbeit soll versucht werden, die Annahme, die Träume eines Kindes haben keinerlei Bedeutung für seine Entwicklung, zu revidieren. Träume stellen seit jeher eine Faszination dar, weil sie die Frage nach dem Sinn eines Traumes aufwerfen und, spätestens seit der Traumdeutung des Psychoanalytikers Sigmund Freud, die Tatsache bekannt ist, dass Träume einen direkten und unmittelbaren Bezug zum psychischen Leben eines Menschen haben, ja, dessen unbewusste psychische Vorgänge widerspiegeln. Sigmund Freud entdeckte bei seiner Beschäftigung mit Träumen, dass Träume gedeutet werden können und alles andere als sinnlos sind. Er unterschied dabei verschiedene Mechanismen bei der Traumarbeit wie den Tagesrest, der im Traum Vorgänge des Tages wiederholt oder zu Ende führt, weiterführt, sowie die Verdichtung, die Verschiebung, die bestimmte psychische Vorgänge zu einem Bild verdichten, das im Traum vorkommt, oder sie verfälschen, um die psychische Stabilität eines Menschen sozusagen nicht zu gefährden. Solche Bilder, oder wichtige psychische Prozesse, werden, wenn sie vielleicht verdrängt worden sind, dann „verfälscht“, aber es gibt sie dennoch. Freud bezeichnete den Traum als Hüter des Schlafes, da die Psyche so, im Ruhezustand, Dinge verarbeiten kann, ohne dass sie den Menschen zu sehr beschäftigen oder stören müssten. Der Traum verarbeitet, was bisher, im Wachleben, nicht verarbeitet werden konnte. Freud stellte außerdem fest, dass sich bei psychisch kranken Menschen immer wieder der gleiche Traum oder ein gleiches Traumbild wiederholen kann, da ihre Psyche nicht stabil genug ist, um im Traum nicht bewältigte Themen oder Konflikte aufzuarbeiten. Außerdem schloss er daraus, und dies ist die Hauptaussage seiner Traumdeutung, dass Träume uns meistens zu nicht bewältigten traumatischen Erlebnissen aus unserer Kindheit zurückführen, die bis ins Erwachsenenalter darauf drängen, bewältigt, beziehungsweise psychisch verarbeitet werden zu können. „ Es scheint mit großer Wahrscheinlichkeit so zu sein, dass bewusst nicht erinnerbare, ursprünglich aber traumatische und konfliktive Erfahrungen immer wieder erneut in Träumen reproduziert werden.“ ( Mertens, W. , 2000, S. 47) Freud hatte allerdings kein festgelegtes Interpretationsmuster, nach dem er Träume deutete, er lernte nur mit der Zeit, dass bestimmte Aspekte eines
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Traumes mehr Wichtigkeit haben als andere, dass sich bestimmte Dinge auffallend häufig wiederholen, und arbeitete ein Leben lang an der Bedeutung von Träumen. Einerseits ist viel von der Traumforschung Sigmund Freuds in die heutige Sicht von Träumen eingeflossen, andererseits werden Freuds Ansätze vor allem von den Neurowissenschaftlern heute als widerlegt angesehen.
Zu einem späteren Zeitpunkt erweiterte der Psychoanalytiker Carl Gustav Jung die von Freud entwickelten Theorien um einige weitere Aspekte und wird in gewissen Aspekten als Gegenpol zu Freuds Theorien der Traumdeutung gesehen. Jung sah im Traum vor allem eine Botschaft, die im Wachleben umgesetzt oder verwirklicht werden sollte. Er glaubte der Traum sei einfach zu entschlüsseln und stelle in metaphorischer Form den Zustand unseres Selbst dar. Einen wichtigen Teil der Jungschen Traumdeutung stellen außerdem die von ihm so benannten Archetypen dar. Archetypen sind nach Jung Vor- und Leitbilder der Menschheit, die über viele Generationen hinweg bestehen und somit auch im Traumleben vorkommen. Demnach gibt es ein kollektives Unbewusstes, das diese Leitbilder enthält. Im Laufe der Jahre hat man sich, von psychoanalytischer sowie auch neurowissenschaftlicher Seite, intensiv mit Träumen auseinandergesetzt. In so genannten Schlaflaboren wurden die nächtlichen Träume und Vorgänge des Körpers während des Träumens untersucht. Dabei fand man heraus, dass es während des Schlafs eine Rapid-Eye-Movement-Phase (REM-Phase) gibt, die meistens gegen Morgen stattfindet. An Träume aus dieser Phase des Schlafes können sich Menschen stärker erinnern, und während der REM- Phase träumt jeder Mensch ununterbrochen und intensiv. In der so genannten Non- REM- Phase träumt der Mensch zwar auch, er kann sich aber kaum oder gar nicht an diese Träume erinnern, die auch anderer Art als die der REM- Phasen sind. Die Träume der REM- Phasen sind also die, mit denen wir uns beschäftigen wollen.
Mit den Träumen von Kindern hat man sich weniger auseinandergesetzt als mit Erwachsenenträumen, und diese Arbeit soll nun zusammenfassen, was über Kinderträume gesagt werden kann. Die frühesten Traumberichte von Kindern stammen aus dem zweiten Lebensjahr, da der mangelnde Spracherwerb des Kindes die Kenntnisse über frühere Träume verhindert. Aber von diesem Zeitpunkt an träumen Kinder intensiv. Womit sich diese Träume beschäftigen soll nun erklärt werden.
Als Literaturquellen zu dieser Arbeit wurde in erster Linie das Buch „Kinderträume verstehen“ von Hans Heinz Hopf verwendet, sowie das Buch „Traum und Traumdeutung“ von Wolfgang Mertens, das einen generellen Überblick über Träume und deren Bedeutung verschafft. Hinzugezogen wurde das außerdem „Reifungskrisen des Kindes in Traumanalyse
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und Märchenwelt“ von Franz Grempel. Die ausführlichste Quelle stellt das Buch des Kinderpsychotherapeuten Hans Hopf dar, da er sich ausführlich mit den Träumen von Kindern auseinandergesetzt hat, und das Buch viele Aspekte der Kindertraumdeutung miteinander vereint, während andere Bücher ausschließlich einen Aspekt der Traumdeutung behandeln, wie zum Beispiel das Buch von Franz Grempel fast ausschließlich den Jungschen Aspekt der Traumanalyse behandelt. In dieser Arbeit soll folgendermaßen vorgegangen werden:
1. Das Phänomen Kindertraum
1.1. Was macht Kinderträume so besonders?
Wer einmal miterlebt hat, wie ein Kind seinen Traum erzählt, wird schon den Unterschied zum Erleben eines Erwachsenen feststellen, wenn er geträumt hat. Kinder sind überwältigt von einem Traum, sie wachen nachts schreiend auf, erkennen ihre Umgebung nicht direkt wieder, können also nur sehr schwer den Traum von der Realität unterscheiden. Für den Zuhörer erscheint der Traum eines Kindes oft bei genauem Hinsehen intensiver, ausdrucksstarker als der eines Erwachsenen. „Seine wichtigste Funktion kann jedoch bei Kindern sein: Sie teilen ihren Eltern etwas mit, was sie mit anderen Mitteln nicht können.“ ( Hopf, H., 1992, S.26) Der Traum steht also im direkten Bezug zur Lebensgeschichte und dem Gefühlsleben des Kindes. Er enthält wichtige Botschaften, die das Kind nicht selber deuten kann, darum benötigt es zur Verarbeitung eines Traums häufig Hilfe von außen. Eltern können ihr Kind aber auch dazu animieren, Gedanken und Gefühle, die der Traum hervorruft, zu äußern, in Worte zu fassen. Dies kann als psychische Entlastung dienen. Wichtig ist, dass der Traum eines Kindes ernst genommen wird und dass das Kind spüren kann, dass es mit seinem Traum ernst genommen wird.
Die meisten Kinderträume sind Angstträume, das heißt sie gehen mit einem intensiven Angsterleben einher. Oft können die Inhalte des Traums wilde Tiere oder gewaltige Monster sein, aber sie können auch gerade mit ihrem scheinbar harmlosen, simplen Inhalt Angst machen. Vor allem das Unbekannte, und dadurch Bedrohliche, wirkt intensiv auf ein Kind und macht ihm Angst. Die Zeit nach dem Erwachen aus einem Traum bedeutet für das Kind neue Orientierung, die sich wesentlich schwieriger gestaltet als bei einem erwachsenen Menschen. Hilfreich kann in dieser Situation die Anwesenheit der Eltern sein. Sie können
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beruhigend mit dem Kind sprechen, und zur Orientierung zum Beispiel ein Licht am Kinderbett anschalten, damit es seine vertraute Umgebung erkennt.
Die Figuren eines Traums sind symbolhaft und meistens nicht real, aber ein Erwachsener, der dem Kind vertraut ist, kann die Träume vor dem Hintergrund der Lebensgeschichte des Kindes sehen. Vielleicht steht auch ein reales Ereignis hinter der Symbolik eines Traums, das der Erwachsene wieder erkennt. „Das bedeutet, dass alle Träume gleichzeitig Abbilder der Innenwelt und der Außenwelt sind.“ (Grempel, F., 1975, S.14) Ein Traumbild spiegelt einen oder mehrere Konflikte wieder, die das Kind in sich austrägt, und diese Konflikte gilt es zu erkennen. So kann der Traum unmittelbar Bezug zum Wachleben haben und einen Konflikt lösen, der ohne ihn nicht hätte gelöst werden können. Individuelle Konflikte eines Kindes können sich neben typischen, für ein gewisses Alter angemessenen Entwicklungsschritten im Traum äußern. Das Heranwachsen des Kindes ist eine äußerst spannende Entwicklung, und in einem relativ kurzen Zeitraum folgt ein bedeutsamer Entwicklungsschritt dem nächsten. So scheint es vollkommen nachvollziehbar, dass sich jeder innere Entwicklungsschritt im nächtlichen Traum widerspiegelt. So hilft der Traum dem Kind bei der Verarbeitung und Bewältigung jedes Schrittes in seiner Entwicklung. „ Der Traum steht also im Dienst der geistig- seelischen Entwicklung des Menschen, wie übrigens die Mythen und Märchen auch.“ ( Grempel, F., 1975, S.12)
1.2. Zentrale Themen und Bilder im Traum eines Kindes
Verschiedene Traumtypen lassen sich unter den Kinderträumen unterscheiden: Die bereits erwähnten Träume von Tieren kommen bei Kindern besonders häufig vor. „ Im überwiegenden Teil von Träumen kleiner Kinder tummeln sich Tiere aller Gattungen.“ (Hopf, H. 1992, S.145)
Vor allem bei kleinen Kindern spielen die Tiere eine bedeutende Rolle im Traum. „ Mit zunehmendem Alter nehmen die Tierträume signifikant ab.“ ( Hopf, H., 1992, S.145) Was haben diese Träume zu bedeuten? Auffällig ist, dass es fast immer wilde und besonders gefährliche Tiere sind, die in den Träumen der Kinder vorkommen. Man kann also feststellen, dass das Kind irgendetwas als Bedrohlich erlebt und das Tier im Traum diese Symbolfunktion übernimmt. Das Kind projiziert vielleicht einen Teil seiner selbst auf das Tier, den es als befremdlich und angstvoll erlebt. Bestimmte Umstände im Leben des Kindes können bewirkt haben, dass es einen Teil seiner selbst, den aggressiven, widerspenstigen Teil, nicht ausleben kann und das Kind selbst ihn nicht integrieren kann. Kindern können bestimmte Rollen
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Arbeit zitieren:
Lavinia Korte, 2003, Kinderträume - Phänomene des Kinderlebens, München, GRIN Verlag GmbH
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