1. Erkennen von Hochbegabung
1.1 Erste Anzeichen in Elternhaus und Schule
1.1.1. Charakteristika des Denkens und Lernens
Hochbegabte zeigen oft in einzelnen Bereichen sehr großes Detailwissen. Schon im Kindergarten sind sie oft Spezialisten für bestimmte Wissensgebiete. Der Wortschatz ist sowohl im Umfang als auch in der Qualität ungewöhnlich für ihr Alter. Viele Hochbegabte lernen nicht Stück für Stück, sondern das komplizierte Ganze. Doch Lehrer wissen nicht immer, dass einige ihrer Schüler bereits weit fortgeschritten sind, weil manche Kinder ihr Wissen verbergen.
1.1.2. Charakteristika der Arbeitshaltung und der Interessen
Ein großer Druck, der auf vielen hochbegabten Schülern lastet, ist die Meinung, dass sie, da ihnen große Fähigkeiten gegeben wurden, auch verpflichtet seien, bis zu ihrer Überforderung zu helfen und zu arbeiten. Oft haben sie das Gefühl, dass ihre Fähigkeiten ihren Eltern, Lehrern oder der Gesellschaft gehörten. Sie gehen in bestimmten Problemen auf und wollen sich mit diesem einem bestimmten Gebiet umfassend beschäftigen, was auf andere wie Besessenheit wirken kann. Oft ist Langeweile der Grund für schlampige Schulübungen. Da aber hochbegabte Kinder ihren eigenen Leistungen gegenüber meist sehr selbstkritisch sind, sind Aggressionen dann Konsequenz ihrer Unzufriedenheit. Umgekehrt brauchen sie bei ihren Arbeiten aber wenig Anleitung und wenig Hilfe und schon früh zeigen sie Interesse für Themen aus der Welt der Erwachsenen wie Religion, Gerechtigkeit, Philosophie, Politik, Umweltfragen oder Sexualität.
1.1.3. Merkmale des sozialen Verhaltens
Hochbegabte Kinder setzen sich viel mit Begriffen wie Recht und Unrecht, gut und böse auseinander. Sie übernehmen gerne Verantwortung, sind bereit sich auch gegen Autoritäten zu engagieren und haben oft einen sehr tiefsinnigen Humor, der von vielen Altersgenossen noch nicht verstanden wird.
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1.1.4 Fünf Gruppen von Talenten
Jürgen vom Scheidt unterscheidet zwischen fünf Gruppen von Hochbegabten und wählt als wichtigstes Merkmal für die Differenzierung den Erfolg. 1 Die erste Gruppe, die ein Drittel der Hochbegabten ausmacht, verwirklichen ihre Begabung erfolgreich, werden Manager, Leistungssportler, Bestseller-Autor oder Ähnliches. Die zweite Gruppe, ein weiteres Drittel, bezeichnet er als Latente, die ihre Begabung zwar nutzen, aber nicht voll entwickeln können aufgrund schwieriger Umstände. Das letzte Drittel sind die Underachiever, die ihre Talente aus welchen Gründen auch immer nicht nutzen wollen und jede Leistung, die über das Minimum des Notwendigen hinausgeht, verweigern. Diesen drei Hauptgruppen werden noch zwei kleiner hinzugefügt: die Gruppe der gefährlich Entgleisten (die erfolgreich sind, aber auf kriminelle oder soziopathische Weise) und jene, der Extraordinären (der Höchstbegabten).
1.2. Diagnoseverfahren 2
1.2.1 Objektive Verfahren
Objektive Verfahren bestehen aus testähnlichen Situationen, wobei die Bedingugen für alle Teilnehmer gleich sind. Zu ihnen zählen Intelligenztests, Leistungstests, Kreativitätstests und andere Wettbewerbe. Die Ergebnisse stellen die Leistung der Testperson zum jeweiligen Zeitpunkt dar, sagen jedoch nichts über das Zustandekommen dieser aus. Die Aufgaben müssen den drei Kriterien, Objektivität, Reliabilität und Validität erfüllen. Zur Messung von Intelligenz verwendet man Test, welche eine Anzahl verschiedenster Aufgaben beinhalten. Das Lösen, bzw. das Nicht-Lösen dieser gibt Auskunft über die Fähigkeiten der getesteten Person im Vergleich mit Gleichaltrigen. 3
1.2.2 Subjektive Verfahren
Subjektive Verfahren sind natürlich weniger zuverlässig, da sie sich auf die persönliche Beurteilung beziehen. Schulnoten, Lehrerurteile, Elternurteile, Selbstnominierungen oder Nominationen durch Peers können dazu gezählt werden. Es ist klar, dass Schüler die besten Noten in den Fächern erzielen, in denen die intellektuelle Leistungsfähigkeit am höchsten ist, das sagt jedoch nichts darüber aus, mit welchem Aufwand sie erzielt worden sind.
1 Vgl. Jürgen vom Scheidt: Das Drama der Hochbegabten, S. 18.
2 Vgl. Birgit Draxler: Hochbegabtenförderung, S. 34-47.
3 Vgl. Andrea Richter: Hochbegabung, S. 37.
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Arbeit zitieren:
MMag. phil. MMag. theol Renate Enderlin, 2004, Erkennen und Entwicklung von Hochbegabung , München, GRIN Verlag GmbH
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