Vorwort
Schon oft habe ich mir Gedanken darüber gemacht, ob es richtig sei ein Kind zu taufen.
Natürlich ist mir bewusst, dass ein Mensch durch seine Taufe in den großen Bund der Gottesgemeinschaft aufgenommen wird, doch sollte man dies nicht jeden Menschen selber entscheiden lassen? Kann ein Kind schon begreifen, was eine Taufe bedeutet? Ist eine Erwachsenentaufe für den Gläubigen angebrachter um dieses Ereignis zu begreifen?
Um mich mit diesem Thema ausführlich beschäftigen zu können, habe ich das Thema gewählt: Zwinglis Begründung der Kindertaufe in seiner Schrift ‚Vom Tauf, vom Wiedertauf und vom Kindertauf‘ von 1525. Spannend für mich ist es, zu erfahren, wie andere Menschen über dieses Thema denken und was sie durch dieses Denken verändern konnten bzw. können.
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1. Einleitung
Die Kindertaufe ist auch heute noch ein sehr umstrittenes Thema und spielt nicht nur in christlichen Kreisen eine wichtige Rolle. So kann man beobachten, dass sogar kirchenferne Eltern ihre Kinder taufen lassen. Sie wollen das Beste für ihre Kinder und glauben, dass die Taufe ein wichtiger Bestandteil dafür sei.
Doch gibt es auch einen anderen Gesichtspunkt zur Kindertaufe. Viele Menschen treten wegen der Wiedertaufe aus der Kirche aus. Somit verliert die Kindertaufe an Bedeutung, sie wird nicht mehr anerkannt und immer mehr kritisiert.
Der Streit um die Kindertaufe ist nicht nur heutzutage aktuell, sondern schon seit 1525. Während der Zürcher Reformation kam es zu einem Zwiespalt zwischen Huldrych Zwingli und den Wiedertäufern und Taufleugnern bzw. Taufgegnern.
Zwingli begründet in seiner Schrift: ‚Vom Tauf, vom Wiedertauf und vom Kindertauf‘ seine Überzeugung von der Kindertaufe sehr genau und kritisiert seine Gegner. Diese Schrift, und besonders seine Begründung der Kindertaufe, wird Thema dieser Proseminararbeit sein.
2. Historische Hintergründe der Schrift
Seit 1524 kam es zu einer Spaltung in Zürich. Konrad Grebel, zum Beispiel, ging der Umbruch durch die Reformation zu langsam und zu zögernd voran. Dieser schloss sich mit anderen zusammen und so kam es schließlich zu der Bewegung der Täufer, auch Täuferbewegung genannt. 1 Diese Radikalen sind zwar aus dem Kreis Zwinglis entstanden, doch kam es schon nach kurzer Zeit zu Unstimmigkeiten. „Der Konflikt zwischen Zwingli und diesen Radikalen betraf soziale Fragen wie den Zehnten, die Zinsen, den Eid und die Rolle der Regierung sowie religiöse Fragen wie die Heiligenbilder und die Taufe.“ 2
1 Vgl. U. Zwingli, Von der Taufe, über das Abendmahl, Rechenschaft des
Glaubens, Erklärung des christlichen Glaubens, Zwingli-Verlag, Zürich 1948, S. 3.
2 P. Stephens, Zwingli-Einführung in sein Denken, Theologischer Verlag Zürich, Zürich
1997, S. 108.
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Konrad Grebel führte vom 18. bis 20. Januar 1525 die erste Erwachsenentaufe durch. Dieser taufte Blaurock, und jener dann weitere. Grebel sagte: „Die Kindertaufe widerspreche der Heiligen Schrift, diese kenne nur die Taufe der Erwachsenen.“ 3 Diese Aussage steht der Überzeugung von Zwingli und der Volkskirche entgegen. Da Konrad Grebel und seine Anhänger immer mehr Menschen in ihren Bann zogen, „griff der Zürcher möglichst rasch zur Feder“. 4 Zwingli verfasste bis zum 27. Mai 1525 ein Taufbüchlein mit dem Titel ‚von dem Touff, vom Widertouff und vom Kindertouff‘. Bei dieser uns vorliegenden Quelle handelt es sich um einen Text in schweizer-deutscher Sprache. Es handelt sich um einen vollständig erhaltenen Text in Form von einer umfangreichen Schrift ‚Vom Tauf, vom Wiedertauf und vom Kindertauf‘, welche er am 27.Mai 1525 in Zürich veröffentlichte. 5 Diese Schrift ist in den Hauptschriften Zwinglis niedergeschrieben und gehört mit zum Corpus Reformatorum.Desweiteren ist die Quelle von Fritz Blanke, Rudolf Pfister und Oskar Farner überarbeitet. Die Schrift ist eine Antwort oder Reaktion auf die sich ausbreitende Täuferbewegung der Wiedertäufer in und um Zürich.Huldrych Zwingli verfasst dieses Schriftstück um seine Meinung zu der Kindertaufe bekannt zu geben und zu argumentieren.
Zwingli schaffte es nicht mit seiner Schrift, die gläubigen Menschen des Täufertums zu stoppen.
2.1 Zwingli und die Taufgegner
Trotz vielen Unstimmigkeiten zwischen Zwingli und den Radikalen gab es auch Übereinstimmungen - zum Beispiel im Sommer 1523, als die Radikalen Bilder und ein Kruzifix innerhalb und außerhalb der Stadt
3 U. Zwingli, Von der Taufe, über das Abendmahl, Rechenschaft des
Glaubens, Erklärung des christlichen Glaubens, Zwingli-Verlag, Zürich 1948, S. 3.
4 U. Zwingli, Von der Taufe, über das Abendmahl, Rechenschaft des
Glaubens, Erklärung des christlichen Glaubens, Zwingli-Verlag, Zürich 1948, S. 3.
5 U. Zwingli, bearbeitet von F. Blanke, R. Pfister, O. Farner, Kommentar Huldrych Zwingli
über die falsche und wahre Religion, Zwingli-Verlag, Zürich 1963, S. 12.
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zertrümmerten. Zwingli stimmte diesem Widerstand zwar zu, aber beteiligte sich nicht daran.
Neben solchen Differenzen der Vorgehensweise unterscheidet sich Zwingli auch inhaltlich von den Radikalen. 1524 und 1525 kam der Konflikt im Zusammenhang der Tauffrage zum Höhepunkt. 6 Besonders im Januar 1525. Im Gegensatz zu Zwingli lehnten die Radikalen die Kindertaufe ab und befürworteten die Glaubenstaufe. Die Radikalen begannen sogar Menschen nochmals zu taufen, welche als Kinder schon einmal getauft wurden, die sogenannte Erwachsenentaufe. Diese wurde als Zeichen der Umkehr vollzogen.
Zwingli legte in seinen Schriften über die Taufe besonderen Wert darauf, dass diese zwar den Glauben intensivieren könne, doch müssen Kinder, welche getauft werden, dem Glauben vorher nicht unterwiesen worden sein. Denn Zwingli setzte die Taufe in eine Verhältnis mit der im Alten Testament erwähnten Beschneidung, die am achten Tag nach der Geburt vollzogen wurde. Durch eine Taufe wird angezeigt, dass der Täufling zu Gott gehört und sein Leben dementsprechend ausrichtet. Somit steht, nach Zwingli, die Taufe am Anfang eines Weges für Gott. Im Gegensatz zu Zwingli sehen die Täufer die Taufe als eine Änderung des Lebens. Getaufte haben die Verpflichtung zu einer neuen Existenz in der christlichen Gemeinschaft. 7
2.2 Zwingli und der Rat
Wegen der Zuspitzung des Konfliktes zwischen Zwingli und den Radikalen, bot der Rat am 17. Januar 1525 eine Disputation an. Dort mussten die Gegner der Kindertaufe in einer öffentlichen Debatte ihren Standpunkt verteidigen.
Obwohl der Verhandlungsverlauf nicht protokolliert wurde, konnte man vier Thesen der Täufer rekonstruieren: 1. Ein Kind versteht nichts von der Taufe; 2. Die Taufe ist eine Verpflichtung; 3. Die Apostel haben keine
6 Vgl. P. Stephens, Zwingli-Einführung in sein Denken, Theologischer Verlag Zürich,
Zürich 1997, S. 108f.
7 U. Gäbler, Huldrych Zwingli: eine Einführung in sein Leben und sein Werk,
Evangelische Verlagsanstalt, Berlin 1985, S. 116.
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Arbeit zitieren:
Stefanie Meinhardt, 2010, Zwinglis Begründung der Kindertaufe in seiner Schrift „Vom Tauf, vom Wiedertauf und vom Kindertauf“ von 1525, München, GRIN Verlag GmbH
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