• Glück als Tätigkeit
Für Aristoteles ist das Glück eine Tätigkeit, die ein Leben lang mit Vernunft von einem Menschen, dem diese Tätigkeit am besten liegt, ausgeübt werden musst: „[…], dann erweist sich das Gut für den Menschen als Tätigkeit der Seele im Sinn der Gutheit, […] welche die beste und am meisten ein abschließendes Ziel ist. Hinzufügen müssen wir: ‚in einem ganzen Leben‘.“ 3 .
• Voraussetzungen
Aristoteles setzt aber voraus, dass jeder Mensch eine Funktion hat. Damit meint er, dass jedem Menschen eine bestimmte Tätigkeit besonders gut liegt. Nur, wenn der Mensch eben diese Tätigkeit ausübt und sich seinen Möglichkeiten entsprechend voll entfaltet, kann er glücklich werden 4 .
Das Glück ist laut Aristoteles eine betrachtende Tätigkeit, da nur diese um ihrer selbst Willen ausgeübt wird. Sie ist unabhängig von der Umwelt und den Mitmenschen des Menschen 5 . Die Betrachtung ist außerdem die kontinuierlichste aller Tätigkeiten: „[…], da wir eher kontinuierlich betrachten können als irgendeine andere Handlung zu verrichten.“ 6 . Er meint damit, dass der Mensch immer denken kann, ohne dabei von anderen Menschen oder Mitteln abhängig zu sein. Außerdem geht Aristoteles davon aus, dass nur das Denken eine Tätigkeit ist, die man ein ganzes Leben lang ausführen kann.
Hinzu kommt für Aristoteles, dass intuitives Denken göttlich ist. Da die Götter die glücklichsten Geschöpfe sind, wird auch der Mensch durch intuitives Denken göttlich
3 Aristoteles, Nikomachische Ethik, übersetzt und herausgegeben von Ursula Wolf, Rowohlts Enzyklopädie im Rowohlt Taschenbuch, Seite 57, Buch 1, 6. 3
4 Aristoteles, Nikomachische Ethik, übersetzt und herausgegeben von Ursula Wolf, Rowohlts Enzyklopädie im Rowohlt Taschenbuch, Seite 56, Buch 1, 6.3
5 Aristoteles, Nikomachische Ethik, übersetzt und herausgegeben von Ursula Wolf, Rowohlts Enzyklopädie im Rowohlt Taschenbuch, Seite 329, Buch 10, 7.2 (d)
6 Aristoteles, Nikomachische Ethik, übersetzt und herausgegeben von Ursula Wolf, Rowohlts Enzyklopädie im Rowohlt Taschenbuch, Seite 328, Buch 10, 7. 2 (b)
und somit glücklich: „Daher wird die Tätigkeit des Gottes […] eine betrachtende sein. Auch unter den menschlichen Tätigkeiten also wird diejenige, die dieser am nächsten verwandt ist, das größte Glück mit sich bringen.“ 7 .
Epikurs Glücks-Konzeption:
• Definition
Epikur definiert Glück in seinem „Menoikeus-Brief“ als körperliche Gesundheit und seelische Ruhe 8 . Wir richten unser gesamtes Leben danach aus, weder diese körperlichen noch seelische Schmerzen zu haben 9 .
• Voraussetzungen
Auf dem Weg zum Glück hilft das Philosophieren. Epikur bringt an, dass das Philosophieren die Alten jung halte und die Jungen reifen ließe: „Also soll man sich um das Mittel zur Eudämonie bemühen.“ 10 . Eudämonie meint hier Glückseligkeit. Ein weiteres Mittel, um Glück zu erlangen, ist, klug zu sein. Epikur argumentiert, dass aus der Klugheit alle anderen Tugenden entspringen: „Sie lehrt nämlich, dass man nicht lustvoll leben kann, ohne klug, gut und gerecht zu leben, und nicht klug, gut und gerecht, ohne auch lustvoll.“ 11 .
Als weitere wichtige Voraussetzung, um Glück erreichen zu können, führt Epikur die Autarkie an. Er argumentiert, dass man, wenn man nur wenig hat, auch mit wenig
7 Aristoteles, Nikomachische Ethik, übersetzt und herausgegeben von Ursula Wolf, Rowohlts Enzyklopädie im Rowohlt Taschenbuch, Seite 333, Buch 10, 8.2 (a)
8 überliefert in: Diogenes Laertios Leben und Lehre der Philosophen X 122- 135, Übers. Jürß, Seite 500, 128
9 überliefert in: Diogenes Laertios Leben und Lehre der Philosophen X 122- 135, Übers. Jürß, Seite 500, 128
10 überliefert in: Diogenes Laertios Leben und Lehre der Philosophen X 122- 135, Übers. Jürß, Seite 498, 122
11 überliefert in: Diogenes Laertios Leben und Lehre der Philosophen X 122- 135, Übers. Jürß, Seite 502, 132
Arbeit zitieren:
Pola Sarah, 2009, Konzeptionen von Glück – Aristoteles und Epikur, München, GRIN Verlag GmbH
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