Inhaltsverzeichnis
Einleitung 02
Foucaults „Heterotopien“ 03
Die europäische Emanzipation und ihre „Heterotopie“ 04
„Heterotopien“, Macht und symbolische Geschlechterordnungen 06
Vom kleinen zum großen Unterschied- Frauen in der Geschichte und Religion
Die Stellung der muslimischen Frau in der Geschichte 10
Die religiöse Stellung der muslimischen Frau 14
Die weibliche Verschleierung heute 16
Die Stellung der europäischen Frau in der Geschichte 17
Schlusswort 18
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Einleitung
Jeden Tag begegnen wir dem „Anderen“ dem „Fremden“ in Medien und im Umfeld. Anstatt das uns Unbekannte zu akzeptieren, analysieren wir es und stellen es in Frage oder sehen darin sogar eine Gefahr für uns. Warum wir mit solch einer Emotionalität reagieren möchte ich mit dieser Arbeit beschreiben, um die Mechanismen greifbarer zu machen. „Orient und Okzident gemeinsam ist die Tatsache, dass sie ihre ungelösten Probleme an den weiblichen Körper verweisen: Die Erregungen um das Kopftuch erzählen von der symbolischen Kastration, die der männliche Körper durch die Gleichsetzung von Männlichkeit mit der abstrakten
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Foucaults „Heterotopien“
Er unterteilt sie in zwei Typen: Die Utopie und die Heterotopie. Utopien sind Platzierungen ohne reellen Ort, er beschreibt sie als „Perfektionierung der Gesellschaft“ (Foucault 2005, S.36). Heterotopien hingegen sind reelle Orte und realisierte Utopien, die tatsächlich geortet werden können. Diese zwei Typen können auch eine Mischform bilden (z.B. der Spiegel). Im Folgenden kommen sechs Grundsätze zu Heterotopien: „Es gibt wahrscheinlich keine einzige Kultur auf der Welt, die nicht Heterotopie etabliert“(ebda 2005, S. 37). Er bezieht sich auf Urgesellschaften, welche „Krisenheterotopien“ besitzen. „Krisenheterotopien“ sind privilegierte, geheiligte und verbotene Orte für Menschen im Krisenzustand (menstruierende Frauen, Alte etc.), die keine geographische Fixierung besitzen. Sie werden heute durch „Abweichungsheterotopien“ abgelöst, wohin Individuen mit Abweichungen der Norm gesteckt werden (Gefängnis, Klinik etc.).(vgl. ebda 2005 S. 37). Als nächstes kommt hinzu, „[...] dass eine Gesellschaft im Laufe ihrer Geschichte eine immer noch existierende Heterotopie anders funktionieren lassen kann“(ebda 2005, S. 38). Früher war der Friedhof mitten im Zentrum des Ortes integriert, heute wird er ausgelagert, da Tod mit Krankheit verbunden wird und seit den Zeiten des Atheismus und der Individualisierung, jeder einen Platz auf dem Friedhof erhalten kann. „Die Heterotopie vermag an einem einzigen Ort mehrere Räume, mehrere Platzierungen zusammen fügen, die an sich unvereinbar sind“ (ebda 2005, S.38). Beispiele sind das Theater, das Kino und der Garten. Er findet seinen Ursprung im Orient. Der Garten wurde in vier Teile geteilt, welcher jeweils einen Teil der Welt repräsentiert. In der Mitte befindet sich meist ein Brunnen als „Nabel der Welt“. Diese Anordnung des Gartens findet man auch in Orientteppichen wieder. „Die Heterotopien sind häufig an Zeitschnitte gebunden“ (ebda 2005, S.38). Dabei unterscheidet er zwischen ewigen Heterotopien wie z.B. Museen und Bibliotheken, die Zeit und Form von Kunst oder Wissen zusammenfassen und temporären Heterotopien, wie z.B. Feste oder Feriendörfer. „Die Heterotopien setzen immer ein System von Öffnung und Schließung voraus.“(ebda 2005, S. 39). Sie sind nicht für alle einfach zugänglich, bzw. setzen sie eine gewisse Erlaubnis des Betretens voraus, oft in Form eines Vollzugs gewisser Gesten. Jeder kann sie betreten, er wird jedoch dadurch ausgeschlossen (Illusion). Eine Heterotopie hat immer die Funktion, zwischen zwei extremen Polen zu liegen.
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Als Beispiel nennt er hierfür einerseits den Illusionenraum, zu dem das Bordell gehört und die Kompensationsheterotopie, zu der Kolonien zählen. Der Grund, warum es Heterotopien gibt lässt sich mit dem Begriff des Dualismus beschreiben. Jeder Gesellschaft hat bestimmte Werte verinnerlicht, die eine Wertung voraussetzen. Für diese Normen muss es immer ein Negativ geben, dass den positiven Wert bejaht. So muss es für die Norm der „Zivilisiertheit“ einer Gesellschaft einen ausgelagerten Gegenpol für „Unzivilisiertheit“ geben, der die Existenz der zivilisierten Gesellschaft bestätigt. Genauso sieht es mit der Sexualität, dem Bildungsstand, der Struktur in einer Gesellschaft aus.
Die europäische Emanzipation und ihre Heterotopie
Um zu verstehen, warum die europäische Frau so stark auf die Rolle der Frau im Orient und der verbunden „Kopftuchdebatte“ reagiert, muss erst mal die westliche Denkweise interpretiert werden. Basis dieser Debatte ist das Verständnis und Verhältnis der Geschlechter in der westlichen Welt. Geschlecht darf nicht eindimensional gedacht werden, sondern im Verhältnis zum jeweiligen anderen. Erst in Reflexion zum anderen Geschlecht tritt Geschlecht erst in Erscheinung, mit dem Leitsatz „Ich und der Andere“ (vgl. Fischer-Lichte 2000, S. 120). Dort beginnt der Moment der Konstruktion, was „weiblich“ und was „männlich“ ist. Dem Mann werden Eigenschaften wie Stärke, Unabhängigkeit und rationales Denken zugeschrieben und der Frau Sanftmut, Emotionalität und Verständnis. Diese Eigenschaften werden in Gestik, Verhalten und Kleidung eingeschrieben. Die Hose ist eines der offensichtlichsten Symbole für Macht und Stärke. Sie wurde früher nur von Männern getragen, heute wird sie von beiden Geschlechtern getragen, als Ausdruck der errungenen Machtstellung der Frau. Dem Gegenüber steht der Rock, der als typisch weibliches Kleidungsstück identifizierbar ist. Da der Trägerin das Spiel mit ihrer Weiblichkeit unterstellt wird, ziehen einige Frauen keine Röcke an. Hinter dem Kleidungsstück „Rock“ steht nicht nur das Weibliche, sondern viele verbinden damit schnell das Machtverhältnis Mann-Frau oder dem Sehen-Gesehenwerden-Prinzip, dass die Trägerin zu dem passiven Wesen werden lässt, dass sie oft nicht sein möchte.
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Es gibt für mich zwei Momente, warum die europäische Frau auf die Kopftuchtragende orientalische Frau emotional reagiert kann. Zum einen verbindet sie mit dem Kopftuch (wie mit dem Rock etc) die Geschichte ihrer eigenen Unterdrückung und macht somit diese zu einer Heterotopie; Zum anderen wird das Prinzip der Okzident-Orient-Konflikts und dessen Machtausübung, das ich im nächsten Kapitel beschreibe wiederholt, das sich am ehesten mit dem Prinzip des hierarchischen Dualismus oder Heterotopie beschreiben lässt, im Sinne des „Wir“ als Ideal und den „anderen“ als Mangelhaft.
Kleidung spielt in unserer Gesellschaft eine tragende Rolle als Zeichen für ihre soziale Rolle und ihre Haltung zu der Kultur, in der sie leben. Mode kann dazu dienen eine bestimmte Gesinnung zum Ausdruck zu bringen. Traditionelle weibliche Kleidung verführt zu kleinen, kontrollierten, aber Aufmerksamkeit erregenden Bewegungen und Gesten. Sie bringt typisch weibliche Geräusche hervor (wie z.B. Stöckelschuhe) und ist meist mit angenehmen Gerüchen verbunden. Weibliche Kleidung ist nie bloß funktional, sie erfordert zierliche Schritte, angemessene Posen und kleine Gesten. Sie erinnert eine Frau stets daran, dass ihr Leben ein eingeschränktes zu sein hat. Wirklich weiblich zu sein bedeutet, die Nachteile dieser Behinderung und Beengung hinzunehmen und sie schließlich zu lieben. (vgl. Schneider 1991, S.59). Durch die Emanzipation in der Modewelt, wurde diese „Beengung“ gebrochen und die Modeschöpfer bringen seit jeher funktionellere Mode als Mischform männlicher und weiblicher Kleidungsstücke. „Mode ist keine
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Arbeit zitieren:
Joana Lissmann, 2008, „Heterotopien“ im Okzident-Orient-Konflikt, München, GRIN Verlag GmbH
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