Es lassen sich fünf Hauptthesen aus dem Text entnehmen, die inhaltlich aufeinander aufbauen: Erstens unterscheidet er zwischen physischem und sozialem Raum; Zweitens wird durch den angeeigneten Raum und seiner Struktur Macht bestätigt; Drittens wird dieser Raum nicht nur von seinen Akteuren konstruiert, sondern auch von den jeweiligen Kapitalen; Viertens bestimmt der Habitus des Akteurs den angeeigneten Raum und umgekehrt und fünftens benötigen exklusive Räume ein spezifisches Kapital. Der physische Raum ist nur ein abstrakter Punkt, der aus einer physischen Geografie besteht. „Der physische Raum (wird) durch die wechselseitige Äußerlichkeit der Teile bestimmt“ (S. 24). Der soziale Raum hingegen entsteht durch die Aneignung der Akteure oder Gruppen in ihr und die Verteilung von Dienstleistungen oder Gütern. Der Akteur wird durch den angeeigneten Raum charakterisiert an dem er sich dauerhaft niederlässt und durch die Lokalisation (Sitzordnung) im Verhältnis zu den Positionen der anderen Akteure. Der Wert eines Ortes ist nicht nur in seiner Physis erkennbar, zudem ist er auch abhängig von den Gütern, die er beinhaltet und dessen Akteuren in ihm (Bsp. Fifth Avenue und Ghetto). Der soziale Raum wird durch diese Akkumulation der homogenen Gruppe (in Form von Vierteln oder Stadtteilen) durch ihre gleichen Besonderheiten auch physisch erkennbar (Bsp. Künstlerviertel, bestimmte Namen von Geschäften etc.) und dessen Machtausübung auf sämtliche Akteure und Beobachter wird naturalisiert, also als natürlich angesehen.
Durch diese Anordnung von eingenommenen Räumen wird Macht bestätigt. Der Raum vollzieht Macht durch ihren Ausschluss (Bsp. Kirche oder Uni), durch ihre innere Struktur, die ebenso im physischen Raum eingelagert ist und wird durch räumliche Gegensätze erkennbar (oben/unten, links/rechts, vorne/hinten). Hier bringt er die Begriffe der symbolischen Macht und symbolischen Gewalt ein. Architektur weist diese Macht auf, da sie stumme Gebote beinhalten, Akteure einlädt oder ausschließt, allein durch ihre Anordnung der Objekte in und um ihr. „Der soziale Raum ist somit zugleich in die Objektivität der räumlichen Strukturen eingeschrieben und in die subjektiven Strukturen, die zum Teil aus der Inkorporation dieser objektivierten Strukturen hervorgehen“ (S. 26) So wird der Raum nicht nur von seinen Akteuren wahrgenommen, sondern gleichzeitig auch durch Wahrnehmungs- und Bewertungskategorien ihrer Außenstehenden, nichtteilnehmenden Akteure.
Die Spezifikation und die Qualität des jeweiligen angeeigneten Raums wird nicht nur von seinen Akteuren konstruiert, sondern zudem vom jeweiligen Kapital in Form von Gütern und Dienstleistungen. An dem Punkt führt er die „doppelte räumliche Verteilung“ ein, da
Arbeit zitieren:
Joana Lissmann, 2009, „Physischer, sozialer und angeeigneter physischer Raum“ von Pierre Bourdieu, München, GRIN Verlag GmbH
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