Foucault bezeichnet unsere Epoche als die des Raumes, welcher als „Netz, das seine Punkte verknüpft und sein Gewirr durchkreuzt“ (S. 34) erklärt werden kann. Die heutige Problematik von Unruhen betrifft mehr den Raum als die Zeit. Dazu fügt er einen historischen Abriss über den Raum ein: Im Mittelalter war der Raum ein „hierachisiertes Ensemble von Orten“ (S.34). Gemeint ist die Dualität wie städtische und ländliche oder geschützte und offene Orte. „Es war diese Hierarchie, diese Entgegensetzung, diese Durchkreuzung von Ortschaften, die konstituierten, was man grob den mittelalterlichen Raum nennen könnte: Ortungsraum“ (S.34). Durch Galilei wurde Raum zu einem Punkt in ihrer Bewegung, wodurch die Ausdehnung die Ortung ersetzte. Heute ist Raum vielmehr eine Lagerung anstatt Ausdehnung und wird anhand der Nachbarschaftsbeziehungen zwischen Punkten oder Elementen definiert in Form von Reihen, Bäumen und Gittern. Daraus ergibt sich eine Problematik: Neben der Speicherung der Infos oder Rechnungsteilresultate in Maschinen sieht er auch ein demographisches Problem. Nicht nur der entstandene Platzmangel durch Überbevölkerung wird immer problematischer, sondern hinzu kommt die Frage wie Menschen zusammen wohnen sollen (Klassen, Zweck etc.). Raum wurde noch nicht komplett entsakralisiert, da er noch in Gegensätze gesehen wird (öffentlich-privat, kulturell-nützlich, Freizeit-Arbeit) und zusätzlich mit Qualitäten aufgeladen ist.
Er unterteilt Räume in zwei Kategorien: den „Raum des Innen“ (S.35) und den „Raum des Außen“ (S.35). Dem „Raum des Innen“ schreibt er die Räume der Träume zu und der Leidenschaften. Der „Raum des Außen“ ist heterogen. „Wir leben innerhalb einer Gemengelage von Beziehungen, die Platzierungen definieren, die nicht aufeinander zurückzuführen und nicht miteinander zu vereinen sind.“ (S.36). Ihn interessieren jene Räume, welche die Eigenschaft haben, sich auf alle anderen Platzierungen zu beziehen. Er unterteilt sie in zwei Typen: Die Utopie und die Heterotopie. Utopien sind Platzierungen ohne reellen Ort, er beschreibt sie als „Perfektionierung der Gesellschaft“ (S.36). Heterotopien hingegen sind reelle Orte und realisierte Utopien, die tatsächlich geortet werden können. Diese zwei Typen können auch eine Mischform bilden (z.B. der Spiegel). Im Folgenden kommen sechs Grundsätze zu Heterotopien: „Es gibt wahrscheinlich keine einzige Kultur auf der Welt, die nicht Heterotopie etabliert“(S. 37). Er bezieht sich auf Urgesellschaften, welche „Krisenheterotopien“ besitzen.
Arbeit zitieren:
Joana Lissmann, 2009, „Andere Räume“ von Michel Foucault, München, GRIN Verlag GmbH
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