Alle drei Metaphern sind raumorientiert, welche im Sinne des Cyberspace nicht zutreffend erscheinen. Schroer betont, dass es zu einem relationalen Raumverständnis gekommen ist. Viel entscheidender ist seines Erachtens jedoch die Frage, ob es sich beim Cyberspace überhaupt um einen Raum handelt. Weitere metaphern, die er ergründet sind die des „Datenmeers“ und des „Surfens“. Die Metapher des Meeres wird auch mit dem Möglichkeitsraum verknüpft. Das Meer als Metapher impliziert eine Welt ohne Zugangsbeschränkungen und außerhalb staatlicher Aktivitäten. Diesem „Raum der Freiheit“ steht der „Raum der Macht“ gegenüber. Laut Vinillio resultiert der Aufbau des elektronischen Raums „aus einer Krise des realen Raums“ (in Schroer 2003, S.226). Das Besondere am Cyberspace ist die „Bilokalität“, welche damit zu erklären ist, dass der User des Internets durch das Cyberspace an zwei Orten gleichzeitig sein kann. Dieser grenzenlose Raum des Cyberspace ist jedoch nicht so grenzenlos, wie es scheint. Es sind „Gated Communities“ und „no‐go‐ areas“ entstanden, die Passwörter, Eintrittsgebühren und Filtersoftwares verlangen. Daten und Räume können mit Hilfe von Firewalls und Intranet geschützt werden. Durch den errichteten Schutz bleibt den Usern die meisten Seiten verschlossen. Die neu entstanden Grenzen erfordern bestimmte Riten laut der Studie von Arnold van Gennep. Er unterscheidet zwischen:
Trennungsriten („Riten, die die Trennung von der alten Welt gewährleisten soll“) Schwellen‐ bzw. Umwandlungsriten („Riten, die während der Schwellenphase vollzogen werden“)
Angliederungsriten („Riten, die an die neue Welt angliedern“)
Schroer wendet diese Unterscheidungen auf das Cyberspace an und stellt fest, dass es zu einem Wegfall von Schwellenriten kommt beim Eintritt ins Cyberspace durch den Mangel an Zeit. Das Netz scheint ausschließlich aus Angleichung und Trennung zu bestehen. Als Reaktion auf die Öffnung des Internets als grenzenloser Raum führt zu einer Zurücknahme dieser Freiheit. Dieser Ausschluß geschieht jedoch nicht durch eine höhere Macht, sondern von den Usern selbst werden nicht‐ begehbare Räume installiert. Zusätzlich kam es zu einer Ernüchterung im Netz. Die Hoffnung einen neuen Raum zu finden, „den Anderen“ hat sich nicht bestätigt. Gesellschaftsgruppen, welche benachteiligt sind, bleiben es dort auch. „Die Bandbreiten‐Benachteiligten sind die Habenichtse von heute“ (Schroer 2003, S.230). Neben diesem Fakt gibt es zudem auch gute und schlechte Adressen, welche den Ruf des Nutzers oder der Firma beeinflussen können. Jedoch wiederholt sich das Reale nicht nur im Virtuellen, sondern das Virtuelle beeinflusst auch das Reale. Erneut führt er den Vergleich zwischen Meer/Land und Real/Virtuell an. Und genauso wie im Realen existieren im
Arbeit zitieren:
Joana Lissmann, 2009, „Raumgrenzen in Bewegung - Zur Interpretation realer und virtueller Räume“ von Markus Schroer, München, GRIN Verlag GmbH
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