Inhaltsverzeichnis Seitenzahl
1. Einleitung 2
2. Die Heimatredaktion 4
2.1 Der Einfluss von Leitmedien und Agenturen 4
2.2 Individuelle Charakteristika 5
2.3 Die Aktualität 6
3. Der Auslandskorrespondent 8
3.1 Die Bereichsgröße 8
3.2 Individuelle Faktoren 9
3.2.1 Die Sprache 10
3.2.2 Going native vs. Tabula rasa 10
3.3 Die Bedeutung von Netzwerken, Stringern und Fixern 11
3.4 Die Informations- und Interpretationsfunktion 11
4. Fazit 13
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1. Einleitung
Mehrmals täglich lesen wir Nachrichten aus aller Welt, hören im Radio Stimmen aus anderen Kontinenten und sehen im Fernsehen die Bilder aus weit entfernten Ländern. Die Medien öffnen uns ein Fenster in die verschiedensten Winkel der Erde und prägen damit unsere Vorstellung der Länder und ihrer Kulturen. Noch nie zuvor war das Ausland, zumindest medial betrachtet, so präsent in unserem täglichen Leben wie heute.
Doch wer entscheidet was wir über diese Welt erfahren? Wenn in China der sprichwörtliche Sack Reis umfällt, interessiert das dann jemanden in Deutschland? Wer entscheidet, ob der Sack Reis für uns eine Bedeutung hat? Wer und welche Faktoren haben Einfluss auf die Nachrichtenauswahl ausländischer Ereignisse? Die vorliegende Arbeit soll diesen Fragen nachgehen. Dabei geht sie davon aus, dass Auslandsberichterstattung grundsätzlich von vier Hauptakteuren beeinflusst wird: Der Heimatredaktion 1 , dem Korrespondenten, den Erwartungen der Rezipienten und der Regierung des Berichtlandes. Auf Grund des begrenzten Umfangs der Abhandlung, wird dabei der Schwerpunkt auf die Heimatredaktionen und die Korrespondenten gelegt. Obwohl sich die Arbeit von Auslandskorrespondenten für TV-, Hörfunk- und Printmedien im Aktualitätsdruck und der Art und Weise der Berichterstattung wesentlich unterscheiden, beschränkt sich die Hausarbeit nicht auf ein Medium, vielmehr versucht sie, generelle vom Medium weitestgehend unabhängige Auswahlmechanismen und -faktoren herauszufiltern und zu analysieren. Die Arbeit versucht zwischen einem rein individualistischen Verständnis der Nachrichtenauswahl, welches den Korrespondenten in das Zentrum der Analyse stellt, und einem systemtheoretischen, das den Einfluss von Kultur, Gesellschaft und den Leitlinien der Redaktionen betont, zu vermitteln. Zu Beginn sollen ausgehend von der Heimatredaktion, die wichtigsten Richtlinien zur Nachrichtenauswahl in der Redaktion, sowie die Erwartungen an die Arbeit des Korrespondenten dargestellt werden. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf den Nachrichtenagenturen und Leitmedien als zentralen Richtmedien für die Themenauswahl der jeweiligen Redaktionen. Im Anschluss werden kurz wesentliche Charakteristika unterschiedlicher Medien und deren Einfluss, sowie individuelle Vorstellungen der Entscheidungsträger in der Heimatredaktion dargestellt. Darauf aufbauend soll dann der Aktualitätsdruck in der Auslandsberichterstattung untersucht werden. Nach einer kurzen Einführung durch die wichtigsten sozio-demografischen Merkmale des typischen Auslandskorrespondenten, analysiert die Arbeit Auswirkungen der Bereichsgröße auf die Berichterstattung. Individuelle Faktoren wie die jeweiligen Persönlichkeiten der Korrespondenten, ihre Sprache und die Dauer ihres Aufenthalts werden anschließend ergründet. Inwiefern die
1 Im Folgenden soll der Begriff der Heimatredaktion, Redaktionen deutscher Medien bezeichnen, die über fest angestellte Auslandskorrespondenten verfügen. Dieser Ausdruck soll die reziproke Beziehung zwischen dem jeweiligen Medium und dem Korrespondenten zum Ausdruck bringen.
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Zusammenarbeit mit einheimischen Stringern und Fixern, die bei dem Aufbau eines Netzwerks helfen und gegebenenfalls übersetzen, einen selektiven Blickwinkel begünstigen können, soll diskutiert werden. Abschließend wird auf das Dilemma zwischen Interpretations- und Informationsfunktion des Auslandsberichterstatters eingegangen. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, akzentuiert wesentliche Einflussfaktoren und deren Relevanz darzustellen und zu bewerten. Dabei hat die Arbeit keinen Anspruch auf Vollständigkeit, vielmehr versteht sie sich als Anstoß zur Reflexion von Auswahlmechanismen, um die Bedeutung eines kritischen Medienkonsums zu betonen.
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2. Die Heimatredaktion
Eine gelungene Auslandsberichterstattung setzt eine funktionierende Zusammenarbeit zwischen Heimatredaktion und Korrespondenten voraus. Dabei liegt es in der Natur der Sache, dass die Journalisten in Deutschland einen anderen Blickwinkel einnehmen als der Reporter vor Ort. Während der Auslandskorrespondent der Experte für die Ereignisse im Ausland ist, entscheidet die Heimatredaktion, was davon für den deutschen Leser interessant ist. Die Redaktionen entsenden ihren Korrespondenten mit dem Wunsch, für ihr jeweiliges Medium ein „Fenster zur Welt“ zu öffnen. Der eigene Korrespondent vor Ort soll möglichst vielfältige Einblicke in das Berichtsgebiet eröffnen. Seine Aufgabe ist es, ausführlich und umfassend über die politischen, sozialen und kulturellen Entwicklungen des Auslandes zu berichten. Seine Berichterstattung wird dabei in erster Linie durch die typischen Charakteristika des jeweiligen Mediums geprägt, insbesondere der Erscheinungsweise und der „Leitlinie“. Korrespondenten von wöchentlich erscheinenden Printmedien haben mehr Möglichkeiten, Hintergründe und Analysen unterzubringen, während Korrespondenten des Rundfunks unter größerem Zeit- und Aktualitätsdruck arbeiten müssen. Allen gemein ist der seit 2001 gestiegene ökonomische Druck. So ist die Anzahl der Auslandsbüros und -korrespondenten gesunken, was für die Journalisten im Ausland die Möglichkeit für Recherchen stark einschränkt. 2 Weg vom festen Korrespondenten, setzen einige Redaktionen auf parachutist correspondents, die für kurze Zeit über ein Krisengebiet berichten, bevor sie ins nächste versetzt werden. Aber auch immer mehr freie Korrespondenten, die sogenannten Bauchladen-Korrespondenten, prägen die Auslandsberichterstattung. Sie bieten als freie Journalisten mehreren Medien ihre Themen an.
Nicht nur die eingeschränkten finanziellen Mittel sind Ursache für den Rückgang der Auslandsberichterstattung, auch lässt sich eine zunehmende Tendenz der Nationalisierung in der Berichterstattung erkennen. 3 Aus dieser Entwicklung heraus sind die Heimatredaktionen besonders an Berichtsgebieten und Themen interessiert, die einen politischen, wirtschaftlichen oder kulturellen Bezug zu Deutschland haben. 4
2.1 Der Einfluss von Leitmedien und Agenturen
Kaum eine Redaktion verfolgt sie nicht, die aktuellen Meldungen der verschiedenen Nachrichtenagenturen wie DPA, AP, Reuters und AFP. Dazu kommt noch der Abgleich mit den großen deutschen Leitmedien wie etwa Spiegel, Süddeutsche Zeitung, Tagesthemen oder das heute-
2Vgl. Oliver Hahn, Julia Lönnendonker und Nicole Scherschun: Forschungsstand - Deutsche Auslandskorrespondenten und -korrespondenz. In: Oliver Hahn, Julia Lönnendonker, Roland Schröder (Hg.): Deutsche Auslandskorrespondenten. Ein Handbuch. Konstanz 2008, S.19-43, hier S. 19 f..
3 Vgl. ebd., S.31.
4 Vgl. Pia Nitz: Die Beziehung zwischen Auslandskorrespondenten und Heimatredaktion. In: ebd., S. 514-525, hier S.496.
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Arbeit zitieren:
Ann-Kristin Herbst, 2011, Wenn in China ein Sack Reis umfällt..., München, GRIN Verlag GmbH
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