Inhaltsverzeichnis
Verzeichnis der Abbildungen I
1 Einleitung 1
2 Mediale und konzeptionelle Mündlichkeit bzw. Schriftlichkeit 2
2.1 Grundlagen des sprachtheoretischen Modells 2
2.2 Merkmale konzeptionell mündlicher bzw. schriftlicher Sprache 4
3 Twitter-Kommunikation - verschriftete Mündlichkeit? 6
3.1 Grundlagen und Kommunikationsbedingungen 6
3.2 Linguistische Analyse ausgewählter Tweets 9
4 Schluss 12
Literaturverzeichnis 14
Verzeichnis der Abbildungen
Abbildung 1: Schematische Anordnung verschiedener Äußerungsformen im Feld medialer
und konzeptioneller Mündlichkeit/Schriftlichkeit 3
I
1. Einleitung
Ein medienübergreifendes Kriterium, so Burger, sei in jüngster Zeit „das Verhältnis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit, das sich tendenziell zur Mündlichkeit hin verschiebt“ 1 . Insbesondere bei computervermittelten Kommunikationsformen wie Chat, Instant-Messaging oder E-Mail stellt die linguistische Forschung eine Verschriftung von Mündlichkeit fest. Ein Grund für diese Entwicklung könnte laut Dürscheid folgende Besonderheit sein: Im Rahmen von Internet-Kommunikation erfolgt die Produktion, Distribution und Rezeption eines Textes erstmals über ein und dasselbe Medium. Schriftliche Mitteilungen werden also am Computer geschrieben, in Sekundenschnelle übermittelt und vom Kommunikationspartner wiederum am Computer gelesen. 2
Die Kommunikationspraxis des Twitterns ist eine noch relativ junge Form der computervermittelten Kommunikation, in der sich der eingangs dargestellte Sprachwandel ebenfalls manifestiert: „Tweets sind zwar textbasiert, also medial schriftlich, aber das Spezifische der Kommunikation via Twitter ist ihre konzeptionelle Mündlichkeit […]“ 3 . Ziel dieser Arbeit ist, Elemente konzeptioneller Mündlichkeit in ausgewählten Tweets zu identifizieren. Unter Bezugnahme auf das sprachtheoretische Modell von Koch/Oesterreicher (1994) soll damit der Versuch unternommen werden, Twitter-Meldungen im Kontinuum von konzeptioneller Mündlichkeit und Schriftlichkeit zu verorten.
Die vorliegende Untersuchung stützt sich auf das Mündlichkeits-/ Schriftlichkeitsmodell von Koch/Oesterreicher, das in Kapitel 2 erläutert wird. In Kapitel 3 werden zunächst die grundlegenden Funktionen des Mikro-Blogging-Dienstes Twitter umrissen sowie die kommunikativen Bedingungen des Twitterns dargestellt. Weiterhin wird die sprachliche Gestaltung ausgewählter Twitter-Meldungen in pragmatischer, syntaktischer und lexikalischsemantischer Hinsicht untersucht. Da ich lediglich einige ausgewählte Beispiel-Tweets analysiere, erheben die Ergebnisse der Analyse keinen Anspruch auf Repräsentativität. Mittels der linguistischen Analyse möchte ich vielmehr Tendenzen in der sprachlichen Gestaltung von Tweets aufzeigen.
1 Harald Burger: Textsorten in den Massenmedien. In: Klaus Brinker et al. (Hg.): Text- und Gesprächslinguistik.
Ein internationales Handbuch zeitgenössischer Forschung. 1. Halbband. Berlin/New York: de Gruyter 2000 (=
HSK 16.1), S. 622.
2 Vgl. Christa Dürscheid: Netzsprache - ein neuer Mythos. In: Osnabrücker Beiträge zur Sprachtheorie 68
(2004), S. 149.
3 Sandro M. Moraldo: Twitter: Kommunikationsplattform zwischen Nachrichtenticker, Smalltalk und SMS. In:
Sandro M. Moraldo (Hg.): Internet.kom. Neue Sprach- und Kommunikationsformen im World Wide Web.
Band 1: Kommunikationsplattformen. Rom: Aracne Edititrice 2009, S. 267.
1
2. Mediale und konzeptionelle Mündlichkeit bzw. Schriftlichkeit
Das Mündlichkeits-/Schriftlichkeitsmodell von Koch/Oesterreicher (1994) ist Grundlage der linguistischen Analyse in Kapitel 3. Daher werde ich die wesentlichen Elemente des sprachtheoretischen Modells kurz erläutern (Abschnitt 2.1). Der Schwerpunkt des zweiten Kapitels liegt weiterhin auf den Ausführungen zu den sprachlichen Merkmalen konzeptioneller Mündlichkeit bzw. Schriftlichkeit (Abschnitt 2.2).
2.1 Grundlagen des sprachtheoretischen Modells
In Anlehnung an Sölls Ausführungen zum gesprochenen und geschriebenen Französisch 4 verweisen Koch/Oesterreicher auf die Doppeldeutigkeit der Begriffe mündlich/schriftlich: 5 Sie unterscheiden zwischen medialer und konzeptioneller Mündlichkeit bzw. Schriftlichkeit. Mediale Mündlichkeit/Schriftlichkeit bezeichnet die graphische bzw. phonische Repräsentation von sprachlichen Äußerungen. Beide Begriffe, die mediale Mündlichkeit und die mediale Schriftlichkeit, bilden ein Gegensatzpaar und stehen sich dichotomisch gegenüber. Demgegenüber bezieht sich konzeptionelle Mündlichkeit/Schriftlichkeit auf die Modalität sprachlicher Äußerungen. Mit Blick auf die Konzeption gibt es zwischen gesprochener und geschriebener Sprache keine scharfe Trennlinie; vielmehr markieren die Begriffe konzeptionell mündlich und konzeptionell schriftlich die Endpunkte eines Kontinuums. Dem Mündlichkeits-Pol entspricht dabei die sogenannte Sprache der Nähe, dem Schriftlichkeits-Pol die Sprache der Distanz. Nähe bzw. Distanz entsteht jeweils aus dem Zusammenspiel folgender Kommunikationsbedingungen: raum-zeitliche Nähe oder Distanz der
Kommunikationspartner, Grad der Öffentlichkeit, Grad der Vertrautheit, Grad der Emotionalität, Grad der Situations- und Handlungseinbindung, Referenzbezug zu Sprecher-Origo, Grad der kommunikativen Kooperation, Grad der Dialogizität/Monologizität, Grad der Spontaneität sowie der Themenfixierung. 6
Wie Abbildung 1 veranschaulicht, entspricht Kommunikation der Nähe eher konzeptionell mündlicher Sprache. Sie ist dadurch charakterisiert, dass die Kommunikationspartner
4 Vgl. Ludwig Söll: Gesprochenes und geschriebenes Französisch. 3. Auflage. Berlin: Erich Schmidt Verlag
1985 (= Grundlagen der Romanistik 6), S. 17-20.
5 Vgl. Peter Koch / Wulf Oesterreicher: Schriftlichkeit und Sprache. In: Hartmut Günther / Otto Ludwig (Hg.):
Schrift und Schriftlichkeit. Writing and Its Use. Ein interdisziplinäres Handbuch internationaler Forschung. 1.
Halbband. Berlin/New York: de Gruyter 1994 (= HSK 10.1/2), S. 587.
6 Vgl. Koch/Oesterreicher, Schriftlichkeit und Sprache, S. 588.
2
miteinander vertraut sind und durchaus spontan und emotional agieren. Ferner befinden sich die Beteiligten in einem gemeinsamen Raum, so dass sie auf Gegenstände oder anwesende Personen verweisen können. Auch sind die sprachlichen Äußerungen dialogisch ausgerichtet und nicht an ein festgelegtes Thema gebunden. Dagegen entspricht Kommunikation der Distanz eher konzeptionell schriftlicher Sprache: Die Beteiligten dieser
Kommunikationssituation sind räumlich oder auch räumlich und zeitlich voneinander getrennt. Zudem sind hier die sprachlichen Äußerungen emotionslos, monologisch ausgerichtet sowie auf ein im Voraus festgelegtes Thema fixiert. 7
Abbildung 1: Schematische Anordnung verschiedener Äußerungsformen im Feld medialer und
konzeptioneller Mündlichkeit/Schriftlichkeit (aus: Koch/Oesterreicher, Schriftlichkeit und Sprache, S.
588.)
Trotz der aufgezeigten Ausdifferenzierung in Medium und Konzeption sind zum einen graphisch repräsentierte und konzeptionell schriftliche sprachliche Äußerungen, zum anderen lautliche und konzeptionell mündliche Äußerungen zueinander affin: So sind Gespräche im vertrauten Umfeld der Familie meist medial mündlich; institutionalisierte Kommunikationzum Beispiel in Form eines Gesetzestextes - ist üblicherweise dem Feld medialer Schriftlichkeit zuzuordnen.
7 Vgl. Johannes Schwitalla: Gesprochenes Deutsch. Eine Einführung. 3. Auflage. Berlin: Erich Schmidt Verlag
2006 (= Grundlagen der Germanistik 33), S. 22.
3
Arbeit zitieren:
Amélie Dannenmann, 2011, Twitter im Spannungsfeld von Mündlichkeit und Schriftlichkeit, München, GRIN Verlag GmbH
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