Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort 2
2. Einleitung 3
3. Vorrevolutionäre Umstände der Revolutionen 4
3.1. Aufklärung und gesellschaftliche Disparitäten, die Ursachen für die 4
Franz ösische Revolution
3.2. Erster Weltkrieg sowie soziale und ökonomische Probleme als Gründe 8
f ür die Russische Revolution
3.3. Ernährungskrise, Perspektivlosigkeit breiter Bevölkerungsschichten und 11
totalit äre Regimes - Voraussetzungen für den Arabischen Frühling
4. Gemeinsamkeiten und Unterschiede 16
4.1. Revolutionen, in ihrer Epoche isoliert zu betrachtende Phänomene? 16
4.2. Gibt es, historisch gesehen, den „idealen Nährboden“, 17
f ür den Umsturz einer Gesellschaft?
5. Lassen sich politische Revolutionen voraussagen? 18
5.1. Ökonomische Indikatoren 18
5.2. Politische und gesellschaftliche Indikatoren 18
6. Revolutionen im 21. Jahrhundert 20
6.1. Beispiel: VR China 20
7. Literaturverzeichnis 23
1
1
1. Vorwort
In meiner Arbeit „Die Französische Revolution, die Russische Revolution und der Arabische Frühling - ein historischer Vergleich, im Hinblick auf Voraussetzungen und Gründe einer politischen Revolution“ möchte ich die genannten Ereignisse auf ihre Umstände, die letzten Endes allesamt in einer Revolution mündeten, untersuchen. Basierend auf Gemeinsamkeiten und Unterschieden der einzelnen Revolutionen werde ich versuchen, generelle und historisch unabhängige Bedingungen herauszustellen.
Nach den Protesten in den Staaten des Maghreb und des Nahen Ostens, die Ende 2010 durch die Jasmin-Revolution in Tunesien ihren Anfang nahmen, begann eine neue Zeitrechnung. Vor den Umstürzen der autoritären Regimes in Tunesien und Ägypten und den anhaltenden Protesten in Libyen und Syrien galt die arabische Welt als reformunfähig und politisch rückständig. Das Aufbegehren der zumeist jungen Bevölkerung gegen eine starre Gesellschaftsform sowie korrupte und dekadente Eliten weist Parallelen zu den bürgerlichen Revolutionen des 18. und 19. Jahrhunderts auf. So wie in den europäischen Revolutionen für die Elemente unserer Gesellschaft gekämpft wurde, um Kapitalismus, liberale Gesellschaft, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie, so ringt die arabische Welt heute um den Anschluss das 21. Jahrhundert, mit eben jenen Elementen. 1 So überraschend und teilweise auch erfolgreich die Proteste des Arabischen Frühling verliefen, so schlüssig und offensichtlich sind deren Gründe. Der Ruf nach gerecht verteiltem Wohlstand, politischer Teilhabe und Freiheit ist unabhängig von Kultur und Zeit universell für jede Gesellschaft.
Diese Erkenntnis, dass ein Auflehnen der Bevölkerung in allen Gesellschaften möglich ist, führte mich zu der Frage welche Faktoren zu einer Revolution führen und ob diese frühzeitig erkannt werden können. Ausgehend von dieser Frage möchte ich auch noch einen Ausblick darauf geben, welche Regionen und Länder durch revolutionsbedingende Umstände gefährdet sind, angesichts der Tatsache, dass mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung in autoritären Regimes leben. 2 Die Arbeit soll dazu dienen, herauszufinden ob Länder wie beispielsweise die VR China politische Reformen durchführen müssen, oder ob das System der beiden Staaten, dass fast ausschließlich auf ökonomische Reformen setzt, weiter für die Zukunft tragfähig ist.
Meine Arbeit stütze ich hauptsächlich auf Sekundärliteratur über die drei genannten Revolutionen und Fachliteratur über das Phänomen einer politischen Revolution. Außerdem werde ich aktuelle Zeitungsartikel und Publikationen in meine Recherche einbeziehen.
1 Die ZEIT 32/2011, Die Geschichte sind wir!
2 The Economist Intelligence Unit’s Index of Democracy 2010 2
2. Einleitung
Meine Arbeit hat das Ziel einen, nach Möglichkeit auf messbare Indikatoren und Indizes gestützten, Ursachenkatalog für den Ausbruch einer politischen Revolution zusammenzustellen. Ausgehend von diesem Portfolio an revolutionsbegünstigenden Faktoren werde ich die VR China auf ihre momentane gesellschaftliche Situation hin untersuchen und der Frage nachgehen, ob sie revolutionsgefährdet sind. China wird zum einen von einer autoritären Staatsführung regiert, zum anderen besitzt sie in der globalisierten Welt des 21. Jahrhunderts eine international so bedeutende Rolle, das politische Instabilität im Reich der Mitte zu einem ernsthaften Problem für die Staatengemeinschaft erwachsen könnte, nicht zuletzt für die Weltwirtschaft die in unterschiedlicher Weise auf die Volkswirtschaften Chinas angewiesen ist.
Wichtig ist hierbei die Abgrenzung der politischen Revolution von einer lediglich temporären Erhebung oder eines Aufstandes. Ein solches Ereignis, welchem fest organisierte Strukturen und eine alternative Vorstellung der Gesellschaftsordnung fehlen, ist meist, unter Einsatz von ausreichenden Repressalien, für eine autoritäre Staatsführung leicht niederzuschlagen. Die politische Revolution dagegen bezeichnet die Um- bzw. Neugestaltung einer Gesellschaft, dies setzt demnach auch eine politische Grundhaltung voraus, die sich konträr der bestehenden gegenüber befindet. Diese neuen politischen Ideen müssen zusätzlich von einer relativ großen Masse der Bevölkerung akzeptiert werden, da andernfalls die Legitimation der neuen Ordnung fehlen würde. Gemäß dieser Prämisse habe ich mich entschieden die drei Revolutionen in einem historischen Vergleich auf ihre Ursachen hin zu untersuchen. Bei dem Vergleich werde ich mich hauptsächlich auf die sozioökonomischen Umstände der Vorrevolutionszeit, das politische System und die Entstehung von neuen politischen Denkweisen und Ideen konzentrieren. Die drei Revolution sind. Die Französische Revolution, aufgrund dessen da sie zurecht als der Urvater der politischen Revolution gilt, denn sie hat, wenn auch nur zeitlich zunächst begrenzt, die feudalabsolutistischen Gesellschaftsstrukturen zugunsten einer liberalen-bürgerlichen Verfassung verdrängt hat und dies als erste Revolution überhaupt. Die Russische Februarrevolution, weil sie die Reaktion mehrheitlich der Arbeiter, auf die soziale Frage während der Industrialisierung, war und eine in der Historie vielleicht einmalige mindestens aber untypische Richtung nahm, nämlich eine sozialistische, die einen Sozialismus zum Ziel hatte. Und schlussendlich der Arabische Frühling, der nicht nur die aktuellste Revolution unserer Zeit darstellt, sondern auch eine gesellschaftliche Um-wälzung in einer Region bedeutet, die vor Ausbruch der Unruhen selbst Experten nicht für möglich gehalten hatten. 3 Insgesamt liegen die einzelnen Revolutionen temporär so weit auseinander, dass eine Verbindung untereinander weitgehend ausgeschlossen werden kann.
Auf Grundlage von Unterschieden und Gemeinsamkeiten der Revolution werde ich die generellen Ursachen einer Revolution herausstellen und versuchen für diese sowohl politisch/gesellschaftliche, als auch ökonomische Indikatoren zu finden.
Meine These dabei lautet, dass es „weiche“ Faktoren, also welche die man nicht genau messen kann und „harte Faktoren, i.d.R. ökonomisch messbare, gibt. Ich denke beide Arten von Faktoren lassen sich bei den drei genannten Revolutionen nachweisen, sodass man von einer historischen Regelmäßigkeit sprechen kann.
3 Editorial, Asiye Öztürk, Politik und Zeitgeschichte 39/2011 3
3. Vorrevolutionäre Umstände der Revolutionen
3.1. Gesellschaftliche Disparitäten und die „Aufklärung“, die Ursachen für die Französische Revolution
I Sozioökonomische und gesellschaftliche Voraussetzungen
Im 18. Jahrhundert erlebte Frankreich, u.a. bedingt durch die Wirtschaftspolitik des Merkantilismus´, einen für die damalige Zeit normalen wirtschaftlichen Aufschwung. In den 1760er und 70er Jahren stiegen die Preise v.a. für landwirtschaftliche Produkte wie Weizen und Roggen. Ein Preisindex, ermittelt aus den Durchschnittspreisen von 1726-1741 für 24 Lebensmittel und Handelsgüter, stieg in der Periode von 1771-1789 um 45 Prozent. Die Jahre 1785 bis 1789 machten mit 65 Prozent den Höhepunkt der Teuerung aus. 4 Der Preisanstieg war u.a. auf die Liberalisierung der Getreidemärkte zurückzuführen, die Getreidespekulation zur Folge hatte. 5 Die einfachen Bauern und die Erntehelfer profitierten jedoch von den hohen Preisen nicht, im Gegensatz zu den marktorientierten Großbetrieben, denn die Löhne blieben hinter den Teuerungen zurück, was zu Reallohnverlusten bei weiten Teilen der Landbevölkerung führte. 6 Aufgrund dieser Verarmung der Lohnempfänger kam es 1775 zu Unruhen im Pariser Umland, dem sog. „Mehlkrieg“. Neben diesen langfristigen Entwicklungen trieben auch saisonal bedingte Missernten die Preise in die Höhe. In der ersten Julihälfte des Jahres 1789, der Zeitraum in den der Sturm auf die Bastille fiel, kletterten der Weizenpreis auf 150 Prozent und der Roggenpreis auf 165 Prozent. 7 Die prekäre Ernährungslage der Bauern und der Tagelöhnern auf dem Land war also ein Grund für die Aufstände, war allerdings nicht der alleinige Grund.
Zudem befand sich die französische Gesellschaft in der Zeit vor der Revolution im Umbruch. Diese starre Ständegesellschaft war geprägt davon, dass man durch Geburt an einen der drei Stände, den Klerus, den Adel und den dritten Stand, dem Bauern, Tagelöhner und das städtische Bürgertum angehörten, gebunden war. Zwischen diesen Ständen gab es erhebliche soziale und wirtschaftliche Disparitäten. Die Verteilung von Grundbesitz war höchst ungleich verteilt, so besaß der Adel (1,3% der Bevölkerung) 30%, der Klerus 10% und die Bauern 30% des Bodens. Allerdings fällt auf, dass das aufstrebende Bürgertum aus den Städten durch Landkäufe bereits ebenfalls 30% des Grundbesitzes besaß. 8 Es fällt aber dennoch auf, dass der Adel und der Klerus, im Verhältnis zu ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung, unverhältnismäßig viel Land besaßen und die große Masse der Bevölkerung verhältnismäßig wenig. Neben der ungleichen Verteilung von Besitz von Grund und Boden gab es noch eine Reihe weiterer Privilegien, welche die ersten beiden Stände gegenüber dem dritten Stand innehatten. Weder Adel noch Klerus mussten Steuern zahlen und sie besaßen das Anrecht auf die höchsten Ämter in Staat, Kirche und Armee.
Aber auch die Stände selbst machten kein homogenes Gebilde aus. Neben dem alten Bluts- oder Schwertadel gab es den Amtsadel, der durch den Kauf von Ämtern zu Einfluss gekommen war. Die
4 Axel Kuhn, Die Französische Revolution. 1999 Stuttgart
5 http://www.historicum.net/themen/franzoesische-‐
revolution/einfuehrung/hintergruende/art/V_OEkonomische/html/artikel/409/ca/c86c77eaf96ce3fa3359900c 6befe09c/
6 http://www.historicum.net/themen/franzoesische-‐
revolution/einfuehrung/hintergruende/art/V_OEkonomische/html/artikel/409/ca/c86c77eaf96ce3fa3359900c 6befe09c/
7 Axel Kuhn, Die Französische Revolution. 1999 Stuttgart
8 Axel Kuhn, Die Französische Revolution. 1999 Stuttgart 4
Adligen auf dem Lande waren zu einer Art adligen „Plebs“ abgesunken. Und auch die höchsten Ämter der Kirche waren fast ausschließlich von Adligen besetzt, die wesentlich mehr Macht und Vermögen besaßen, als die einfachen Pfarrer auf dem Land. Sowohl der verarmte Landadel als auch die einfachen Kleriker auf dem Land wussten um die Nöte der Bevölkerung und teilten diese mit ihnen. Die größten sozialen Unterschiede gab es jedoch im dritten Stand. Die große Geschäftsbourgeoisie war durch ihre wirtschaftliche Stellung aufgestiegen und besaß teilweise so viel Vermögen wie die alten Aristokraten, weshalb sie sogar bisweilen deren verschwenderischen Lebensstil teilten. Ihr gehörte das Handelsbürgertum an, das in Städten wie Marseille oder Bordeaux den Orient- und Überseehandel betrieb und außerdem noch die Bankiers der ersten kapitalistischen Banken. Ihre Profite investierten sie in die ersten Fabriken, beispielsweise die Metallverarbeitung in Lothringen oder wie angesprochen in den Kauf von Ländereien. 9 Eine andere weniger wohlhabendere aber materiell dennoch finanziell besser gestellte Gruppe als die Bauern und Erntehelfer machten die Advokaten und Ärzte, die Journalisten und Schriftsteller aus. Diese Schicht lebte hauptsächlich in den großen Städten, v.a. Paris. Die Bürger waren zumeist gut ausgebildet und waren maßgeblich von den Ideen der Aufklärung beeinflusst, weshalb aus ihnen später auch die Wortführer der Revolution hervor gingen. Zu dem dritten Stand gehörten aber auch Handwerker, Bauern, Tagelöhner und Erntehelfer. Die Bauern und die Beschäftigten in der Landwirtschaft machten den Großteil der Bevölkerung aus. Auf dem Land hatten sie meist nur genug Geld, um sich ihr Land von den adligen Großgrundbesitzern zu pachten. Ihr Ziel war es meist nur zu überleben und genug Vorräte für den Winter und schlechte Erntezeiten zu erwirtschaften. Zwar waren die Bauern im Gegensatz zum Mittelalter weitgehend selbstständig, dennoch waren sie durch eine Reihe von Gesetzten und Vorschriften an ihre Grundherren gebunden. So mussten die Bauern die Mühle und den Backofen des Grundherren benutzen, der ein Monopol für diese Dienstleistungen besaß, und Gebühren dafür zahlen, außerdem besaß der Herr das Recht auf dem Land der Bauern zu jagen und Taubenschläge zu errichten. 10 Diese Vorrechte der zumeist adligen Grundherren verstanden die Bauern als reine Schikane, weshalb sie sich dagegen erhoben, aus dem einfachen Grund, da sie lediglich frei arbeiten und leben wollten. Neben den Abgaben an die Grundherren mussten die Bauern auch die Hauptlast der königlichen Steuern tragen, da der erste und zweite Stand von den Steuern befreit war. Um die ausufernden Staatsausgaben zu finanzieren, ließ sich der Staat eine Reihe neuer Steuern einfallen, denen die Bauern und Angehörigen des dritten Standes kaum entgehen konnten. So gab es eine Leib- (taille) und eine Kopfsteuer (capitation) sowie eine Frondienststeuer (corvée). Aber auch durch indirekte Steuern auf grundlegende Güter wie z.B. Salz (gabelle) und alkoholische Getränke (aides) waren die Landbevölkerung und das Bürgertum in den Städten betroffen. 11
II Das politische System
Bereits seit der Mitte des 17. Jahrhunderts hatte sich in Frankreich das politische System des Absolutismus unter König Ludwig XIV, dem „Sonnengott“, etabliert. In Europa war es die am weitesten fortgeschrittene Form dieser Herrschaftsform.
Noch beeinflusst durch die schrecklichen Erfahrungen aus dem 30-Jährigen Krieg und früherer konfessioneller Kriege entwickelte sich die Staatstheorie des Absolutismus, in der die staatliche Gewalt durch einen Staatsapparat ausgeführt werden sollte, an dessen Spitze ein „absoluter“ Souverän stand. Andere Faktoren waren die zunehmende Bedeutung der Wirtschaft, die durch die Politik des Merkantilismus gefördert werden sollte, die ebenfalls klare staatliche Strukturen, wie beispielsweise einen funktionierenden Beamtenapparat benötigte. Begründet wurde die Theorie des Absolutismus
9 Axel Kuhn, Die Französische Revolution. 1999 Stuttgart
10 Axel Kuhn, Die Französische Revolution. 1999 Stuttgart
11 Axel Kuhn, Die Französische Revolution. 1999 Stuttgart 5
Arbeit zitieren:
Finn-Ole Wulf, 2011, Die Französische Revolution, die Russische Revolution und der Arabische Frühling – ein historischer Vergleich, im Hinblick auf Voraussetzungen und Gründe einer politischen Revolution, München, GRIN Verlag GmbH
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