Gliederung
1. Einleitung 3
2. Das Reiterstandbild des Domitian bei Statius, silv. 1,22 - 45 4
2.1 Einordnung in das Gesamtgedicht 4
2.2 Gliederung und Inhalt der ausgewählten Verse 5
2.3 Kommentierung der Verse 6
2.3.1 Der Vergleich mit Caesar 6
2.3.2 Die Beschreibung des Reiters 8
2.4 Zeitgeschichtliche Einordnung 13
2.5 Besonderheiten der Metrik 14
3. Schluss 16
4. Literaturverzeichnis 18
Anhang :
- Metrische Analyse 20
- Übersetzung 21
2
1. Einleitung
Auf dem Forum Romanum befanden sich in der Antike öffentliche Gebäude, Tempel und Märkte. Besonders in der Kaiserzeit entstanden zu Ehren der Kaiser und der Götter prunkvolle Kultstätten. Leider können von manchen Denkmälern heute nur noch Bruchstücke besichtigt werden. Das Reiterstandbild des Domitian aus dem Jahre 91 n. Chr gehört zu den Monumenten, von denen heute gar nichts mehr erhalten ist. Umso interessanter ist, dass das erste Gedicht von Statius (ca. 40 - 96 nach Chr.) aus dem ersten Buch der Silvae der einzige Beweis für die Existenz des Kunstwerkes zu damaliger Zeit ist. 1 Es handelt sich dabei um ein Gedicht, welches Statius zur Weihung des Standbildes geschrieben hatte. Es wurde auf Veranlassung des Senats und des Volkes zu Ehren des Doppeltriumphes von Domitian über die Chatten und Daker gefertigt und aufgestellt. 2 Im Jahr 96 n. Chr. stürzte man die Statue jedoch bereits wieder nach der Ermordung des Kaisers und seiner Verurteilung zur damnatio memoriae. 3 Aufgrund der Beschreibungen von Statius können jedoch einige Angaben über das Reiterstandbild gemacht werden. Nach Schätzungen von Archäologen sei sie zwischen zwölf und 13 Metern, oder zwischen 17 und 18 Metern groß gewesen. 4 Als Maßstab für die Bedeutung und Wichtigkeit des Werkes gilt auch noch eine andere Statue von Domitian, die in Misenum gefunden wurde. Zwar sind einige Unterschiede vorhanden, aber beide Statuen wurden aus demselben Material, nämlich aus Bronze, gefertigt. Die Ausarbeitung ist äußerst fein und detailliert. Anhand dieser Statue kann erahnt werden, wie erhaben erst das Reiterstandbild des Domitian gewesen sein muss, obwohl das heute noch erhaltene Kunstwerk wesentlich kleiner und weniger anspruchsvoll gefertigt wurde. Zudem ist eine Münze aus dieser Zeit gefunden worden, von der man ausgeht, dass auf ihrer Rückseite das Reiterstandbild des Domitian dargestellt wird. 5 Umso bemerkenswerter scheint es, dass heute von diesem einst so prunkvollen Kunstwerk nur noch ein Gedicht übrig ist, welches dafür jedoch umso genauer die Statue beschreibt und Hintergründe erkennen lässt. In dieser Arbeit sollen insbesondere die Verse 22 bis 45 analysiert werden.
1 Vgl. Darwall-Smith, 1996, S. 227.
2 Vgl. Cancik, Untersuchungen zur lyrischen Kunst des P. Papinius Statius, 1965, S. 90.
3 Vgl. Cancik, Größe und Kolossalität als religiöse und ästhetische Kategorien, S. 54.
4 Vgl. Cancik, Größe und Kolossalität als religiöse und ästhetische Kategorien, S. 55.
5 Vgl. Neumeister, 1997, S. 89.
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2. Das Reiterstandbild des Domitian bei Statius, silv. 1,22 - 45
2.1 Einordnung in das Gesamtgedicht
Die Silvae stellen ein Weihepigramm (Anathematika) dar und fallen mit ihren beschreibenden Elementen in die Gattung der Epideiktika. Hier wird eine Textstelle des ersten Gedichts im ersten von vier erhaltenen Büchern inhaltlich und sprachlich untersucht.
Im Vorwort zum ersten Buch der silvae richtet sich Statius mit einem Gruß an seinen jungen Freund Stella. Er gesteht, dass er lange gezögert habe, die schnell aus Spaß gefertigten Gedichte zu veröffentlichen. Er schäme sich einerseits noch für sein vorangegangenes Werk Thebais, andererseits fürchte er, könne man beim Lesen der Gedichte bemerken, wie schnell er sie geschrieben und wie wenig Zeit er dafür verwendet habe. Daraufhin gibt er einen kurzen Überblick über sein Werk: Das erste Gedicht drehe sich um die große Reiterstatue des Domitian, welches er dem Kaiser einen Tag nach der Einweihung übergeben sollte. Darauf folge ein Briefgedicht, welches dem Rutilius Gallicus zu seiner Genesung gewidmet sei. Und zuletzt könne man von einer glücklich verbrachten Nacht am ersten Dezember lesen.
Das erste Gedicht, das der Reiterstatue des Domitian gewidmet ist, umfasst 107 hexametrische Verse. Die Textstelle, der diese Arbeit gewidmet ist, befindet sich in der ersten Hälfte des Gedichts. Das Gedicht leitet Statius mit Fragen des Staunens ein, mit welch einer gewaltigen Masse die Statue das Forum einnehme und ob das Kunstwerk wohl vom Himmel geglitten sei, oder ob das Bild die Stereopes oder Brontes verlassen hätte, oder ob es wohl die Pallas Athene erschaffen hätte (1-4). Außerdem beschreibt Statius nun die Größe der Statue, indem ein Vergleich zu dem trojanischen Pferd herangezogen wird. Diese Statue hätte aufgrund seiner gewaltigen Größe nämlich entgegen dem trojanischen Pferd nicht von Troja aufgenommen, von den Kinderscharen begleitet und von Aeneas und Hektor gezogen werden können (11-13). Zudem stelle dieses Standbild einen friedlichen Reiter dar und berge keine Feinde (14-15). Genauso erhaben wie die Größe der Statue sei ihre Gestalt und Schönheit (17-18). Sogar der Gott Mars werde von seinem Pferd nicht höher getragen (18-19). Genauso gewaltig sei auch das Gewicht des Pferdes. Hier setzt die behandelte Textstelle ein. Es folgt eine Ekphrasis, eine
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genaue Beschreibung der Stelle, an der die Statue ihren Sitz auf dem Forum hatte. Sie habe am Lacus Curtius gestanden, direkt im Zentrum des alten Forum Romanum. Hierauf geht Statius zu der Beschreibung des Reiters über. Nach dieser Passage folgt eine Schilderung über das Aussehen des Pferdes. Es wird als weniger scheu als das Ross des Adrastus dargestellt, da es anstelle auf Rasen mit einem Huf auf das Haar des Rheingottes trete. Es wird betont, dass dieses Pferd niemals seinen Herrn wechseln würde. In einer kurzen Überleitung über das große Gewicht und das Material, welches nicht aus Eisen oder Erz bestehe, vergleicht Statius den Sockel des Standbildes mit dem eines Gebirges und mit Atlas, der das Himmelsgewölbe trägt, um dessen Macht zu betonen. Daraufhin wird über die Errichtung der Statue berichtet. Aufgrund der Anwesenheit des göttlichen Modells habe es bei den verrichteten Arbeiten keine Verzögerungen gegeben. Der Lärm der eingesetzten Maschine habe den Stadtlärm Roms tatsächlich noch übertroffen. Sogar der Wächter Marcus Curtius, der sich zur Rettung des Vaterlandes in den Abgrund gestürzt hatte, habe deswegen sein Haupt erhoben. Es folgt eine an dieser Stelle etwas ungewöhnliche Lobrede des Marcus Curtius über die militärischen Leistungen des Domitian. Hierauf wird wieder mit einer Gegenüberstellung des Standbildes der Reiterstatue des Caesars auf die einzigartige Macht des Domitian hingewiesen. Zudem wird die Unvergänglichkeit der Statue trotz Naturgewalten hervorgehoben. Die Göttlichkeit Domitians wird unterstrichen, indem Statius prophezeit, dass die kaiserliche Familie vom Himmel herabsteigen werde, um der Statue den Nacken zu küssen. Noch einmal wird das Standbild als das begehrteste gepriesen, bevor das Gedicht mit einem Bittgebet für ein langes Leben für Domitian schließt.
2.2 Gliederung und Inhalt der ausgewählten Verse
Insgesamt kann in dem zu analysierenden Textteil eine inhaltliche Grobgliederung in zwei Themen festgestellt werden: Im ersten Teil umschreibt Statius insbesondere den Sitz des Standbildes, im zweiten Teil wird Domitian als Reiter geschildert. Statius unterstreicht, dass die Bedeutung des Standpunkts der des Denkmals gleichkommt (22). Von der Perspektive des Reiterstandbildes aus wird nun sein Standort auf dem Forum beschrieben: Gegenüber öffne sich das Portal des Tempels von Caesar (22). Kurz wird auf das milde Antlitz des Domitian im Gegensatz zu
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Caesar geschwenkt (25), daraufhin setzt Statius die Darstellung der Umgebung fort. Zu den Flanken des Pferdes seien der julische Tempel (29) und das hohe Gebäude des kriegerischen Paulus zu sehen (30). Von hinten blickten sein Vater Vespasian und Concordia auf ihn (31).
Statius verringert nun die Distanz zu dem Bauwerk, indem er den Reiter Domitian persönlich anspricht und dabei detailgetreu beschreibt. Der Reiter erhebe sein Haupt in reiner Luft und scheine über die nach den Bränden neu erbauten Paläste, das trojanische Feuer und die Vestalinnen zu wachen (32-36). Mit der rechten Hand wehre er Kämpfe ab, in der linken Hand halte er die Pallas Athene mit dem abgeschlagenen Haupt der Medusa, für die es keinen schöneren Ort gäbe (36-40). Die Brust des Reiters erscheine so stark, als könne sie die Welt von ihren Sorgen erlösen. Dafür habe Temesa all ihr Erz gegeben (41-42). Der Reiter sei mit einer Chlamys und einem gesicherten Schwert ausgestattet, wobei ein erneuter Vergleich mit dem großen Orion folgt (43-45).
2.3 Kommentierung der Verse
Mit den Worten par operi sedes (22) schafft Statius eine Überleitung von der großen Bedeutung der Statue zu der Beschreibung ihres Standorts.
2.3.1 Der Vergleich mit Caesar
Statius beginnt mit der Schilderung des Bauwerks gegenüber der Statue. Dort befinde sich das Portal des Tempels von Caesar: hinc obvia limina pandit (22). Mit dem Wort obvia wird bereits der Vergleich mit Caesar eingeleitet, da obvius nicht nur die Bedeutung „gegenüber“ im lokalen Sinne trägt, sondern auch mit adversativer Konnotation mit „entgegen“ übersetzt werden kann 6 . Statius verstärkt die Gegenüberstellung von Caesar und Domitian, indem er betont, dass Caesar erschöpft von den Bürgerkriegen sei: fessus bellis (23). Mit den Worten adscitae munere prolis (23) erinnert Statius an die Adoption Caesars seines Großneffen Augustus aufgrund fehlender Thronfolger. Caesar sei Domitian sogar derart unterlegen, dass er von seinem Antlitz lernen könne, um wie viel Domitian milder sei in der Kriegsführung (discit et e vultu quantum tu mitior armis (25), obwohl Caesar
6 Vgl. Georges, Karl Ernst: Lateinisch-deutsches Handwörterbuch: obvius. Zeno.org: Georges Lateinisch-
Deutsch / Deutsch-Lateinisch, S. 38436 (vgl. Georges-LDHW Bd. 2, S. 1291).
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2009, Das Reiterstandbild des Domitian bei Statius: Statius, silv. 1,22 - 45 , München, GRIN Verlag GmbH
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