Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publicación mundial de textos académicos
Go to shop › Filosofía - Filosofía de la Edad Antigua

Die Verführung des Lesers in Platons "Gorgias"

Título: Die Verführung des Lesers in Platons "Gorgias"

Trabajo Escrito , 2002 , 21 Páginas , Calificación: 2

Autor:in: Jan Henrik Hartlap (Autor)

Filosofía - Filosofía de la Edad Antigua
Extracto de texto & Detalles   Leer eBook
Resumen Extracto de texto Detalles

Es ist hinlänglich und längst bekannt, daß Sokrates nichts Schriftliches hinterlassen hat. Nahezu alles was wir ihn über ihn wissen, ist uns von seinem Schüler Platon hinterlassen. Wenn wir also von einer Philosophie des Sokrates sprechen, so sprechen wir von einer Version derselben, wie sie uns von Platon überliefert worden ist, angereichert durch einige wenige andere Quellen. Dasselbe gilt natürlich auch, vielleicht sogar in einem größeren Maße für Sokrates Methode. Im Wesentlichen geht es dabei darum, daß Sokrates seine Gesprächspartner durch Fragen erst in ihren vorgefaßten Meinungen erschütterte, um sie dann im Verlauf des weiteren Gespräches zu neuen Erkenntnissen anzuleiten. Anzuleiten bedeutet hierbei, daß Sokrates eben nicht als jemand auftrat, der vorgab die Antwort auf die von ihm gestellten Fragen bereits zu kennen, sondern als jemand, dessen Erkenntnisprozess parallel zu dem seines Gesprächspartners verläuft. Es ist aber höchst unwahrscheinlich, daß man auf diesem Wege jedesmal zu einem neuen Ergebnis gelangen würde. Die Wahrscheinlichkeit gebietet es, daß es Fälle gegeben haben muß, in denen Sokrates und sein Gesprächspartner ohne eine neue Erkenntnis auseinander gegangen sind, mit mehr unbeantworteten Fragen im Gepäck als vor ihrer Zusammenkunft. Solche Fälle sind uns aber nicht bekannt. Daraus folgt der Schluß, daß uns entweder solche Fälle nicht überliefert sind oder, daß es sich bei Sokrates Methodik um eine didaktische gehandelt hat, in der er Unwissenheit nur vorgespielt hat. In einem solchen Fall hätte Sokrates bereits ein Ziel vor Augen, auf das er mit seinen Fragen hinaus wollte. Dem Gesprächspartner würde der Eindruck vermittelt, er wäre selbständig zu einer Erkenntnis gelangt Eine solche didaktische Methode besitzt einen entscheidenden Vorteil. Der Gesprächspartner wird nicht explizit von einer Auffassung überzeugt sondern gelangt selber zu dieser und ist daher eher bereit diese auch anzunehmen. Er ist ja von selbst zu diesem Schluß gelangt. Es wurde ihm nicht seine Unwissenheit demonstriert und somit auch seine Eitelkeit nicht verletzt. Aus eben diesem Grund wird diese didaktische Methode noch heute in der Schulpädagogik angewandt. Nur macht sich in der Pädagogik niemand Illusionen darüber, daß der Lehrer einen Wissensvorsprung besitzt und gegenüber seinen Schülern eine Moderatorfunktion übernimmt. Diese Methode besitzt aber auch einen entscheidenden Nachteil. [...]

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Struktur des Gorgias

3. Gorgias

4. Polos

5. Kallikles

6. Schlußbemerkung

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die rhetorische und dramaturgische Konstruktion von Platons Dialog "Gorgias". Das primäre Ziel ist es, die These zu belegen, dass Platon als "Drehbuchautor" die Gesprächssituationen so manipuliert, dass Sokrates' dialektische Überlegenheit durch eine gezielte Sympathielenkung des Lesers und die rhetorische Schwächung seiner Kontrahenten begünstigt wird.

  • Die didaktische und dialektische Methode des Sokrates
  • Die fiktive Natur und Struktur des Dialogs
  • Analyse der Charaktere Gorgias, Polos und Kallikles
  • Die gezielte Sympathielenkung durch den Autor Platon

Auszug aus dem Buch

Struktur des Gorgias

Zumindest im Dialog Gorgias steht die Dialektik des Sokrates auf tönernen Füßen und könnte nicht funktionieren, gäbe es nicht den wohlwollenden Drehbuchautoren Platon, der dafür sorgt, daß die Argumente des Sokrates griffig und einleuchtend sind, daß Sokrates in der Lage ist seine die seiner Gesprächspartner mühelos aus dem Feld zu schlagen. Das ist die These dieser Hausarbeit. Um die These zu untermauern empfiehlt es sich, die Struktur des Dialoges einer kleinen Untersuchung zu unterziehen.

Platons Gorgias gliedert sich in drei Abschnitte, die sich offenkundig unterscheiden durch die jeweils unterschiedlichen Gesprächspartner. Nicht nur die Kontrahenten des Sokrates wechseln jedoch, auch der Inhalt des Dialoges ändert sich von Abschnitt zu Abschnitt.

Wie sich erweisen wird, sind hierbei Dialogpartner und Inhalt aufeinander abgestimmt. Bevor jedoch der eigentliche Dialog beginnt, nimmt Platon eine dramatische Exposition vor. Der Schauplatz des Dialoges und die daran beteiligten Personen werden eingeführt. Außerdem wird das vorgebliche Thema des Dialoges, nämlich die Redekunst, angesprochen. Nicht Sokrates läßt Platon dies unternehmen, sondern seinen Schüler Polos.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Erläutert die Rolle Platons als Vermittler der sokratischen Methode und stellt die These auf, dass der Dialog "Gorgias" eine fiktive Konstruktion zur Überzeugung des Lesers ist.

2. Struktur des Gorgias: Untersucht den Aufbau des Dialogs in drei Abschnitte und analysiert die Rolle von Polos in der dramatischen Exposition.

3. Gorgias: Analysiert, wie Platon den großen Redner Gorgias durch rhetorische Maulkörbe und inszenierte Schwäche in die Defensive drängt.

4. Polos: Beleuchtet die Darstellung von Polos als rhetorisch unterlegenen und unmethodischen Gesprächspartner, der durch Sokrates' Humor lächerlich gemacht wird.

5. Kallikles: Thematisiert Kallikles als "Wüstling" und Verächter der Philosophie, dessen moralische Position von Platon gezielt diskreditiert wird.

6. Schlußbemerkung: Resümiert, dass die didaktische Absicht Platons zur Verwischung der Grenze zwischen Überzeugung und Überredung führt.

Schlüsselwörter

Platon, Gorgias, Sokrates, Rhetorik, Dialektik, Sympathielenkung, Dramaturgie, Didaktik, Polos, Kallikles, Philosophie, Gesprächsführung, Überredung, Argumentation, griechische Antike

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert kritisch, wie Platon in seinem Dialog "Gorgias" die Gesprächssituationen künstlich so gestaltet, dass Sokrates seine rhetorischen und philosophischen Ziele erreichen kann.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Mittelpunkt stehen die Struktur des Dialogs, die Charakterisierung der Gesprächspartner Gorgias, Polos und Kallikles sowie die von Platon eingesetzten Techniken der Sympathielenkung.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist der Nachweis, dass Platons Dialektik in diesem Dialog auf einer dramaturgischen "Regie" basiert, die den Leser manipulativ beeinflusst.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die literaturwissenschaftliche und philosophische Textanalyse, um die Dialogstellen und die Inszenierung der Figuren zu dekonstruieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in Untersuchungen der drei genannten Gesprächspartner, wobei jeweils aufgezeigt wird, wie Platon deren Position gegenüber Sokrates schwächt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die wichtigsten Begriffe sind Platon, Gorgias, Rhetorik, Dialektik, Sympathielenkung und Didaktik.

Warum wird Polos im Dialog so oft lächerlich gemacht?

Laut dem Autor dient dies dazu, Polos als unmethodisch darzustellen und dem Leser zu signalisieren, dass seine Argumente gegenüber Sokrates' Logik weniger Gewicht haben.

Welche Rolle spielt die Einleitung des Dialogs durch Polos?

Platon nutzt Polos als Vermittler, um ein "Spiel der Eitelkeiten" zu inszenieren, das die Ausgangssituation zwischen Sokrates und Gorgias strukturell ordnet.

Warum ist Kallikles für den Autor ein problematischer Gesprächspartner?

Kallikles lehnt moralische Einsicht und die Philosophie grundsätzlich ab, wodurch er sich aus Sicht des Autors außerhalb des dialektischen Rahmens stellt und von Platon konsequent diskreditiert wird.

Final del extracto de 21 páginas  - subir

Detalles

Título
Die Verführung des Lesers in Platons "Gorgias"
Universidad
Justus-Liebig-University Giessen  (Zentrum für Wissenschaft)
Calificación
2
Autor
Jan Henrik Hartlap (Autor)
Año de publicación
2002
Páginas
21
No. de catálogo
V18497
ISBN (Ebook)
9783638228312
Idioma
Alemán
Etiqueta
Verführung Lesers Platons Gorgias
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Jan Henrik Hartlap (Autor), 2002, Die Verführung des Lesers in Platons "Gorgias", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18497
Leer eBook
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
Extracto de  21  Páginas
Grin logo
  • Grin.com
  • Envío
  • Contacto
  • Privacidad
  • Aviso legal
  • Imprint