Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 5
II. Allgemeines zum Stimmverbot 7
1. Gegenstand. 7
2. Normzweck. 8
3. Auslegung 10
4. Umgehungsverbot 11
5. Schutzobjekt und Rechtsfolgen der Missachtung des
Stimmverbotes 13
6. Analogiefähigkeit des Stimmverbotes. 13
7. Ausnahmen vom Anwendungsbereich des Stimmverbotes 14
7.1. Einpersonen-Gesellschafter. 14
7.2. Verbandsrechtliche Beschlüsse 15
7.3. Befangenheit sämtlicher Gesellschafter 16
8. Reichweite von Stimmverboten 18
8.1. Definition des Beschlussgegenstandes 18
8.2. Abgrenzung der Parteistellung. 20
8.3. Befangenheit mehrerer Gesellschafter 21
8.4. Einstimmigkeitsprivileg 25
8.5. Nahebeziehung 25
8.5.1. Persönliche Nahebeziehung 26
8.5.2. Rechtliche Nahebeziehung. 27
III. Der persönliche Anwendungsbereich des Stimmverbotes. 29
1. Fall: Befangenheit des Gesellschafters 29
2. Fall: Befangenheit des Vertreters und Verwalters 30
2
2.1. Stimmausübung für fremden Anteil 30
2.2. Vertreter 33
3. Fall: Erstreckung des Stimmverbotes auf Vertreter und
Verwalter des befangenen Gesellschafters. 33
3.1. Abstimmung von Vertretern und Verwaltern aus befangenem
Anteil 33
3.2. Vertreter 36
3.3. Eigennützige vs. fremdnützige Vertretung 36
4. Fall: Erstreckung des Stimmverbotes auf die Gesellschafter-
Gesellschaft 38
4.1. Abstimmung von Gesellschafter-Gesellschafterin 38
4.2. Bei befangenem Gesellschafter. 42
4.2.1. Rechtsfähige Rechtsträger. 44
4.2.2. Sonstige Rechtsgemeinschaften 49
4.2.3. Unterbeteiligung des Befangenen 50
4.3. Bei befangenem Organmitglied 51
5. Fall: Erstreckung der Befangenheit der beteiligten Gesellschaft
bzw. der Drittgesellschaft auf den Gesellschafter 54
5.1. Ausübung des Stimmrechts durch Gesellschafter 54
5.2. Unbestrittene Fälle der Erstreckung des Stimmverbotes 56
5.3. Sonstige Fälle der Erstreckung des Stimmverbotes 59
5.3.1. Beherrschung 59
5.3.2. Interessensverknüpfung 60
5.3.3. Unternehmerisches Interesse, Funktion und Einfluss 61
5.3.5. Größe der Beteiligung 64
6. Sonderfälle. 66
3
6.1. Stimmverbot im Konzernverhältnis oder Konzernprivileg. 66
6.2. Rechtsnachfolger 72
IV. Abweichende Vereinbarungen 75
1. Erweiterung der Stimmverbote im Gesellschaftsvertrag 75
2. Beschränkung/Beseitigung der Stimmverbote im
Gesellschaftsvertrag 75
3. Zulassung zur Abstimmung im Einzelfall 77
V. Zusammenfassung. 79
VI. Literaturverzeichnis 84
1. Kommentare und Monographien 84
2. Aufsätze und Rezensionen 85
3. Entscheidungen 86
3.1. Deutsche Entscheidungen. 86
3.2. Österreichische Entscheidungen 89
4
I. Einleitung
Das Stimmrecht ist eines der zentralen Gesellschafterrechte und ermöglicht die Mitwirkung eines stimmberechtigten Gesellschafters an der Entscheidungsfindung der Gesellschaft mit beschränkter Haftung (kurz: GmbH). Das Stimmrecht ist unmittelbar mit der Mitgliedschaft eines Gesellschafters an einer Gesellschaft 1 verbunden.
Das Stimmrecht ist vom Teilnahmerecht des Gesellschafters an der Generalversammlung zu unterscheiden. Das Teilnahmerecht ermöglicht es dem Gesellschafter, bei der Generalversammlung anwesend zu sein und an der Beratung 2 Das Teilnahmerecht kommt über die Entscheidungsgegenstände teilzuhaben.
auch solchen Gesellschaftern zu, die (für den jeweiligen Beschlussgegenstand) über kein Stimmrecht verfügen. Auf diese Weise soll dem Gesellschafter ermöglicht werden, seine Ansichten vor Entscheidungsfindung kundzutun und von den 3 anderen Gesellschaftern angehört zu werden.
Zweck des Stimmverbotes ist es, dem Gesellschafter zu untersagen, sein Stimmrecht auszuüben, wenn ein Interessenskonflikt das Abstimmungsverhalten eines Gesellschafters beeinflussen könnte.
Von Gesetzes wegen werden bestimmte Situationen definiert, in welchen typischerweise mit einem solchen Interessenskonflikt zu rechnen ist.
Welcher Personenkreis vom Stimmverbot umfasst ist, ist von Gesetzes wegen nicht derart klar umrissen.
Nimmt der Gesellschafter an der Abstimmung teil, obwohl seine Stimmabgabe 4 Wird der Gesellvom Stimmverbot umfasst ist, ist dessen Stimmabgabe nichtig.
1 Enzinger in Straube, Wiener Kommentar zum GmbH-Gesetz (2008) § 39 Z 15; Fritz, Ge- und Unternehmensformen in Österreich (2007), Rz 1979 2 Kalss/Nowotny/Schauer, Österreichisches Gesellschaftsrecht (2008), Rz 4/291; Enzinger
in Straube, Wiener Kommentar, § 39 Z 15
3 Kalss/Nowotny/Schauer, Österreichisches Gesellschaftsrecht, Rz 4/291; Wenger, GmbH-Generalversammlung: Zu Tagesordnung, Stimmverbot und Stimmenthaltung, RZW 2006,
(1) (15), 15; OGH 22.09.2005, 2 Ob 175/95g
4 Enzinger in Straube, Wiener Kommentar, § 39 Rz 91; Koppensteiner/Rüffler, GmbHG- 10 (2007), Kommentar³ (2007), § 39 Rz 47; K. Schmidt in Scholz/K.Schmidt, GmbH-Gesetz
§ 47 Rz 175
5
schafter aufgrund des Vorliegens eines vermeintlichen Befangenheitsgrundes von der Abstimmung ausgeschlossen, so wird Anfechtbarkeit des Beschlusses 5 angenommen.
Wird das Stimmverbot verletzt, so hat dies der Versammlungsleiter aufzugreifen. Die entgegen dem Stimmverbot abgegebenen Stimmen sind bei der Ermittlung 6 des Beschlussergebnisses vom Versammlungsleiter nicht mitzuzählen.
Eine Mangelhaftigkeit kann durch Anfechtungsklage geltend gemacht werden, sofern die Verletzung des Stimmverbotes sich auf das Beschlussergebnis auswirkt. In der Praxis wird die Anfechtungsklage zumeist mit einer positiven Be- 7 schlussfeststellungsklage verbunden.
Angesichts dieser nicht ganz unbedeutenden Rechtsfolgen ist die Beurteilung der personellen Reichweite des Stimmverbotes daher von wesentlicher praktischer Bedeutung und soll in der Folge näher beschrieben werden.
5 Koppensteiner/Rüffler, GmbHG, § 39 Rz 17 und Rz 47; Kalss/Nowotny/Schauer, Österrei- Gesellschaftsrecht, Rz 4/293; Enzinger in Straube, Wiener Kommentar, § 39 Z
44 und Z 91; K. Schmidt in Scholz/K. Schmidt, GmbH-Gesetz, § 47 Rz 175; Schmidt S.,
Stimmverbote in der GmbH (2003) 127; Umfahrer, Die Gesellschaft mit beschränkter Haf- 6 (2008)GmbH Rn 473; Thöni, Zur prozessualen Beseitigung unklarer Beschlussertung
gebnisse im GmbH-Recht, ÖJZ 2002, (215) 215; Mutz, Untersagung der Stimmrechtsaus- eines GmbH-Gesellschafters, RdW 2003, (301) 301; OGH 1 Ob 102/52; SZ 25/33;
OGH 1 Ob 194/63; SZ 37/24 = EvBl 1964/271; OGH 1 Ob 573/85; SZ 58/88 = Wbl 1987,
69; OGH 8 Ob 515/86, GesRZ 1986, 199 = SZ 59/43; OGH JBL 1992, 597; SZ 57/88 6 OGH JBL 1992, 579; OGH 9 ObA 358/98g; Mutz, Untersagung, RdW 2003, 301; Lut- 17 (2009) 47 Rz 25 ter/Hommelhoff, GmbH-Gesetz
7 Kalss/Nowotny/Schauer, Österreichisches Gesellschaftsrecht, Rz 4/293; OGH 8 Ob 595-596/90; SZ 64/191=GesRZ 1993, 103; Mutz, Untersagung, RdW 2003, 301; Thöni, Zur
prozessualen Beseitigung, ÖJZ 2002, 215; Koppensteiner/Rüffler, GmbHG, § 34 Rz 17;
2 (2006) zu Anh § 47 Rz 91; Raiser in Ulmer/Habersack/Winter, GmbH-Großkommentar
Roth in Roth/Altmeppen, Gesetz betreffend die Gesellschaften mit beschränkter Haftung
6 (2009), § 47 Rz 115; Hüffer in Ulmer/Habersack/Winter, GmbH-Großkommentar 2 (GmbH)
(2006), § 47 Rz 120; K. Schmidt in Scholz/K. Schmidt, GmbH-Gesetz § 47 Rz 100
6
II. Allgemeines zum Stimmverbot
1. Gegenstand
Gemäß § 39 Abs. 4 GmbH-Gesetz hat, wer durch die Beschlussfassung von einer Verpflichtung befreit oder wem ein Vorteil zugewendet werden soll, hiebei weder im eigenen noch im fremden Namen das Stimmrecht.
Das Gleiche gilt bei der Beschlussfassung, welche die Vornahme eines Rechtsgeschäftes mit einem Gesellschafter oder die Einleitung oder Erledigung eines Rechtsstreites zwischen ihm und der Gesellschaft betrifft.
Das deutsche Recht verfügt über eine nahezu wortgleiche Regelung in § 47 Abs. 4 dGmbHG, wonach ein Gesellschafter, welcher durch die Beschlußfassung entlastet oder von einer Verbindlichkeit befreit werden soll, hierbei kein Stimmrecht hat und ein solches auch nicht für andere ausüben darf. Dasselbe gilt von einer Beschlußfassung, welche die Vornahme eines Rechtsgeschäfts oder die Einleitung oder Erledigung eines Rechtsstreits gegenüber einem Gesellschafter betrifft.
Aus diesem Grund wird in der Folge nicht nur die österreichische Lehre und Rechtsprechung analysiert, sondern wird auf die zu § 47 Abs. 4 dGmbHG ergangene Rechtsprechung und Lehre zurückgegriffen und kann diese auch Großteils übernommen werden.
§ 39 Abs. 4 GmbHG verbietet es einem Gesellschafter, sein Stimmrecht auszuüben, soferne er sich in einem Interessenskonflikt befindet. Durch das Stimmverbot sollen Fälle von Interessenskollision zwischen Gesellschafter und Gesell- 8 schaft verhindert werden.
Eine ähnliche, jedoch nicht idente Regelung ist auch in § 114 Abs. 5 Aktiengesetz wieder zu finden.
8 Enzinger in Straube, Wiener Kommentar, § 39 Rz 70; Koppensteiner/Rüffler, GmbHG,
§ 39 Rz 31; Hüffer in Ulmer/Habersack/Winter, GmbH, § 47 Rz 120ff.; Koppensteiner in Rowedder/Schmidt-Leithoff, Gesetz betreffend die Gesellschaft mit beschränkter Haftung:
4 (2002), § 47 Rz 46; Schneider, Stimmverbote im GmbH-Konzern, ZHR 150 GmbHG
(1986), (609) 612; Reich-Rohrwig, GmbH-Recht (1997) 344; OGH ÖBA 1960, 58; BGH
NJW 1989, 2694, 2694; OGH GesRZ 2007, 54; SZ 59/43, SZ 27/71; OLG Linz NZ 2010/19
7
Bei näherer Betrachtung ist erkennbar, dass beide Rechtsinstitute ähnliche Kon- 9 zulösen fliktsituationen, nämlich „institutionell bedingte Interessenskonflikte“ versuchen. Daraus lässt sich ein gewisser „allgemeiner verbandsrechtlicher 10 ableiten. Rechtsgrundsatz“
§ 39 Abs. 4 GmbHG sieht keinen generellen Ausschluss des Stimmrechts bei jeglicher Interessenskollision vor, weshalb das allgemeine Verbot der missbräuchlichen Stimmrechtsausübung neben das Stimmverbot tritt und die Bestim- 11 DieAusübungskontrolle aufgrund des mung des § 39 Abs. 4 GmbHG ergänzt.
Verbots des Stimmrechtsmissbrauchs fungiert als Auffangtatbestand; jedoch nur insoweit als dabei der Zweck der anderen Verbotstatbestände nicht unterlaufen 12 wird.
Bei Vorliegen eines Interessenskonfliktes ist zudem zu beachten, dass die nicht vom Stimmverbot erfassten Gesellschafter durch die ihnen zukommende Treuepflicht in der Ausübung ihres Stimmrechts gebunden sind und daher nicht nach 13 freiem Ermessen vorgehen können.
2. Normzweck
Stimmverbote haben den Zweck, die gesellschaftsinterne Willensbildung auf „ei- 14 . Schutzzweck der Verbotstatbe- ne (möglichst) fehlerfreie Grundlage zu stellen“ stände ist somit die freie und unverfälschte Willensbildung.
9 Enzinger in Straube, Wiener Kommentar, § 39 Rz 70; K. Schmidt in Scholz/K. Schmidt,
GmbH-Gesetz, § 47 Rz 88 und Rz 90 10 Enzinger in Straube, Wiener Kommentar, § 39 Rz 70
11 Enzinger in Straube, Wiener Kommentar, § 39 Rz 70; Koppensteiner, Identifizierungsprob- im Recht der GmbH. Bemerkungen zu OGH GesRZ 1981, 44, In: Barfuß - Torggler -Hauer - Wiltschek - Kucsko, GS Schönherr (1986), (205) 207; K. Schmidt in Scholz/K.
19
(2010), § 47
Schmidt,
GmbH-Gesetz, § 47 Rz 99;
Zöllner
in
Baumbach/Hueck,
GmbHG Rz 100; Hüffer in Ulmer/Habersack/Winter, GmbH, § 47 Rz 120; Gellis/Feil, GmbH- 7 (2009), 39 Rz 14; Koppensteiner in Rowedder/Schmidt-Leithoff, GmbHG, § 47 Gesetz
Rz 46; BGH WM 1977, 361ff.; OGH 6 Ob 139/06v; SZ 68/193; BGHZ 97, 28; 12 Enzinger in Straube, Wiener Kommentar, § 39 Rz 70; K. Schmidt in Scholz/K. Schmidt,
GmbH-Gesetz, § 47 Rz 99
13 Enzinger in Straube, Wiener Kommentar, § 39 Rz 70; K. Schmidt in Scholz/K. Schmidt,
GmbH-Gesetz, § 47 Rz 99
14 Enzinger in Straube, Wiener Kommentar, § 39 Rz 70; Hüffer in Ulmer/Habersack/Winter,
GmbH, § 47 Rz 120
8
Stimmverbote sind als starre Schranken zu sehen. Sie werden bei bestimmten Interessenskonflikten schlagend, ohne zu prüfen, ob die verbandsinterne Willensbildung tatsächlich berührt wird, also wo „eine Mehrheitsentscheidung schon 15 . in abstracto nicht zu einer Synthese der gegenläufigen Interessen führen kann“
In § 39 Abs. 4 GmbH-Gesetz sind jedoch nur einige und nicht alle Interessenskonflikte zwischen Gesellschafts- und Eigeninteressen des Gesellschafters oder aber Konflikte zwischen Minderheits- und Mehrheitsgesellschaftern abschließend 16 erfasst.
Das Stimmverbot verfügt über zwei unterschiedliche Stoßrichtungen:
x Zum einen soll niemand Richter in eigener Sache sein. 17
x Zum anderen soll die Kollision von Interessen beim Abschluss von
15 Enzinger in Straube, Wiener Kommentar, § 39 Rz 71 16 Enzinger in Straube, Wiener Kommentar, § 39 Rz 71
17 Enzinger in Straube, Wiener Kommentar, § 39 Rz 72; Koppensteiner/Rüffler, GmbHG,
§ 39 Rz 31; Reich-Rohrwig, GmbH-Recht 344; Gellis/Feil,GmbH-Gesetz, § 39 Rz 14; K. Schmidt in Scholz/K. Schmidt, GmbH-Gesetz, § 47 Rz 100; Koppensteiner in Rowed- GmHG, § 47 Rz 46; Wenger, Zum Stimmrechtsausschluss, RZW
2010, 40; SZ 59/43; SZ 27/71; OGH GesRZ 2007, 54; RdW 2002, 85, 90 = SWK 2002,
412; BGHZ 97, 28 = NJW 1986, 2051; BGHZ 9, 157, 178; RGZ 146, 385, 389; OGH 6 Ob
49/09p = NZ 2010/9
18 Enzinger in Straube, Wiener Kommentar, § 39 Rz 72; K. Schmidt in Scholz/K. Schmidt,
GmbH-Gesetz, § 47 Rz 100; Koppensteiner/Rüffler, GmbHG, § 39 Rz 31; Lut-
GmbH-Gesetz, Koppensteiner in Rowedder/Schmidt-Leithoff,
9
Ist von vornherein ein Interessenskonflikt zwischen Einzelgesellschafter und Gesamtheit der Gesellschafter ausgeschlossen, so greift das Stimmverbot ebenfalls nicht. Als Beispiele hiefür werden genannt:
x die Beschlussfassung bei der Einmanngesellschaft (siehe dazu Punkt II. 7) oder
x die Befangenheit sämtlicher Gesellschafter (siehe Punkt II. 7.3). 21
3. Auslegung
Bei der Auslegung der Verbotstatbestände ist grundsätzlich der Sinn und Zweck 22 der Regelung maßgeblich.
Das Stimmverbot ist nach ständiger Rechtsprechung und Lehre nicht extensiv auszulegen, zumal sich der Gesetzgeber - zugunsten der Rechtssicherheit - gegen eine Generalklausel entschied. Doch auch eine zu restriktive Auslegung die- 23 ser Bestimmung ist schädlich.
Einerseits kann somit nicht generell von einem Stimmverbot bei Interessenskollision ausgegangen werden. Andererseits ist es auch verboten, das Stimmrecht
GmbHG, § 47 Rz 46; Wilhelm, Stimmrechtsausschluss und Verbot des Insichgeschäfts, JZ
1976, (674) 674; BGHZ 51, 209, 215
19 Gellis/Feil, GmbH-Gesetz, § 39 Rz 14; EvBl 1975/198 = NZ 1976,62 = SZ 47/143; EvBl
1981/128; GesRZ 1993, 168 = WBl 1992, 406 = ÖBl 1992, 157 20 Lutter/Hommelhoff, GmbH-Gesetz, § 47 Rz 13; Immenga/Werner, Der Stimmrechtsaus- eines GmbH-Gesellschafters, GmbHR 1976, (53) 54f. 21 Lutter/Hommelhoff, GmbH-Gesetz, § 47 Rz 13; BayObLG WM 1984, 1572 22 Enzinger in Straube, Wiener Kommentar, § 39 Rz 74
23 Enzinger in Straube, Wiener Kommentar, § 39 Rz 74; Koppensteiner / Rüffler, GmbHG,
§ 39 Rz 31; K. Schmidt in Scholz/K. Schmidt, GmbH-Gesetz, § 47 Rz 100; Koppensteiner,
Identifizierungsprobleme, In: GS Schönherr, 207; Koppensteiner in Rowedder/Schmidt-Leithoff, GmbH-Gesetz, § 47 Rz 47
10
missbräuchlich auszuüben. Diese Situation führt zu erheblicher Rechtsunsicher- 24 heit.
4. Umgehungsverbot
Stimmverbote sind „starre an abstrakte Voraussetzungen geknüpfte Schranken 25 , die „umgehungsder Kontrolle aufgrund institutioneller Interessenskonflikte“ 26 sind. Der Abstimmungsvorgang soll nicht derart manipuliert werden, dass fest“ 27 die Stimmverbote umgangen werden.
Im Vergleich zur allgemeinen Missbrauchskontrolle ist bei Stimmverboten die Erfassung von Umgehungsfällen insbesondere auch im Lichte der Treuepflicht der
28 Gesellschafter untereinander geboten.
Umgehungsfälle liegen insbesondere in folgenden Fällen vor:
x Ein Gesellschafter überträgt nur der Form halber seinen Geschäftsanteil
x Ein Gesellschafter, der vom Stimmverbot erfasst ist, nimmt als Vertreter
24 Enzinger in Straube, Wiener Kommentar, § 39 Rz 74; Lutter/Hommelhoff, GmbH-Gesetz,
§ 47 Rz 14; Koppensteiner in Rowedder/Schmidt-Leithoff, GmbH-Gesetz, § 47 Rz 47;
Scholz/K. Schmidt, GmbH-Gesetz, § 47 Rz 148f; BGHZ 68, 107, 109; BGHZ 97, 28, 33;
BGH 80, 71;OLG Hamm GmbHR 1992, 82; BGH WM 1990, 1618, 1619
25 Enzinger in Straube, Wiener Kommentar, § 39 Rz 86; K. Schmidt in Scholz/K. Schmidt,
GmbH-Gesetz, § 47 Rz 148; Zöllner, Schranken 164ff.
26 K. Schmidt in Scholz/K. Schmidt, GmbH-Gesetz, § 47 Rz 148; Zöllner, Schranken
mitgliedschaftlicher Stimmrechtsmacht bei den privatrechtlichen Personenverbänden
164ff.
27 K. Schmidt in Scholz/K. Schmidt, GmbH-Gesetz, § 47 Rz 148 28 Enzinger in Straube, Wiener Kommentar, § 39 Rz 86; Zöllner, Schranken 164ff. 29 Lutter/Hommelhoff, GmbH-Gesetz, § 47 Rz 15; BGH NJW 1976, 713; OLG Düsseldorf
GmbHR 2001, 1053f.; OLG Hamm GmbHR 1989, 79f. 30 Lutter/Hommelhoff, GmbH-Gesetz, § 47 Rz 15
11
x Ein Dritter übt als Vertreter des befangenen Gesellschafters dessen Stimmrecht aus.
x Der Befangene ist zwar nicht selbst Gesellschafter, aber er ist Teilhaber
x Der Geschäftsanteil steht mehreren Erben zu und der Befangene übt ei- 33 nen maßgeblichen Einfluss auf die anderen aus.
Eine Umgehung der Stimmrechtsverbote ist nur dann ausgeschlossen, wenn die zugrunde liegende Bestimmung richtig angewandt wird. Der Umfang des Stimmverbotes wird durch den Telos der gesetzlichen Regelung determiniert (siehe da- 34 zu Punkt II. 2).
Eine Grenze der extensiven Auslegung des Stimmverbotes bietet die materielle Beschlusskontrolle, welche durch die zu großflächige Anwendung des Stimmver- 35 botes nicht verdrängt werden sollte.
Ein Gesellschafter soll beispielsweise nicht bereits deshalb von der Ausübung seines Stimmrechts ausgeschlossen sein und als befangen gelten, wenn der von ihm damals vorgeschlagene Gesellschaftergeschäftsführer nunmehr abberufen 36 werden soll.
Umgangen werden kann das Stimmverbot insbesondere, indem
31 Lutter/Hommelhoff, GmbH-Gesetz, § 47 Rz 15; LG München GmbHR 1995, 231 32 Lutter/Hommelhoff, GmbH-Gesetz, § 47 Rz 15; Hüffer in Ulmer/Habersack/Winter, GmbH,
§ 47 Rz 131; Bacher, Das Stimmverbot bei Beteiligungsverhältnissen bei Befangenheit
des Geschäftsführers analog § 47 Abs. 4 GmbHG, GmbHR 2002, (143) 143; OLG Bran- GmbHR 2001, 626; BGH 56, 53; BGH 68, 110; OLG Hamm ZIP 1993, 119 33 Lutter/Hommelhoff, GmbH-Gesetz, § 47 Rz 15; Koppensteiner in Rowedder/Schmidt-Leithoff, GmbH-Gesetz, § 47 Rz 63ff.; BGH 49, 174; BGH WM 1976, 205; BGH BB 2003,
490
34 Enzinger in Straube, Wiener Kommentar, § 39 Rz 86; Zöllner, Schranken 164ff.; K.
Schmidt in Scholz/K. Schmidt, GmbH-Gesetz, § 47 Rz 148
35 Enzinger in Straube, Wiener Kommentar, § 39 Rz 86; Zöllner, Schranken 164ff.; K.
Schmidt in Scholz/K. Schmidt, GmbH-Gesetz, § 47 Rz 148
36 Enzinger in Straube, Wiener Kommentar, § 39 Rz 86; K. Schmidt in Scholz/K. Schmidt,
GmbH-Gesetz, § 47 Rz 152; Hüffer in Ulmer/Habersack/Winter, GmbH, § 47 Rz 143
12
x der Beschlussgegenstand als Beurteilungsbasis für die Anwendbarkeit des
x
der persönliche Anwendungsbereich des Stimmverbotes und damit die zu-
5. Schutzobjekt und Rechtsfolgen der Missachtung des Stimmverbotes
Durch das Stimmverbot geschützt werden soll primär die Gesellschaft sowie die 38 Mitgesellschafter, nicht jedoch Dritte, wie Gläubiger der Gesellschaft.
39 § 39 Abs. 4 GmbH-Gesetz ist kein Schutzgesetz zugunsten der Gläubiger.
Folgen der Missachtung eines Stimmrechtsverbotes für den rechtswidrig handelnden Gesellschafter ist eine Schadenersatzpflicht gegenüber den Mitgesellschaftern sowie gegenüber der Gesellschaft. Denn das Stimmrechtsverbot dient nicht ausschließlich dem Schutz der freien Willensbildung, sondern zielt auch darauf ab, die Vermögensrechte des Gesellschafters zu schützen und diesen vor 40 der Zufügung von Nachteilen zu bewahren.
Sind die vermögensrechtlichen Nachteile bei der Gesellschaft aufgetreten, so 41 nehmen die Mitgesellschafter die Stellung mittelbar Geschädigter ein.
6. Analogiefähigkeit des Stimmverbotes
Eine Analogie ist nur auf solche Fälle eingeschränkt möglich, denen eine ähnliche Interessenskollision zugrunde liegt, wie diese von Gesetzes wegen als Tat- 42 bestand vorgesehen ist.
37 Enzinger in Straube, Wiener Kommentar, § 39 Rz 86; K. Schmidt in Scholz/K. Schmidt,
GmbH-Gesetz, § 47 Rz 148; Zöllner, Schranken 164 und 247ff.
38 Enzinger in Straube, Wiener Kommentar, § 39 Rz 73; K. Schmidt in Scholz/K. Schmidt,
GmbH-Gesetz, § 47 Rz 100; Lutter/Hommelhoff, GmbH-Gesetz, § 47 Rz 13; Schneider,
Stimmverbote, ZHR 150 (1986), 612; Wenger, GmbH-Generalversammlung, RZW 2006,
15
39 Enzinger in Straube, Wiener Kommentar, § 39 Rz 73; K. Schmidt in Scholz/K. Schmidt,
GmbH-Gesetz, § 47 Rz 100; OLG Brandenburg GmbHR 1976, 54f.
40 Enzinger in Straube, Wiener Kommentar, § 39 Rz 73; K. Schmidt in Scholz/K. Schmidt,
GmbH-Gesetz, § 47 Rz 100
13
So entschied der OGH beispielsweise, dass der Gesellschafter-Geschäftsführer bei der Fassung des Beschlusses über die Befreiung vom Wettbewerbsverbot dem Stimmverbot unterliegt; dies obwohl der „Widerruf zur Einwilligung zu Konkurrenztätigkeiten (...) unter keinen der in § 39 Abs. 4 GmbHG genannten Tatbe- 43 fällt.Der OGH wendet in diesem Fall das Stimmverbot auf den befanstände“
genen Gesellschafter-Geschäftsführer an, aber „analog (...), weil es um den 44 . contrarius actus geht“
Das Stimmverbot gilt nicht nur in der Gesellschafterversammlung, sondern findet auch in anderen Gesellschaftsorganen Anwendung.
Unstrittig ist, dass diese Bestimmung analog auf den Aufsichtsrat oder den Beirat angewandt wird, soferne dieser die Zuständigkeiten der Gesellschafterversammlung eingeräumt erhält. Doch auch in diesem Fall betrifft das Verbot nur die 45 Stimmabgabe und nicht die Teilnahme an der Versammlung.
7. Ausnahmen vom Anwendungsbereich des Stimmverbotes
7.1. Einpersonen-Gesellschafter
Kein Stimmrechtsverbot ist zu Lasten des Einpersonen-Gesellschafters gege-
46 ben.
41 Enzinger in Straube, Wiener Kommentar, § 39 Rz 73
42 Koppensteiner/Rüffler, GmbHG, § 39 Rz 31; Koppensteiner in Rowedder/Schmidt-Leithoff,
GmbH-Gesetz, § 47 Rz 52; Heidinger, Einzelentlastung der GmbH-Geschäftsführer und
Stimmverbot, GesRZ 1997, (237) 240f.; Schmidt S., Stimmverbote 28ff.; Koppensteiner,
Identifizierungsprobleme, In: GS Schönherr, 207 43 OGH 6 Ob 139/06v, RZW 2007/5 = wbl 2007, 241 = RdW 2007. 284 44 OGH 6 Ob 139/06v, RZW 2007/5 = wbl 2007, 241 = RdW 2007. 284 45 Gellis/Feil, GmbH-Recht, § 39 Rz 14; Lutter/Hommelhoff, GmbH-Recht, § 47 Rz 17; Im- Der Stimmrechtsausschluss, GmbHR 1976, 55; OGH RdW 2002/348, 341
= WBl 2002/187, 281
46 Kastner/Doralt/Nowotny, Grundriss des österreichischen Gesellschaftsrecht 5 (1990) 414;
Kalss/Nowotny/Schauer, Österreichisches Gesellschaftsrecht, Rz 4/293; Kastner, Zur Mit- an mehreren Organen derselben Gesellschaft, In: Barfuß - Torggler - Hauer -Wiltschek - Kucsko, GS Schönherr (1986), (193) 197ff; Koppensteiner/Rüffler, GmbHG,
§ 39 Rz 32; Koppensteiner, Zur Haftung des GmbH Gesellschafters, Wbl 1988, (1) 2ff.; Reich-Rohrwig, GmbH-Recht 344; Doralt in Kastner/Stoll, GmbH&Co KG im Handels-,
2 292; Gellis/Feil, § 39 Rz 14; Fritz, Gesellschafts- und Gewerbe- und Steuerrecht (1977)
Unternehmensformen, Rz 2297; Enzinger in Straube, Wiener Kommentar, § 39 Rz 77;
Umfahrer, GmbH, Rz 474; Zöllner in Baumbach/Hueck, GmbHG, § 47 Rz 62; Hüffer in Ul- GmbH, § 47 Rz 124f.; Lutter/Hommelhoff, GmbH-Gesetz, § 47 Rz
13, Roth in Roth/Altmeppen, GmbHG, § 47 Rz 71; K. Schmidt in Scholz/K.Schmidt,
14
Ausnahmsweise besteht ein Stimmverbot, wenn für den Alleingesellschafter ein 47 Vertreter an der Abstimmung teilnimmt, der selbst befangen ist.
7.2. Verbandsrechtliche Beschlüsse
Das Stimmverbot greift bei verbandsrechtlichen Beschlüssen wie Wahlen, Änderungen in der Geschäftsführungs- und Vertretungsbefugnis, Zustimmung zur Ab- GmbH-Gesetz, 47 Rz 105; Koppensteiner in Rowedder/Schmidt-Leithoff, GmbHG, § 47
Rz 48; Herzfelder, Stimmrecht und Interessenskollision bei den Personenverbänden des
deutschen Reichs-Privatrechts (1927) 100ff.; Plander, Die Geschäfte des Gesellschafter-Gesellschäftsführers der Einmann-GmbH mit sich selbst (1969), 60ff.; Zöllner, Schranken
183ff.; Lindemann, Die Beschlussfassung in der Einmann-GmbH, 1996, 207f.; S. Schmidt
in Doralt/Nowotny/Kalss, Kommentar zum Aktiengesetz (2003), § 114 Rz 67; BGHZ 105,
324, 333 = NJW 1989, 295, 297; BayObLG, BB 1984, 1117, 1118 = WM 1984, 1572;
BayObLG, GmbHR 1988, 389, 390 = WM 1988, 1229, 1231
47 Enzinger in Straube, Wiener Kommentar, § 39 ZRz 77; K. Schmidt in Scholz/K.Schmidt,
GmbH-Gesetz, § 47 Rz 105; Zöllner in Baumbach/Hueck, GmbHG, § 47 Rz 63; Hüffer in
Ulmer/Habersack/Winter, GmbH, § 47 Rz 125; Koppensteiner in Rowedder/Schmidt-
GmbH-Gesetz, Lindemann, Die
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tretung von Geschäftsanteilen, Änderung der Satzung, Auflösung der GmbH 48 nicht.
Dies lässt sich aus § 39 Abs. 5 GmbH-Gesetz ableiten, wonach der Gesellschafter bei der Beschlussfassung über seine Bestellung zum Geschäftsführer bzw. seine Abberufung stimmberechtigt ist.
Das Stimmverbot ist jedoch bei allen sozietär begründeten Rechtsstreitigkeiten wie Haftungsansprüchen gegen Organe, Anfechtungs- oder Ausschlussklagen 49 anwendbar.
7.3. Befangenheit sämtlicher Gesellschafter
Unstrittig ist, dass in Fällen, in denen sämtliche (nicht nur die erschienenen) Ge- 50 sellschafter gleichmäßig befangen sind, das Stimmrechtsverbot nicht gilt.
„Gleichmäßige Befangenheit“ liegt vor, wenn das Stimmverbot aufgrund eines 51 gleichgelagerten Lebenssachverhaltes anwendbar ist.
48 OGH 6 Ob 169/09k; SZ 69/254 49 OGH 6 Ob 169/09k
50 Kalss/Nowotny/Schauer, Österreichisches Gesellschaftsrecht, Rz 4/293; Reich-Rohrwig,
GmbH-Recht 344; Schmidt S., Stimmverbote 94f.; Nowotny, Stimmrechtsausschluß und
Entlastungsbeschluß, RdW 1990, (2) 2; Gellis/Feil, GmbH-Gesetz, § 39 Rz 14; Zöllner in
Baumbach/Hueck, GmbHG, § 47 Rz 94; Fritz, Gesellschafts- und Unternehmensformen,
Rz 2297; K. Schmidt in Scholz/K. Schmidt, GmbH-Gesetz, § 47 Rz 106; Hüffer in Ul- GmbH, § 47 Rz 124; Lutter/Hommelhoff, GmbH-Gesetz, § 47 Rz
13; Roth in Roth/Altmeppen, GmbHG, § 47 Rz 71; Koppensteiner in Rowedder/Schmidt-Leithoff, GmbH-Gesetz, § 47 Rz 48; Vogel, Gesellschafterbeschlüsse und Gesellschafter- (1986), 74; Herzfelder, Stimmrecht, 99; Zöllner, Schranken, 181ff.; Wenger,
GmbH-Generalversammlung, RZW 2006,15; S. Schmidt in Doralt/Nowotny/Kalss, AktG,
§ 114 Rz 68; BGH II ZR 73/85 = WM 1986, 456
51 Kalss/Nowotny/Schauer, Österreichisches Gesellschaftsrecht, Rz 4/293; Reich-Rohrwig,
GmbH-Recht, 344; Schmidt S., Stimmverbote 94f.; Nowotny, Stimmrechtsausschluß, RdW
1990, 2; Gellis/Feil, GmbH-Recht, § 39 Rz 14; Zöllner in Baumbach/Hueck, GmbHG, § 47
Rz 94; Fritz, Gesellschafts- und Unternehmensformen, Rz 2297; Enzinger in Straube,
Wiener Kommentar, § 39 Rz 78; Koppensteiner/Rüffler, GmbHG, § 39 Rz 32; Gellis/Feil,
GmbH.Gesetz, § 39 Rz 17; Umfahrer, GmbH, § 47 Rz 747; Kastner/Doralt/Nowotny,
Grundriss, 414; Reich-Rohrwig, GmbH-Recht, 344; Zöllner in Baumbach/Hueck, GmbHG,
§ 47 Rz 62; Hüffer in Ulmer/Habersack/Winter, GmbH, § 47 Rz 124; Lutter/Hommelhoff,
GmbH-Gesetz, § 47 Rz 13; Roth in Roth/Altmeppen, GnbHG, § 47 Rz 71; K. Schmidt in
Scholz/K. Schmidt, GmbH-Recht, § 47 Rz 94; OGH GesRZ 1776, 26; ÖBA 1960, 58 BGH II ZR 73/85 = WM 1986, 456
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Manche Stimmen in der Lehre vertreten die Ansicht, dass es im Rahmen der Abstimmung über Rechtsgeschäfte nicht ausreicht, dass alle Geschäfte gleichartig sind, um über die an diesen gleichartigen Geschäften beteiligten Gesellschafter 52 Zu prüfen sei zusätzlich, ob die Geschäfte als ein Stimmverbot zu verhängen.
rechtliche oder wirtschaftliche Einheit gesehen werden können oder aus Sicht der Mitgesellschafter ein Geschäft, über welches abgestimmt wird, in einem Zusam- 53 menhang mit einem anderen steht.
Werden Rechtsstreitigkeiten eingeleitet, die über keinen engeren Zusammenhang verfügen, die parallel abgeführt werden, so ist davon auszugehen, dass die Be- 54 schlussgegenstände nicht ident sind.
Ist der Stimmrechtsausschluss darin begründet, dass die ausgeschlossenen Gesellschafter „Richter in eigener Sache“ wären, so kann der Zusammenhang darin 55 gegründet sein.
Die Schwierigkeit besteht somit darin, den Beschlussgegenstand korrekt zu definieren (siehe dazu Genaueres unter Punkt II. 8.1).
So darf der Beschlussgegenstand nicht teilbar sein, da bejahendenfalls eine getrennte Abstimmung erfolgen muss, wobei dem jeweils betroffenen Gesellschaf- 56 ter das Mitstimmen untersagt ist.
52 K. Schmidt in Scholz/K.Schmidt, GmbH-Gesetz, § 47 Rz 153; Koppensteiner in Rowed- GmbH-Gesetz, § 47 Rz 48; Zöllner, Schranken 183 53 K. Schmidt in Scholz/K.Schmidt, GmbH-Gesetz, § 47 Rz 153 54 K. Schmidt in Scholz/K.Schmidt, GmbH-Gesetz, § 47 Rz 153; Koppensteiner in Rowed- GmbH-Gesetz, § 47 Rz 63; Zöllner, Schranken 218ff. 55 K. Schmidt in Scholz/K.Schmidt, GmbH-Gesetz, § 47 Rz 153
56 Enzinger in Straube, Wiener Kommentar, § 39 Rz 78; K. Schmidt in Scholz/K.Schmidt,
GmbH-Gesetz, § 47 Rz 106; Fritz, Gesellschafts- und Unternehmensformen Rz 2297
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8. Reichweite von Stimmverboten
8.1. Definition des Beschlussgegenstandes
Eine Umgehung des Stimmverbotes wird unter anderem dadurch verhindert, dass als Anknüpfungspunkt für die Reichweite des Stimmverbotes der sachliche Ge- 57 VomStimmverbot umfasst genstand des Beschlusses korrekt definiert wird.
sind sämtliche Beschlüsse, die „materiell von dem einheitlichen Befangenheits- 58 . tatbestand erfasst sind“
Bei der Beurteilung, ob ein einheitlicher Beschlussgegenstand gegeben ist, ist zu prüfen, ob Rechtsgeschäfte aus wirtschaftlicher Sicht eine Einheit bilden. Zudem 59 bzw. die Identität des den ist auf den „Vorwurf der gemeinsamen Verfehlung“ 60 Stimmrechtsausschluss rechtfertigenden Lebenssachverhalts abzustellen.
Sind Organmitglieder gemeinsam oder alleine für bestimmte Handlungen verantwortlich, so gilt zu prüfen, ob über einzelne oder alle Organmitglieder abgestimmt 61 Liegt ein solcher Zusammenhang vor, sind solche Geschäfte gewerden soll.
meinsam zu beurteilen, sodass alle am Rechtsgeschäft beteiligten Personen vom Stimmverbot erfasst werden.
Die Entscheidung, ob ein Beschluss gegenüber mehreren Betroffenen in einer einheitlichen Abstimmung oder in getrennter Abstimmung gefasst wird, kommt 62 jedoch schlussendlich dem Vorsitzenden der Generalversammlung zu.
In der Praxis ist die Tendenz zu beobachten, dass im Zweifelsfall die Abstimmungen einzeln erfolgen, um nicht eine mangelhafte Beschlussfassung zu riskie-
57 K. in Scholz/K.Schmidt, GmbH-Gesetz, 58 K. Schmidt in Scholz/K.Schmidt, GmbH-Gesetz, § 47 Rz 149 59 OLG München, NJW-RR 1993, 1507, 1510; Hüffer in Ulmer/Habersack/Winter, GmbH,
§ 47 Rz 144; Lutter/Hommelhoff, GmbH-Gesetz, § 47 Rz 19; Heidinger, Einzelentlastung
GesRZ 1997, 242ff.; Zöllner in Baumbach/Hueck, GmbHG, § 47 Rz 45f.; Roth in
Roth/Altmeppen, GmbHG, § 47 Rz 70; K. Schmidt in Scholz/K.Schmidt, GmbH-Gesetz,
§ 47 Rz 149
60 K. Schmidt in Scholz/K.Schmidt, GmbH-Gesetz, § 47 Rz 149
61 Enzinger in Straube, Wiener Kommentar, § 39 Rz 86; K. Schmidt in Scholz/K.Schmidt,
GmbH-Gesetz, § 47 Rz 149; BGHZ 97, 28 = NJW 1986, 2051 62 K. Schmidt in Scholz/K.Schmidt, GmbH-Gesetz, § 47 Rz 149
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Arbeit zitieren:
MMag. Dr. Sabine Picout, 2011, Befangenheit bei der Stimmrechtsausübung, München, GRIN Verlag GmbH
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