Universität Leipzig
Institut für Theaterwissenschaft
Hauptseminar: Grenzüberschreitungen: Neue Verbindungen zwischen Künsten, Wissenschaften und Medien
Seminararbeit: Intermedia / Intermedialität: Konzepte, Theorien und Umsetzung Eingereicht durch Stefan Möller SS 2003
O Einleitung 3
1 Intermedia / Intermedium / Intermedialität: Zur Begriffsgeschichte und medientheoretischen und poetologischen Begriffsbestimmung 3
2 Formen von Intermedialität 6
2.1 Synthetische (oder fusionelle) Intermedialität 6
2.2 Formale (oder Trans-mediale) Intermedialität 7
2.3 Transformatorische (repräsentierende) Intermedialität 8
2.4 Ontologische Intermedialität 8
3 Intermediale Aktionsformen 10
4 Die Verbindung von Wissenschaft und Kunst im 21. Jahrhundert: ein Ausblick 13
5 Bibliographie 16
2
0 Einleitung
Ziel dieser Arbeit kann es nicht sein, eine allgemein gültige Definition dessen, was Intermedia ist, abzuliefern. Die Überlegungen sind so vielfältig und unterschiedlich, dass eine abschließende Definition unmöglich ist. Gerade in jüngerer Zeit wird der Begriff Intermedialität nahezu inflationär gebraucht. 1 Vielmehr soll versucht werden, einen Überblick über die aktuelle wissenschaftliche Diskussion zu geben und einen ‚Zwischenstand’ der begrifflichen Eingrenzungen zu vermitteln. Erschwert wird dies auch dadurch, dass in den unterschiedlichen Ansätzen von unterschiedlichen ‚Medienbegriffen’ ausgegangen wird. Die theoretischen Überlegungen werden zum großen Teil im Bereich der Medienwissenschaft und der Literaturwissenschaft geführt 2 , in der Kunstgeschichte und in der Theaterwissenschaft werden die genannten Begriffe, meines Wissens nach, eher allgemeiner verwendet. 3 Bei der Betrachtung der intermedialen Aktionsformen geht es mir nicht darum, die einzelnen Kunstformen zu untersuchen, sondern den Entwicklungsweg und die Herkunft dieser künstlerischen Ausdrucksformen im 20. Jahrhundert zu skizzieren. Im abschließenden Kapitel soll ein Ausblick auf eine neue Kunstform, die Biokunst oder Transgene/Genetische Kunst gegeben werden, in der die Verschmelzung von naturwissenschaftlichen Praktiken und künstlerischem Schaffen (also zwischen dem Medium Wissenschaft und dem Medium Kunst) unabdingbar ist. 4
1 Intermedia / Intermedium / Intermedialität: Zur Begriffsgeschichte und medientheoretischen und poetologischen Begriffsbestimmung Der Begriff „intermedium“ taucht erstmals 1812 bei Coleridge auf. 5 Intermedium beschreibt in diesem Fall spezifische Eigenschaften und Funktionen der Allegorie:
1 Dieses ‚Schicksal’ teilt Intermedialität mit Begriffen wie Medium und Diskurs, deren Deutung so verschieden wie die sie behandelnde Literatur vielfältig ist.
2 Einen Überblick über den Stand der Forschung verschafft Mertens (Hrsg.); Forschungsüberblick Intermedialität; Hannover 2000.
3 Dies bedingt auch eine unterschiedliche Begriffsverwendung im Rahmen dieser Arbeit. Die theoretischen Konzepte der Medien- und Literaturwissenschaft gehen (zumeist) von der ‚klassischen’ Dreiteilung literarische Medien, technische Medien und Massenmedien aus. Bei der Betrachtung der intermedialen Kunst- und Aktionsformen greift dieses Schema nicht. Hier muss von einem weiter gefassten Medienbegriff ausgegangen werden.
4 Auf den ethischen Aspekt dieser Kunstformen möchte ich hier nicht näher eingehen, da dies vermutlich den Rahmen der Arbeit sprengen würde.
5 Coleridge’s Miscellaneous Criticism, ed. T.M. Raysor; Folcroft PA 1936; pg. 33; hier zit. nach J.E.Müller, Intermedialität als poetologisches und medientheoretisches Konzept; in: Helbig. (Hrg.) Intermedialität
3
„Narrative allegory is distinguished from mythology as reality from symbol; it is, in short, the proper intermedium between person and personification. Where it is too strongly individualized, it ceases to be allegory [...].“ 6 Diese Deutung von intermedium kann als terminologischer Ursprung des heutigen Begriffs gelten, nicht aber als Ursprung der heutigen Verständnisses von Intermedia. Coleridge beschreibt ein literarisches Verfahren, das ein literarisches Zwischenspiel zwischen dem Allgemeinen und dem Besonderen ermöglicht.
Im medientheoretischen Kontext legt der Begriff ‚Intermedialität’ ein Abrücken von tradierten isolierten Medienarten nahe. ‚Medientexte’ bewegen sich in wechselnden medialen Relationen und ändern ihre Funktion durch die historischen Veränderungen dieser Relationen. 7 Intermedien entstehen also dann, wenn das „multi-mediale Nebeneinander medialer Zitate und Elemente in ein konzeptionelles Miteinander überführt [wird], dessen (ästhetische) Brechungen und Verwerfungen neue Dimensionen des Erlebens und Erfahrens eröffnen.“ 8
Diese, medientheoretische, Eingrenzung’ des Begriffs Intermedialität greift auf die Ansätze von Bachtin und Kristeva und damit auf das Konzept von Intertextualität zurück. Im ‚Dialogprinzip’ geht Bachtin davon aus, dass Worte schon mit Deutungen besetzt sind, die frühere Sprecher ihnen gegeben haben. Kristeva Überlegungen zum Intertextualität-Konzept gehen davon aus, dass sich im Raum eines Textes mehrere Aussagen überlagern, die aus anderen Texten stammen und interferieren. Intertextualität ist eine Zentralkategorie einer umfassenden Textwissenschaft, nach der jeder Text ein Mosaik von Texten ist. 9 Mittels Intertextualität lassen sich generelle Eigenschaften von Texten feststellen, die über die vom Autor beabsichtigten Beziehungen und Anspielungen auf andere Texte hinausgehen. Durch Sprengung des Textbegriffs, etwa durch Formen wie Collage, wurde deutlich, das ein Konzept von Intertextualität nicht mehr ausreichend ist. Schon die Wort- und Bildkunst der russischen Moderne hat deutlich gemacht, das einem ‚herkömmlichen’ Textbegriff zu enge Grenzen gesetzt sind.
Erste Verweise auf die Relevanz intermedialer Prozesse lassen sich bereits in antiken Poetiken finden. In der Auffassung von Simonides von Keos, dass Malerei
6 ebd.
7 Vgl. Müller; S. 31.
8 Ebd.; S. 31f.
9 Vgl. Kloepfer; Intertextualität und Intermedialität. An dieses Konzept kann auch die Diskurstheorie von Foucault angeschlossen werden. In jüngerer Zeit greift der New Historicism beide Theorien wieder auf, um damit ein Konzept zur Literaturgeschichtsschreibung zu entwickeln.
4
Arbeit zitieren:
Stefan Möller, 2003, Intermedia / Intermedialität: Konzepte,Theorien und Umsetzung, München, GRIN Verlag GmbH
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