Studiengang: Geographie
Ricardos Theorem der komparativen Kosten -
heute und zu seiner Zeit
Ricardo, David, britischer Volkswirtschaftler, *London 18.(19.?)4. 1772, Gatcombe Park (County Gloucester-
shire) 11.9. 1823
Die Implementierung der ideengeschichtlichen Grundlagen des Liberalismus beruht letzen Endes auf der historischen Leistung des schottischen Philosophen und Nationalökonomen Adam Smith (1723-1790) 5 , welcher durch seine vernichtende Kritik am Merkantilismus diesen intellektuell erledigte 6 und offen legte, inwieweit eine freien Konkurrenz zu einer, in seinen Augen vorteilhaften, internationalen Arbeitsteilung führt. Ricardo, der sich erst im fortgeschrittenen Alter mit wirtschaftspolitischen Fragestellungen auseinandersetzte, befasste sich mit dem Werk Smith’s 7 (The Wealth of Nations, Anm. d. Autors), woraufhin ökonomische Probleme „zu seiner geistigen Beschäftigung“ 8 gehörten. Aufbauend auf den Arbeiten Smith’s beabsichtigte er, zu zeigen, dass Außenhandel imstande sei, den Wohlstand zu steigern, wonach sein politisches Engagement vor allem der Aufhebung protektionistischer Zollpolitik galt. 9
Seine in dieser Arbeit dargestellte Theorie komparativer Kostenvorteile bildete die Grundlage für seine Theorie internationaler Arbeitsteilung, die noch heute im Begriff der sogenannten Ricardo-Güter zur Ausdruck kommt, Güter deren Kostenunterschiede auf die Verfügbarkeit und die Faktorproduktivität zurückgeführt werden können. Er wies nach, dass die internationale Spezialisierung den einzelnen Ländern ökonomische Vorteile bringt und die Konsummöglichkeiten erweitert. Diese Arbeit soll den Kontrast aufzeigen, welcher zwischen der damaligen und der heutigen Behandlung des Themas besteht. Aus diesem Grunde habe ich die Behandlung der komparativen Kosten einerseits auf die Ausführungen Ricardos in den Principles of Political Economy and Taxation, anderseits auf die Präsentation und Weiterentwicklung seiner Leitgedanken in der zeitnahen Literatur gestützt.
Im Rahmen dieser Arbeit wird Ricardos „Theorem der komparativen Kosten“ in seinen ökonomischen Kontext gestellt und am Beispiel zweier Regionen erklärt, wobei auch einige progressive Ansätze aus der aktuellen Literatur, welche teilweise an die Kritik an den Grundsätzen anknüpfen, in die Arbeit einbezogen werden.
Worpswede, im Juli 2003 Martin Runkel
5 Schmidt, S.561
6 Ziegler, S. 94ff.
7 Recktenwald, S.167
8 Recktenwald, S.167
9 © 2002 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG
Inhalt
Vorwort 2
1. Fragestellung und Annahmen 5
2. Implikation der Bedingungen für Handel 8
3.. Alternativkosten. 10
4. Gewinne aus dem Außenhandel. 12
5. Anpassungsprozesse 16
6. Gleichgewicht 17
7. Absolute versus relative Kosten 17
8. Eingriffe in den internationalen Handel. 20
9. Zusammenfassung und kritische Betrachtung 25
Quellenverzeichnis 29
Der Engländer Ricardo erkannte bereits im Jahre 1817, dass sich relative Preisvorteile durch komparative Kostenvorteile erklären lassen, und es gelang ihm schließlich, relative Preisvorteile auf Produktionsvorteile zurückzuführen. Im Unterscheid zu heutiger Behandlung ökonomischer Problematiken, beruhten Ricardos Motive nicht auf der Frage, inwieweit „knappe Mittel“ produktiv einzusetzen sind, er konzentrierte sich seiner Zeit gemäß, wie auch Smith, auf die Suche nach Erklärungsansätzen für den volkswirtschaftlichen Wohlstand und dessen Verteilung. In den Annahmen „Über den komparativen Wert von Gold, Getreide und Arbeit in reichen und armen Ländern“ welche Ricardo im 28. Kapitel der Principles of Political Economy and Taxation darlegt, kritisiert er Smith, welcher den natürlichen Preis einer Ware, „d.h. jenen Preis, der zu(r) […] Produktion [einer Ware] notwendig ist und ohne den es [im Falle des Getreides] nicht angebaut werden könnte“, 10 in letzter Instanz über den Marktpreis bestimmt sieht. Ricardo hingegen vertritt die umgekehrte Auffassung: „Es ist [der natürliche Preis], der [den] Marktpreis bestimmt“ 11 und der über die Zweckmäßigkeit eines Exportes dieses Produktes ins Ausland entscheidet. Smith hatte am Beispiel Genuas und Hollands dargelegt, dass es bei einer Verringerung des Wohlstandes als Ursache oder Wirkung dessen, zu einer Getreidepreissteigerung kommen muss, welcher dem „Preis einer Hungersnot“ 12 gleichkommt. Ricardo hingegen sieht durch die gesunkene Kaufkraft der Genuesen und Holländer sowohl in den exportierenden Ländern als auch in den einführenden, als Folge einer Getreidepreissenkung „unter [den] natürlichen Preis“ 13 . Nicht aufgrund eines wirtschaftlichen Niedergangs, sondern nur durch die Vermehrung des Wohlstandes kann der Getreidepreis temporär über den natürlichen Preis ansteigen. Bezogen auf den Außenhandel vertritt Smith die Ansicht, dass importbedingt im Inland notwendigerweise weniger Kapital innerhalb des entsprechenden Sektors aufgewendet werden muss und bei gleich bleibender Nachfrage die Preise dieser (zum Teil importierten) Waren so steigen, dass die Produzenten ebenso höhere Profite erzielen, wie die importierenden Händler. Die Kritik Ricardos an dieser These bezieht sich nicht auf die Frage der internationalen Profitangleichung, sondern vielmehr auf die Profithöhe. Während Smith die Profitangleichung auf eine allgemeine Steigerung der Profite bezieht, vertritt Ricardo die These einer Profitabsenkung auf einen „allgemeinen Stand“ 14 , da…
10 Ricardo, Kotheimer, Kurz, S. 319
11 Ricardo, Kotheimer, Kurz, S. 319
12 Ricardo, Kotheimer, Kurz, S. 320
13 Ricardo, Kotheimer, Kurz, S. 320
14 Ricardo, Kotheimer, Kurz, S. 110
1. bei gleichbleibender Nachfrage nicht notwendigerweise weniger Kapital aufgewendet werden muss.
2. bei sinkender Nachfrage der Preis nicht steigt.
Entscheidend ist für Ricardo der Preis, welcher im Inland für die ausländische Ware aufgewendet werden muss im Vergleich zum inländischen Faktoreinsatz zur Produktion desselben Gutes.
Unter vereinfachten Annahmen sind in der heutigen Literatur folgende Prämissen vorgegeben:
• Die Produktionsfunktion 15 wird als linear angesehen.
• Der einzige Produktionsfaktor in zwei Regionen (Region 1 - Inland, Region 2 - Ausland) ist die Arbeit.
• Die Produktionsverfahren der Sektoren i (= Gut 1 und Gut 2) sind in beiden Regionen, bezogen auf ein Gut different, woraus ersichtlich ist, dass die Arbeitsproduktivitäten 16 unterschiedlich sind.
• Die Produktionsfunktionen für Region 1 (Inland) sind unter diesen Prämissen gegeben durch: (Gl.1)
Beziehungsweise für Region 2 (Ausland, mit * gekennzeichnet):
(Gl.2)
Produktionsmenge i * =
Stellt man diese Formeln nach dem Arbeitseinsatz pro Produktionseinheit i um, so erhält man den Verbrauchskoeffizienten:
(Gl.3)
15 Die Produktionsfunktion drückt, bezogen auf eine bestimmte Produktionstechnik oder -organisation, die
funktionalen Beziehungen zwischen den Gütern und den zu ihrer Produktion notwendigen Faktoren aus. Ihre
allgemeine Form findet sie in der Gleichung: Produktionsmenge y = F (Kapital, Arbeit, technischer Fortschritt).
Erhöht man die Einsatzmengen aller Faktoren im gleichen Verhältnis, kann die Ausstoßmenge linear, über- oder
unterlinear zunehmen. (nach Grüske/Recktenwald, S. 498)
16 Die Arbeitsproduktivität v i drückt das Verhältnis von Ausstoßmenge (Produktionsmenge) zum Arbeitsein-
satz (Produktionsfaktor Arbeit) aus. (nach Grüske/Recktenwald, S. 39)
satz Arbeitsein
Die Produktionsfunktion ist zudem die Umkehrfunktion der Verbrauchsfunktion,
(Gl.4)
= Arbeit sfaktor Produktion i seinheit Produktion pro satz Arbeitsein * Produktionsmenge i
i
woraus sich auch graphisch (siehe Abb.2) die Arbeitsproduktivität definieren lässt als: (Gl.5)
Q i Produktionsmenge
A i Produktionsfaktor Arbeit a i Arbeitseinsatz pro Produktionseinheit i
• Für den Arbeitsbestand (Faktorausstattung) sei das Szenario angenommen die beiden Re- A = * A gionen haben entweder einen einheitlichen Arbeitsbestand oder einen differie- A ≠ renden , wobei in jedem Falle Vollbeschäftigung herrscht: * A
(Gl.6)
= + A Gut2 von Produktion zur Arbeit Faktor Gut1 von Produktion zur Arbeit Faktor
Arbeit zitieren:
Martin Runkel, 2003, Ricardos Theorem der komparativen Kosten, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Theorie der komperativen Kostenvorteile - Kritische Würdigung
VWL - Außenhandelstheorie, Außenhandelspolitik
Seminararbeit, 15 Seiten
Das Ricardo-Theorem komparativer Kosten-Vorteile im Außenhandel, Inhal...
VWL - Außenhandelstheorie, Außenhandelspolitik
Hausarbeit, 29 Seiten
Flucht und Zuwanderung aus der SBZ/DDR in die Westzonen/BRD 1945-1961
Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg
Bachelorarbeit, 34 Seiten
Vergleich und kritische Würdigung der Theoreme des Kostenvorteils - Da...
VWL - Wettbewerbstheorie, Wettbewerbspolitik
Seminararbeit, 14 Seiten
Möglichkeiten und Grenzen der Aufdeckung von Fraud im Rahmen der geset...
BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern
Bachelorarbeit, 120 Seiten
Die Behandlung von dolosen Handlungen und Bilanzdelikten im monistisch...
Diplomarbeit, 154 Seiten
Einflüsse der Medien auf das Wahlverhalten
Politik - Didaktik, politische Bildung
Seminararbeit, 14 Seiten
Möglichkeiten und Grenzen von Diversity Management unter der Perspekti...
BWL - Personal und Organisation
Zwischenprüfungsarbeit, 18 Seiten
Humankapitalmodelle - Anwendbarkeit in der öffentlichen Verwaltung
BWL - Personal und Organisation
Hausarbeit, 28 Seiten
Erläuterungen zu der Außenhandels-Theorie von Heckscher & Ohlin
VWL - Außenhandelstheorie, Außenhandelspolitik
Seminararbeit, 31 Seiten
Stichwort: Mediendemokratie - Politische Kommunikation im Medienzeital...
Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation
Hausarbeit (Hauptseminar), 27 Seiten
Pro und Contra Freihandel - Argumente seit D. Ricardo und F. List
Hausarbeit, 22 Seiten
Öffentliche Meinung und Massen...
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Vordiplomarbeit, 25 Seiten
Chancen und Risiken von Kurzarbeit
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Seminararbeit, 25 Seiten
Repräsentative Demokratie versus deliberative Demokratie nach Habermas...
Soziologie - Medien, Kunst, Musik
Hausarbeit, 15 Seiten
Vertrauen in den Abschlussprüfer
Entstehung, Nutzen und Grenzen...
Doktorarbeit / Dissertation, 363 Seiten
Martin Runkel hat den Text Ricardos Theorem der komparativen Kosten veröffentlicht
Martin Runkel hat einen neuen Text hochgeladen
Théorèmes limites pour les champs et les suites stationnaires réels
Sur le théorème limite central...
Mohamed El Machkouri
0 Kommentare