Die Entwicklung und Bereitstellung von Lerninhalten im Rahmen von Blended
Learning
Stichworte:
E-Learning, Mediendidaktik, Lehrprozess, Lernprozess, Didaktik, Learning
Management Systeme, Autorentools, Lecture Recording, AICC, IMS, SCORM,
Lerneinheit, Konvertierung, Effizienz, Metadaten, Multimedia, Unterrichtsparadigmen,
Exposition, Exploration, Kommunikation, Konstruktion, Standardisierung, Content
Zusammenfassung:
Die Entwicklung im Bereich des Lernens zeigt die Notwendigkeit der Umorientierung
von traditionellen Universitäten zu modernen Bildungsdienstleistern. Multimedial
gestütztes Lernen ist eine fortschrittliche Möglichkeit zur Umsetzung dieses Zieles.
Im folgenden sollen Wege zur Bereitstellung von Lerninhalten gegeben werden.
Weiterhin werden die Mediendidaktik und die Methodik der Entwicklung von
Lerninhalten aufgezeigt. Insbesondere werden durch Anforderungsdefinitionen und
anschließendem Test die Wege und die Umsetzung durch verschiedene Produkte
unterstützt.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG 6
1.1 GRUNDPROBLEM 6
1.2 ZIELSTELLUNG. 9
1.3 INHALTLICHE ABGRENZUNG. 10
1.4 VORGEHENSWEISE. 10
2 ANFORDERUNGSANALYSE UND STUDENTISCHE PROZESSE. 12
2.1 PROZESSANALYSE. 12
2.2 EINFÜHRUNGSPLAN FÜR MULTIMEDIALE LEHR- UND LERNPROZESSE. 14
2.3 EFFEKTIVITÄT UND EFFIZIENZ VON LEHR- UND LERNPROZESSEN 16
3 MEDIEN UND MEDIENDIDAKTIK 18
3.1 MULTIMEDIA UND DIDAKTIK 18
3.2 MULTIMEDIA- EINE BEGRIFFSBESTIMMUNG 20
3.2.1 Didaktische Funktion von Medien 21
3.3 MEDIENDIDAKTIK UND GESTALTUNGSORIENTIERTE MEDIENDIDAKTIK 22
3.3.1 Unterrichtsparadigmen. 22
3.3.1.1 Der Behaviorismus. 25
3.3.1.2 Der Kognitivismus 26
3.3.1.3 Der Konstruktivismus 28
3.4 METHODIK. 29
3.5 FAZIT. 34
4 EINFACHE WEGE DER INHALTSBEREITSTELLUNG. 38
4.1 DIE KONVERTIERUNG VORHANDENER MATERIALIEN 39
4.2 LECTURE RECORDING. 42
4.2.1 Erprobung der Produkte für Lecture Recording 44
4.2.1.1 AOF/mlb 44
4.2.1.2 Lecturnity. 45
4.2.1.3 Microsoft Power Point 2002 incl. Producer. 45
4.2.1.4 Camtasia. 47
4.3 FAZIT. 51
5 DIE ERSTELLUNG VON LERNEINHEITEN MIT HILFE VON
AUTORENTOOLS 53
5.1 PRODUKTION UND PÄDAGOGISCHE ERFORDERNISSE 53
5.1.1 Autorentools. 57
5.1.2 Standards 61
5.1.2.1 Entwicklung von Lerneinheiten mit dem ILIAS Editor 65
5.1.2.2 Authorware. 67
5.1.2.3 EasyProf. 69
5.2 FAZIT. 72
6 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK. 76
LITERATURVERZEICHNIS. 82
GLOSSAR 84
ANHANG A : LER-N UND MEDIENEINSATZFORMEN. 85
3
ANHANG B : ARBEITSSCHRITTE DES UNTERRICHTENS ALS
DIDAKTISCHE STRUKTURIERUNGSHILFE FÜR DIE ENTWICKLUNG
MULTIMEDIALER LEHRANGEBOTE .................................................................. 86 ANHANG C : DIE KONVERTIERUNG EINER POWER POINT SHOW .......... 87 ANHANG D : KONVERTIERUNG UND ERSTELLUNG MIT HTML-IMPORT
......................................................................................................................................... 93 ANHANG E : ERSTELLUNG CAMTASIA-VIDEO ............................................... 93
4
ABBILDUNG 1 : AUFLÖSUNG DER TRADITIONELLEN PRÄSENZVERANSTALTUNG ............... 7
ABBILDUNG 2 : WERTSCHÖPFUNGSKETTE DER MLU HALLE-WITTENBERG ................... 13
ABBILDUNG 3 : HAUPTPROZESS "LEHRVERANSTALTUNG DURCHFÜHREN " ..................... 13
ABBILDUNG 4 : VEREINFACHTE DARSTELLUNG LERNTHEORETISCHER
UNTERRICHTSPARADIGMEN .................................................................................... 25
ABBILDUNG 5 : EXPERIENTIAL LEARNING CYCLE .......................................................... 27
ABBILDUNG 6 : FORMEN DER UNTERWEISUNG................................................................ 31
ABBILDUNG 7 : DAS CONTINUUM OF KNOWLEDGE ACQUISITION MODEL ...................... 33
ABBILDUNG 8 : E- LEARNING METHODEN ........................................................................ 34
ABBILDUNG 9 : BEISPIEL DER KONVERTIERUNG EINER POWER POINT SHOW .................. 40
ABBILDUNG 10 : ALLGEMEINER ABLAUF EINER KONVERTIERUNG.................................. 41
ABBILDUNG 11 : ERÖFFNUNGSBILDSCHIRM VON CAMTASIA STUDIO .............................. 48
ABBILDUNG 12 : ÜBERSICHT DER VERSCHIEDENEN AUFZEICHNUNGSTOOLS ................... 50
ABBILDUNG 13 : KOMPETENZEN IM BEREICH ANFÄNGER ............................................... 55
ABBILDUNG 14 : KOMPETENZEN IM BEREICH FORTGESCHRITTENER ............................... 55
ABBILDUNG 15 : KOMPETENZEN IM BEREICH EXPERTE................................................... 56
ABBILDUNG 16 : DIE SYSTEMATIK DER LEARNING CONTENT AUTORENWERKZEUGE ..... 57
ABBILDUNG 17 : ORGANISATIONEN, DIE STANDARDS ENTWICKELN ................................ 62
ABBILDUNG 18 : DAS KOOPERATIONSNETZWERK DER STANDARDISIERUNGSGREMIEN ... 63
ABBILDUNG 19 : DAS MODULARE PRINZIP DER RLO´S.................................................... 64
ABBILDUNG 20 : DAS ILIAS SEITENKONZEPT................................................................. 65
ABBILDUNG 21 : SCREENSHOT VON AUTHORWARE ......................................................... 68
ABBILDUNG 22 : SCREENSHOT VON EASYPROF .............................................................. 69
ABBILDUNG 23 : DIE ERSTELLUNG VON TESTS BEI EASY PROF ....................................... 70
ABBILDUNG 24 : STUFENPLAN FÜR EINE COMPUTERGESTÜTZTE UNTERWEISUNG ........... 77
ABBILDUNG 25 : ARBEITSSCHRITTE DES UNTERRICHTENS ALS DIDKATISCHE
STRUKTURIERUNGSHILFE FÜR DIE ENTWICKLUNG MULTIMEDIALER LERNSOFTWARE
................................................................................................................................. 86
ABBILDUNG 26 : ZUORDNUNG DER ZU ERSTELLENDEN LERNEINHEIT ZU DEN GRUPPEN IN
ILIAS ...................................................................................................................... 88
ABBILDUNG 27 : DIE EINGABE DER METADATEN FÜR DIE ZU ERSTELLENDE LERNEINHEIT
IN ILIAS (1)............................................................................................................. 89
ABBILDUNG 28 : DIE EINGABE DER METADATEN FÜR DIE ZU ERSTELLENDE LERNEINHEIT
IN ILIAS (2)............................................................................................................. 89
ABBILDUNG 29 : INFOS UND OPTIONEN ZU DER ZU ERSTELLENDEN LERNEINHEIT IN ILIAS
................................................................................................................................. 91
ABBILDUNG 30 : IMPORTFENSTER FÜR DIE GEPACKTE HTML SEITE IN DIE ZU
ERSTELLENDE LERNEINHEIT IN ILIAS ..................................................................... 92
ABBILDUNG 31 : IMPORT DER UNKOMPRIMIERTEN STARTSEITE DER ZU IMPORTIERENDEN
HTML SEITE........................................................................................................... 93
TABELLE 1 : STUFENWEISE ENTWICKLUNG DER FRAGE "WAS IST LERNEN?" ................. 24
TABELLE 2 : KOGNITIVE LEHRZIELTAXONOMIEN NACH BLOOM ..................................... 30
TABELLE 3 : LERNEN MIT DEM COMPUTER - EIN ÜBERBLICK .......................................... 36
TABELLE 4 : ENTSCHEIDUNGSTABELLE FÜR DEN EINSATZ DER WEGE ZUR
INHALTSBEREITSTELLUNG ....................................................................................... 75
TABELLE 5 : LERN UND MEDIENEINSATZFORMEN ........................................................... 85
5
1 Einleitung
1.1 Grundproblem
„Selbst gesteuertes Lernen und Lernen in einer Gruppe mit allen damit verbundenen sozialen Aspekten werden in naher Zukunft nicht mehr zwei verschiedene Arten des Lernens sein, sondern sich gegenseitig i ntensiv ergänzen. Menschen werden in der Informationsgesellschaft mehr und mehr dazu befähigt werden müssen, sich eigenständig in neue Themengebiete einzuarbeiten. Lernen mit Multimedia wird in naher Zukunft eine gleichberechtigte Alternative zu klassische n Formen des Lernens sein. Universitäten und berufsbildende Einrichtungen werden immer stärker mit Hilfe der neuen Medien Lernprozesse fördern und den Lernern die Möglichkeit bieten, sich explorativ Wissen zu erschließen und anzueignen. Es werden virtuelle globale Lerngemeinschaften entstehen, die aus den unterschiedlichsten Teilnehmern bestehen, die miteinander intensiv kommunizieren, die multimediales Lernmaterial gemeinsam erstellen und bearbeiten, und in denen der Lehrer oder das Lernprogramm die Rolle eines Moderators oder Impulsgebers inne hat.“ 1
Die nachfolgenden Überlegungen gehen davon aus, dass die Präsenzveranstaltungen nicht ersetzt, sondern aufgewertet werden. Aus den klassischen Aufgaben des präsenzbasierten Lernens werden Anforderungen abgele itet, die durch den Einsatz von E-Learning in deutlich besserer Weise zu bewältigen sind. 2 Der Weg, der beschritten wird, geht weg von einem singulären Angebot hin zu einer integrierten Betreuung des gesamten Lernprozesses. Dabei steht die menschliche Komponente und eine direkte Kommunikation im Vordergrund, denn kein wie auch immer geartetes Medium kann dies ersetzen. 3
Diese hybride Lernkombination ermöglicht einen erheblichen Mehrwert durch einen deutlich höheren Umsetzungsgrad des Gelernten. Dies ist daran zu sehen, dass der eigentliche Grund, E -Learning einzusetzen, die Erkenntnis ist, bisherige Prozesse zu überarbeiten und den Einsatz neuer Methoden zu benötigen. Ziel ist hier die interne Prozessoptimierung, sowie verbesserte Kundendienstleistungen. Wobei im Falle der Universität der Kunde der Student ist. Eine mögliche Änderung der traditionellen
1 Autorengruppe E-Writing.de E-Learning und E-Kooperation in der Praxis Neuwied ; Kriftel :
Luchterhand 2002
2 Vgl. Sauter, A., Sauter W. Blended Learning Effiziente Integration von E-Learning und Präsenztraining
, Neuwied: Herrmann Luchterhand Verlag GmbH 2002, S.97 ff.
3 Ebenda S.97 ff.
6
Präsenzveranstaltung könnte die Auflösung in die 3 Lernschwerpunkte; virtuelle Kommunikation, Mediathek und Präsenzveranstaltung; sein. 4
Abbildung 1 : Auflösung der traditionellen Präsenzveranstaltung 5
Eine unabdingbare Voraussetzung für ein lebendiges E -Learning Szenario ist der Einsatz eines Learning Management Systems. Bevor jedoch solch ein System optimal eingesetzt werden kann, muss man sich der Ziele, die man mit dem E-Learning verfolgt, bewusst werden. Auf diesen Zielen aufbauend kann man sich an die Einführungsphase machen. Diese sollte schrittweise vor sich gehen. In Kapitel 2 wird ein solcher Einführungsplan vorgestellt. Veranstaltungen, die fertiggestellt und durchführbar sind, können im LMS eingesehen werden. Darüber hinaus kann man sich auch für diese Veranstaltungen anmelden, sofern sie anmeldepflichtig sind.
Auch an der Universität gibt es Akteure für das E-Learning Szenario. Sie gliedern sich jedoch nicht so intensiv wie in Unternehmen. Man muss davon ausgehen, dass es z.B. keinen externen Contentlieferanten gibt, da die Rollen Referent, Trainer, verantwortlicher Veranstaltungsmanager in die Person des Dozenten fallen.
4 Kraemer, W., Müller, M. (Hrsg.) Corporate universities und e-learning : Personalentwicklung und
lebenslanges Lernen ; Strategien - Lösungen - Perspektiven 1. Aufl. Wiesbaden : Gabler 2001, S.264
5 Ebenda S.264
7
Bevor es jedoch zum endgültigen Einsatz des LMS kommt, muss man sich der kritischen Erfolgsfaktoren bewusst werden. Interessant ist hierbei vor allem das Angebot an qualitativ hochwertigen Inhalten. Wurde diese Voraussetzung erfüllt? In Unternehmen kann man solche Inhaltsentwicklungen durch mehrere Verantwortliche steuern. In Universitäten jedoch muss man dem Wort des Dozenten und seiner Absicht, mit dieser Veranstaltung Wissen zu vermitteln, einfach vertrauen. Aber auch an Universitäten ist diese Fragestellung von großer Wichtigkeit, da die Vermittlung des Wissens der Kernprozess einer jeden Universität ist. 6 Wissen wird vermittelt. Jedoch nur ein Umdenken und Ausrichten an E -Learning Ansätzen hin zu veränderten didaktischen Konzepten und damit verbundene andere Formen der Wissensvermittlung wird dazu führen, dass auch an der Universität entsprechend aufbereitete Inhalte für multimediale Veranstaltungsangebote in ausreichender Qualität vorhanden sind. 7
E-Learning wird beherrscht von Schlagworten und m ethodischen Konzepten. Jedoch versperren sie die Sicht auf eine erfolgskritische Umsetzung. Es mangelt an geeigneten Contents für virtuelle Lernarchitekturen. In Unternehmen wird dieses Problem zur Zeit stark diskutiert, jedoch etabliert sich ein Markt der Content Anbieter, der sich zur Aufgabe gemacht hat, qualitativen Content zu erstellen und zu vermarkten. Im unternehmerischen Geschäft meist auch kein Problem, da sich die Themen der Weiterbildung in einer Branche vereinheitlichen lassen. Universitäten hingegen nehmen hier einen Sonderstatus ein. Die Lehrkräfte sind Dozenten und Professoren, welche ihre Vorlesungen bzw. Veranstaltungen selbst erstellen und durchdenken. Dabei gibt es keine Standards, da es im Ermessen des Lehrenden liegt, welche Inhalte er den Lernenden mit auf den Weg gibt. Bestenfalls die Grundlagen des jeweiligen Fachgebietes bieten sich für eine standardisierte Lerneinheit an. 8 Durch webbased Trainings verändern sich die Lerngewohnheiten eines Studenten nachhaltig. Im klassischen Präsenzunterricht, der entweder im Block oder täglich angeboten wird, geht es um das intensive Studium von Lerninhalten. Dabei ist das wichtigste Lernmedium ein Buch. Durch den Einsatz von LMS könnten sich Vorteile für Studierende/Lehrende ergeben, die auf eine Verkürzung der Studiendauer, allgemein auf die Verbesserung der Prozessqualität abzielen. 9
6 Vgl. Kraemer, W., Müller, M. (Hrsg.) Corporate universities und e-learning : Personalentwicklung und
lebenslanges Lernen ; Strategien - Lösungen - Perspektiven 1. Aufl. Wiesbaden : Gabler 2001, S.259-285
7 Ebenda S.259-285
8 Ebenda S.287-313
9 Ebenda S.287-313
8
Für die Nutzer ist es wichtig, jederzeit anhand der verfügbaren Informationen einschätzen zu können, welchen Zeitaufwand die Angebote jeweils bedeuten und welche Info rmationen bzw. welche Lerninhalte im Einzelnen erwartet werden können. Dazu braucht man ein selbsterklärendes System, denn der Umgang mit dem „neuen“ Content verlangt mehr Einarbeitungszeit als das Lesen in einem klassischen Buch, da vertraute Strukturinformationen fehlen. Sie müssen erst aufgebaut werden. Dafür verantwortlich zeichnen sich sogenannte Content Anbieter. Diese verfolgen bei der Erstellung ein besonderes Ziel, welches meistens kommerziell ausgerichtet ist. Diese Erfahrungen kann man auf die Universitäten übertragen, denn hier wird relevanter Content produziert, der vielleicht nie extern wiederverwendet wird. E-Learning setzt die Idee des „flexible Learnings“, also eines just- in-time Lernens am Arbeitsplatz, das relativ unabhängig von Zeit, Ort und der Person ist, in die Praxis um. In der Praxis zeigt sich aber, dass das vielgepriesene A3 (triple A) nämlich „Anytime, Anywhere, Anybody“ in der Realität nicht uneingeschränkt möglich sein kann. 10 Eigentlich ist E-Learning nur die eine Seite eines wechselseitigen Prozesses, der Lehren und Lernen umfasst.
1.2 Zielstellung
Hauptziel dieser Diplomarbeit ist, die Wege zur Inhaltsentwicklung im E-Learning an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Martin Luther Universität Halle-Wittenberg aufzuzeige n. Ausgehend von den Lehr- und Lernprozessen, die an einer Universität ablaufen, werden die Anforderungen an die Entwicklung von Lerneinheiten dargestellt. Anhand von didaktischen Methoden sollen Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie gut aufbereitete Inhalte das Lehren und Lernen unterstützen. Als Ergebnis werden Wege der Inhaltsbereitstellung dargestellt, die eine schrittweise Umsetzung des Themas E- Learning an der Fakultät erlauben.
Bei der Umsetzung einer E-Learning Lösung stellt sich natürlich auch die Frage, warum es denn getan werden sollte und welchen Mehrwert es bietet. Die Aufbereitung der Lehrinhalte für multimediale CBT´s und WBT´s verursacht einen Mehraufwand, der durch einen gewissen Mehrwert gedeckt werden sollte, damit eine Umsetzung sinnvoll
10 vgl. Baumgartner, P., Häfele, K. & H.: E-Learning: didaktische und technische Grundlagen. Bm-bwk
Das Zukunftsministerium 2002 http:// iol3.uibk.ac.at:8080/filer/peterManilaWebsite/peter/meterial/e-
learning_sonderheft.pdf S.6
9
ist. Weiterhin soll untersucht werden, ob die Wege den gestellten Anforderungen entsprechen und mit welchen Produkten man diese Zielstellungen erreichen kann.
1.3 Inhaltliche Abgrenzung
Die vorliegende Diplomarbeit stellt keine Evaluierung eines E-Learning Systems dar. Verwiesen wird hierzu beispielhaft auf die Diplomarbeit von Olaf Reiss an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der MLU Halle-Wittenberg im Jahre 2002. Es werden allgemeine Wege der Inhaltsaufbereitung vorgestellt, wobei auf eine derzeitige bzw. zukünftige Vollständigkeit aller Wege verzichtet wird, da dies vom Thema nicht gefordert wird. Die didaktischen Grundlagen wahren den Anspruch der Einfachheit bezogen auf den zugrunde gelegten Kompetenzbereich der Dozenten. Die beschriebenen Methoden und Wege sollen das Interesse wecken und unvermeidliche Grundzüge darstellen.
Die Umsetzung der vorgestellten Wege ist beschränkt auf ein LMS. Dazu ist an der MLU Halle-Wittenberg eine Installation des LMS StudIP in Kombination mit ILIAS vorzufinden, zu der Zugang bestand. Andere LMS werden dabei nicht berücksichtigt. Autorentools stellen eine Auswahl der am Markt befindlichen Produkte dar. Diese Produkte waren zugänglich und wurden getestet. Es sind Produkte, um aus unerfahrener Autorensicht sinnvolle Le rneinheiten zu erstellen.
1.4 Vorgehensweise
In Kapitel 2 erfolgt eine Erklärung der Grundbegriffe. Ausgehend davon werden Prozesse zu einer multimedialen Unterstützung im Lehr- und Lernprozess vorgestellt sowie beschrieben. Darauf aufbauend wird dargestellt, wie diese Prozesse mit stufenweiser multimedialer Unterstützung zu verbessern sind. Dies wird mittels eines Stufenplanes visualisiert. Effektivität und Effizienz des Lehr- und Lernprozesses werden abschließend vorgestellt.
Kapitel 3 widmet sich dem Medium und der Mediendidaktik. Es bildet eine theoretische Grundlage für verschiedene Lehr- und Lerntheorien und dazugehörige Methodiken, die zu einem erfolgreichen E -Learning beitragen. Dabei werden Lernwege und deren Unterstützung mit geeigneten Testreihen vorgestellt und versucht, den unerfahrenen Dozenten an die Methodik der Mediendidaktik heranzuführen.
10
Kapitel 4 widmet sich der Erstellung von unterstützendem Lern- und Lehrmaterial auf einfachen Wegen. Hier soll die Konvertierung und Aufbereitung von vorhandenem Material untersucht werden. Im zweiten Schritt wird das Lecture Recording als Mittel zur Vorlesungsaufzeichnung genauer untersucht. Es werden Produkte vorgestellt und anhand von gestellten Anforderungen getestet. Beide aufbereiteten Materialien werden dann in das zu Testzwecken an der Fakultät eingesetzte LMS ILIAS eingebunden, um einfache, unterstützende Lerneinheiten zu erstellen.
In Kapitel 5 erfolgt dann die Erstellung von multimedialen CBT´s und WBT´s mit Hilfe der vorhandenen Editoren der Learning Management Systeme, im speziellen ILIAS. Es wird weiterhin untersucht, inwieweit sich ein externes Autorentool, beispielsweise Authoreware von Macromedia, zur Erstellung eignet, unter der Voraussetzung, dass die Dozenten relativ unerfahren sind. Es wird eine Einschätzung der Kompetenzbereiche vorgenommen und die Produkte zur Produktion anhand der gestellten Anforderungen getestet.
Im Abschluss werden die Ergebnisse diskutiert und Empfehlungen zum Einsatz verschiedener Wege zur Inhaltsbereitstellung und für die Unterstützung durch jeweilige Produkte ausgesprochen.
11
2 Anforderungsanalyse und studentische Prozesse
2.1 Prozessanalyse
„Der Prozess des Lehrens bezieht sich auf diejenigen Aktivitäten einer Person, welche darauf gerichtet sind, einer anderen Person Wissen, Kenntnisse, Fähigkeiten oder Fertigkeiten zu vermitteln“ 11 . Man sieht, dass der Prozess kein Selbstzweck, sondern eine gezielte Beeinflussung des Lernenden ist. 12
Ziel der Geschäftsprozessmodellierung ist das Aufdecken von Ineffizienzen und die daraus resultierende Ableitung von E-Learning Optionen zur Prozessverbesserung. Die Prozessorientierung ist ein zunehmend wichtiger Prozess in der Unternehmenslandschaft. Es wird eine Umstrukturierung angestrebt. Alle Vorgänge, die im Unternehmen ablaufen, lassen sich an einer Wertschöpfungskette abtragen. Diese Vorgänge werden als Prozesse bezeichnet, die im Gesamtablauf die Wertschöpfungskette versuchen zu optimieren. Um diese Optimierung durchführen zu können, muss man die Hauptprozesse identifizieren. 13 Nach Hammer und Champy ist die erste durchzuführende Aktion bei der Prozessoptimierung die Identifizierung des Hauptgeschäftszwecks. Die Universität hat als Hauptgeschäftszweck die Erzeugung und Diffusion des für eine Gesellschaft überlebenswichtigen Wissens voranzutreiben. Sie muss dazu im Gegensatz zu einem Unternehmen keine Gewinne erwirtschaften. Künftiges Differenzierungskriterium im Wettbewerb um Studenten wird die Qualität der Forschung und Lehre sein. Hier ist auch die hochaktuelle Frage gegeben, inwieweit sich die Prozessqualität durch eine Informations- und Kommunikationstechnologie verbessern lässt. 14 An dieser Wertschöpfungskette befinden sich nun, wie bereits erwähnt, die Hauptprozesse, die einen Output ermöglichen. Diese Prozesse sind nicht standardisiert und stark von den Präferenzen des jeweiligen Lehrers/Lerners abhängig. Jedoch können auch allgemeine Angaben betreffs eines Studienprozesses angegeben werden. Nachfolgende Abbildung zeigt die Wertschöpfungskette der MLU Halle-Wittenberg gemäß der Notation der Architektur integrierter Informationssysteme (ARIS). 15
11 Coenen, O. E-Learning-Architektur für universitäre Lehr- und Lernprozesse 2. Aufl. Lohmar ; Köln :
Euler Verlag 2002, S.17
12 Ebenda S.17-40
13 Ebenda S.17-40
14 Ebenda S.17-40
15 Vgl. Scheer, A. W.: Architektur integrierter Informationssysteme: Grundlagen der
Unternehmensmodellierung. Berlin: Springer 1992
12
Abbildung 2 : Wertschöpfungskette der MLU Halle-Wittenberg 16
An dieser Kette sieht man, dass das Lehren und Lernen die eigentlichen Hauptprozesse einer Universität sind. Im vorliegenden ARIS Modell wird der Hauptprozess „Lehrveranstaltung durchführen“ mit Hilfe der erweiterten Ereignis-Prozess-Kette detaillierter beschrieben.
Abbildung 3 : Hauptprozess "Lehrveranstaltung durchführen" 17
Den Hauptprozess Lehren kann man in Unterprozesse aufteilen. Diese sind Lehre planen, Lehre durchführen und Lehre kontrollieren. Die Planung bezieht sich dabei auf die Festlegung der Lehrinhalte sowie die Form und Reihenfolge der Vermittlung im
16 entwickelt gemäß ARIS-Notation
17 entwickelt gemäß ARIS-Notation als eEPK
13
Unterricht. Die Durchführung ist hierbei die Umsetzung der Planung. Die anschließende Überprüfung in Form eines Soll/Ist Vergleiches erfolgt bei der Lehrkontrolle. 18 Diese 3 Schritte werden im Laufe eines Dozentenlebens mehrmals durchschritten. Dabei gewinnt er Erkenntnisse, die sich auf die nächste Lehrplanung auswirken, um die Qualität des Unterrichts zu verbessern. So entsteht ein sogenannter Regelkreis der Lehrfunktion.
Angestrebt wird hierbei eine Optimierung des Lehrprozesses. Dabei soll er aktiv auf alle folgenden Prozessschritte einwirken. Der Lerner soll bei Durchlaufen der Lehrprozesse Wissen aufbauen, das er vorher nicht hatte.
Dabei setzt bei dem Lerner ein Lernprozess ein. Dieser Prozess wird angestoßen, indem sich der Student einschreibt und sein Studium mit der ersten Vorlesung beginnt. Dabei ist wesentlich, dass der Lehrprozess, hier „Lehrveranstaltung durchführen“, den Lernprozess beeinflusst. Hier sind wieder die verschiedenen Unterweisungsformen zu betrachten. Entscheidet sich der Dozent zu einer eher explorativen Unterweisung, so hat der Lerner die freie Wahl des Lernweges. Ist eher eine Exposition angewandt, so muss der Lerner den vom Dozenten vorgeschlagenen Lernweg einhalten. 19 Im Grundstudium werden eher Fakten und Wissen ve rmittelt, welches im Hauptstudium durch Problemlösungskonzepte erweitert werden sollte. Daher sollte das Hauptaugenmerk auf der Vermittlung von Wissen und Fertigkeiten liegen.
2.2 Einführungsplan für Multimediale Lehr- und Lernprozesse
Um eine erfolgreiche E inführung des E -Learning an der Fakultät zu gewährleisten, muss man sich ein Lernszenario der Studenten in Erinnerung rufen. Darin fallen Prozesse an, die man mit einer multimedial gestützten Lerneinheit verbessern kann. Coenen redet von 5 Ebenen, die unterschiedliche Sinneskanäle ansprechen und damit unterschiedliche Lernkanäle beeinflussen. Die angesprochenen Lernkanäle werden zwar separat durchgeführt, ergänzen sich aber inhaltlich und methodisch und hängen dadurch stark voneinander ab. Man kann sie auch als Einführungsplan in ein methodisch sinnvolles E-Learning System sehen. 20
18 Vgl. Coenen, O. E-Learning-Architektur für universitäre Lehr- und Lernprozesse 2. Aufl. Lohmar ;
Köln : Euler Verlag 2002, S.17-40
19 Vgl. Riser, Urs / Keuneke, Jürgen / Hoffmann, Bruni / Freibichler, Hans: Konzeption und Entwicklung
interaktiver Lernprogramme, 1. Auflage, Berlin-Heidelberg : Springer-Verlag, 2002. S. 50 ff
20 Vgl. Coenen, O. E-Learning-Architektur für universitäre Lehr- und Lernprozesse 2. Aufl. Lohmar ;
Köln : Eul 2002, S.17-40
14
Szenarien ( auch Stufenplan) für eine computergestützte Unterweisung:
1.) jetziges Szenario: Präsenzunterricht mit Präsenzübungen, keine Interaktivität, keine räumliche und zeitliche Trennung, Multimedialität bezieht sich auf die Bereitstellung von Skripten
2.) weitergehendes Szenario: Telemediale Vorlesung mit interaktiver Einbindung dislozierter Teilnehmer
3.) CBT und WBT gestütztes Selbststudium durch didaktische Neukonzeption von Präsenzveranstaltungen und Ergänzung um multimediale Elemente 4.) Telemediale Übungsveranstaltung mit interaktiver Einbindung dislozierter Teilnehmer
5.) Synchrones und asynchrones Online Tutorium auf Basis Computer mediierter Kommunikation
6.) Gruppenzentriertes Lernen mit Hilfe Team- unterstützender Systeme
Wie sehen jedoch die Voraussetzungen eines Studenten aus. Um eine Lerneinheit erfolgreich zu implementieren, muss man sich der Ziele die damit verfolgt werden, bewusst sein. Um aber die Ziele zu setzen, sind Kenntnisse der soziodemografischen Aspekte der Studenten sowie deren Vorwissen von Wichtigkeit. Die Motivation der Lernenden hält sich im Allgemeinen in Grenzen. Darum muss ein motivationaler Faktor geschaffen werden. Des weiteren ist der Medieneinsatz zu planen. Hier ist die Frage wichtig, welche Medien sich zum Studienerfolg besonders ausgezeichnet haben. Dies lässt sich aber erst durch eine Evaluation bestimmen. Im Vorfeld kann man vielleicht die Interessenlage erheben, aber erst der Einsatz zeigt welche Wirkung es hat. Eine nächste Frage, die sich stellt, ist die der mediendidaktischen Kompetenz der Lehrenden. Diese ist im Allgemeinen relativ niedrig. In Kapitel 3 folgt eine Ausarbeitung der mediendidaktischen Möglichkeiten und Methoden, um auch unerfahrenen Dozenten eine Hilfestellung zu geben. Im Kapitel 4 wird die zweite Ausbaustufe des Einführungsplanes näher betrachtet, indem auf die Konvertierung und Aufwertung vorhandener Lehrinhalte eingegangen wird. Kapitel 5 beschäftigt sich dann mit der nächsten Ausbaus tufe, dem CBT/WBT gestützten Selbststudium.
15
2.3 Effektivität und Effizienz von Lehr- und Lernprozessen
Effektivität misst den Umfang der Zielerreichung, wobei die Effizienz in Relation den dafür eingesetzten Aufwand misst. Die Differenzierung erfolgt einerseits nach Effektivität und Effizienz, andererseits nach Lehr- und Lernprozessen. An der Universität zielt die Effektivität des Lernprozesses auf die Zeit des Studenten ab. Der Lehrprozess darf die Forschungstätigkeit der Dozenten nicht einschränken, d.h. bei Etablierung von E -Learning sollte darauf geachtet werden, dass der eingesetzte Aufwand, der nicht klein sein wird, auch gerechtfertigt ist. 21 Zur Untersuchung der potentiellen Effektivität und Effizienz von rein virtuellen Lehrern werden modellhaft folge nde verschiedene Lehrleistungen unterschieden:
1. Wissen. Lerner beziehen diese Leistung von personellen Lehrern oder aus
2. Übung: Lösen durch Abrufen von Wissen im Gedächtnis, Leistung besteht in
3. Durchführung von Experimenten: ein vereinfachtes Modell der Wirklichkeit
4. Beratung: Prozessberatung, d.h. während eines Versuches/Seminars,
Die prinzipiell erreichbare Effektivität von Lernprozessen lässt sich durch die Leistungsart Experimente positiv beeinflussen, z.B. mit computergestützten Planspielen oder in Praxisfälle eingebundene Entscheidungsunterstützungssysteme. Auch im Bereich der Visualisierung von mehrdimensionalen oder dynamischen Modellen besitzen Rechnersysteme unbestreitbare Effektivitätsvorteile. 22 Jedoch können virtuelle Lehrer bei den Leistungsarten Wissen und Übung nicht bzw. nicht ganz die prinzipiell mögliche Effektivität von personellen Lehrern erreichen. Ein
21 Vgl. Neumann, R., Nacke, R., Ross, A. Corporate E-Learning : Strategien, Märkte, Anwendungen 1.
Aufl. Wiesbaden : Gabler 2002, S.56 ff.
22 Ebenda, S.56 ff.
16
Lehrer, der auf Abruf zur Verfügung steht, ist an Adaptivität, Lebendigkeit und Einfühlungsvermögen sowie Urteilskraft nicht oder nur sehr schwer zu übertreffen. Restriktionen, wie Kosten oder Zeit, setzen der von personellen Lehrern tatsächlich erreichbaren Lerneffektivität beim Lerner jedoch enge Grenzen, so z.B. Massenvorlesungen und überfüllte Seminare. Günstig wirkt sich hier der Einsatz von WBT´s aus, da hier Dozenten von Routineaufgaben entlastet werden. Sie können sich gezielt auf ihre Lehrtätigkeit, wie Einführung, Hintergrundwissen vermitteln, aktuelle Neuerungen, Beratung oder eine übergeordnete Lernerfolgsprüfung, konzentrieren. Allerdings darf dabei nicht der Erstellungsaufwand vernachlässigt werden, der den Dozenten in seiner eigentlichen Lehrtätigkeit wieder hindert. 23 Der vierte Bereich, die Beratung, ist überwiegend von Personen besser durchführbar. Eine bedarfsgerechte Visualisierung dür fte es den Dozenten in jedem Fall erlauben, mehr Zeit der individuellen Beratung von Lernenden zu widmen. Die Effizienz von Lernprozessen in herkömmlichen Veranstaltungen zeigt auch Verbesserungspotential auf. Ein hohes Potential bietet vor allen Dingen die Abstraktion von Raum und Zeit, sowie die Unterstützung der Kooperation, Planung und Kommunikation von Lernenden mit Lehrenden und anderen Lernenden. 24 Beispiel hierfür findet sich an der Universität Bamberg, wo im Grundstudium die Fächer, wie Buchführung oder Kostenrechnung, die nur Grundlagenwissen vermitteln, von einem WBT unterstützt werden. Aus diesem Beispiel entsteht das 2. Szenario, wo einige Präsenzveranstaltungen von WBT unterstützt oder gar ersetzt werden. Es finden sich im Grundstudium viele Vorlesungen, deren Inhalte sich über Jahre hinweg nicht ändern. Diese Vorlesungen könnte man nun aufzeichnen, als einfachen Weg der Inhaltsbereitstellung, und mit multimedialen Elementen unterstützen, z.B. einem Whiteboard. Die personelle Unterstützung durch den Dozenten muss dabei natürlich aufrecht erhalten werden. Die Prozesse, die der Lehrer durchläuft, sind dabei die gleichen. Sie bestehen aus Lehre planen, Lehre durchführen und Lehre kontrollieren. Die Planung besteht dabei in der Erstellung der Lerneinheiten. Sie müssen didaktisch aufbereitet werden, mit einem Ziel und den Lernenden vor Augen. 25
23 Vgl. Neumann, R., Nacke, R., Ross, A. Corporate E-Learning : Strategien, Märkte, Anwendungen 1.
Aufl. Wiesbaden : Gabler 2002, S.56 ff.
24 Ebenda, S. 56 ff.
25 Ebenda, S. 56 ff.
17
3 Medien und Mediendidaktik
Ziel dieses Kapitels ist, die Grundlagen der Mediendidaktik aufzuzeigen und das Instruktionsdesign näher zu erklären. Der Weg führt von den Lehr- und Lerntheorien zu der Methodik, dem Instruktionsdesign. Nach dem Kapitel soll verstanden worden sein, welchen Lernpfad man mit welchem Programm unterstützt, um die Lehrziele zu erreichen.
Dieses Kapitel bildet in seinen theoretischen Ausführungen die Grundlagen für die praktische Umsetzung in Kapitel 4.
3.1 Multimedia und Didaktik
Dieses Kapitel soll sich der didaktisch wertvollen Aufbereitung von Lehrinhalten widmen. Dabei werden verschiedene Lehr- und Lerntheorien, sowie die dazugehörigen Methodiken betrachtet, um das jeweilige Verhalten im Lernprozess zu unterstützen. Durch WBT´s verändern sich die Lerngewohnheiten eines Studenten nachhaltig. Im klassischen Präsenzunterricht, der entweder im Block oder täglich angeboten wird, geht es um das extensive Studium von Lerninhalten. Dabei ist das wichtigste Lernmedium ein Buch. Es könnten sich durch den Einsatz von LMS Vorteile für Studierende/Lehrende ergeben, die auf eine Verkürzung der Studiendauer, allgemein auf die Veränderung der Parameter des Lernens abzielen.
- Verkürzung der Präsenzphasen auf Lernabschnitte, bei denen Präsenz erforderlich ist
- Ablösung umfangreicher Lehrbücher und Quellenmaterial durch schnell zu verarbeitende, eigenständige Informationseinheiten
- Abbildung unterschiedlicher L ernszenarien durch unterschiedliche
- Intelligente Reaktion des LMS auf Lernsituationen, Usertracking
- Steigerung der Anzahl interaktiver Lerninhalte, Interaktivität wird eine wichtige Rolle auch bei der Ausbildung von Skills spielen
- Anhebung der medialen Mischung der Lerninhalte, Etablierung eines
18
- Granularisierung von Lerninhalten, da Lerninhalte schnell veränderbar sein müssen
- Veränderung der Inhalte auf stilistischer Ebene, weniger
Argumentationsketten sondern eher Ergebnisse werden präsentiert 26
Der Einsatz von Multimedia in der Lehre ist inzwischen unumgänglich geworden. In fast allen Bereichen des täglichen Lebens spielt der Computer eine wichtige Rolle. Er ist zu einem unvermeidlichen Begleiter durch die digitale Welt von heute und morgen geworden. Da liegt es nahe, sich diese Technik zu Nutze zu machen, um eine Lernumgebung zu gestalten, die gerade in unserer heutigen Zeit die Erwartungen einer „virtuellen“ Generation erfüllt. Jedoch ist an dieser Stelle nicht nur die Technik zu nennen. Gerade sie ist es aber, die uns die Möglichkeit eröffnet, neue Medien mit einzubeziehen.
Was aber ist ein Medium, was sind gar neue Medien? Große Hoffnungen werden heute mit dem Einsatz multimedialer Technologien verbunden. Dieses begründet sich auch in den zwei verbreitetsten Multimediamythen, zum Einen, dass durch Multimedia mehrere Sinne gleichzeitig angesprochen werden können und dadurch ein effektiveres Lernen erreicht wird. Zum Anderen geht man davon aus, dass die Lernmotivation gesteigert werden kann. 27
Das Medium an sich ist ein Träger für irgendeine Information. Diese Information liegt isoliert vor, d.h. man hat entweder einen Text oder eine Kassette mit einem Hörspiel. Dies sind die sogenannten alten Medien. Dagegen können neue Medien mehr. Wie auch schon der Begriff Multimedia, ein anderer Begriff für die neuen Medien, vermuten lässt. Als das erste Klavier ins Stummfilmkino geschoben wurde begann Multimedia. Die Definitionen die daraufhin folgten, bezogen sich auf den augenscheinlichen Hintergrund des Begriffes, die Kombination von verschiedenen Medien. Die Wissenschaftler, die diesen Begriff mitprägten, verloren sich jedoch auch in einem Wirrwarr der Erklärungen. Kriterien, die eine Einordnung des Begriffes möglich machen, sind unterschiedlicher Natur. 28
26 Vgl. Kraemer, W., Müller, M. (Hrsg.) Corporate universities und e-learning : Personalentwicklung und
lebenslanges Lernen ; Strategien - Lösungen - Perspektiven 1. Aufl. Wiesbaden : Gabler 2001, S. 290
27 Vgl. Dittler,U. (Hrsg.) E-Learning : Einsatzkonzepte und Erfolgsfaktoren des Lernens mit interaktiven
Medien, 2., überarb. und erg. Aufl. München ; Wien : Oldenbourg 2003, S. 85
28 Vgl. Schulmeister, R. Grundlagen hypermedialer Lernsysteme : Theorie - Didaktik - Design 3.,
korrigierte Aufl. München ; Wien : Oldenbourg 2002, S.22
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Arbeit zitieren:
Michael Rückwaldt, 2003, Die Entwicklung und Bereitstellung von Lerninhalten im Rahmen von Blended Learning, München, GRIN Verlag GmbH
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