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a. In dieser Arbeit verwendete Zeichen I
I. Einleitung, Ziel, Methode 1
I.1 Überblick 2
II. Natur- und Nicht-Naturdinge 3
II.1 Naturbeschaffenheit 4
II.1.1 Wesen 5
III. Rede und Antwort 6
III.1 Der Stoff 6
III.2 Die Form 7
IV. Werden 9
IV.1 fehlende Bestimmung und Gegensatz 10
V. Schlussbetrachtung 10
b. Literaturverzeichnis 12
Das Deckblatt zeigt einen Ausschnitt aus dem Renaissance-Fresko „Die Schule von Athen“, das
Raffael zu Beginn des 16. Jahrhunderts gemalt hat.
Zu sehen sind Platon und Aristoteles, die auch das Zentrum des Gesamtwerks bilden.
Platon weist mit seiner Hand nach oben in das Rech der Ideen. Aristoteles weist dagegen zur Erde und
deutet damit an, dass die Erkenntnis der Dinge in den Erfahrungsgegenständen liegt
1
I. Einleitung, Ziel und Methode
Ziel dieser Arbeit ist die Bearbeitung des ersten Kapitels des zweiten Buches der „Physik“ 1 des Aristoteles. Vorausgegangen ist diesem Kapitel das erste Buch mit insgesamt neun Kapiteln, w orin Aristoteles sich mit einigen N aturdenkern der Vorsokratik 2 auseinandersetzt, einige widerlegt und andere modifiziert. Außerdem erläutert er dort die Notwendigkeit der Prinzipienbestimmung für die Naturwissenschaften. Hauptanliegen des ersten Buches aber ist es, eine Lehre von den Gegensätzen und deren Verhältnis zueinander bereit zu stellen, um zu ergründen, was die Anfänge des Seienden sind.
Mit der hier vorliegenden Arbeit wird versucht, das im Fokus befindliche Kapitel so zu erläutern, dass auch der Leser, der nur geringe Vorkenntnisse 3 hat, zumindest einen kleinen - wenn auch für das Gesamtverständnis wohl nie ausreichenden - Einblick in dieses Werk des griechischen Philosophen erhaschen kann. So geht es also um die Bearbeitung eines speziellen aristotelischen Problems, und zwar in Form einer erläuternden Zusammenfassung eines einführenden Kapitels: Die Frage nach Stellenwert und Verhältnis von Stoff und Form steht dabei im Mittelpunkt. Dazu wird allerdings zunächst die Frage nach der Naturbeschaffenheit und dem eigentlichen Wesen der Dinge 4 beantwortet werden müssen. In dieser Arbeit wird dazu das zugrunde liegende Kapitel in sinnvoll erscheinende
Argumentationsabschnitte eingeteilt, die somit s trukturbestimmend für diese Arbeit sind. Im Rahmen der Bearbeitung des zweiten Buches wird es zuweilen auch notwendig sein auf das erste Buch der „Physik“ zurückzugreifen, weil dort Gedankengänge entweder ihren Ursprung haben oder fortgeführt werden. Zunächst soll hieran anschließend aber der Versuch unternommen werden, das in Frage stehende Kapitel kurz zusammenzufassen.
1 Zugrunde liegt die beim Felix Meiner Verlag Hamburg erschienene zweisprachige Ausgabe der
ersten vier Bücher der „Physik“ in der Übersetzung von Hans Günter Zekl aus dem Jahr 1987.
2 Nach dem Philosophie-Lexikon (siehe Literaturverzeichnis) werden unter den Vorsokratikern die
griechischen Philosophen, die etwa im Zeitraum von 470 - 399 v. Chr, also vor Sokrates, tätig waren
verstanden. Traditionell werden unter diesem Begriff mehrere Schulen unterschieden: Die ionischen
Denker mit Thales, Anaximander, Anaximenes und Heraklit, die Pythagoreer nach Pythagoras, die
Eleaten mit Xenophanes, Parmenides, Melissos, Empedokles und Zenon, die Atomisten mit Leukippos
und Demokrit und die Sophisten mit Gorgias, Protagoras, Antiphon u. a.. Kaum eine Epoche der
Philosophie bietet so viele Verständnisschwierigkeiten wie die Vorsokratik, was zum Einen daran liegt,
dass die Philosophen dieser Zeit noch auf der Suche nach einer begrifflichen Sprache waren, zum
anderen ist aber auch keine einzige Schrift irgendeines dieser Philosophen vollständig erhalten. Alles
Wissen über die Vorsokratiker beruht in der Hauptsache auf den Berichten späterer Philosophen.
3 Die Basis zum Verständnis zumindest dieses Kapitels wird im ersten Buch ausgebreitet.
4 Von Ding oder Dingen wird in dieser Arbeit dann gesprochen, wenn damit schon irgendwie geformter
Stoff gemeint ist.
2
I.1 Überblick
Aristoteles beginnt das erste Kapitel d es zweiten Buches der „Physik“ mit der Unterscheidung der von Natur aus bestehenden Dinge und der von Natur aus nicht bestehenden Dinge. Nach einer kurzen Untersuchung kommt er zu dem Zwischenergebnis, dass den von Natur aus bestehenden Dingen ein nicht nur nebenbei anhaftender Drang nach Veränderung eigen ist. Jeder Veränderung aber muss etwas Zugrundeliegendes vorausgesetzt werden, das im Verlauf der Veränderung (im Raum, nach Größe, bzw. Menge oder der Eigenschaft nach) eine Gestaltung erfährt. So gelangt Aristoteles zu der Unterscheidung von Stoff und Form. Holz ist beispielsweise der zugrunde liegende Stoff für eine Liege, die Liege aber ist die Form, weil das Holz in der Gestalt einer Liege erkannt wird 5 . Zentral ist in diesem Zusammenhang die Unterscheidung von Naturdingen und Nicht-Naturdingen: Naturdingen wohnt die Form inne und strebt danach, sich im Stoff, bzw. in dem ihr Zugrundeliegenden, zu verwirklichen. Nicht-Naturdingen wird sie von außen - z. B. durch einen Schreiner oder Kunsthandwerker - aufgeprägt, weshalb Nicht-Naturdingen - wie der Liege aus Holz - die Formbestimmung nur nebenbei zukommt; sie ist nicht deren Naturbeschaffenheit, im Sinne einer zwingenden Folge einer Entwicklung, ganz im Unterschied zu Naturdingen.
Die natürliche Beschaffenheit aber der Dinge ist deren eigentliches Wesen. An dieser Stelle diskutiert Aristoteles Antiphon 6 , der das Wesen des Dings in dem Stoff ausmacht, der durch alle Ereignisse an dem Ding, welches schon geformt vorliegt, bestehen bleibt.
Aristoteles stellt daraufhin seine Sicht in einen - in seinem Sinne - klärenden Gegensatz zu Antiphon und kommt zu dem Begriff der Gestalt, als der in den Begriff gefassten Form. Die Andersartigkeit der aristotelischen Sicht besteht zunächst in der Unterscheidung der tatsächlichen, verwirklichten Form und der Form, die nur der Möglichkeit nach ist. Was nur der Möglichkeit nach etwas sei, habe noch kein eigentliches Wesen: Dies gilt sowohl f ür Natur-, als auch für Nicht-Naturdinge. Die tatsächliche Form genießt also nach Aristoteles den Vorrang vor dem Stoff und ist das Maß für die Naturbeschaffenheit, insofern sie das Ergebnis des natürlichen Drangs ist.
5 Dieses Beispiel wird im Verlauf der Arbeit noch häufiger herangezogen. Es dient hier nur der
Erläuterung der Unterscheidung von Stoff und Form und warum diese sinnvoll ist.
6 In der Einleitung wurde ja bereits angedeutet, dass Aristoteles sich häufig den Vorsokratikern
zuwendet.
Arbeit zitieren:
Friedrich Fiebiger, 2003, Die Grundbestimmungen der Natur nach Aristoteles' Physik, Buch II, Kapitel 1, München, GRIN Verlag GmbH
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