Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 3
0. Einleitung. 4
1. Im Schatten der Gewalt - Authentische Berichte über erlittene Strafen. 6
2. Zum Strafverständnis pädagogischer Strömungen. 9
2.1. Die geisteswissenschaftliche Pädagogik. 9
2.2.Das Erziehungsverständnis der“ Schwarzen Pädagogik“ 10
2.3.Die antiautoritäre Pädagogik und ihr Strafverständnis 11
2.3.1. Neills Ansichten über Erziehung und sein Projekt „Summerhill“ 11
2.4.Die kritisch-emanzipatorische Pädagogik und ihr Strafverständnis. 12
2.5. Die neokonservative Erziehung und ihr Verständnis von Strafe 12
2.6. Die Antipädagogik und ihr Strafverständnis 13
3.Das Erziehungsverständnis und seine Auswirkungen auf das Strafverständnis. 13
3.1.Das antinomische Erziehungs- und Strafverständnis. 14
4. Zur Notwendigkeit und Verhältnismäßigkeit von Strafen 15
5. Persönliche Stellungnahme 19
6. Literatur 19
Mit Strafen leben?
Über Strafen und Bestrafungen im zwischenmenschlichen Bereich.
0. Einleitung
Sicherlich ist nahezu jeder von uns in seinem Leben schon einmal in der einen oder anderen Art und Weise bestraft worden, ob nun von seinen Eltern oder Verwandten, seinen Lehrern oder Vorgesetzten oder gar von seinen Freunden oder Partnern. Die Mittel zur Bestrafung sind ebenso vielfältig wie die Methoden der Vertuschung und der Rechtfertigung und reichen von Schlägen über Liebesentzug bis hin zur völligen Isolation des "Opfers".
Nun stellt sich allerdings die Frage, ob Strafen und Bestrafungen wirklich notwenig und zweckdienlich sind, besonders im Hinblick darauf, dass einige Kulturen, wie z.B. die Eskimos auf Grönland und eine auf einem Korallenatoll in Neuguinea lebende Gemeinschaft, vollkommen ohne jegliche Art von Bestrafung auskommen. Dies scheint in unserer zivilisierten und kultivierten Gesellschaft kaum möglich zu sein. Denn hier herrscht der ehrgeizige Grundgedanke vor, "bessere" Menschen heranzuziehen. Der Weg zu diesem Menschen ist in zeitlich begrenzte Phasen eingeteilt, wann etwas gekonnt und erlernt sein muss, wann das Kind z.B. in der Lage sein muss, zu laufen.
In unserer Gesellschaft ist der ganze Entwicklungsweg einem starren und strengen Reglement unterworfen, wer in die jeweilige Norm passt und sich in die Gegebenheiten fügt wird geduldet, wer sich ihnen entgegenstellt wird bestraft. Daher ist auch eine individuelle Entwicklung nur begrenzt möglich und auf festgelegte Ziele hin orientiert.
Zur Durchsetzung der Interessen der Gesellschaft bedient man sich von altersher verschiedener Mittel und Maßnahmen, die eine Einhaltung der Vorschriften und Normen sichern. Dazu gehören die Verbote auf der Einen, Bestrafungen, Züchtigungen und Maßregelungen auf der anderen Seite.
Dieses System wird zwar von der Mehrheit akzeptiert und angesehen, basiert allerdings, wie oft übersehen wird, auf einer ausgeprägten Macht- und Abhängigkeitsstruktur in die wir hineingeboren werden und in die wir uns widerstandslos fügen sollen. Eltern, Verwandte und Vorgesetzt sagen uns, welches Verhalten falsch und welches richtig und damit erwünscht ist. In den meisten Fällen werden die so gelernten Normen verinnerlicht, in den wenigsten Fällen lehnt man sich auf und hinterfragt die Gegebenheiten. Genau dieser Sachverhalt führt zu Aussagen wie" Prügel haben noch niemandem geschadet". Wer so denkt, hat sich zwar mit der Gesellschaft und sich selbst arrangiert, hinterfragt jedoch nicht die Legitimität seines Handelns, wenn er mit seinen Mitmenschen nach dem althergebrachten Muster umgeht.
Strafen gelten als selbstverständlich, je länger sie existieren, desto weniger werden sie in Frage gestellt. Dabei sind die Folgen, die, nicht nur eine harte, brutale Bestrafung nach sich zieht verheerend, die Opfer tragen oftmals Schäden davon, die sie ihr Lebtag lang "begleiten".
Ebenso erschreckend wie die Zerstörungen, die Strafen anrichten können, ist die Phantasie, die die Täter oftmals an den Tag legen um ihre Taten zu verhüllen, alles in den Deckmantel der Pädagogik hüllen zu können, damit sie sich in der Lage befinden, sich noch grausamere Strafen auszudenken. Die folgenden Fragen liegen dann nahe:
Sind Strafandrohungen und Strafen wirklich notwendig, um einen gesellschaftsfähigen Menschen heranzuziehen?
Oder behindern Sanktionen und Verbote nicht vielmehr die gesunde Entwicklung des Kindes?
Um eine Antwort zu finden wende ich mich zunächst authentischen Berichten über Strafen zu, die die Sichtweise der Opfer, sowie die Folgen der Sanktionen deutlich machen sollen. Danach werde ich mich näher mit dem Strafverständnis verschiedener pädagogischer Strömungen, sowie mit der Notwendigkeit und der Verhältnismäßigkeit von Strafen beschäftigen
1. Im Schatten der Gewalt - Authentische Berichte über erlittene Strafen
Bevor ich an dieser Stelle zu einer Vorstellung einzelner, ausgewählter Fallbeispiele komme, möchte ich aus der Gesamtheit der Fälle die angewandten Strafmaßnahmen herausarbeiten, um die erschreckende Vielfalt der Sanktionen etwas deutlicher zu machen.
Die folgenden Strafmaßnahmen sind aus 68 Berichten herausgestellt worden. Das Alter der jeweiligen Autoren reicht dabei von 17 bis zu 85 Jahren. Auffällig ist dabei der Wandel von roher, körperlicher Gewalt, von der in den älteren Berichten zu lesen ist, zu psychischen Strafen, die vermehrt in den jüngeren Berichten erscheinen.(Dieses sei hier bemerkt, ohne eine Wertung darüber abzugeben, welche Art von Strafe größere Schädigungen hervorruft.) Es wurde in den Berichten von folgenden Methoden berichtet: -Prügel
-Liebesentzug, keine Berührung, keinerlei Ansprechen -Hausarrest -Spott
-Einsperren, bevorzugt in dunkle, kalte Räume -Auslachen -Entzug von vorher Erlaubtem -Alleingelassenwerden - Ohne Abendessen ins Bett
-Androhung des eigenen Todes und damit verbunden das Schmoren in der Hölle -Androhung des Todes der Mutter und damit verbunden die ewige Schuld -Völlige Ignoranz -Verweigerung sexueller Kontakte
-Quälen von geliebten Menschen oder Tieren, die Tötung von Haustieren -Strafaufgaben: Putzen, Gartenarbeit, Abschreiben etc. -Abseifen der Zunge bei Fluchen
Arbeit zitieren:
Svenja Plitt, 2001, Mit Strafen leben? Über Strafen und Bestrafungen im zwischenmenschlichen Bereich, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
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