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Biografisierung der individuellen Handlungsorientierung

Title: Biografisierung der individuellen Handlungsorientierung

Term Paper , 2003 , 20 Pages , Grade: 1,8

Autor:in: Thomas Schröder (Author)

Sociology - Individual, Groups, Society
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„Was kann ich mit meinem Leben sinnvolles anfangen?“ ist eine Frage, die sich heutzutage besonders viele junge Menschen stellen. Die Antwort liegt für die meisten nicht – und vor allem: nicht mehr – nur in der Wahl und Ausübung des vermeintlich richtigen Berufes. Die Kriterien, die der Beantwortung dieser Frage heute zugrunde gelegt werden, sind vielfältig und komplex. Die Antwort heißt nicht (mehr) einfach: „Wenn ich eigenes finanzielles Einkommen habe, kümmert mich alles Übrige nicht oder zweitrangig“. Die Fülle von möglichen Antworten, die es heute auf diese Frage gibt, und derer jede einzelne beinahe ein eigenständiges Sinnsystem voraussetzt, macht die Lage so unübersichtlich und für viele so ausweglos. Die Orientierung an der eigenen Biografie verknüpft themenübergreifend diese vereinzelten Handlungsstränge und –motivationen.
Der Themenbereich der Biographisierung erweist sich bei der Bearbeitung als außerordentlich komplex und vielfältig. Er stellt ein ideales Anwendungsfeld für interdisziplinäre Ansätze dar, auf dem beispielsweise Einzelanschauungen aus der Soziologie, der Sozialpsychologie, der Sozialphilosophie, aber auch der Politikwissenschaft und nicht zuletzt, in Anbetracht der Verwendbarkeit sozialisationstheoretischer Analysen, der Pädagogik zur Aufklärung der Problematik beitragen.
In der vorliegenden Arbeit wird das Theoriepotential eines noch immer wenig erschlossen Forschungsfeldes umrissartig angedeutet und ansatzweise erhellt. Ziel der Arbeit ist es nicht, die historische Perspektive auszuleuchten, das heißt den Wandel von „früher war alles einfacher“ zu „heute ist alles so komplex“ zu belegen. Vielmehr wird herausgestellt, inwiefern die aktuelle Situation strukturimmanente Schwierigkeiten bei der konkreten und planerischen Orientierung individuellen Handelns innerhalb eines Lebenslaufes aufweist. Eine gelegentliche Bezugnahme auf historisierende Betrachtungen erweist sich hierbei als hilfreich

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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Narrative Biographieforschung und ihre theoretischen Prämissen

1.1. Identität als leitendes Prinzip der narrativen Selbstdarstellung

1.2. Erinnerung als retrospektives Element der Selbstwahrnehmung

1.3. Erfahrung als konstitutives Element des Lebenslaufs

2. Wichtige Einflussgrößen der zeitgenössischen Biographiegestaltung

2.1. Institutionalisierung und Deinstitutionalisierung

Kritik an Gehlens Institutionsbegriff

2.2. Das Paradox der Individualisierung

3. Sinnverlust – Biographisierung als neuer Sinn?

4. Gestaltungsprinzipien des Lebenslaufes: Biografisierung oder Alltagsbewältigung ?

5. ArbeiterInnenbiographien: Ein generalisierbares Fallbeispiel?

6. Anstelle eines Fazit: Versuch einer analytischen Thesengenerierung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die strukturellen Herausforderungen bei der individuellen Lebenslaufplanung in der Moderne. Ziel ist es, zu ergründen, inwiefern die Biografisierung der eigenen Lebensführung eine Antwort auf den Verlust traditioneller sozialer Orientierungsmuster darstellt und welche Rolle die narrative Konstruktion von Identität dabei spielt.

  • Die theoretischen Grundlagen der narrativen Biographieforschung.
  • Die Auswirkungen von Deinstitutionalisierung auf individuelle Lebensentwürfe.
  • Das Paradoxon von Wahlfreiheit und Entscheidungszwang in der Moderne.
  • Methodische Ansätze zur biographischen Rekonstruktion und Sinnstiftung.

Auszug aus dem Buch

6. Anstelle eines Fazit: Versuch einer analytischen Thesengenerierung

Ein kurzes Beispiel soll noch einmal veranschaulichen, wie sich Alltagsfragen problemlos zu Lebensfragen von richtungsweisender Tragweite abstrahieren lassen: Warum überquerte das Huhn die Straße? Kindergärtnerin: Um auf die andere Straßenseite zu kommen. Plato: Für ein bedeutenderes Gut. Aristoteles: Es ist die Natur von Hühnern, Straßen zu überqueren. Karl Marx: Es war historisch unvermeidlich. Timothy Leary: Weil das der einzige Trip war, den das Establishment dem Huhn zugestehen wollte. Moses: Und Gott kam vom Himmel herunter, und er sprach zu dem Huhn: "Du sollst die Straße überqueren." Und das Huhn überquerte die Straße. Machiavelli: Das entscheidende ist, dass das Huhn die Straße überquert hat. Wer interessiert sich für den Grund? Die Überquerung der Straße rechtfertigt jegliche möglichen Motive. Freud: Die Tatsache, dass Sie sich überhaupt mit der Frage beschäftigen, dass das Huhn die Straße überquerte, offenbart Ihre unterschwellige sexuelle Unsicherheit.

In dem Beispiel sind mit den verschiedenen Antworten ganze Systeme zur kognitiven und intellektuellen Erfassung von Welt verbunden. Einzelne Antworten auf Fragen und also auch Lebensfragen rekurrieren innerhalb einer Gesellschaft immer auf ein ganzes Geflecht, Netzwerk oder – zeitgemäßer gesagt – System von Begründungen und Bedeutungen. Somit sind auch Entscheidungen – denn Antworten bedeuten Entscheidungen für mögliche Antworten – immer geknüpft an jeweilige Netzwerke von Bedeutungen und Begründungen.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Schwierigkeit junger Menschen, in einer komplexen Gesellschaft einen roten Faden für ihr Leben zu finden, und führt die Biografisierung als zentrales Orientierungsinstrument ein.

1. Die Narrative Biographieforschung und ihre theoretischen Prämissen: Dieses Kapitel erläutert die Methode des narrativen Interviews und analysiert Identität, Erinnerung und Erfahrung als konstitutive Elemente des Lebenslaufs.

2. Wichtige Einflussgrößen der zeitgenössischen Biographiegestaltung: Hier werden der Prozess der Deinstitutionalisierung und das Paradoxon der Individualisierung diskutiert, wobei die entlastende Funktion von Institutionen kritisch hinterfragt wird.

3. Sinnverlust – Biographisierung als neuer Sinn?: Aufbauend auf Habermas wird der Frage nachgegangen, wie Individuen in einer sinnentleerten Welt versuchen, durch Biographisierung neue Sinnbezüge zu konstruieren.

4. Gestaltungsprinzipien des Lebenslaufes: Biografisierung oder Alltagsbewältigung ?: Es wird analysiert, wie der Verlust narrativer Strukturen im Alltag zur Deformation von Erfahrung führt und Widerstandspotenziale durch Subkulturen entstehen.

5. ArbeiterInnenbiographien: Ein generalisierbares Fallbeispiel?: Basierend auf Alheits Forschung wird dargelegt, dass bei Arbeiterbiographien oft nicht die langfristige Lebensplanung, sondern die unmittelbare Alltagsbewältigung im Vordergrund steht.

6. Anstelle eines Fazit: Versuch einer analytischen Thesengenerierung: Anhand eines humorvollen Beispiels wird verdeutlicht, wie lebensweltliche Fragen in geschlossene Bedeutungssysteme eingebettet sind und warum die Konstruktion von Biographien zur zentralen Letztbegründung wird.

Schlüsselwörter

Biographieforschung, Narratives Interview, Identität, Deinstitutionalisierung, Individualisierung, Sinnverlust, Lebenslaufregime, Alltagsbewältigung, Sozialisation, Moderne, Sinnstiftung, Handlungsautonomie, Erfahrungstransformation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?

Die Arbeit analysiert, wie Individuen in der modernen Gesellschaft angesichts des Wegfalls fester institutioneller Vorgaben ihr Leben durch die Konstruktion einer eigenen Biographie orientieren und sinnvoll gestalten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit behandelt Themen wie die narrative Biographieforschung, den Prozess der Individualisierung, das Verhältnis von Institutionen zum Individuum sowie die Problematik der Sinnstiftung durch biographische Selbstvergewisserung.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die strukturimmanenten Schwierigkeiten bei der Lebenslaufplanung zu entwickeln und aufzuzeigen, wie das Individuum zur aktiven Gestaltung seiner eigenen Biographie gezwungen ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich primär auf eine theoretische Auseinandersetzung mit soziologischen Konzepten, insbesondere den Ansätzen der narrativen Biographieforschung und handlungstheoretischen Überlegungen zu Institutionen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit den theoretischen Voraussetzungen der Biographieforschung, den gesellschaftlichen Einflussfaktoren auf die Biographiegestaltung und untersucht anhand von Arbeiterbiographien die praktische Umsetzung dieser Konzepte.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Biographieforschung, Individualisierung, Identitätsbildung, Sinnverlust und der Begriff des modernen Lebenslaufregimes.

Warum ist die Unterscheidung zwischen dem Narrativen Interview und anderen Interviewformen wichtig?

Die narrative Methode erlaubt es dem Befragten, die Struktur der Erzählung selbst zu bestimmen, wodurch er zum Experten seiner eigenen Lebensgeschichte wird und subjektive Sinnkonstruktionen deutlicher sichtbar werden.

Welche Rolle spielt die "Kritik an Gehlens Institutionsbegriff" für die Argumentation?

Die Kritik verdeutlicht, dass Gehlens Begriff der Institution zu weit gefasst ist, da er jeden Wandel als Deinstitutionalisierung umdeuten könnte, was die analytische Schärfe des Begriffs gefährdet.

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Details

Title
Biografisierung der individuellen Handlungsorientierung
College
University of Göttingen  (Sozialwissenschaftliche Fakultät Göttingen)
Course
Zur Konstitution der moderne Biografie
Grade
1,8
Author
Thomas Schröder (Author)
Publication Year
2003
Pages
20
Catalog Number
V18647
ISBN (eBook)
9783638229456
ISBN (Book)
9783638758826
Language
German
Tags
Biografisierung Handlungsorientierung Konstitution Biografie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Thomas Schröder (Author), 2003, Biografisierung der individuellen Handlungsorientierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18647
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