Die wirtschaftliche Bedeutung des Dritten Sektors in Deutschland
Claudia Asmus - Benjamin Brudler
Inhalt
1 Einleitung 3
2 Der Projektplan 3
3 Der Dritte Sektor 6
3.1 Begriffsdefinitionen 6
3.2 Aufbau des Dritten Sektors. 8
3.3 Finanzierung des Dritten Sektors 9
3.4 Beispiele für Non-Profit-Organisationen 11
3.4.1 Amnesty International. 11
3.4.2 World Wide Fund For Nature Deutschland (WWF) 13
3.4.3 Kurzprofil Evangelisches Studienwerk e. V 14
4 Die Expertenbefragung 15
4.1 Erstellung des Fragebogens. 15
4.2 Durchführung der Expertenbefragung 19
5 Quantitative Ergebnisse aus der Umfrage 20
6 Zukunftsperspektiven für den Dritten Sektor. 26
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1 Einleitung
Im Rahmen der aktuellen Diskussion um Bürgerengagement und Zivilgesellschaft erhält die Thematik um den Dritten Sektor Einzug in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft. Hierbei wird die an Bedeutung gewinnende Rolle des Dritten Sektors bei Versagen des Sozialstaates hervorgehoben. Non Profit Organisationen als freiwillige Vereinigungen leisten einen bedeutenden Beitrag zur Sozialintegration, indem sie
Partizipationschancen eröffnen, Wege der Integration in das Gemeinwesen aufzeigen und Werte und Normen weitergeben. Wurde der Dritte Sektor lange Zeit fast ausschließlich unter dem Aspekt des Dienstleistungssektors betrachtet, zeichnet sich seit einiger Zeit eine Wende in diesem Bereich ab. Die Potentiale des Dritten Sektors werden im Zuge der Diskussion um die Krise des deutschen Wohlfahrtstaates wieder entdeckt.
Im Betracht dieser Entwicklungen, so die These unseres Projektes, kommt dem Dritten Sektor ein zentraler Stellenwert zu, weil er die wesentliche Infrastruktur der Zivilgesellschaft bildet und Raum für Selbstorganisation, individuelles Engagement und kollektives Handeln bereitstellt. Daher soll mit diesem Projekt der Versuch unternommen werden, die Rolle des Dritten Sektors und vor allem der Non Profit Organisationen für die Zukunft abzuschätzen. Im Folgenden wird zunächst eine Begriffsbestimmung zum Dritten Sektor vorgenommen und mit Beispielen aus dem Non Profitbereich verdeutlicht. Mit Hilfe einer Umfrage werden dann Meinungen von Experten über die Bedeutsamkeit des Dritten Sektors in verschiedenen Themenbereichen, wie z.B. Wirtschaft, aufgezeigt. Ziel unseres Projektes soll die Erarbeitung eines Szenarios sein, das einen Ausblick auf die zukünftige Situation der Non Profit Organisationen in Deutschland ermöglicht.
2 Der Projektplan
Für die Projektdurchführung im Rahmen der Lehrveranstaltung: „Neue Arbeitsformen - Wege in die Zukunft“ standen uns zehn Wochen, vom 28.04.2003 bis zum 14.07.2003, zur Verfügung. Die inhaltliche Gestaltung der
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Projekte wurde uns Studenten überlassen und in Absprache mit den Lehrveranstaltungsleiterinnen Frau Dipl. psych. Beate Buss und Frau Dipl. ing. Annegret Dickhoff abgestimmt. Die vorläufige Idee, im Rahmen des Projektes eine Delphi-Befragung zur Erstellung einer Szenarioanalyse durchzuführen, musste leider verworfen werden. Ein Zeitrahmen von zehn Wochen ist für diese Art der Befragung zu knapp, da sie aus mehreren Erhebungsrunden bestehen muss. Aus diesem Grund entschieden wir uns für eine Expertenbefragung, um qualifizierte Meinungen zum Thema einzuholen und mit ihrer Hilfe ein Zukunftsszenario zu entwickeln. Unter Berücksichtigung dieser
Rahmenbedingungen erstellten wir zunächst folgenden Projektplan.
Die erste Phase des Projektplans ist die Recherche zu dem Projektthema: „Die wirtschaftliche Bedeutung des Dritten Sektors in Deutschland unter der besonderer Berücksichtigung der Non Profit Organisation“. Für diese Phase
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wurde ein Zeitraum von vier Wochen einkalkuliert. Alle Projektmitglieder waren an der Recherche beteiligt. Ziel der Recherche war es:
• eine exakte Begriffsbestimmung für den Non Profit Sektor zu erarbeiten und seine Hauptfelder und Finanzierungsarten zu ermitteln.
• einen umfassenden Überblick über die Entwicklung des Dritten Sektors in den letzten Jahre zu bekommen.
• einen umfassenden Überblick über die derzeitige Situation des Dritten Sektors in Deutschland zu bekommen.
• Expertenaussagen zu finden, die sich mit der Zukunftsperspektive von Non Profit Organisationen auseinandersetzen.
• Adressenlisten zu erstellen, mit Experten für den Non Profit Bereich In der Mitte der vierten Woche der Recherchephase befasste sich ein Teil des Projektteams mit Hilfe der Ergebnisse aus der Recherche mit der Erstellung des Fragebogens. In der fünften Woche wurde die Phase der Fragebogenerstellung von allen Projektmitglieder bearbeitet. In mehreren Brainstormingsitzungen wurden verschiedene Themenbereiche für den Fragebogen erstellt und die einzelnen Items entwickelt. Zudem wurde ein Anschreiben verfasst, in dem die Bearbeitung des Fragebogens und das Zurücksenden auf elektronischem Weg erklärt wird. Meilenstein 1 am Ende der fünften Woche sollte die Verabschiedung des Fragebogenkonzepts durch die Veranstaltungsleitung sein. Dieser Termin konnte auch ungefähr eingehalten werden. Anschließend konnte die dritte Phase, die Durchführung der Expertenbefragung beginnen, die sich über drei Wochen erstreckt. Diese Phase unterteilt sich in zwei Aufgabenfelder:
1. die telefonische Kontaktaufnahme zu den Experten, die befragt werden sollen
2. die Verschickung der Fragebögen per e-Mail oder Fax In der dritten Woche der Durchführung der Expertenbefragung befasste sich ein Teil des Projektteams schon mit der Eingabe der Daten aus den Rückläufen. Für die Auswertung der Daten aus dem standardisierten Teil des Fragebogens sollte das Programm SPSS dienen. Der andere Teil des Fragebogens, der
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qualitative Antwortmöglichkeiten beinhaltet, wurde insbesondere für die Entwicklung des Zukunftsszenarios verwendet. Unsere eigenen
Überlegungen, basierend auf dem Wissen aus der Recherche, wurden ebenfalls in die Entwicklung des Zukunftsszenarios mit einbezogen. Die Phase der Auswertung und Szenarioentwicklung durfte sich nur über gut zwei Wochen erstrecken, da mit dem Termin am 14.07.2003 der Präsentationstag vorgegeben und damit fix war.
Im weiteren Verlauf dieses Projektberichtes werden zunächst die Ergebnisse der Recherchephase hinsichtlich Begriffsbestimmung, Aufteilung und Finanzierung des Dritten Sektors erläutert. Anschließend werden Beispiele für Non Profit Organisationen aus den Hauptbereichen des Dritten Sektors exemplarisch dargestellt.
3 Der Dritte Sektor
3.1 Begriffsdefinitionen
Die moderne Gesellschaft stützt sich im Wesentlichen auf drei Säulen:
1. Das demokratische Staatswesen 2. Die soziale Marktwirtschaft
3. Die Zivilgesellschaft, auch als Dritter Sektor bezeichnet.
Die Einteilung beruht auf einer volkswirtschaftlichen Betrachtungsweise. Für eine gerechte und zukunftsorientierte Gesellschaft sind alle drei Säulen von gleich großer Bedeutung. Im Zeitablauf sind jedoch Staat und Wirtschaft wissenschaftlich breit erforscht und politisch systematisch bearbeitet worden. Die Bedeutung des Dritten Sektors ist jedoch weithin unbekannt. Die folgende Definition soll zunächst den Begriff des Dritten Sektors näher spezifizieren: „ private Haushalte sowie Einzelpersonen und Familien, die Inländer sind, sowie Organisationen, Verbände, Vereine, Institute etc., deren Leistungen vorwiegend privaten Haushalten dienen und sich überwiegend von privaten Haushalten finanzieren.“ (Gabler, Wirtschaftslexikon, 14. Auflage)
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Die Organisationen des Dritten Sektors zeichnen sich in Abgrenzung zum Staat und zur öffentlichen Verwaltung durch ein geringes Maß an Amtlichkeit aus. Im Unterschied zu Firmen und Unternehmen besteht ihre Zielsetzung nicht in der Gewinnmaximierung, sondern sie unterliegen dem so genannten non-profitconstraint. Dies bedeutet, dass Gewinne erwirtschaftet werden, aber nicht an Mitglieder oder Mitarbeiter ausgeschüttet, sondern wieder in die Organisationen reinvestiert werden müssen.
Die Motivation, aus welcher heraus der Dritte Sektor in Deutschland entstanden ist, beruht auf drei historisch gewachsenen Prinzipien:
1. Prinzip der Selbstorganisation
Die Entwicklung vom Zentralstaat zur Demokratie führte für die Bevölkerung zur Dezentralisation. Die im Grundgesetz verankerten Rechte, wie z. B. das Recht auf unternehmerische Betätigung (Art. 12 Grundgesetz), erlaubt jedem Einzelnen, in einem vom Staat vorgegebenen Rahmen, selbständig tätig zu sein. Die Dezentralisation befähigt jeden Bürger zur Selbstverwaltung (Autokratie).
2. Subsidiaritätsprinzip
Dieses gesellschaftsethische Prinzip beinhaltet die Entfaltung der individuellen Fähigkeiten, der Selbstbestimmung und Selbstverantwortung. Subsidiarität wird also erst durch das Prinzip der Selbstorganisation ermöglicht. Nur dort, wo die Möglichkeiten des Einzelnen bzw. einer kleinen Gruppe nicht ausreichen um Aufgaben bewältigen und Lösungsansätze finden zu können, sollen staatliche Institutionen subsidiär eingreifen.
Eine notwendige Bedingung für das Subsidiärprinzip ist somit, das Hilfe zur Selbsthilfe vorrang vor direkten staatlichen Eingriffen hat. Die Aufgabe des Staates ist es primär die materiellen Voraussetzungen zu schaffen, damit der Einzelne Selbstverantwortung übernehmen kann.
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3. Prinzip der Gemeinnützigkeit
Gemeinnützigkeit zielt auf die individuelle Ebene jedes Einzelnen ab und baut auf Engagement auf. Gemeinnützig tätig zu sein, entsteht aus der Freiwilligkeit eines Menschen heraus und beruht auf seiner individuellen Entscheidung. Die Entscheidung kann aus unterschiedlichen Motiven erfolgen, z. B. altruistische oder egoistische Motive.
3.2 Aufbau des Dritten Sektors
Bei der positiven Analyse lassen sich die Tätigkeitsfelder des Dritten Sektors in vier Hauptbereiche einteilen:
• Soziales
• Gesundheit
• Bildung
• Kultur
Die folgenden Daten wurden 1999 für die John-Hopkins-Studie erhoben, leider gibt es keine aktuelleren Daten. Der Dritte Sektor engagiert sich vor allem im Sozialen Bereich (38 %), z. B. durch ein breites Angebot an Beratungsstellen für Familie und Jungendliche, Anlaufstellen für Suchtkranke u. v. m.. Die Aktivitäten im Gesundheitsbereich entsprechen einem Anteil von 31 % und leisten einen quantitativ hohen Beitrag für die Herstellung von öffentlichen Gütern. Das Engagement im Bildungs- und Kulturbereich ist anteilsmäßig geringer. Unter sonstiges wurden Bereiche der Freizeittätigkeit, Sportaktivitäten, Umwelttätigkeiten u.s.w. zusammengefasst.
Arbeit zitieren:
Benjamin Brudler, Claudia Asmus, 2003, Die wirtschaftliche Bedeutung des Dritten Sektors in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung der Non Profit Organisationen, München, GRIN Verlag GmbH
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