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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Stella, Ein Schauspiel für Liebende. 3
2. Stella, Cäcilie und Fernando, die Hauptfiguren des Stückes
2.1 Stella und Cäcilie, Rivalinnen oder Schicksalsgenossinnen? 4
2.2 Fernando, ein 'typisierter' Mann? 11
3. Das Lösungsmodell der Ehe zu dritt. 12
4 Literaturverzeichnis 15
3
1. Einleitung
1.1 Stella, Ein Schauspiel für Liebende
Gleich die erste Rezension 1 , die der 'Altonaer Reichs-Postreuter' am 8. Februar 1776 nach der Uraufführung im Hamburger Nationaltheater über Goethes Stella veröffentlicht, ist ein Verriß des „[...] schwächste[n] Produkt[es] der Göthischen Muse, [...] [das] bisher das Licht der Welt erblickt [hat]“ 2 :
[...] Von der Moral des Stücks wollen wir nichts sagen. Es ist bekannt genug, daß Herr Dr. Göthe sich über diese Kleinigkeit fast immer hinwegsetzt. [...] seine Stella ist eine Schule der Entführungen und Vielweiberey. Treffliche Tugendschule! 3
Das unkonventionelle Lösungsmodell der Ehe zu dritt, frei nach dem Motto „[...] eine Wohnung, ein Bett und ein Grab“(51) 4 , mit dem Goethe den Beziehungskonflikt zwischen Fernando, dem männlichen Helden, seiner Ehefrau Cäcilie und seiner Geliebten Stella zu einem unerwarteten Happy End führt, erregt die Gemüter der Zeitgenossen; es wird als „[...] gegen alle Grundsätze der christlichen Religion, der biblischen und philosophischen Moral, der bürgerlichen Verfassungen, ja des gesunden Menschenverstandes [...]“ 5 bewertet. Nicht, daß es in der Gesellschaft des 18. Jahrhunderts keine Mätressen gegeben hätte, nein, - nicht umsonst gehören die Protagonisten des Stückes dem Adel an, bei dem ein freizügigeres sexuelles Verhalten keine Seltenheit darstellte - das Anstößige liegt in der völligen Gleichberechtigung, die hier der Geliebten neben der Ehefrau zugestanden wird. Stella wird teilweise sogar mit Aufführungsverboten belegt.
Noch im Jahre der Erstaufführung kommt es zu verschiedenen, nicht autorisierten Umarbeitungen des Schauspiels. In mehr oder minder plumpen Versuchen bemüht man sich, das vermeintliche Versehen, das dem „Herr[n] Göthe“ unterlaufen sei 6 , zu berichtigen. So läßt man z.B. den Onkel Stellas in einem hinzugefügten sechsten Akt auftreten, der Fernando vor Gericht bringt. Dieser wird verurteilt, die beiden Frauen wieder von ihren Familien aufgenommen 7 . In einer anderen Version taucht plötzlich ein Bruder Fernandos, einem deo ex machina gleich, auf, der Stella heiratet. Obendrein bemerkt diese den 'Betrug' nicht einmal
1 Über Goethes Stella liegt ein Korpus von 21 Rezensionen aus dem Jahr nach der Erstaufführung vor. Abgedruckt sind diese bei Braun, Julius (Hrsg.): Goethe im Urtheile seiner Zeitgenossen. Berlin 1883. 2. Abt. Bd. 1, S. 228-370
2 Braun: Goethe im Urtheile, S. 228
3 Ebd. 229
4 Zitiert wird nach folgender Ausgabe: Goethe, Wolfgang Johann: Stella. Ein Trauerspiel. Stuttgart: Reclam 1996
5 Braun: Goethe im Urtheile, S. 259
6 vgl.: Ebd. S. 277f
4
gleich, da dieser zweite 'Fernando' dem ersten aufs Haar gleicht 8 . Schließlich existiert noch eine weitere Fassung, nach der Stella sich in die Obhut eines Klosters zurückzieht und Fernado mit Cäcilie wieder eine 'normale' Ehe führt 9 .
Für eine Weimarer Aufführung im Jahre 1806 arbeitet Goethe dann selbst sein „Schauspiel für Liebende“ um und macht daraus ein Trauerspiel. Fernando und Stella begehen Selbstmord.
Im Folgenden werden nun die Charaktere der Hauptfiguren analysiert, um herauszufinden, auf welcher Basis Goethe diese bizarre 'ménage à trois' entwickelt. Die Akzentuierung soll dabei bei den beiden Frauengestalten liegen, die direkt gegenübergestellt werden. Aus Gründen des für eine Hausarbeit begrenzten Umfangs muß auf einen Vergleich mit den verschieden Umarbeitungen des Stückes verzichtet werden.
2. Stella, Cäcilie und Fernando, die Hauptfiguren des Stückes
2.1 Stella und Cäcilie, Rivalinnen oder Schicksalsgenossinnen ?
Helga Kraft stellt in ihrem Aufsatz Idylle mit kleinen Fehlern die These auf, daß es sich bei Stella schlicht um eine „Inzestphantasie des Schriftstellers“ 10 handle: Fernando wende sich allein von Cäcilie ab, da „[...]die erotisierende Schönheit der Ehefrau vorbei [...]“, sprich ihr Sex-Appeal verblaßt sei, und suche dann, von dem „[...] blühenden Mädchen Stella, [...] das dem Alter nach seine Tochter sein könnte“ 11 , sexuell stimuliert, das erotische Abenteuer. Aber basiert nun die Anziehungskraft der beiden Frauen tatsächlich allein auf sexuellem Reiz?
Als Fernando das Rittergut kauft, auf dem er sich zusammen mit Stella niederläßt, ist sie „[...] blutjung, nicht älter als sechzehn Jahr und schön wie ein Engel.“(10) Eine genaue Beschreibung ihres Äußeren ergibt sich nicht; der Leser erfährt nur, daß sie langes, blondes gelocktes Haar hat (vgl. 27). Zum Zeitpunkt des Geschehens ist sie vierundzwanzig (10),
7 vgl.: Ebd. S. 277f
8 vgl.: Ebd. S. 288f und 290f
9 dieses anonyme Manuskript wurde der Goethefroschung erst vor wenigen Jahren bekannt. Es findet sich in der Theatersammlung des Städtischen Reiß-Museums in Mannheim. Erstmals berücksichtigt wird diese Schlußversion von: John, David G.; Endres, Stefan; Franke, Gabriele: Ein neuer Schluß für Goethes „Stella“ 91/101 In: Goethe-Jahrbuch, Weimar 111 (1994)
10 Kraft: Idylle mit kleinen Fehlern, S. 87
11 Ebd. S. 86
Arbeit zitieren:
Andreas Weidmann, 1999, Stella, Cäcilie und Fernando - Die Liebeskonzeption des Dreiecks in J. W. Goethes 'Stella', München, GRIN Verlag GmbH
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