Kein Thema ist momentan so aktuell wie das um die Parteien. Ich spreche hier bewusst im
Plural, auch wenn meist nur der Name einer großen Partei im Zusammenhang mit “dem Parteispendenskandal”
zu hören ist. In dieser Arbeit soll nun die aktuelle Situation als Anlass
genutzt werden verallgemeinerungsfähige, theoretische Aussagen, Konzeptionen und Modelle,
die die Partei als Gegenstand betrachten, zu erarbeiten, zumal man sich so auf ein Terrain
begibt, auf dem seit den Nachkriegsjahren ein eher geringer Forschungsertrag geleistet wurde.
Dabei orientiert sich der Themenkomplex an folgenden Fragen:
- Was ist eine politische Partei?
- Was sind die Ziele und Absichten einer Partei?
- Was sind ihre Aufgaben?
- Inwiefern leistet die Partei einen Beitrag zur Demokratie und wenn ja, welchen Stellenwert
nimmt sie dabei ein?
- Inwiefern grenzt sich eine Partei von anderen Gruppierungen ab?
Hauptziel soll aber Versuch einer Definition anhand von allgemeinen Kriterien sein, sprich
die Beantwortung der ersten Frage, die als Leitfrage angesehen werden soll. In einem ersten
Teil wird diese Frage nun in einem allgemeineren Rahmen diskutiert: Zunächst im Versuch
einer Abgrenzung der Partei gegenüber Verbänden und Institutionen, danach in einer Begriffs-
und Funktionsbestimmung . In einem zweiten Teil soll dann das Grundgesetz durchleuchtet
werden. Es soll ermittelt werden, inwieweit das Grundgesetz eine Begriffsdefinition
vornimmt, bzw., inwieweit eine aus ihm resultiert; die Frage nach dem verfassungsrechtlichen
Status der Partei soll aufgeworfen werden und schließlich soll dann der Handlungsrahmen,
der den Parteien nach dem Grundgesetz zu kommt erörtert werden.
Insgesamt gesehen handelt es sich hier also um eine rein theoretische Arbeit, deren Betonung
nicht auf Analyse empirisch ermittelter Daten liegt, sondern auf allgemeinen Überlegungen.
Inhaltsverzeichnis
1. ZUM THEMA
2. POLITISCHE PARTEIEN: BEGRIFFSABGRENZUNG UND DEFINITION
2.1. VERBÄNDE – PARTEIEN – INSTITUTIONEN
2.2. BEGRIFF UND FUNKTION VON PARTEIEN IM REPRÄSENTATIVEN SYSTEM
3. DIE PARTEI IM GRUNDGESETZ
3.1. DER BEGRIFF DER PARTEI IM GRUNDGESETZ
3.2. DER VERFASSUNGSRECHTLICHE STATUS DER PARTEI
3.3. POLITISCHE PARTEIEN UND POLITISCHES SYSTEM
4. SCHLUSSWORT
5. LITERATURLISTE
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, eine theoretische Definition der politischen Partei anhand allgemeiner Kriterien zu erarbeiten, um deren Rolle im politischen System der Bundesrepublik Deutschland besser zu verstehen. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich dabei mit der Wesensbestimmung der Partei sowie deren verfassungsrechtlichem Status und Handlungsrahmen.
- Theoretische Abgrenzung von Parteien gegenüber Verbänden und Institutionen
- Analyse der Funktion von Parteien im repräsentativen System
- Untersuchung des Parteienbegriffs im Grundgesetz und Parteiengesetz
- Bedeutung von Parteien für die politische Willensbildung
- Zusammenhang zwischen politischer Führung und Rekrutierungsprozessen
Auszug aus dem Buch
2.1. Verbände – Parteien – Institutionen
Sucht man nach einem Unterscheidungskriterium zwischen Verbänden und Parteien, so ist das offensichtlich: Parteien nehmen an Wahlen teil, Verbände hingegen nicht. Doch wie sieht die Unterscheidung im Hinblick auf die innerparteilichen Vorgänge und Vorgänge innerhalb des Verbandes aus?
Schließen sich Menschen im Hinblick auf ein bestimmtes sachrationales Ziel zusammen, so bildet der Zweck, zu dem sie sich zusammengeschlossen haben die Leitlinie für all ihre Handlungen. Konflikte zwischen Personen innerhalb dieser Gruppe werden gelöst, indem mit Rücksicht auf diese Leitlinie entschieden wird. Im sachrationalen Zusammenleben spielen also Personen als Träger bestimmter Meinungen und Interessen eine dem Gruppenziel untergeordnete Rolle. Entscheidungen werden mit Sachgründen belegt. Vertritt ein Verband nun seine Interessen nach außen hin, so versucht er, nachdem er seine Interessen sachlich bestimmt hat, sie zu realisieren. Alles was hinter dem sachrationalen Maximum zurückbleibt, entspricht den sachlichen Anforderungen nur teilweise.
Politische Parteien unterscheiden sich davon. Untrennbar bei den Entscheidungsfindungsvorgängen in Parteien ist die sachliche Komponente des Ziels verbunden mit der Frage nach der Durchsetzung unter den gegebenen Umständen. Bereits die Zielauswahl, die bei den Verbänden rein sachlich durch den Zweck des Zusammenfindens bereits vorgegeben ist, steht bei Parteien zur Disposition. Die Artikulation des Ziels, die inhaltlichen Komponenten der Parteienabsichten, sind während des gesamten Meinungs- und Willensbildungsprozesses in den Parteien an Überlegungen im Hinblick auf die Verwirklichung des Ziels und nicht an dessen idealtypischer Formulierung gebunden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. ZUM THEMA: Einführung in die Aktualität des Themas und Darlegung des theoretischen Ansatzes sowie der Leitfragen der Untersuchung.
2. POLITISCHE PARTEIEN: BEGRIFFSABGRENZUNG UND DEFINITION: Erläuterung der Unterschiede zwischen Parteien, Verbänden und Institutionen sowie deren Funktion im repräsentativen System.
2.1. VERBÄNDE – PARTEIEN – INSTITUTIONEN: Detaillierte Gegenüberstellung der Organisations- und Entscheidungslogiken von Verbänden, Parteien und Institutionen.
2.2. BEGRIFF UND FUNKTION VON PARTEIEN IM REPRÄSENTATIVEN SYSTEM: Untersuchung der Transmitterrolle von Parteien zwischen Bürgern und Regierungsbildung im Lichte der Definition von Max Weber.
3. DIE PARTEI IM GRUNDGESETZ: Analyse der verfassungsrechtlichen Einordnung und der Bedeutung der Parteien als Garanten für die demokratische Ordnung.
3.1. DER BEGRIFF DER PARTEI IM GRUNDGESETZ: Erörterung der verfassungsrechtlichen Kriterien für den Parteienbegriff basierend auf Art. 21 GG.
3.2. DER VERFASSUNGSRECHTLICHE STATUS DER PARTEI: Diskussion über die besondere Stellung der Parteien als notwendige Instanzen im politischen Prozess und deren Schutz durch das Grundgesetz.
3.3. POLITISCHE PARTEIEN UND POLITISCHES SYSTEM: Betrachtung der Rolle der Parteien bei der Interessenaggregation und der Dynamik politischer Entscheidungsfindung.
4. SCHLUSSWORT: Synthese der theoretischen Ergebnisse und Ausblick auf den Forschungsbedarf zur Organisationswirklichkeit von Parteien.
5. LITERATURLISTE: Verzeichnis der verwendeten theoretischen und verfassungsrechtlichen Quellen.
Schlüsselwörter
Politische Parteien, Grundgesetz, Willensbildung, Interessenaggregation, Repräsentatives System, Demokratie, Verfassungsrecht, Parteienprivileg, Politische Führung, Verbände, Institutionen, Parteiensoziologie, Politische Partizipation, Interessenvertretung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen und verfassungsrechtlichen Analyse politischer Parteien in der Bundesrepublik Deutschland unter besonderer Berücksichtigung ihrer theoretischen Fundierung.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind die Abgrenzung von Parteien gegenüber Verbänden, die Funktion von Parteien im demokratischen System und deren rechtliche Stellung nach dem Grundgesetz.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das primäre Ziel ist die Erarbeitung einer theoretischen Definition der politischen Partei, um zu bestimmen, wie diese als Garant für die demokratische Willensbildung fungiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine rein theoretische Arbeit, die auf konzeptionellen Überlegungen und der Analyse verfassungsrechtlicher Texte sowie politikwissenschaftlicher Theorien basiert, nicht auf einer empirischen Datenerhebung.
Was wird im Hauptteil des Buches behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine begriffliche Abgrenzung zu anderen Organisationen, die Funktionsbestimmung im repräsentativen System und eine tiefgehende Untersuchung der Partei innerhalb der verfassungsrechtlichen Rahmenbedingungen des Grundgesetzes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Politische Parteien, Grundgesetz, Interessenaggregation, Willensbildung und Repräsentatives System.
Wie unterscheiden sich Parteien laut Autor von Verbänden?
Der Autor unterscheidet Parteien durch ihre Teilnahme an Wahlen und ihre situativ-personale Orientierung, während Verbände primär eine sachrationale Zieloptimierung verfolgen.
Welche Rolle spielt das Grundgesetz für das Verständnis von Parteien?
Das Grundgesetz erkennt die Parteien als notwendige Institutionen für die politische Willensbildung an, liefert jedoch nur ein Minimum an Definition, was Raum für notwendige Interpretationen lässt.
- Quote paper
- Andreas Weidmann (Author), 2000, Die politischen Parteien in der BRD: Soziologie der politischen Partei, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18688