Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Der Realismus 3
3. Empirie 5
3.1 Der aktuelle Kooperations- und Interessensbegriff 5
3.2 Der aktuelle Machtbegriff 7
4. Fazit 8
Literaturverzeichnis 10
1
1. Einleitung
"Diese Situation ist sowohl für die Umwelt-Governance im Ganzen als auch für die Behandlung der Sachthemen von großem Nachteil" (Rechkemmer 2006: 148). Dieses Zitat von Andreas Rechkemmer, welches den Zustand der in bis zu 900 einzelne Abkommen fragmentierten globalen Umweltpolitik bewertet, spiegelt die zentrale Problematik der UN-Klimapolitik sehr gut wieder. Zum einen zeigt es auf, welche hohe Priorität der Umweltpolitik aktuell zukommt, zum anderen jedoch auch, wie wenig es gelungen ist, dieser einen einheitlichen Rahmen zu geben bzw. in der globalen Organisation UN zu institutionalisieren. Der bisher letzte Versuch, alle Länder zu einer gemeinsamen Linie in der internationalen Klimapolitik zu bewegen, der Klimagipfel in Kopenhagen, endete mit einem unverbindlichen Kompromiss, den viele als Scheitern interpretierten. Die beschriebene Problematik, dass Klimapolitik auf globaler Ebene augenscheinlich eine hohe Priorität, aber wenig Aussichten auf Erfolg hat, soll auf den folgenden Seiten näher untersucht werden. Hierbei ist als zentrales Untersuchungsmittel bzw. weiteres Untersuchungsobjekt die Theorie des Realismus zu nennen. Er ist nach wie vor als eine der „großen“ Theorien Internationaler Beziehungen anzuführen, der nicht zuletzt als Orientierung für neuere Theorien diente. Da er Kooperationen von Ländern skeptisch gegenübersteht, scheint es begründet, zu untersuchen, inwieweit seine Ansätze die Problemlage der globalen Kooperation bezüglich des Klimawandels erklären können. Hieraus leitet sich auch die der Arbeit zugrundeliegende Fragestellung ab: „ Bietet der Realismus Lösungen für die Schwierigkeiten einer internationalen Klimakooperation?“ Es sollen also Schlüsse auf die Brauchbarkeit der realistischen Theorie, die Problematik der globalen Zusammenarbeit erklären und lösen zu können, gezogen werden. Als These wird zunächst davon ausgegangen, dass diese Fragestellung negativ beantwortet wird, da der Realismus vor einem anderen historischen Hintergrund entstand und globale ökologische Probleme, wie den Klimawandel, nicht kannte.
Um diese Frage zu klären wird während der Arbeit die Perspektive des Realismus eingenommen und versucht, aus seiner theoretischen Sicht bestimmte Sachverhalte zu erklären. Dementsprechend werden auch die zentralen Begriffe dieser Arbeit, Macht und Nationales Interesse, „realistisch“ definiert, um einen Maßstab für darauf folgende Bewertungen zu erhalten. Eine Erläuterung der Theorie des Realismus mit den entsprechenden Definitionen folgt im Hauptteil. Dabei erfolgt zunächst eine Beschreibung
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des klassischen Realismus nach Morgenthau, der als Fundament für den später entwickelten strukturellen Realismus diente. Dieser wird ebenfalls kurz dargestellt und erhält die zentrale Rolle innerhalb dieser Arbeit, da er an Aktualität und Erklärungskraft dem klassischen Realismus überlegen scheint.
Diese Darstellung basiert in erster Linie auf Sekundärliteratur. Hier sind zum einen „Weltbilder und Weltordnung“ von Gert Krell und „Internationale Beziehungen“ von Siegfried Schieder zu nennen. Beide bieten einen Einblick in die Tradition, die historische Entwicklung und die wichtigsten Annahmen des Realismus. Auf dieser Grundlage wird dann die Untersuchung des derzeitigen Zustandes des internationalen Systems vorgenommen. Hierbei wird einerseits empirisch, andererseits normativ überprüft, inwieweit das Konzept des Realismus auf die Realität internationaler Klimapolitik übertragbar ist.
Dazu werden erstens die Interessen der Länder und die daraus resultierenden Kooperationschancen untersucht. Als Ausgangspunkt dienen hier Rankings der NGO Germanwatch, die die Auswirkungen des Klimawandels in einzelnen Ländern mit den Klimaschutzbemühungen der einzelnen Länder vergleichbar machen und „Mit mehr Ebenen zu mehr Gestaltung?“ von Achim Brunnengräber, indem dem Bild einer einheitlichen Weltrisikogemeinschaft widersprochen wird.
Zweitens wird anhand der Erkenntnisse, dass den Entwicklungsländern durch die neuen ökologischen Zusammenhänge eine neue Verhandlungsmacht zukommt, von Frank Biermann in seinem Buch „Weltumweltpolitik zwischen Nord und Süd“ der realistische Machtbegriff untersucht.
Abschließend wird ein Fazit gezogen. Dieses dient sowohl der Bestätigung bzw. Verwerfung der These, als auch der Bewertung der Realitätsnähe des Realismus und einer Skizzierung möglicher Lösungen.
2. Der Realismus
Wie in der Einleitung bereits beschrieben folgt hier ausschließlich eine Betrachtung der Theorie des Realismus. Im Gegensatz zu neueren Denkströmungen wird ihr der Vorzug gegeben, da es interessant erscheint, gerade „ältere“ Theorien auf ihre Aktualität hin zu überprüfen. Es sollte schließlich der Anspruch einer Theorie sein, zeitunabhängige Geltung zu besitzen.
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Arbeit zitieren:
Tobias Müller, 2010, Klimawandel - Eine „realistische“ Beschreibung der UN-Realität?, München, GRIN Verlag GmbH
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