Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung. 1
1 Bestandsaufnahme 3
1.1 Was bedeutet Migrationshintergrund? 3
1.2 Schulstatistik. 3
2 Migrationshintergrund und Soziale Ungleichheit. 5
2.1 Zentrale Soziale Ungleichheiten. 5
2.2 Folgen der sozialen Ungleichheit. 7
3 Ursachen der Sozialen Ungleichheit. 8
3.1 Sprachdefizite. 8
3.2 Familiale Zusammenhänge. 12
3.2.1 Soziale Herkunft. 12
3.2.2 Systemwissen und Engagement der Eltern. 13
3.2.3 Kulturelle Defizite. 14
3.3 Institutionelle Diskriminierung. 15
3.3.1 Lehrerebene. 15
3.3.2 Schulebene. 17
4 Maßnamen. 19
4.1 Umgang mit Mehrsprachigkeit. 19
4.2 Verringerung Institutioneller Diskriminierung. 21
5 Fazit / Ausblick. 23
6 Bibliografie 25
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0 Einleitung
Seit dem Pisa Schock im Jahre 2000 ist die Benachteiligung von SchülerInnen mit Migrationshintergrund ins Zentrum der Diskussionen gerückt. Was schon länger in Fachkreisen dokumentiert wurde, trat nun an die breite Öffentlichkeit und setzte das deutsche Schulsystem unter Legitimationsdruck. Dies führte zu Schuldzuweisungen auf verschiedenen Ebenen und selbst den Migranten wurde eigenes Verschulden vorgeworfen (vgl. HAMBURGER 2005: 7).
Ziel dieser Arbeit ist es, die verschiedenen Mechanismen aufzudecken, die zur ungleichen Behandlung von Migrantenkindern in der Schule führen, um im Anschluss Interventionsmaßnahmen vorzuschlagen, die dieser entgegenwirken können. Da eine Arbeit auf diesem Gebiet nicht ohne eine vorherige Definition des Untersuchungsgegenstandes auskommt, beschäftigt sich das erste Kapitel mit dem Begriff Migrationshintergrund, wie er seit dem Jahre 2005 benutzt wird und erörtert anschließend dessen Bedeutung für die Schulstatistik. Darauf aufbauend werden im nächsten Kapitel zentrale, sich auf den Migrationshintergrund beziehende, soziale Ungleichheiten aufgezeigt. Hierbei dienen die Ergebnisse der PISA- und IGLU-Studien als Analysegrundlage für eine Zusammenfassung der verschiedenartigen Benachteiligungen. Damit einhergehend werden deren weitreichende Folgen für die Zukunft von Jugendlichen mit Migrationshintergrund aufgeführt.
Das dritte Kapitel stellt den Schwerpunkt dieser Arbeit dar. Hier sollen die Ursachen der sozialen Ungleichheit anhand der Sprachdefizite von Migrantenkindern, ihrer familialen Zusammenhänge und der institutionellen Diskriminierung näher betrachtet werden. Hierbei soll den Sprachdefiziten besonderes Augenmerk gelten, sind sie doch die treibende Kraft hinter einer Vielzahl von Entscheidungen, die zur sozialen Ungleichheit führen.
Im letzten Kapitel werden Maßnahmen zur Intervention vorgestellt, die sich auf den Umgang mit sprachlicher Heterogenität und den Abbau von institutioneller
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Diskriminierung konzentrieren. An dieser Stelle werden verschiedene von den in Kapitel 3 genannten Kritikpunkten aufgegriffen, um Verbesserungsvorschläge zu geben. Bei der Auswahl der Quellen wurde darauf geachtet, dass es sich um möglichst neue Erkenntnisse handelt, denn aufgrund des großen öffentlichen Interesses wurden schon einige Maßnahmen eingeleitet, die die Benachteiligung reduzieren sollten. An den Punkten, an denen keine aktuelle Literatur vorlag, wurde auf anerkannte klassische Werke zurückgegriffen, deren Argumentation vielen Projekten als Basis für neue Forschungsfragen diente und auch hier nicht außer Acht gelassen werden darf.
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1 Bestandsaufnahme
1.1 Was bedeutet Migrationshintergrund?
Um genauere Aussagen über Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund treffen zu können, muss an erster Stelle der Begriff als solches erörtert werden. Hierzu hat das Statistische Bundesamt (2007a: 6) nach Auswertung des Mikrozensus 2005 eine Definition veröffentlicht:
Zu den Menschen mit Migrationshintergrund zählen 'alle nach 1949 auf das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland Zugewanderten, sowie alle in Deutschland geborenen Ausländer und alle in Deutschland als Deutsche Geborenen mit zumindest einem zugewanderten oder als Ausländer in Deutschland geborenen Elternteil' [Hervorhebung im Original].
Vor dieser Definition wurden all diejenige Menschen unter Migrationshintergrund zusammengefasst, die nicht über die deutsche Staatsbürgerschaft verfügten. Von nun an hatten per definitionem auch Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit einen Migrationshintergrund. Das Ausmaß dieser neuen Betrachtungsweise wurde schon ein Jahr vor der Veröffentlichung der Ergebnisse beschrieben: „Damit sind sowohl die Zahl aller Personen mit Migrationshintergrund in Deutschland wie auch ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung mehr als doppelt so hoch wie die bislang bekannten Ausländerzahlen“ (Statistisches Bundesamt 2006: 74). Daraus ergibt sich ein sehr heterogenes Bild der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, was eine Bestimmung dieser SchülerInnen, zumindest statistisch, nicht einfach macht.
1.2 Schulstatistik
Wie oben angedeutet, ist der Begriff Migrationshintergrund so vielschichtig, dass er eine statistische Erhebung sehr schwierig macht. Im Kontext Schule bedeutet dies, dass die amtliche Bildungsstatistik nur zwischen den verschiedenen Nationalitäten der Ausländer unterscheidet, aber SchülerInnen mit deutschem Pass automatisch als Deutsche eingestuft werden und der Migrationshintergrund unbeachtet bleibt. Weiterhin werden Ausländer, die internationale Schulen oder solche mit einem nichtdeutschen
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Träger besuchen, nicht in der Statistik aufgeführt. Insofern ist es schwierig, aus den Statistiken brauchbare Werte für die weitere Analyse der Situation von SchülerInnen mit Migrationshintergrund zu ziehen (vgl. DIEFENBACH 2010: 25f.). Um dennoch eine Einschätzung machen zu können, wurde im Diagramm 1 auf die Daten des Statistischen Bundesamtes (2010a: 32) zurückgegriffen. Da Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund ebenfalls der Schulpflicht unterliegen, liegt es nahe, dass eine Aufschlüsselung ihrer Bevölkerungszahlen in den jeweiligen Altersklassen annähernde Werte über ihre Repräsentation im deutschen Schulsystem bieten. Bei der Auswertung wurde nur auf die für Kindergarten und Schule markanten Altersgruppen geachtet.
Quelle: Mikrozensus 2010, eigene Abbildung (MH = Migrationshintergrund)
Wie Diagramm 1 zeigt, ergibt sich ein relativ homogenes Bild über die 4 Altersgruppen verteilt, sodass hier Kinder mit Migrationshintergrund insgesamt einen Anteil von 30,3% an der Bevölkerung von 0-20 Jahren haben. Weiterhin ist zu beobachten, dass ihr Bevölkerungsanteil am höchsten in der Gruppe der 0-5jährigen ist und dieser, der x-Achse folgend, weiter abnimmt. Für das Bildungssystem bedeutet dies, dass fast ein Drittel der heutigen Schülerschaft einen Migrationshintergrund hat. Diesen genauer aufzuschlüsseln lässt der begrenzte Platz dieser Arbeit nicht zu, sodass im Folgenden generell von Kindern mit Migrationshintergrund gesprochen wird, ohne eine weitere Unterscheidung zu treffen.
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2 Migrationshintergrund und Soziale Ungleichheit
Im vorangegangen Kapitel wurde gezeigt, dass Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund einen nicht zu unterschätzenden Teil der Schülerpopulation ausmachen. Deren Hintergrund analysierend, hat die Organisation de Coopération et de Développement Économiques (2010: 7) durch ihre PISA-Studie 1 gezeigt, dass diese Kinder „often face tougher challenges than others in achieving good education outcomes“. Diese Ungleichheiten sollen in diesem Kapitel zusammengefasst werden und die Basis für eine weitere Analyse liefern.
2.1 Zentrale Soziale Ungleichheiten
Wie die Testergebnisse der deutschen SchülerInnen in der PISA-Studie 2000 gezeigt haben, schneidet das deutsche Schulsystem im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich ab. So befinden sich Deutschlands 15-jährige in allen drei getesteten Kategorien, Lesekompetenz, mathematische und naturwissenschaftliche Grundbildung, im unteren Mittelfeld der 32 Teilnehmerstaaten. Neben dieser Tatsache ist außerdem ans Licht gekommen, dass „the influence of the socioeconomic background of parents [has] the highest impact [in] Germany“ (ENTORF und MINOIU 2004: 1). In diesem Zusammenhang wurde festgestellt, dass in fast keinem anderen Land der ethnische Hintergrund von solch großer Bedeutung für die Schülerleistungen ist, wie in Deutschland. Das bedeutet am Beispiel Lesekompetenz, dass SchülerInnen mit Migrationshintergrund signifikant schlechter abschneiden als deutsche SchülerInnen (vgl. ebd. 3).
Weiterhin steht hier das dreigliedrige Schulsystem in der Kritik. Dieses benachteiligt gerade SchülerInnen mit Sprach- und Sozialdefiziten, von denen ein großer Prozentsatz einen Migrationshintergrund hat (vgl. ebd. 2). Gerade das Sprachdefizit ist hier hervorzuheben, denn darauf basiert die Mehrheit der Entscheidungen, die zu sozialer Ungleichheit führen. Welchen Effekt diese Benachteiligung hat, soll Diagramm 2 darstellen.
1 Die Daten können unter der folgenden Adresse für eigene Analysen heruntergeladen werden: http://www.oecd.org/document/20/0,3343,de_34968570_39907066_39648148_1_1_1_1,00.html
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Wie in 2.2 angemerkt, gibt es bisher keine verlässlichen Zahlen, zu SchülerInnen mit Migrationshintergrund in den Schulen, sodass hier nur zwischen deutschen und ausländischen Schülern unterschieden wurde. Nichtsdestotrotz wird ein aufschlussreiches Bild über die Verteilung der SchülerInnen im deutschen Schulsystem gegeben.
Quelle: Bundesregierung (2007: 59), eigene Abbildung
Wie in Diagramm 2 ersichtlich 2 , ist die Verteilung der Schüler auf der Gesamt-und Realschule ähnlich. Grobe Differenzen ergeben sich jedoch bei der Betrachtung der anderen Schulformen. Hier zeigt sich, dass ausländische Schüler auf der Hauptschule deutlich überrepräsentiert bzw. auf dem Gymnasium deutlich unterrepräsentiert sind. Dies rührt daraus, dass sie „[a]m Ende der Grundschulzeit […] deutlich häufiger eine Schullaufbahnempfehlung für die Hauptschule und seltener für die Realschule oder das Gymnasium als Kinder ohne Migrationshintergrund [erhalten]“ (vgl. POWELL und WAGNER zit. nach SOLGA und DOMBROWSKI 2009: 17). Daraus lässt sich schlussfolgern, dass schon in der Grundschule soziale Ungleichheiten bestehen, die zu einer solchen Verteilung in der Sekundarstufe führen.
Während die PISA-Studie die Kompetenzen der 15-jährigen untersucht hat, hat sich die IGLU-Studie 2001 mit den Kompetenzen der Grundschulkinder beschäftigt.
2 Die Daten der freien Walldorfschule wurden aufgrund des geringen Prozentsatzes für beide Gruppen weggelassen.
Arbeit zitieren:
Nico Hübner, 2011, Migrationshintergrund und Schule, München, GRIN Verlag GmbH
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