Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Die Golfstaaten - eine geographische Einordnung 3
3. Vom traditionellen Bildungssystem zur Hochschulpolitik -
ein historischer Hintergrund am Beispiel des Sultanats Oman 4
4. Internationalisierung der Hochschulbildung„: ein Definitionsversuch der
International Association of Universities (IAU) 6
5. Definition des tertiären Bildungsbereichs nach ISCED 6
5.1 Level 5: first stage of tertiary education 7
5.2 Level 6: second stage of tertiary education 9
6. Internationalisierung im tertiären Bildungssystem am Beispiel der Golfstaaten 9
6.1 Entwicklung eines nationalen Hochschulkonzeptes für den internationalen
Vergleich: Omans "National Qualifications Framework" 9
6.2 Der tertiäre Bildungsbereich im Spiegel der Statistik -
Beispiele aus den Golfstaaten 11
6.3 ALECSO-Bildungsreform:
„A vision for the future of education in the Arab world 12
6.4 Neue Trends: „Wissensparks„ am Golf entstehen - zwei Beispiele:
Education City in Doha (Katar) und Knowledge Village in Dubai (VAE) 14
6.5 Förderung der EU-GCC-Kooperation im tertiären Bildungswesen am
Beispiel der German University of Technology in Oman 16
7. Fazit 19
Literaturverzeichnis 20
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1. Einleitung
Obwohl die erste Universität - die King Saud University - 1957 in Saudi-Arabien gegründet wurde und die zweite bereits 1966 in Kuwait folgte, gilt Hochschulbildung in 2010 immer noch als ‚newcomer„ in den GCC-Staaten (Alkhozai 2008:144). Die Defizite der Golfstaaten im tertiären Bildungsbereich sind seit Jahren erkannt. So wurden mit enormem finanziellem Aufwand Reformen im Hochschulsektor initiiert. Die UNDP-Regionalbüros der arabischen Staaten unterstützt eine Initiative, die dazu beiträgt, dass die lokale und vor allem globale Wettbewerbsfähigkeit der arabischen Hochschulen, und somit denen der Golfstaaten, gesteigert wird. Mit internationalen Standards und Normen - wie z.B. dem ISCED - werden die Universitäten und Hochschulen in ihrer Qualität beurteilt und dienen so einem internationalen Vergleich. Allerdings besteht anhaltend die Notwendigkeit in Aktualisierung und Überarbeitung der Statistiken, denn die künftigen Trends in den verschiedenen Regionen der Welt entwickeln und verändern sich ständig: die Vielfalt an Bildungsanbietern sowie die verschiedenen Formen beruflicher Bildung und Ausbildung wächst enorm, ferner herrscht eine zunehmende Inanspruchnahme von Fernunterricht und auf Grundlage neuer Technologien entstehen fortan neue Formen digitaler Lernmedien.
Da immer noch Defizite in der Hochschul- und Forschungsinfrastruktur der Golfstaaten im internationalen Vergleich bestehen, hat sich seit Mitte der neunziger Jahre ein neuer Trend, der Errichtung sogenannter ‚Wissensparks„, entwickelt. Beispielsweise gründete Katar die Education City, Dubai folgte mit dem Knowledge Village und Bahrain hat für 2010 seine Higher Education City angekündigt.
Immer mehr arabische Jugendliche streben nach erstklassigen Hochschulausbildungen sowohl vor Ort als auch im gesamten Raum der Golfstaaten. Die Nachfrage ist enorm groß, weil die Bevölkerung jung und hoch motiviert ist und gleichzeitig die Einreise- und Studienmöglichkeiten in Europa durch die politische Situation immer stärker eingeschränkt werden. Solche internationalen Kooperationen sind von essentieller Bedeutung, um Bildungsinhalte und Studiengänge weiterzuentwickeln.
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2. Die Golfstaaten - eine geographische Einordnung
Als Golfstaaten werden die Staaten bezeichnet, die sich am Persischen Golf bzw. am Golf von Oman (nordwestlicher Arm des Arabischen Meeres) befinden. Dazu zählen Bahrain, der Irak, der Iran, der Jemen, Katar, Kuwait, der Oman, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Sie weisen zusammen eine Fläche von 4.912.773 km² auf und sind somit etwa 14-mal größer als Deutschland (siehe Karte 1). Die Golfstaaten liegen in Vorderasien und werden teils zum Großraum ‚Naher Osten„ gezählt.
Innerhalb der Golfstaaten werden die Staaten Bahrain, Katar, Kuwait, der Oman und die VAE gemeinsam auch als ‚kleine Golfstaaten„ bezeichnet. Sie verfügen zusammen über 8,3 % (= 406.045,52 km²) Flächenanteil an den Golfstaaten (Scholz 1999:14).
Die Golfstaaten (außer der Jemen; Mitgliedschaft jedoch beantragt) schlossen sich am 25. Mai 1981 zu den Gulf Cooperation Council (GCC) Countries zusammen, um gemeinsam in der Außen- und Sicherheitspolitik sowie an der Förderung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Beziehungen zwischen den Mitgliedsstaaten zu arbeiten. Der GCC entwickelte ein Szenario mit dem Titel ‚Scenarios to 2025: Implications for Competitiveness„, das den Ausbau des tertiären Bildungssystems beinhaltet (Davis/Hayashi 2007:130).
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3. Vom traditionellen Bildungssystem zur Hochschulpolitik - einhistorischer Hintergrund am Beispiel des Sultanats Oman
Seit 1749 wird das Sultanat Oman vom Stamm Al Bu Said beherrscht. Am 23. Juli 1970 wurde Sultan Said bin Taimur durch dessen Sohn Qaboos bin Said vom Thron gestoßen. Der neue Sultan sieht von diesem Zeitpunkt an seine Aufgabe in der Bekämpfung der Rückständigkeit seines Landes im wirtschaftlichen, infrastrukturellen und gesellschaftlichen Kontext (Janzir 2007:25-26). Um die neue Bildungspolitik zu vervollständigen, wurde das ‚Ministry of Education„ gegründet. Die Ziele der neuen Bildungspolitik waren zu Beginn der Ära Qaboos folgende: erstens die Bereitstellung von Bildung für alle Kinder im gesamten Land und die Bekämpfung des Analphabetismus bei Erwachsenen und zweitens sollte Bildung als ein ‚Werkzeug„ angesehen werden, um die Entwicklung der Gesellschaft zu beschleunigen. Mit der Machtübernahme wurde Bildung zu einem „priority tool for building a new modern nation“ (El-Shibiny 1997:152).
1970 war nach Angaben des Statistischen Bundesamts Wiesbaden die Bevölkerung weitgehend analphabetisch. Der Schulbesuch beschränkte sich im Wesentlichen auf wenige Koranschulen ausschließlich für Jungen. Im September 1971 wurde in Muscat die erste Schule für Mädchen eröffnet. In mehreren Städten gab es staatliche Schulen; der Besuch weiterführender Schulen erfolgte allerdings in Dubai (Statistisches Bundesamt Wiesbaden 1974:6). Sultan Qaboos erkannt rasch den hohen Bedarf an Bildungseinrichtungen. Gab es im Jahr 1960 nur zwei Grundschulen mit 800 Schülern und gerade einmal 30 Lehrern im ganzen Land, so waren es zehn Jahre nach Herrschaftswechsel bereits 178 Grundschulen und 91.900 Grundschüler (siehe Tabelle 1).
Tab. 1: Entwicklung der Anzahl an Grundschulen, Grundschüler und Studenten 1960-1992/93 (Quelle: Statistisches Bundesamt Wiesbaden 1974:8/1995:38-39, ausgewählte Daten).
Die Anzahl der Mittel- und höheren Schulen sowie der berufsbildenden Schulen entwickelte sich ähnlich. Schon bald stellte Sultan Qaboos fest, dass es nicht nur um die Kinderbildung und den Analphabetismus bei Erwachsenen ging. Die Nachfrage nach höherer Bildung wuchs enorm. Das hatte die positive Folge, dass Hochschulen und Universitäten rasant aufgebaut wurden. Die erste nationale Universität, die ‚Sultan Qaboos University„, die 1986 fer- tiggestelltwurde, verfügte 1987 über sechs Fakultäten: Erziehung und islamische Wissen-
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schaften, Medizin, Ingenieurwesen, Geisteswissenschaften, Agrarwissenschaft und Kunstgeschichte. 1993 wurde die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften eingerichtet (Statistisches Bundesamt Wiesbaden 1995:39).
1995 wurde in Muscat, der Hauptstadt Omans, ein Masterplan mit dem Titel ‚Vision Oman 2020„ ausgearbeitet und veröffentlicht. Dieser Plan beinhaltet diverse Zielsetzungen wie der Hebung des Lebensstandards für alle, der Diversifizierung der omanischen Wirtschaft und der Ausbau des Tourismussektors. Des Weiteren spielt die Entwicklung und Modernisierung des Bildungswesens (Schulen, Universitäten, Forschung, berufliche Bildung) eine zentrale Rolle (Hahn 2006:6). Speziell sollen die Zugangsraten in der Hochschulbildung auf eine Partizipation von 50 % eines Altersjahrgangs zwischen 18 und 24 Jahren gesteigert werden. Der neue bildungspolitische Trend ‚advanced placement„ wird ebenfalls integriert. Hochbegabte Schüler dürfen bereits frühzeitige akademische Studien parallel zu ihrer Ausbildung in der Oberstufe aufnehmen (Hahn 2006:38).
Der rasante Ausbau des traditionellen Bildungssystems hin zur Hochschulpolitik lässt sich in vier Entwicklungsstufen einordnen. Die Jahre 1970 bis 1975 waren vom Boom der Grundschulen in allen Regionen Omans geprägt. Lehrpläne und Unterrichtsmaterialien von nahe gelegenen Golfstaaten, vor allem von Katar, galten als Einstiegshilfen in das neue Feld der Bildung. In den Jahren 1976 bis 1980 wurde der erste formale Bildungsplan ausgearbeitet. Dieser fokussierte auf einen weiteren Ausbau der Schulen für beide Geschlechter und für alle Bildungsstufen ab. Es wurden neue teacher-training-Programme entwickelt, um die heimischen Lehrer fortzubilden und nicht auf Gastarbeiter angewiesen zu sein (El-Shibiny 1997:153). Die Jahre 1981 bis 1985 gelten als Meilensteine in der Geschichte der Bildungspolitik. Sultan Qaboos erkannte die wachsende Notwendigkeit an Hochschulen und Universitäten in seinem Land. Stipendien für Studenten wurden vermehrt angeboten, um erstmals im Ausland die Spezialisierungen zu erlangen, die für eine Arbeitsstelle in den staatlichen Institutionen Omans verlangt wurden, bevor die eigenen Hochschulen in diesen Bereichen ausbilden konnten. In den Jahren 1986 bis 1990 wurde das Hochschulsystem enorm ausgebaut. Vorrangig wurden technische Studiengänge und Studiengänge im Dienstleistungswesen angeboten. In 1991 wurde ein Studiengang eingeführt, bei dem Hochschulabsolventen für einen Lehrerberuf befähigt werden (El-Shibiny 1997:156). In der omanischen Hochschulpoli- tikvon heute sind vor allem ‚Human Resource Development„ und ‚Education for Sustainable Development„ wesentliche Schlagwörter für die Gestaltung der Lehrinhalte an den Universi- tätenangesichts der begrenzten natürlichen Ressourcen wie Erdöl, Erdgas und Wasser (Hahn 2006:14).
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Arbeit zitieren:
Isabella Melchert, 2010, Internationalisierung im tertiären Bildungssystem: Beispiele aus dem Oman und anderen Golfstaaten, München, GRIN Verlag GmbH
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