Isabella Melchert
Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis. 2
1. Einleitung 3
2. Theorie der internationalen Integration 4
3. Taiwan: eine kurze geographische Einordnung 6
4. Historischer Hintergrund von Taiwan 7
4.1 Taiwan unter japanischer Kolonialherrschaft (1895 bis 1945) 7
4.2 Taiwan nach dem Zweiten Weltkrieg 9
5. Meilensteine in der taiwanischen Technologiepolitik 10
6. Internationale Integration als Erfolgsfaktor am Beispiel Taiwans 13
7. Taiwans Hsinchu Science Park 18
7.1 Historie des Hsinchu Science Parks 18
7.2 Hsinchu Science Park im Fokus der Statistik 20
7.3 Etablierung fünf neuer Satellitenparks 23
8. Etablierung weiterer Parks in Taiwan
nach dem Vorbild des Hsinchu Science Parks 25
9. Fazit und Ausblick 27
Literaturverzeichnis 28
1
Isabella Melchert
Abkürzungsverzeichnis
APEC Asia-Pacific Economic Cooperation ASEAN Association of Southeast Asian Nations CTSP Central Taiwan Science Park ECFA Economic Cooperation Framework Agreement EPZ Export Processing Zone F&E Forschung und Entwicklung GCI Global Competitiveness Index HSP Hsinchu Science Park IC Integrierte Schaltkreise / integrated circuits ITRI Industrial Technology Research Institute KPC Kommunistische Partei China Mio. Millionen Mrd. Milliarden
PC Personalcomputer ROC Republic of China S&T Science and Technology STSP Southern Taiwan Science Park TNU Transnationale Unternehmen US$ US-Dollar WTO World Trade Organization
Isabella Melchert
1 Einleitung
Anfang der 1950er Jahre etablierte die kalifornische Stanford University den weltweit ersten Wissenschaftspark, der später als Silicon Valley berühmt wurde. Seitdem kann eine Entwicklung vieler Technologieparks beobachtet werden - heute gibt es global gesehen weit mehr als einhundert solcher Parks. Im Zusammenspiel jenes globalen Trends, der rasch an Dynamik gewann, initiierte Taiwan seinen ersten Technologiepark, den Hsinchu Science Park, im Jahr 1980, mit der Hoffnung, eine ähnliche Erfolgsgeschichte schreiben zu können wie jene des Silicon Valleys.
Taiwan blickt auf eine relativ kurze Entwicklungsphase von einem Entwicklungsland zu einem Industriestaat zurück. Aufgrund historischer Beziehungen zu Japan und den Vereinigten Staaten wurden diverse Industrien und Technologien rasch auf der Insel eingeführt. Doch ist Taiwan heute - 30 Jahre nach der Eröffnung des ersten Wissenschaftsparks - auf dem globalen Markt wettbewerbsfähig? Taiwans internationale Integration lief beziehungsweise läuft de facto parallel zur wirtschaftlichen, industriellen und wissenschaftlichen Entwicklung vor dem historischen Kontext und darf nicht als einzelverlaufende Phase betrachtet werden.
Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Darstellung der internationalen Integration Taiwans vor dem Hintergrund der Erfolgsgeschichte des Hsinchu Science Parks. Zu Beginn wird der theoretische Rahmen der internationalen Integration in Kapitel 2 abgedeckt. Nach einer kurzen geographischen Einordnung (Kapitel 3) und dem historischen Hintergrund der Insel (Kapitel 4) folgt eine Auflistung der Meilensteine in der taiwanischen Technologiepolitik in Kapitel 5. Daran anknüpfend wird auf die internationale Integration als Erfolgsfaktor der wirtschaftlichen Entwicklung näher fokussiert (Kapitel 6). Als erster und somit wichtigster Science Park in Taiwan wird der Hsinchu Science Park sowohl im historischen Kontext als auch aktuell mit der Aufbereitung statistischer Daten und der Etablierung weiterer Satellitenparks betrachtet (Kapitel 7). Weitere Science Parks nach dem Vorbild des Hsinchu Science Parks werden in Kapitel 8 kurz vorgestellt, bevor im letzten Kapitel 9 ein Fazit gezogen wird.
Anmerkung:
Der Park wird nicht immer einheitlich betitelt. Zu den gängigen Benennungen gehören Hsinchu Science and Industrial Park, Hsinchu Science-based and Industrial Park oder Hsinchu Science and Industrial-based Park. Doch der geläufigste Begriff für den Park ist Hsinchu Science Park (Abk.: HSP), wie er auch offiziell auf der parkeigenen Homepage tituliert wird. Aufgrund dessen wird in dieser Arbeit der letztgenannte Name verwendet.
Isabella Melchert
2 Theorie der internationalen Integration
„Nationalstaaten können durch den Einsatz außenwirtschaftlicher Instrumente den Grad ihrer Integration in die globalen Systeme steuern“ (Kulke 2006:227). Bei diesem Prozess wird von einer regionalen ökonomischen Integration gesprochen, was bedeutet, dass zwei (bilateral) oder mehr Länder (multilateral) auf dem Gebiet ihrer gemeinsamen Wirtschaftsbeziehungen kooperieren oder sich gar zu einem gemeinsamen Wirtschaftsraum zusammenschließen. Dabei liegen die Hauptziele in der Sicherung von ökonomischen Vorteilen der beteiligten Länder sowie folglich in der Steigerung des wirtschaftlichen Wachstums (Dieckheuer 2001:193).
Mitgliedsstaaten von solchen (supranationalen) Integrationsräumen realisieren eine über die Vereinbarungen der World Trade Organization (WTO) hinausgehende Liberalisierung der Wirtschaftsbeziehungen, wobei auf die optimale Nutzung von Ressourcen, auf Kosteneinsparungen und auf die Maximierung des Wirtschaftswachstums abgezielt wird (Kulke 2006:227-228). In der praktischen Integrationspolitik werden operationale Maßnahmen eingesetzt. Beispielsweise werden Handelshemmnisse (u.a. Zölle) im Waren- und Dienstleistungsverkehr innerhalb des Integrationsraumes stufenweise abgebaut, Mobilitätseinschränkungen von Produktionsfaktoren werden aufgehoben oder einheitliche institutionelle und ordnungspolitische Rahmenbedingungen für Wirtschaftsaktivitäten im Integrationsraum werden geschaffen. Des Weiteren findet eine Koordination oder Vereinheitlichung der Außenwirtschaftspolitiken der Mitgliedsländer statt. Die Vorteile des (teilweisen) Freihandels im Integrationsraum werden bis ins äußerste ausgeschöpft (Dieckheuer 2001:193-194).
Abbildung 1: Stufen und Formen der supranationalen Integration
Quelle: Kulke 2006:228, bearbeitet
Isabella Melchert
Untereinander ermöglichen die Staaten einen freien Kapitalverkehr, eine freie Arbeitsplatzwahl in den beteiligten Ländern des Integrationsraumes sowie einen gemeinsamen Schutz von technischem Wissen. Die Integration durchläuft modellhaft fünf aufeinander folgende Stufen, die in Abbildung 1 schematisch visualisiert sind (Kulke 2006:228). Die schwächste Form einer regionalen Integration stellt dabei die Präferenzzone dar. Zwei oder mehr Staaten vereinbaren in Verträgen, sich Vorzugsbedingungen für den Handel mit bestimmten Gütern einzuräumen (Dickheuer 2001:194). Lediglich der Wertschöpfungsanteil der Produkte muss im Präferenzraum erbracht werden, wobei die Waren aus einem Präfe-renzland stammen müssen (Vorzugsbehandlung). Liegt ein nicht-reziprokes Präferenzsystem vor, dann vollzieht sich die Handelsliberalisierung einseitig-selektiv zugunsten der schwächeren Länder. Von ihnen wird keine Gegenleistung erwartet. Bei reziproken Systemen erfolgt die Handelsliberalisierung gegenseitig-selektiv. „Beispielhaft für reziproke Präfe- renzenim Außenhandel sind die Präferenzen der EU gegenüber der ASEAN-Staaten“ (Haas/Neumair 2006:269). Präferenzzonen werden gewöhnlich zwischen Industrie- und Entwicklungsländern gebildet.
Die Freihandelszone umfasst hingegen den gesamten Güterverkehr. Bestehende Handelsrestriktionen werden größtenteils abgebaut - im Idealfall bei allen Produktkategorien - und der freie Handel innerhalb des Integrationsraumes ausgenutzt (Dieckheuer 2001:194-195). Beispiele für Freihandelszonen sind zum Beispiel die NAFTA (North American Free Trade Agreement) zwischen den USA, Kanada und Mexiko seit 1994 oder die APEC (Asia Pacific Economic Cooperation) zwischen 21 Staaten des asiatisch-pazifischen Wirtschaftsraums seit 1989. Bei letzterem soll die Freihandelszone bis spätestens 2020 vollkommen ausgebaut sein (Hass/Neumair 2006:270).
In der Stufe der Zollunion gelten zusätzlich gemeinsame Zollvereinbarungen gegenüber Drittländern, das heißt allen nicht der Integrationszone angehörigen Ländern werden einheitliche Außenzölle offeriert. Eher werden mengenmäßige Handelsbeschränkungen oder administrative Restriktionen abgebaut, als Zollschranken abgeschafft (Dieckheuer 2001:195). Bei einem Gemeinsamen Markt liegen neben dem freien Warenhandel ferner vier zentrale Freiheiten vor, nämlich freier Waren-, Dienstleistungs-, Personen- und Kapitalverkehr. Allerdings können Probleme aus nicht gleichen Standortbedingungen innerhalb des Integrationsraumes resultieren. Liegen unterschiedliche Steuer-, Sozial- und Arbeitsmarktpolitiken vor, verlagern die Unternehmen ihre Produktionen in Niedriglohnländer, um am kostengünstigsten zu produzieren (Haas/Neumair 2006:272).
Die höchste Integrationsstufe stellt die Wirtschaftsunion dar. Zusätzlich zu allen vorangegangenen Stufen erfolgte eine Abgabe von wirtschaftspolitischen Entscheidungsbefugnissen an supranationale Institutionen. Die Mitgliedsstaaten sind an diese Beschlüsse gebunden und müssen sie umsetzen, beispielsweise in der Geld-, Konjunktur-, Regional- oder Sozialpolitik.
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Das Vorhandensein einer Währungsunion mit einer gemeinsamen Währung und einer gemeinsamen Zentralbank ist innerhalb einer Wirtschaftsunion die weitestgehende Stufe. Die Europäische Union als exemplarisches Ergebnis wurde in über vier Jahrzehnten verwirklicht (Kulke 2006:228-229).
3 Taiwan: eine kurze geographische Einordnung
Taiwan (offiziell: Republik China, Republik of China (ROC) oder Chinese Taipei, früher auch: Ilha Formosa genannt) ist eine Insel östlich vor dem chinesischen Festland im West-Pazifik. Die Hauptstadt Taipeh befindet sich im Norden Taiwans. Hier leben etwa 2,6 Mio. Menschen und somit ein Großteil der Bevölkerung. Insgesamt leben circa 23 Mio. Einwohner auf der Insel, was bei einer Gesamtfläche von 36.008 Quadratkilometern eine Dichte von rund 639 Einwohnern pro Quadratkilometer ausmacht. Zwar ist die Fläche nur ein Zehntel so groß wie jene von Deutschland, aber die Bevölkerung beträgt mehr als ein Viertel (GIO 2010a:18). Taiwan erstreckt sich von Norden nach Süden über eine Länge von etwa 400 Kilometern und von Osten nach Westen über rund 145 Kilometer an der breitesten Stelle. Zur Visualisierung der Oberfläche dient nachstehendes Satellitenbild (Abbildung 2), aus dem das Relief ersichtlich wird, welches in Abbildung 3 schematisch dargestellt ist, um die Höhendifferenzen deutlicher zu machen.
Abbildung 2: Satellitenbild von Taiwan Abbildung 3: Schematisches Relief
Isabella Melchert
Fünf längslaufende Gebirgszüge mit überwiegender Bewaldung beanspruchen fast die Hälfte der Insel. Diese sind auch dafür verantwortlich, dass die Landesfläche Taiwans zu über 60 Prozent gebirgig ist. Sie erstrecken sich Nord-südlich über 330 Kilometer und weisen einen etwa 80 Kilometer breiten Durchschnitt auf. Mehr als 200 Berggipfel mit einer Höhe von über 3.000 Metern über dem Meeresspiegel dominieren das taiwanesische Landschaftsbild. 31 Prozent der Insel werden von steilen Bergen mit einer Höhe von über 1.000 Metern eingenommen. Der Jade Mountain (Yushan) als höchster Berg in Taiwan - und auch in Ostasien - misst3.952 Meter. Nur 23 Prozent der taiwanesischen Landesfläche ist landwirtschaftlich nutzbar (GIO 2010a:18-21).
Die Insel erfährt relativ häufig seismische Aktivitäten aufgrund ihrer Lage auf dem Pazifischen Feuerring an der Kreuzung des Manila- und des Ryukyugraben entlang der Westseite der Philippinischen Platte. Geologen haben insgesamt 33 große aktive Störungen auf Taiwan identifiziert. Laut dem Central Weather Bureau ereignen sich seit 1994 jährlich etwa 15.000 bis 18.000 Erdbeben im Bereich um Taiwan, von denen etwa 800 bis 1.000 für die Bevölkerung spürbar sind. Die Philippinische und die Eurasische Platte drücken mit einer Geschwindigkeit von etwa sieben bis acht Zentimetern pro Jahr gegeneinander. Diese Konvergenz verstärkt den Auftrieb des taiwanesischen Gebirges von Nordwest nach Südost jedes Jahr (GIO 2010a:26).
Da sich Taiwan wirtschaftlich schnell von einem Entwicklungsland zu einem Industriestaat entwickelte, worauf in dieser Arbeit fokussiert wird, zählt die Insel zu den vier sogenannten Tigerstaaten neben Südkorea, Singapur und Hongkong (Hobday 1995:23).
4 Historischer Hintergrund von Taiwan
Der historische Verlauf ist interessant im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Entwicklung Taiwans. Die Insel entwickelte sich in der Zeit unter japanischer Kolonialherrschaft bis 1945 in eine andere Richtung als nach dem Zweiten Weltkrieg mit den ersten Versuchen, Wissenschaft und Technologie in die Politik einzubinden.
4.1 Taiwan unter japanischer Kolonialherrschaft (1895 bis 1945)
Der Erste Japanisch-Chinesische Krieg (August 1894 bis April 1895) brach wegen Streitigkeiten um den politischen Status Koreas aus. Nachdem das Kaiserreich China (Qing-Dynastie) eine Niederlage einbüßen musste, wurde Taiwan gemäß den Bedingungen des Vertrags von Shimonoseki 1985 eine Kolonie des japanischen Kaiserreichs und Korea ein
Arbeit zitieren:
Isabella Melchert, 2011, Internationale Integration als Entwicklungsfaktor: Taiwans Hsinchu Science and Industrial Park, München, GRIN Verlag GmbH
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