1. Einleitung 1
2. Primat der Kommunikation vor dem Konsens 1
2.1 Die Forderungen Ram Adhar Malls 1
2.2 Kulturelle Identität und Rechtspluralismus in Verknüpfung mit den Forderungen
Malls 4
3. Rechtspluralismus und das internationale Privatrecht 4
3.1 Definition Rechtspluralismus 4
3.2 Rechtspluralismus in westlichen Gesellschaften 6
3.3 Das internationale Privatrecht 8
3.3.1 Privatrecht 8
3.3.2 Auslandsberührung 8
3.3.3 Funktionen des internationalen Privatrechts 8
3.3.4 Anknüpfungsmomente 10
3.3.5 Der „ordre public“ 11
4. Fazit 13
5. Literatur 14
1. Einleitung
Dem Zustand der kulturellen Pluralität kommt in der heutigen Zeit eine große Aufmerksamkeit zu. Verbunden wird er oftmals mit gesellschaftlichen Problemen. Die Grundlage dieses Interesses liegt darin, dass wir in Deutschland in einer multikulturellen Gesellschaft leben und dieser „Lebensumstand neue
Herausforderungen, ja neue Dynamiken, oft ungeplant und ungewollt entstehen“ 1 lässt. 2 Einen Teil dieser Herausforderungen finden wir im Bereich des staatlichen Rechts. So ist das Recht auf kulturelle Identität, gerade auch durch verschiedene völkerrechtliche Vereinbarungen zu einem Menschenrecht avanciert. 3 Doch ist nicht auch das Recht, gedacht als Regeln basierend auf eigenen Werten und Normen, eine kulturelle Erscheinung und somit ein Teil der kulturellen Identität? Dem kann sicherlich zugestimmt werden. So muss sich aber aus dem Recht auf kulturelle Diversität logischerweise das Recht auf Behandlung nach einem der eigenen Kultur entsprechenden Recht ergeben. 4 Dies würde jedoch bedeuten, dass in unserer europäischen multikulturellen Gesellschaft ein Rechtspluralismus herrscht. Ist dies tatsächlich der Fall und wie wäre dieser Rechtspluralismus strukturiert? Um diese Frage zu beantworten, wird im Folgenden zunächst die Meinung des Philosophieprofessors Ram Adhar Mall zum Thema der interkulturellen Verständigung wiedergegeben, da diese die grundlegende Richtung der Diskussion um den Rechtspluralismus im Kontext der multikulturellen Gesellschaft widerspiegelt. Daraufhin wird der Begriff des Rechtspluralismus kurz umrissen und auf die Problematik dieser Definition hingewiesen. Abschließend wird mit dem Internationalen Privatrecht ein zentrales Glied des deutschen Rechts in den Fokus genommen.
2. Primat der Kommunikation vor dem Konsens
2.1 Die Forderungen Ram Adhar Malls
Ram Adhar Mall wurde 1937 in Indien geboren und studierte an der Universität von Kalkutta die Fächer Philosophie, Psychologie, Sanskrit, English Language and Literature und Wirtschaftswissenschaften. Im Rahmen eines deutschen Stipendiums
1 Zecha, Gerhard: Impliziert der Multikulturalismus einen ethischen Relativismus? In: Giordano,
Christian; Patry, Jean-Luc (Hgg.): Multikulturalismus und Multilinguismus - Ein Symposium. Freiburg
Schweiz 2002. S. 11.
2 Vgl. Büchler, Andrea: Familienrecht. In: Straub, Jürgen; Weidemann, Arne; Weidemann, Doris (Hgg.):
Handbuch interkulturelle Kommunikation und Kompetenz. Grundbegriffe - Theorien -
Anwendungsfelder. Stuttgart 2007, S.699.
3 Vgl. ebd., S. 699.
4 Vgl. ebd., S. 699.
1
studierte er ab dem Jahr 1961 Philosophie, Psychologie, Anglistik und Indologie an den Universitäten Göttingen und Köln und habilitierte im Jahr 1981 an der Universität Trier. Nach verschiedenen Lehraufträgen an deutschen Universitäten hat er seit 1998 einen Lehrauftrag für Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Zudem ist er seit 1991 Gründungspräsident der internationalen „Gesellschaft für interkulturelle Philosophie (GIP) e.V.“ 5 Sein Aufsatz „Interkulturelle Verständigung - Primat der Kommunikation vor dem Konsens?“ 6 erschien im Jahr 2000 in der Zeitschrift „Ethik und Sozialwissenschaften“.
In diesem Aufsatz vertritt er die These, „dass die Kommunikation ein Primat vor dem Konsens besitzt“. 7 Des Weiteren stellt er die Frage, wie interkulturelle Kommunikation auch ohne einen Konsens ermöglicht werden kann. 8 Mall lehnt den Konsens als einzig wahres Ziel von interkultureller Kommunikation ab. Diese „Kanonisierung des Konsens“ 9 schade der Kommunikation mehr, als dass sie ihr nütze. Denn seiner Meinung nach liegt dem so gewollten Konsens die Idee der absoluten Wahrheit zu Grunde. Hier meint er den ihm zu Folge weit verbreiteten Glauben, dass die Philosophie, Religion, Kultur oder politische Einstellung, welcher eine Person angehört von dieser Person als die einzig wahre angesehen werde. 10 Wer nach dieser Einstellung handele, der sehe Kommunikation, welche in einem Dissens endet, meist als gescheitert an. Fremde Meinungen und Anschauungen, welche sich nicht der eigenen unterordnet, würden somit nicht akzeptiert. In solch einem Abbruch der Kommunikation im Falle eines Dissenses sieht Mall eine gewalttätige Handlung. Er meint, dass Handelnde mit einer derartigen Einstellung stets versucht, das Fremde zu einem Echo des Eigenen zu machen. Fremde Meinungen und Weltanschauungen werden somit zwanghaft der eigenen untergeordnet. 11 Der Kompromiss als Lösung von interkulturellen Problemen wird Mall zu Folge von Handelnden dieser Einstellung „stiefmütterlich“ 12 behandelt. Er gilt hier als ein „Sieg der Unvernunft“ 13 , da die Vernunft allein in der eigenen Meinung
5 Vgl. http://www.philosophie.uni-
muenchen.de/fakultaet/lehreinheiten/relwiss/personen/mall/curriculum_vitae/index.html
6 Mall, Ram Adhar: Interkulturelle Verständigung - Primat der Kommunikation vor dem Konsens? In:
Ethik und Sozialwissenschaften. 11/3 (Stuttgart 2000).
7 Ebd., S. 337.
8 Vgl. ebd.
9 Ebd.
10 Vgl. ebd.
11 Vgl. ebd., S. 338.
12 Ebd.
13 Ebd.
2
gesehen wird. Dass ein Kompromiss oftmals zu einer Konfliktlösung beiträgt, erfahre hier keine Anerkennung. 14
Hier fordert Mall zu einem Umdenken auf. Nach seiner Auffassung muss in der interkulturellen Kommunikation ein Dissens hingenommen und akzeptiert werden können. 15 So sieht er das Abrücken vom Glauben an die absolute Wahrheit der eigenen Weltanschauung und Meinung als Grundlage für jede Kommunikation. Eine Übereinstimmung sei in der interkulturellen Kommunikation zudem sehr unrealistisch. Zu viele verschiedene Meinungen, Weltanschauungen, Religionen, Kulturen und Philosophien existierten, als dass man Lösungen finden würde, welche von allen Seiten einhellig akzeptiert werden könnten. 16 Die Kommunikation wird von Mall auch mit der modernen Demokratie verglichen. In dieser werden Entscheidungen aufgrund von Mehrheiten gefällt. Ein solches Vorgehen sieht er für die interkulturelle Kommunikation als richtungsweisend an. 17 Trotzdem fordert Mall dazu auf, den Konsens im Rahmen der Kommunikation nicht zu vergessen. Vielmehr solle er im Rahmen eines schwachen Konsensualismus weiterhin als ideale Lösung gelten, doch müsse interkulturelle Kommunikation auch ohne ihn erfolgreich vollzogen werden können. 18 Der Konsens verliert somit seinen absoluten Status, welchen er nach Mall in heutiger Zeit oftmals innehat. 19 Den erfolgreichen Abschluss einer interkulturellen Kommunikation sieht Mall im Kompromiss. Dieser erkenne im Gegensatz zum Konsens Vielfalt an und respektiere diese. Der Kompromiss sucht nach Überlappungen in den unterschiedlichen Meinungen und baut auf diesen auf. So solle Vielfalt nicht nur respektiert, sondern auch als ein Wert anerkannt werden, den es zu schützen gilt. 20 Voraussetzung für eine so verlaufende Kommunikation ist eine Sichtweise, welche fremde Kulturen nicht dem Oberbegriff der eigenen unterwerfen will. 21 So sollen Standpunkte, inklusive der eigenen, auch als solche begriffen, und mit Offenheit, Toleranz und Anerkennung bedacht werden. 22 Mall zu Folge müsse gelernt werden, mit Differenzen zu leben. Das Streben nach Vereinheitlichung solle bekämpft werden, da es
14 Vgl. ebd., S. 338.
15 Vgl. ebd., S. 337.
16 Vgl. ebd., S. 339.
17 Vgl. ebd., S. 340.
18 Vgl. ebd., S. 341.
19 Vgl. ebd., S. 342.
20 Vgl. ebd.
21 Vgl. ebd.
22 Vgl. ebd., S. 343.
3
Arbeit zitieren:
Joscha Dick, 2008, Rechtspluralismus als Bestandteil der interkulturellen Kommunikation, München, GRIN Verlag GmbH
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