1. Einleitung 1
2. Typen von Sachfragenorientierung 2
3. Sachfragenorientierung in Modellen der Wahlentscheidung 6
3.1. Sachfragenorientierung im Rational-Choice Modell 6
3.2. Sachfragenorientierung im Sozialpsychologischen Modell 8
3.3. Vergleich der Sachfragenorientierung in den Erklärungsmodellen 11
4. Operationalisierungen von Sachfragenorientierung 12
4.1. Operationalisierungen von positionsorientiertem Wahlverhalten 12
4.1.1. Das Distanzmodell des Wählens 12
4.1.2. Das Richtungsmodell des Wählens 14
4.1.3. Die Verbundmessung von Politikpräferenzen 15
4.2. Operationalisierung von leistungsorientiertem Wahlverhalten 16
5. Fazit 17
Literatur 19
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1. Einleitung
Welche Faktoren sind bei politischen Wahlen ausschlaggebend für die Wahlentscheidung? Dies ist eine der zentralen Fragen der Wahlforschung. Im Idealfall aus demokratietheoretischer Perspektive wären allein die verschiedenen Meinungen und Positionen der Parteien bzw. Kandidaten zu aktuellen politischen Themen ausschlaggebend. Dies entspricht jedoch nicht der Realität. So wurden verschiedene Entscheidungstheorien entwickelt um die Frage zu beantworten, welche Fak-toren einen Einfluss auf die Wahlentscheidung haben und als wie groß dieser einzustufen ist. Die verschiedenen Theorien und Modelle unterscheiden sich im Blickwinkel und in den als relevant befundenen Faktoren voneinander. Die oben erwähnte Sachfragenorientierung bzw. issue voting findet sich vor allem in den mikrosoziologischen Modellen wieder, welche sich auf subjektive Orientierungen der Wähler als Erklärungsfaktoren beziehen: dem sozialpsychologischen und dem Rational-Choice Ansatz (Roller 1998: 182). Die Frage nach der Struktur und der Größe des Einflusses der Sachfragenorientierung auf die Wahlentscheidung wird als eines der zentralen Themen der amerikanischen Politikwissenschaft angesehen (Miller/Wattenberg 1985: 359).
Im Folgenden soll zuerst erläutert werden, was unter politischen Sachfragen bzw. Issues zu verstehen ist, und wie diese weiter ausdifferenziert werden können. Daraufhin wird ein Überblick über die Sachfragenorientierung im sozialpsychologischen und dem Rational-Choice-Modell des Wählens gegeben. Es folgt eine Beschreibung der gängigen Operationalisierungen der Sachfragenorientierung. Zuletzt werden die Ergebnisse zusammengefasst und kritisch hinterfragt.
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2. Typen von Sachfragenorientierung
Es gibt zwei unterschiedliche Definitionen von politischen Sachfragen, bzw. Issues. Die erste, breitere Definition bezeichnet all das als politische Sachfrage, was im Wahlkampf von den Parteien thematisiert werden kann. Hierzu können demnach auch Eigenschaften der einzelnen Kandidaten gezählt werden. Die zweite, engere Definition bezieht sich lediglich auf Probleme der public policy, also dem Inhalt der Politik (Roller 1998: 176). Da die erste Definition auch kandidatenbezogene Sachfragen einschließt, wird im Folgenden Bezug auf die engere Definition genommen, da es sonst zu Abgrenzungsproblemen zwischen der Sachfra-genorientierung und dem Kandidatenfaktor kommen würde, welcher im sozialpsychologischen Modell der Wahlentscheidung eine große Rolle spielt (Roller 1998: 176-177).
Politische Sachfragen werden in der Wahlforschung in verschiedene Kategorien eingeteilt. Die gebräuchlichen Kategorien gehen zurück auf Donald E. Stokes. Dieser formulierte in seinem Aufsatz „Spatial Models of Party Competition“ (Stokes 1963) erstmals die Unterscheidung zwischen position issues und valence issues. Unter Positionsissues versteht er hier politische Sachfragen, zu deren Lösung unterschiedliche politische Handlungsalternativen existieren. So kann ein Wähler sich zu der Partei hingezogen fühlen, welche seine favorisierte Handlungsalternative am ehesten vertritt. Valenzissues definiert Stokes dagegen als Zustände oder Entwicklungen, welche mit den Parteien verknüpft sind, und welche positiv oder negativ vom Elektorat bewertet werden. Als Beispiel für solche Zustände und Entwicklungen können die ökonomische Situation eines Landes oder die Lösung eines außenpolitischen Problems gelten. Ergeben sich diese Zustände und Entwicklungen aus der Vergangenheit, dann kann die Wahlentscheidung als Belohnung oder Abstrafung der verantwortlichen Regierungspartei gesehen werden. Beziehen sich diese jedoch auf die Zukunft, dann kann die Wahlentscheidung als Wahl der Partei interpretiert werden, welche in der Erreichung des angestrebten Zustands oder der angestrebten Entwicklung als am fähigsten angesehen wird (Stokes 1963: 373).
Der Unterschied zwischen Positions- und Valenzissues liegt demnach in der Meinung, welche im Elektorat über eine Sachfrage herrscht. Bei Positionsissues gibt es heterogene Ansichten im Elektorat, wie diese behandelt werden und welche Ziele erreicht werden sollen. Als Beispiel kann hier die Kernenergie genannt wer-
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den. Die Abschaltung aller Atomkraftwerke und der Neubau neuer Werke sind nur zwei denkbare Handlungsalternativen von vielen. Bei Valenzissues herrscht Einigkeit über das zu erreichende Ziel in der Wählerschaft. Als Beispiel kann hier wieder die ökonomische Lage der Wirtschaft genannt werden. Es wird kaum je-manden geben, der nicht daran interessiert wäre diese zu verbessern. Schon in dieser ersten Definition wird eine Problematik der Kategorisierung von Issues sichtbar, welche Stokes selbst erkannte. Die Einteilung in Valenz- und Positionsissues ist oftmals nicht eindeutig zu bestimmen. So kann die Senkung der Arbeitslosigkeit als Valenzissue gesehen werden, also als ein Ziel, welchem ein Konsens in der Gesellschaft zu Grunde liegt. Jedoch könnte auch auf verschiedene Möglichkeiten zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit hingewiesen werden und diese somit als Positionsissue beschrieben werden. Aufgrund dieser Problematik fordert Stokes die Einteilung nicht a priori sondern auf Grundlage empirischer Untersuchungen vorzunehmen (Stokes 1963: 373-374).
Stokes entwickelte sein Definitionskriterium von Sachfragen 1974 weiter. Er unterscheidet Positions- und Valenzissues nun lediglich anhand der Verteilung der Einstellung im Elektorat. Bei Positionsissues liegt ein Konflikt im Elektorat vor, bei Valenzissues herrscht Einigkeit. Zusätzlich unterscheidet Stokes nun jedoch noch zwischen policy-defined und value-defined issues. Erstere stehen hier für Sachfragen mit unterschiedlichen Handlungsalternativen, letztere für Sachfragen die mit Konsequenzen politischer Zielsetzungen verbunden sind (Roller 1998: 177).
Stokes Definition von Issues wurde 1985 von Arthur H. Miller und Martin P. Wattenberg aufgegriffen und weiterentwickelt. Sie sprechen von policy evaluations und performance evaluations, wobei erstere die Bewertung von Mitteln und Instrumenten zur Lösung von Problemen umfassen und letztere auf die Bewertung gerichtet sind, ob ein Problem gelöst wurde bzw. wird oder nicht. Zusätzlich bringen Miller/Wattenberg noch eine zeitliche Dimension ins Spiel und beziehen sich dabei auf Arbeiten von Fiorina sowie von Abramson, Aldrich und Rhode. Hier wird unterschieden zwischen einer retrospektiven und prospektiven Perspektive des Elektorats. Bei retrospektiven policy bzw. performance evaluations betrachten und bewerten Wähler vergangene Ereignisse, stützen sich also auf gemachte Erfahrungen. Bei prospektiven policy bzw. performance evaluations stehen Erwartungen an zukünftige Handlungen im Fokus (Miller/Wattenberg 1985: 359).
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Diese Definition wird 1990 von J. Merril Shanks und Warren E. Miller aufgegriffen und weiterentwickelt. Sie verwenden im Kontext der Sachfragenorientierung die Begriffe policy direction und performance evaluation. Unter policy direction werden Issues gefasst, zu welchen ein Konflikt in der Gesellschaft vorliegt, per-formance evaluations beziehen sich auf die Bewertungen von Leistungen von Parteien bzw. Kandidaten im Hinblick auf Ziele, zu denen ein Konsens in der Gesellschaft herrscht (Shanks/Miller 1990: 145).
Es wird deutlich, dass all diese Weiterentwicklungen sich stark an der Definition von Stokes orientieren. Die Unterschiede sind lediglich in Details zu finden, welche in den Definitionen unterschiedlich betont werden.
Edeltraud Roller bezieht sich auf all diese Definitionen und entwickelt eine eigene, sehr detailierte Definition von Issues. Sie unterscheidet zwei Dimensionen von Issues: den Sachbezug und den Zeitbezug. Der Sachbezug wird dabei in fünf weiteren Dimensionen weiter spezifiziert wird (Roller 1998:182). Auf der Ebene des Sachbezugs unterscheidet Roller zwischen Positionen und Leistungen. Als Positionen bezeichnet sie Sachfragen, die sich auf die Bewertung unterschiedlicher Handlungsalternativen beziehen. Hierbei ist hervorzuheben, dass sich diese Alternativen sowohl auf Ziele als auch auf Mittel bzw. Instrumente beziehen, und nicht wie bei Miller/Wattenberg und Shanks/Miller nur auf einen Aspekt gerichtet sind (Roller 1998: 179). Als Leistungen bezeichnet Roller die Bewertungen von Folgen politischen Handelns. Hier wird nicht zwischen verschiedenen Handlungsalternativen oder Zielen unterschieden, vielmehr wird beurteilt, in wie weit ein politisches Ziel durch politische Handlungen realisiert wurde bzw. wie hoch die Effektivität der Handlung einzuschätzen ist (Roller 1998: 179). Als weitere Dimensionen des Sachbezugs führt Roller den Generalisierungsgrad, den politischen Akteursbezug, die Bezugsgruppe, die Dauerhaftigkeit sowie den Inhalt der Sachfragen an. Bei dem Generalisierungsgrad wird unterschieden zwischen generellen Sachfragen (z.B. der Zufriedenheit mit der Arbeit einer Partei allgemein) und spezifischen Sachfragen (z.B. dem Umgang mit der Atomenergie). Der politische Akteursbezug zeigt an, ob ein Bezug von den Positionen und Leistungen zu den Parteien bzw. Kandidaten hergestellt wird. Es wird bspw. unterschieden, ob nur die ökonomische Situation allgemein, oder speziell die Leistungsfähigkeit einer Partei in Bezug auf die ökonomische Entwicklung bewertet wird. Die Dimension der Bezugsgruppe existiert nur für Leistungen. Hier wird
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Arbeit zitieren:
Joscha Dick, 2010, Sachfragenorientiertes Wählen , München, GRIN Verlag GmbH
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