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Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
Grundlagen der Textkritik und -edition 6
Bestehende Textangebote im Netz - Qualität und Wertigkeit 8
„Also sprach Zarathustra“ online 9
Die einzelnen Textangebote 10
Gruppe 1 - Volltext als bloßes Textdokument 13
Gruppe 2 - Hypertextuelle Verknüpfung der einzelnen Kapitel 13
Gruppe 3 - PDF-Dokumente und ähnliche Formate 14
Gruppe 4 - Mehrwertorientierte elektronische Aufbereitung 15
Zusammenfassung der Ergebnisse 16
Idealtypus 18
Schluss 20
Literaturverzeichnis 21
Einleitung
Es gibt mittlerweile eine Vielzahl an Publikationen von Texten des Philosophen Friedrich Nietzsche. Allen voran die Kritische Gesamtausgabe Giorgio Colli und Mazzino Montinari oder auch die darauf basierende Ausgabe von Karl Schlechta. Und wie auch bei anderen älteren Autoren stellt sich auch hier die Frage: Wie und in welcher Form präsentiere ich diese Texte? Passe ich sie an den modernen Sprachgebrauch und deren Orthographie an? Wie mache ich das Werk dem modernen Leser zugänglich, ohne es zu verfälschen? Welche Kriterien müssen bei einer eventuellen Modernisierung beachtet werden? Es sind die wesentlichen Fragen für jeden Herausgebers, der sich um nicht-zeitgenössische Texte bemüht. Wie kann er all diesen Erfordernissen Rechnung tragen? Ist dies überhaupt möglich? Und wenn ja, muss er bei angebrachten Änderungen darauf achten, diese möglichst transparent und für den Leser nachvollziehbar vorzunehmen, um nicht eine Umdeutung zu provozieren? Auch Montinari und Colli wie auch Schlechta mussten sich diesen Fragen stellen und haben sie in unterschiedlicher Form gelöst. Die Kritische Gesamtausgabe zog sich hierbei auf die literaturwissenschaftliche Aufgabe der Schaffung einer gesicherten Textgrundlage nach von Nietzsche autorisierten Textfassungen zurück. Sie folgten explizit den Originaldrucken, auch in Orthographie und Interpunktion, und wandten sich damit vor allem an das literaturwissenschaftliche Publikum, dem sie eine Basis für die weitere gesicherte Beschäftigung mit Nietzsche boten. Schlechta hingegen bemühte sich auf der Grundlage dieser Ausgabe bereits um eine Modernisierung der Schreibweise, um den Text einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, die sich allerdings auf die Rechtschreibung zu beschränken suchte. Andere Herausgeber haben in ähnlicher Form den Text an den heutigen Gebrauch angenähert, ohne sich jedoch weit von der Kritischen Gesamtausgabe zu lösen. Zur heutigen Zeit tauchen jedoch weitere Fragenkomplexe auf, die etwa die Umwandlung in die neue Rechtschreibung betreffen oder die Form der Einbindung von begriffserklärenden Glossaren bzw. die vollständige Übersetzung nicht mehr zeitgemäßer und damit unverständlicher Wörter in deren aktuelle Bezeichnungen bewirken könnten. Aber hier wiederum ist Vorsicht geboten, da die Gefahr von Bedeutungsverschiebungen gegeben ist. Nach dem Wegfall des Copyrightschutzes wird Nietzsche auch vielfach im Internet als Text online verbreitet, was zu weiteren Ungenauigkeiten der Edition
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führen kann, da hier nicht immer professionelle Herausgeber mit der Textfassung beschäftigt sind. Es können somit Bedeutungsverschiebungen und unangemessene Anpassungen entstehen, die zu Problemen im Umgang mit den Originaltexten führen können. Die Qualität solcher Online-Texte ist zu untersuchen, da ihnen durch die moderne und unkomplizierte Verbreitungsform auch eine gewisse Geltung einzuräumen ist. Aber entgegen diesen Nachteilen bietet gerade diese elektronische Publikationsform für unsere Belange Vorteile gegenüber der Edition in Buchform? Gesetzt den Fall, man möchte sowohl die Originaltexte, eventuell gar als Faksimile, als auch die verschiedenen Editionen in ihren Unterschieden und Anpassungen zugänglich machen, so hat man bei der elektronischen Form im Idealfall die Möglichkeit, dem jeweiligen Nutzer die Wahlmöglichkeit zwischen unterschiedlichen Darreichungsformen anzubieten. So kann der interessierte Literaturwissenschaftler anhand der Faksimiles die Originale der Handschrift selbst begutachten, während der interessierte Laie sich die zeitgemäß modernisierte Form wählt, um möglichst unkompliziert die Lektüre gestalten zu können. Auch dies mag ein Vorteil der elektronischen Medien sein, wie wir es im Projekt Nietzsche am Beispiel des Zarathustra als Grundlage anbieten können. Hier kann diese Möglichkeit der freien Wahl der Editionsform geschaffen werden, je nach Gusto des Anwenders. Weiterhin impliziert das elektronische Medium die Möglichkeit, etwa für das Verständnis notwendige Details wie Worterklärungen und dergleichen bis hin zum klassisch-literaturwissenschaftlichen Apparat dem Leser an die Hand zu geben, und sie so einzubinden, dass sie je nach Wunsch aufgerufen werden können, ohne aber den Gesamtlesefluss in Form von Fußnoten und Klammern weiter zu stören.
Diese Möglichkeiten genauer auszuloten und bestehende Ansätze der elektronischen Publikation dahingehend zu untersuchen, soll die Aufgabe dieser Arbeit sein. Insgesamt stellt diese Frage allerdings ein weites Feld dar, denn es schließen sich daran auch grundsätzliche Fragen bezüglich der Wortbedeutungen und deren modernen Umdeutungen und inwiefern diese überhaupt vorgenommen werden sollten. Im Idealfall könnte dies dem Anwender durch den Gebrauch der elektronischen Publikation fürderhin selbst überlassen bleiben, nicht ohne ihm durch die Bereitstellung ausreichender Informationen über die
Editionsunterschiede die Möglichkeit zu geben, selbst solche Fragen zu entscheiden. Womöglich könnte dann, wenn auch eingeschränkt, eine
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Bearbeitungsfunktion für den Anwender eingebaut werden. Inwieweit und bis zu welchem Grad dies wünschenswert ist, mag erst mal dahingestellt bleiben.
Grundlegendes Bestreben jeder wissenschaftlichen Textedition ist die Verfügbarmachung des Originaltextes, im Idealfall des Urtextes in der vom Verfasser so gewünschten Form. Dies ist jedoch nur mit viel Mühe und oft nur annäherungsweise zu bewerkstelligen; während es von antiken Autoren und Autoren des Mittelalters mangels überlieferter Originalquellen und dem Überliefern durch Abschreiben selbstverständlich keine solchen Urtexte mehr geben kann, muss man hier versuchen, durch Analyse womöglich mehrerer Abschriften und Textteile ein idealtypisches Original herauszufiltern, das unter Umständen nur eine vage Annäherung an das hypothetisch angenommenen Original des wahren Verfassers. Für neuere Texte stellt sich nicht mehr das Problem der schlechten Überlieferung, da es oftmals bei zu Lebzeiten des Autors erschienenen Werken zu eindeutigen Autorisierungen durch ihn selbst gekommen ist. Aber es ergibt sich gerade aus der Materialfülle ein neues untersuchenswertes Problem: die Textgenese, die Darstellung und das Nachvollziehen der Entstehung des Werkes im Schaffensprozess des Autors. Man verfügt oftmals über Unmengen an Material und greift immer weiter zurück, bis man schließlich bei den Originalhandschriften anlangt und diese zur Basis einer historisch-kritischen Ausgabe macht, deren Aufgabe es ist, den gesicherten Text als Forschungsgrundlage anzubieten. Dieser Edition beigefügt sind die Nachweise sämtlicher Eingriffe seitens der Herausgeber sowie kritisch aufbereitetes Material zu Entstehungs- und Überlieferungsgeschichte des Textes. So soll für den interessierten Leser die historische Genese des Werkes nachvollziehbar werden. In der Schaffung einer solchen „originalgetreuen“ Ausgabe als Grundlage besteht eine Übereinkunft in der Literaturwissenschaft: „Konsens besteht darin, daß der Editor im Textteil keine Kontamination unterschiedlicher autorisierter Versionen, sondern eine historische Fassung wiedergeben sollte. Ebenso wird übereinstimmend der Verzicht auf eine Modernisierung bzw. Normalisierung gefordert. Die edierten Texte sollen in unveränderter historischer Orthographie und Interpunktion gedruckt werden, da hier jeder normalisierende oder modernisierende Eingriff eine Veränderung der Semantik des Textes bedeuten kann und interpretatorische Entscheidungen des Herausgebers voraussetzt.“ 1 Dieser historische Urtext eines Werkes muss erforscht, zur Verfügung gestellt und
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Magister artium Christian Dilger, 2001, Friedrich Nietzsches "Also sprach Zarathustra" - Qualitätssicherung bei elektronischer Publikation und Edition, München, GRIN Verlag GmbH
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