I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
1. Einleitung
2. Definitorische Annäherung an den Begriff der Weblogs
3. Die Blogstudie der Universität Leipzig als Trendmonitor
4. Analyse der Erfolgskriterien für Blogs im Allgemeinen und Fotoblogs im
Speziellen
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1. Einleitung
„Ein Mann, der was zu sagen hat, und keine Zuhörer findet, ist schlimm dran. Noch schlimmer sind Zuhörer dran, die keinen finden, der ihnen etwas zu sagen hat“ 1 . In seiner Radiotheorie suchte Bertolt Brecht Brecht nach einem Medium, das Machern und Nutzern ungefilterten Kommunikationskontakt offerieren konnte und nicht von der Filterfunktion des Mediensystems beeinflusst wurde. Der Rundfunk als Kommunikationsapparat, der nur auszusenden und nicht empfangen konnte, also den Zuhörer isolierte anstatt ihn in Beziehung zu setzen, konnte dies nicht leisten. Die Erfindung des Internets revolutionierte unsere Informationsgesellschaft Ende des 20ten Jahrhunderts grundlegend. Neue Medien wie Weblogs bieten vollkommen neuartige Kommunikationswege und haben zu einem Wandel des Internetnutzers vom passiven Konsumenten zum potentiellen Publizisten und Meinungsmultiplikator geführt. Internet-Dienstleister wie Wordpress oder eblogger bieten die Möglichkeit zur Erstellung eigener Blogs mithilfe anwenderfreundlichen Interfaces innerhalb kürzester Zeit 2 . Einzige Voraussetzung ist ein Internetzugang. Und diese Möglichkeit wird tausendfach genutzt. Große Blogs werden dabei täglich von einer halben Million Nutzern und mehr besucht und können mit so manchen Tageszeitungen konkurrieren, während die meisten kleinen Blogs aufgrund des mangelnden Aktualisierungsgrades nur eine geringe Lebenserwartung haben. Doch während die Szene in den USA mittlerweile gut bezahlte Stars hervorgebracht hat und Politk-Blogs eine solche Macht und Bedeutung haben, dass sie die öffentliche Debatte mitbestimmen, bleibt
Deutschland Blog-Entwicklungsland, in dem Weblogs kaum Einfluss auf das Agenda Setting haben 3 . Inzwischen haben sich zahlreiche Spielarten des Mediums Blog herausgebildet. Politikblogs tragen zur öffentlichen Meinungsbildung bei, juristische Blawgs geben Rat in strafrechtlichen Belangen, Unternehmensblogs betreiben PR 2.0 und Fotoblogs stellen die Welt aus der Sicht ihrer Fotografen dar. Trotz dieser umfassenden Etablierung existiert nur wenig wissenschaftliche Forschungsarbeit über diesen Teilbereich des Internets. Während Social Media mittlerweile umfassend beobachtet und erforscht wird, haben sich nur wenige Medienwissenschaftler auf das Thema Blogs spezialisiert, während noch ein geringerer Prozentsatz deren Erfolgsfaktoren zu analysieren versucht. Kombiniert man nun beide
1 Universität Duisburg: Bertolt Brecht. Radiotheorie(um 1930). o.D.. http://www.uni-
due.de/einladung/Vorlesungen/ausblick/bre_radio.htm. Letzter Zugriff am 26.06.2011
2 Vgl. Kluth, Karsten (2007): Blogs & Personal Publishing- Die Macht der Vielen. In: Jörg Rieksmeier (Hg.):
Praxisbuch: Politische Interessenvermittlung. Instrumente-Kampagnen-Lobbying. Wiesbaden: VS Verlag für
Sozialwissenschaften, S.119-128.
3 Vgl. Hilker, Claudia/ Stefan Raake (2010): Web 2.0 in der Finanzbranche.Die neue Macht des Kunden.
Wiesbaden: Gabler Verlag, S.153ff.
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Thematiken, differenziert das Forschungsgebiet Blogs noch einmal genauer aus und beschäftigt sich mit der Subkategorie Fotoblogs, erhält man ein wissenschaftliches Arbeitsthema, das in dieser Form vollkommen neuartig ist und eine Vorreiterposition auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Analyse von Fotoblogs einnimmt. Ein Faktum der Fluch und Segen zugleich ist. Zum einen bietet es die Chance, wissenschaftlich innovativ zu arbeiten und autonom aus Versatzstücken unterschiedlicher Theorien eine neue Einheit zu bilden. Zum anderen verlangen die Grundsätze wissenschaftlichen Arbeitens eine Verifizierung der Thesen mittels quellengestützter Aussagen. Das Vorgehen zur Extraktion entsprechender Thesen aus dem bestehenden spärlichen Literaturpool erfolgte deshalb nach eklektischem Prinzip und erforderte zum Teil massive Abstraktionsfähigkeit. Dennoch ließen sich im Wesentlichen fünf potentielle Erfolgsfaktoren für Fotoblogs identifizieren. Dem Kernstück dieser Bachelorarbeit gehen einige einführende Gedanken voraus. Zunächst soll mit einer definitorischen Annäherung an den Begriff des Weblogs die konstitutiven Merkmale des periodischen Internetjournals erläutert werden, ehe eine Differenzierung in die verschiedenen Blogtypen und eine dezidierte Erläuterung des Subtypus ,,Fotoblogs‘‘ erfolgen kann. Ergänzend bietet eine Darlegung der Entwicklung des Online-Nutzungsverhalten 2010 unter besonderer Berücksichtigung der Weblogs und Fotosammlungen einen ersten Einblick in die komplexen Strukturen des Web 2.0 Tools ,,Blogs‘‘. Dem theoretischen Hauptteil der Arbeit, der sich mit den Erfolgskriterien von Fotoblogs beschäftigt, geht eine ausführliche Analyse der Blogstudie der Universität Leipzig voraus, die als die bislang umfassendste Studie mit repräsentativen Ergebnissen im deutschsprachigen Raum gelten darf. Wie ist es um die Bekanntheit und Nutzung von Weblogs bestellt? Welche Nutzungsmotive lassen Blogleser erkennen? Welche Bloginhalte sind für sie relevant? Die Ergebnisse der Universität Leipzig sind nicht nur höchst aufschlussreich im wissenschaftlich-analytischen Sinne, sondern liefern auch detaillierte Erkenntnisse zu den Erwartungen und Bedürfnissen des Blognutzers an sich, und damit ergo auch zu den Kriterien, die ein Blog potentiell erfolgreich machen. Danach wendet sich diese Bachelorarbeit wendet dem theoretische Kernteil der Arbeit zu. Als erstes Erfolgskriterium wurde die Initialisierung einer Anschlusskommunikation durch
Verlinkung innerhalb der Blogosphäre identifiziert, die eine dynamische, weblogbasierte Kommunikation in Gang setzt, das Verbreitungstempo der Beiträge erhöht und zu Rückkoppelungseffekte zwischen den verschiedenen Blogs führt. Ein zweiter wesentlicher Faktor für den Erfolg eines Weblogs ist dessen Inhalt, bei dem vor allem drei Aspekte entscheidend sind: Qualität, Aktualität und Spezialisierung. Nur so kann ein Blog ein klares Inhaltsprofil entwickeln und seine Stammleserschaft an sich binden. Mittlerweile fast
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unerlässlich, wenn auch sehr abstrakt und mechanisch wirkend, ist die Relevanz einer Suchmaschinenoptimierung. Mit dem rapiden Wachstum des Internets wuchs demnach nicht nur die Notwendigkeit der Strukturierung der unüberschaubaren
Informationsmenge, sondern auch die Abhängigkeit von entsprechenden Suchmaschinen. Seither gilt: Wer in den Suchmaschinen Trefferlisten die vorderen Ränge belegt, kann mit einem hohen Traffic und folglich vielen Erstnutzern und hohen Page Impressions rechnen. Der Erfolg eines Blogs ist demnach direkt proportional zu der Effektivität seiner SEO-Maßnahmen. Eher emotional statt technisch versucht der nächste Punkt sich dem komplexen Zusammenhang des <
Besuchertraffic. Um die Relevanz dieser zunächst theoretischen Thesen in der praktischen Anwendung zu testen, wurden im Anschluss der ,,Joghurt mit Gräten Blog‘, ein bereits bestehender persönlicher Fotoblog mit geringem Erfolg, nach den vorangegangenen Kriterien optimiert. Diese Optimierung erfolgte in zwei Phase um den bis dato vernachlässigten Blog wieder in die Blogosphäre einzugliedern. Die Groboptimierung zielte vor allem darauf, relevanten Inhalt zu generieren und dem Blog ein gewisses Standing in der Netzwelt zu verschaffen. Nach dem Überschreiten der kritischen Masse von 5.000 Seitenaufrufen konnte am 16. Juni 2011 mit der zweiten Feinoptimierungsphase begonnen werden, die sich vor allem auf die Themen Kommentarkultur, Social Media und Personalisierung als Erfolgsfaktor spezialisierte. Die anschließenden ausführlichen Auswertungen zeigen deutlich die wissenschaftliche Validität der aufgestellten Thesen in der praktischen Anwendung. So konnten die Page Impressions im Gesamtverlauf kontinuierlich gesteigert werden und notierten mit circa 13.000 PI’s im Juli 2011 bei dem Vierzigfachen des Ausgangswertes. Zudem bestätigte sich die hohe Relevanz der Verlinkungen innerhalb der Blogosphäre, aber auch die Wichtigkeit von Suchmaschinen für die Aufmerksamkeitslenkung der User auf den Fotoblog. Auch die
Suchmaschinenoptimierung verfehlte ihre Wirkung nicht. Mit der Zeit stieg nicht nur die Kommentarkultur und Interaktion innerhalb der Blogosphäre, sondern auch die Nutzung der Facebook Fanpage. In der praktischen Anwendung haben sich die theoretischen Erfolgsfaktoren also tatsächlich als Indikatoren für den Erfolg eines Fotoblogs erwiesen, dennoch könnte man kritisieren, die Optimierung des Fotoblogs beruhe auf dem Prinzip eines erfolgreichen Einzelfalls und sei zudem subjektiven Bewertungskriterien unterworfen. Deshalb soll eine empirische Online Umfrage unter den 100 erfolgreichsten deutschen Foto-
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Bloggern diese Bachelorarbeit abschließen, und das Forschungsergebnis mithilfe eines ausgewählten fachkundigen Teilnehmerfeldes kontrollieren.
2. Definitorische Annäherung an den Begriff der Weblogs
Das Blog hat den Einzug in die Gesellschaft erfolgreich gemeistert. Begriffe wie das „bloggen“ haben in den allgemeinen Sprachgebrauch Eingang gefunden und sind anerkannte publizistische Tätigkeiten. Als eine der prototypischsten Anwendungen des Netzes, schließen Weblogs an bereits bekannte Nutzungsmuster des Internets an, indem sie die Merkmale der Homepage und des Diskussionsforums kombinieren. Sie stehen dabei exemplarisch für die gestiegenen Möglichkeiten der Internetnutzer, aktiv zu den online verfügbaren Inhalten beizutragen und in den neu entstehenden Öffentlichkeiten nach relevanten Informationen zu recherchieren 4 . Und der Markt wird täglich größer: 2010 erfasste die spezialisierte Suchmaschine Blogpulse weltweit mehr als 152 Millionen Weblogs 5 . Schätzungsweise 500.000 Blogs gibt es in Deutschland, von denen allerdings nur rund 200.000 noch aktiv betrieben werden 6 . Trotzdem wird ihnen eine wichtige Funktion zuteil: Blogspezifische Leitideen wie Authentizität, Dialogorientierung und dezentraler Austausch unterstützen das Formieren neuer Öffentlichkeiten und machen sie zu einer attraktiven Alternative zur, oft manipulativ empfundenen, Kommunikation der Massenmedien. Der steigende Bedarf an kommunikativem Austausch und Selbstpräsentation trifft im Web 2.0 auf Anwendungen, die den Trend hin zu vernetzten und dezentral organisierten Öffentlichkeiten unterstützen 7 . Doch welche Charakteristika machen eine Homepage zu einem Weblog, und welche unterschiedlichen Akzente setzen verschiedene Medienwissenschaftler bei ihrer Definition? Formal definieren sich Weblogs zunächst als relativ regelmäßig aktualisierte Online-Publikationen, welche sich durch ihre umgekehrt chronologisch angeordnete Beiträge und eine entsprechende Dialogorientierung auszeichnen 8 . Der Begriff des Blog wurde erstmals 1999 durch Jorn Barger gebraucht und ist eine Kurzform des weniger gebräuchlichen Synonyms Weblog, das ein Kompositum der
4 Vgl. Schmid, Jan (2007a): Weblogs in Unternehmen. In: Hass, Berthold et al (Hg.): Web 2.0. Neue Perspektiven
für Marketing und Medien. Berlin/ Heidelberg: Springer Verlag, S.121-135.
5 Vgl. PC.de: Das Internet in Zahlen. 23.02.2011. http://pc.de/web/internet-2010-zahlen-2188. Letzter Zugriff
am 01.08.2011
6 Vgl. Hilker, Raake (2010), S.153ff.
7 Vgl. Ebd., S.105f.
8 Vgl. Zerfaß, Ansgar/ Dietrich Boelter (2005): Die neuen Meinungsmacher. Weblogs als Herausforderung
für Kampagnen, Marketing, PR und Medien. Graz: Nausner & Nausner, S.8ff.
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beiden englischen Begriffe ,,World Wide Web‘‘ und ,,Logbook‘‘ darstellt 9 . In der wissenschaftlichen Praxis existieren zahlreiche Definitionen zum Thema Blog, da zwecks mangelnden Konsens jeder Autor einen anderen Schwerpunkt bei der definitorischen Rahmensetzung legt. Die dadurch entstehende Heterogenität führt im Endeffekt dazu, dass eine Vielzahl von unterschiedlichen Definitionen existiert, von denen die Wesentlichen hier vorgestellt werden 10 . Eine eher struktur-technische Sichtweise auf das Weblog-Phänomen ist bei Thomas Burgs Definition wiederzufinden. Er sieht Weblogs als "content-managementsystem, enabling the user to focus his/ her entire creativity on the generation of content" 11 . Sein Schwerpunkt liegt auf der Einzigartigkeit der Software, die es dem Nutzer erlaubt, mit minimalem Aufwand Kreativität maximal einfach umzusetzen. Zudem existieren zahlreiche Definitionen, die den hohen Grad der Aktualisierung als wesentliches Charakteristikum für Weblogs ansehen. Matthias Armborst beschreibt Weblogs grundsätzlich "als eine
Weiterentwicklung der klassischen Homepage" 12 , hebt als Unterscheidungsmerkmal
allerdings die häufige Aktualisierung hervor. Jan Schmidt geht konkreter auf die Merkmale der Weblogs und den blogosphärischen Makrokosmos ein. Als regelmäßig aktualisierte Webseiten, die bestimmte Inhalte in umgekehrt chronologischer Reihenfolge darstellen, hebt er den hohen Aktualisierungsgrad und den Journalcharakter hervor, inkludiert aber in seiner Definition auch die Adressierbarkeit der Beiträge über URLs und die Möglichkeit zu Interaktion über Kommentare. Auf Makroebene konzentriert sich seine Definition auf den Netzwerkcharakter, der durch untereinander verbundenen Texten und Webseiten entsteht 13 . Auch Frank Unger ist in seiner Definition wesentlich umfassender und konkreter als Thomas Burg oder Matthias Armborst. Ähnlich der Definition von Jan Schmidt sind für ihn verschiedene blogtypische Features relevant, wobei er bei seiner Begriffsbestimmung die Schwerpunkte auf die umgekehrte Chronologie, die Erreichbarkeit der Beiträge über Permalinks, Linkverweise auf andere Internetseiten und die Möglichkeit zur Benachrichtigung über RSS-Feeds legt. Zudem hebt er die Segmentierung der Publikation in kleinere Subeinheiten (Postings) hervor 14 . Betrachtet man die vorangegangenen vier Definitionsansätze wird das Dilemma der Forscher deutlich. Da unterschiedliche Autoren, je
9 Vgl. Blood, Rebecca (2002).: The Weblog Handbook: Practical Advice on Creating and Maintaining Your
Blog. New York: Basic Books, S.13ff.
10 Vgl. Kowiki: Weblogs. 25.02.2011. http://kowiki.mykowi.net/index.php/Weblogs. Letzter Zugriff am
01.08.2011
11 Burg, Thomas (2004): BlogTalks 2.0. Raleigh: Cultural Research, S.10.
12 Armborst, Matthias (2006): Kopfjäger im Internet oder publizistische Avantgarde? Was Journalisten über
Weblogs und ihre Macher wissen sollten. Münster: Lit Verlag, S.35.
13 Vgl. Schmid, Jan (2006): Weblogs. Eine kommunikationssoziologische Studie. Konstanz: UVK Verlag, S.13.
14 Vgl. Unger, Frank (2005): Die Blogosphäre.Inhaltliche Strukturen deutschsprachiger Weblogs. Eine Analyse
von publizistischen Potentialen und thematischen Schwerpunkten. Dresden: o.V., S.3ff.
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nach Forschungsgegenstand, bei ihrer Begriffsbestimmung auf verschiedene Schwerpunkte Wert legen, ist eine einheitliche Definition des Weblogbegriffes unmöglich 15 . Auch bezüglich der Namensnennung gibt es in Forscherkreisen kontroverse Debatten bezüglich der Wahl des entsprechenden bestimmten Artikels zum Nomen ,,Blog‘‘. Die entscheidende Frage ist, ob man nun von ,,der Blog‘‘ oder ,,das Blog‘‘ spricht. Eine nicht ganz eindeutige Antwort darauf liefert der Duden. Rückgeführt auf die Kombination zweier sächlicher Substantive (das Logbuch, das Internet) wurde die sächliche Form „das Blog“ im Duden als Hauptvariante eingetragen. Die maskuline Form „der Blog“ wird aber als zulässige Nebenvariante genannt. Auch hier herrscht also definitorische Unklarheit 16 .
2.1 Relation, Regeln, Code: Die konstitutiven Merkmale der periodischen Internetpublikationen
Definitorisch wäre der Begriff ,,Weblog‘‘ nun also grob eingegrenzt. Auf die Merkmale der Internetpublikation gilt es allerding noch genauer einzugehen, da die vorangegangenen Definitionsansätze sich wenig ausführlich mit den systemspezifischen Charakteristika des Web 2.0-Tools beschäftigen. Um sich den charakteristischen Merkmalen des Formats Weblog analytisch zu nähern, bietet es sich deshalb an, seine strukturellen Dimensionen zu untersuchen. Deutlich stärker akzentuiert als bei einem Diskussionsforum oder einer Homepage wird der Stellenwert des einzelnen Autors, der regelmäßig zu bestimmten Themen relevante Informationen publiziert. Ein weiteres wesentliches Charakteristikum ist der hohe Grad der Vernetzung und Interaktion. Erst durch die Kommentare von Lesern und durch Verlinkungen (Backlinks) auf andere Online-Quellen innerhalb der einzelnen Beiträge entsteht ein Geflecht von aufeinander verweisenden Texten und geteilten Konversationen, die ein Blog innerhalb der Blogosphäre (Summenbegriff für die Gesamtheit aller Blogs) relevant werden lassen. Diese hypertextuellen Relationen sind die sozialen Beziehungen, die durch Interaktion der User geknüpft oder aufrecht erhalten werden. Sie bilden die Basis für einen Diskurs in themenspezifische Öffentlichkeiten, innerhalb derer bestimmte Informationen publiziert und distribuiert werden 17 . Aufgrund der einfachen Handhabung und den geringen Kosten entwickelt sich die Blogosphäre zu einer neuen emergierenden
15 Vgl. Olbertz, Dirk (2004): Das Blog-Buch. Weblogs für Einsteiger & Profis. München: Markt und Technik, S. 9.
16 Vgl. Duden.de: Blog, das oder der. o.D.. http://www.duden.de/rechtschreibung/Blog. Letzter Zugriff am
01.08.2011
17 Vgl. Katzenbach, Christian (2008): Weblogs und ihre Öffentlichkeiten. München: Fischer Verlag, S. 3ff.
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Kommunikationsarena, die die Kommunikationsbarrieren im Web herunterbricht 18 . Die Hypermedialität erlaubt mittels Trackbacks, Blogrolls und Pingback einfache Verlinkungen und Themenclusterung. Die klassische „one-to-many"-Kommunikation wird zunehmend durch eine netzwerkartige Kommunikation ersetzt 19 . Primär vielbesuchte „A-List“ -Weblogs können aufgrund der vernetzten Struktur der Blogosphäre virale Züge annehmen und zur Verbreitung von Neuigkeiten und Meinungen beitragen. Innerhalb der Blogosphäre gelten zudem spezifische Verwendungs- und Umgangsregeln. So hat sich im Laufe der Nutzung die Konvention herausgebildet, die Quelle einer Information durch einen Link kenntlich zu machen. Solch ungeschriebene Normen standardisieren die Routinen und Erwartungen beim Gebrauch des Weblog-Formats und haben, in Form von impliziten Verhaltensregeln und Erwartungen, zur Entstehung einer Art Blogger-Ethik geführt 20 . Bereits durch die Wahl der Weblog-Software werden spezifische Nutzungsweisen ermöglicht beziehungsweise ausgeschlossen. Grundsätzlich lassen sich zwischen zwei Formen unterscheiden. Spezialisierte Weblog-Provider wie Wordpress.com oder blogger.com stellen registrierten Nutzern meist kostenlos Speicherplatz und ein Interface zur Verfügung, die es auch Personen mit vergleichsweise geringen IT-Kenntnissen erlaubt, im Rahmen eines Weblogs Beiträge zu publizieren 21 . Technische Kompetenzen, Programmierfähigkeiten und einen eigenen Server-Speicherplatz setzt eine Standalone-Software voraus, die allerdings auch mehr Optionen, Komponenten und Designs anbietet, um den eigenen Weblog zu modifizieren 22 . Die erläuterten strukturellen Dimensionen sind jedoch nicht statisch oder für eine spezielle Nutzung determiniert, vielmehr werden sie von den Nutzern ständig reproduziert, wodurch es im Laufe der Zeit zu Änderungen der Verwendungsweisen und der daraus resultierenden Netzwerke kommen kann 23 .
18 Vgl. Wirth, Werner/ Wolfgang Schweiger (1999): Selektion im Internet. Empirische Analysen zu einem
Schlüsselkonzept. Opladen: Westdeutscher Verlag, S.7ff.
19 Vgl. Jansen, Daniel et al (2001) : Öffentlichkeit und Gegenöffentlichkeit im Internet.Politische Potenziale der
Medienentwicklung. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag, S.108.
20 Vgl. Schmid (2007a), S.98f.
21 Vgl. Schmid (2006), S.128.
22 Vgl. Bültge, Frank (2007): WordPress. Weblogs einrichten und administrieren. München: Open Source Press,
S.17ff.
23 Vgl. Schmid (2007a), S.99f.
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2.2 Abgrenzung verschiedener Blog-Typen innerhalb der heterogenen Blogosphäre
Den Eindruck eines homogenen Kommunikationsraumes, den der Begriff der Blogosphäre erweckt, ist trügerisch. Subkulturelle und funktionale Grenzen haben längst zu einer ausgesprochenen Heterogenität in der Blogosphäre geführt. Inhaltlich nicht an spezielle Themen gebunden, existiert eine Vielzahl unterschiedlicher Verwendungsweisen. Doch unabhängig vom Nutzungsmotiv sind Blogs längst mehr als nur fachspezifische Informationsseiten, persönliche Online-Journale oder Instrumente der
Organisationskommunikation. Sie tragen wesentlich zum Identitäts-, Beziehungs- und Informationsmanagements ihrer Nutzer bei, indem sie ihnen eine Plattform bieten, Aspekte der eigenen Person zu veröffentlichen, darüber mit anderen Personen in Kontakt zu treten sowie in den entstehenden Öffentlichkeiten persönlich relevante Informationen zu rezipieren 24 . Unabhängig vom Inhalt lassen sich grob drei Blog-Typen unterscheiden. Am häufigsten werden Blogs als persönliche Online Journale- sogenannte Private Blogs- geführt, die sich an einen sozial begrenzten, dem Autor meist persönlich bekannten, Kreis von Rezipienten und Kommunikationspartnern richten. Im Fokus steht der authentische Selbstausdruck von Gefühlen und Gedanken im Sinne eines Identitätsmanagement und potentiell auch die persönliche Beziehungskommunikation. Während persönliche Blogs primär als expressives Medium des Selbstausdrucks fungieren, adressieren sich die beiden anderen Blog-Typen, laienjournalistische Blogs und Corporate Blogs, an politisch relevante Teilöffentlichkeiten 25 . Laienblogs oder laienjournalistische Blogs orientieren sich dabei an den Funktionen des Journalismus. Als Blogger agieren individuelle Kommunikatoren, die gleichzeitig oft freie Journalisten oder Redakteure etablierter klassischer Medien aktiv sind. Corporate Blogs hingegen dienen als Instrumente strategischer Kommunikation organisierter Interessengruppen oder professioneller Organisationen. Die Blogger fungieren hierbei als kollektive oder korporative Kommunikatoren, oftmals mit persuasiver Intention 26 . Empirische Untersuchungen zur Nutzung von Weblogs haben allerdings gezeigt, dass in der Blogosphäre die Praktik dominiert, Erlebnisse und Anekdoten aus dem persönlichen Umfeld für ein relativ kleines Publikum zu publizieren also, bis auf wenige Ausnahmen etablierter Blogs der beiden anderen Gattungen, vor allem Private Blogs bei den Lesern
24 Vgl. Schmidt (2006), S.122ff.
25 Vgl. Beck, Klaus (2008): Neue Medien- alte Probleme ? Blogs aus medien- und kommunikationsethischer
Sicht. In: Schmidt, Jan (Hg.): Kommunikation, Partizipation und Wirkungen im Social Web. Grundlagen und
Methoden: Von der Gesellschaft zum Individuum. Köln: Halem Verlag. S.62-77.
26 Vgl. Beck (2008), S.63.
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Gehör finden. Die tendenziell eher jungen Nutzer mit vergleichsweise hoher formaler Bildung präferieren demnach vor allem Inhalte von persönlicher Relevanz und erwarten durch kommentierte Links auf andere interessante Inhalte im Internet aufmerksam gemacht zu werden 27 .
2.3 Subkategorie Fotoblogs und Differenzierung zu Fotocommunities
Fotoblogs stellen die aktuellste Anwendung dar, fotografische Inhalte im Netz in digitaler Form zu präsentieren. Die Bandbreite reicht dabei von privaten optischen Tagebüchern mit Fotoalbencharakter über fotografische Kunstprojekte bis hin zu Portfolios von
professionellen Fotografen. Aufgrund des immer noch andauernden Smartphone Booms und einer gestiegenen Anzahl an Fotografie-Apps werden Fotoblogs, die aus direkt von Fotohandys hochgeladenen Bildern bestehen, sogenannte Moblog, immer häufiger 28 . Doch nicht nur die Nutzungsmuster verändern sich im Laufe der Zeit, auch die individuellen Verwendungsweisen nach der Gründung eines Fotoblogs nehmen häufig einen
charakteristischen Verlauf. Am Beginn der Aneignung wird in einer „Experimentierphase“ die Tauglichkeit des Formats für die persönlichen Informations-und
Kommunikationszwecke erprobt. Aus mangelndem Interesse oder durch fehlendes
Zeitbudget beendet ein gewisser Anteil die Nutzung bereits nach einigen Wochen oder Monaten wieder. Bei den weiterhin aktiven Autoren stabilisieren sich in der Regel die Verwendungsweisen, wobei das kontinuierliche Bloggen die geknüpften Kontakte und das eigene Fotorepertoire erweitert 29 . Eine Sonderkategorie stellen die sogenannten Fotocommunities dar. Sie unterscheiden sich von einem klassischen Fotoblog durch die Art der Nutzung und Veröffentlichung und gehören definitorisch nicht zur Kategorie der Fotoblogs. Plattformen, wie flickr oder Photobucket, ermöglichen dem Nutzer das sogenannte Foto-Sharing, also das Herausgeben und Übertragen ihre digitalen Fotos im Internet, ohne explizit eine eigene Webpage initialisieren zu müssen. Der Anwender hat dabei die Option, seine Fotos privat auf einem Online Server zu lagern, sie mit einem ausgewählten Nutzerkreis zu teilen, oder sie zu veröffentlichen und für jedermann sichtbar
27 Vgl. Schmid (2007a), S.100f.
28 Vgl. Nicola Döring, Nicole/ Axel Gundolf (2006): Your Life in Snapshots: Mobile Weblogs. In: Knowledge
Technology & Policy. 19 Jahrgang. Heft 1/2006. München/Wiesbaden: Springer Verlag. S.81-90.
29 Vgl. Schmidt, Jan (2007b): Stabilität und Wandel von Weblog-Praktiken. Erste empirische Befunde. In:
Kimpeler, Simone et al. (Hg.): Die digitale Herausforderung.Zehn Jahre Forschung
zur computervermittelten Kommunikation. Wiesbaden: VS Verlag, S.51-60.
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zu machen 30 . Die für ein Blog charakteristische Chronologie der Beiträge fehlt hier allerdings genauso, wie die Adressierbarkeit der einzelnen Bilder per URL und die intensive Verlinkungskultur. Außerdem ist mittlerweile die Nutzung der Fotocommunities stark rückläufig. Im Vergleich zu 2009 sank die Zahl der derer, die die Plattformen zumindest gelegentlich nutzten Nutzerschaft um mehr ein Viertel auf 18 Prozent im Jahr 2011 31 . Grund dafür sind Substitutionseffekte, bedingt durch die progressive Nutzung der Social Communities. Ein Teil der Fotocommunity Nutzung verlagert sich zunehmend in private Netzwerke, wo das Einstellen privater Bilder mittlerweile Usus ist. Communities wie Facebook konkurrieren mit den originären Anbietern und bieten zusätzliche Funktionen wie die Möglichkeit zum Chat und das Schreiben von Beiträgen und Kommentaren 32 .
2.4 Entwicklung des Online-Nutzungsverhaltens 2011
In den letzten Jahren ist die Nutzung der Web 2.0-Angebote kontinuierlich gestiegen, mittlerweile ist das Mitmachnetz allerdings in eine Phase der Konsolidierung eingetreten. Erstmals sind rückläufige Nutzerzahlen bei bestimmten Angeboten zu beobachten. Dabei fällt auf, dass die Kluft zwischen populären Web 2.0 Formen wie Wikipedia, privaten Communities und Videoportalen und jenen, die eine relativ kleine Zielgruppe bedienen wie Fotocommunities, Weblogs und Twitter wächst. Während E-Mail weiterhin als die wichtigste Kommunikationsanwendung im Netz gelten darf, verlieren
Kommunikationsmittel wie Chats, Foren und Newsgroups. In Bezug auf die Gesamtaktivität ist Kommunikation weiterhin der zentrale Nutzungsaspekt des Internets. Nahezu die Hälfte der täglichen Verweildauer im Netz entfällt auf Kommunikation 33 . Während die Habitualisierung von Online-Enzyklopädien und Videoportalen voranschreitet und die Attraktivität von privaten Communities weiter wächst, ist die Nutzung beruflicher
30 Vgl. Weise, Daniel (2011): Rekrutierung der Net Generation E-Recruiting mit Hilfe von Web 2.0 -
Tools.Hamburg: Diplomica Verlag. S.24ff.
31 Vgl. ard-zdf-onlinestudie.de: Web 2.0. Gelegentliche und regelmäßige Nutzung 2007 bis 2011. 2011.
http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/index.php?id=307
Letzter Zugriff am 26.08.2011
32 Vgl. Busemann, Katrin / Gescheidle Christoph (2010): Web 2.0: Nutzung steigt-Interesse an aktiver Teilhabe
sinkt. In: Media Perspektiven. Heft 7-8/2010, S.359ff.
33 Vgl. Frees, Beate/ Birgit van Eimeren (2011) : Ergebnisse der ARD/ZDF-Onlinestudie 2011.Drei von vier
Deutschen im Netz - ein Ende des digitalen Grabens in Sicht? In: Media Perspektiven.
Heft 7-8/2011, S.335ff.
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Netzwerke rückläufig 34 . Obwohl Twitter, vor allem in der Unternehmenskommunikation, eine große Bedeutung beigemessen wird, bescheinigt die Empirie dem Dienst mit lediglich 1,65 Millionen Usern eine marginale Nutzung 35 . An Platz eins der am häufigsten genutzten Web 2.0-Anwendungen rangiert mit 70 Prozent gelegentlicher Nutzung Wikipedia, gefolgt von Videoportalen mit 58 Prozent und privaten Communities mit 42 Prozent. Fotocommunities wie flickr befinden sich mit 18 Prozent noch vor den beruflichen Netzwerken und Weblogs, die mit 6 Prozent gelegentlicher Nutzung gleichen Status aufweisen 36 . Im Vergleich zum Vorjahr mussten Fotosammlungen jedoch die größte Einbuße in Bezug auf die Nutzerzahlen hinnehmen: Die Nutzerschaft sank dabei um mehr als ein Viertel im Vergleich zu 2009. Die Abnahme der Fotocommunity-Nutzung stellt für den Bereich der Fotoblogs gleichzeitig eine Chance dar, die nun entstandenen Lücken neu zu besetzen.
3. Die Blogstudie der Universität Leipzig als Trendmonitor
Die wohl bislang umfassendste Studie mit explizitem Fokus auf dem Trendthema Blogs wurde im deutschsprächigen Raum vom Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig durchgeführt. An der, als selbstselektive Online-Umfrage konzipierten, Studie zur Informationssuche im Internet sowie zur Nutzung, Glaubwürdigkeit und Auffindbarkeit von Weblogs nahmen im Zeitraum vom 6. bis 30. Dezember 2006 insgesammt 605 Nutzer teil. Die kritische Anmerkung der zeitlichen Diskrepanz ist dabei durchaus gerechtfertigt, dennoch lässt die Studie bloggingtypische Grundmuster erkennen, die sich nicht wesentlich verändert haben. Zudem stellt die Studie eine der wenigen ganzheitlichen Befragungen zum Thema dar und wurde sowohl nach den gängigen Methoden der empirischen Sozialforschung konzipiert als auch ausgewertet 37 . Somit lassen sich trotz zeitlicher Diskrepanz durchaus Rückschlüsse auf das Blognutzungsverhalten von heute ziehen. Gemäß der Wahl des Mittels ,,Online Umfrage‘‘ war es nicht überraschend, dass sich primär Digital Natives, Trendsetter und Heavy-User an der Studie beteiligten. Diese zeichnen sich durch eine hohe Nutzungsfrequenz des neuen Mediums und
34 Vgl. Frees, van Eimeren (2011), S.340.
35 Vgl. ard-zdf-onlinestudie.de (2011)
36 Vgl. Ebd.
37 Vgl. Bogosyan, Janine/ Prof. Dr. Ansgar Zerfaß (2007): Blogstudie 2007 Informationssuche im Internet -
Blogs als neues Recherchetool (Ergebnisbericht). In: http://www.cmgt.uni-leipzig.de/fileadmin/
cmgt/PDF_Publikationen_download/Blogstudie2007-Ergebnisbericht.pdf, S.1f.
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eine aktive Selbstbeteiligung aus. 96 Prozent der Befragten sind demnach täglich im Internet, 87,3 Prozent haben schon einmal ein Blog genutzt und sogar jeder Dritte (34,6%) schreibt selbst ein Weblog. Die Befragten nutzten das Internet hauptsächlich zum E-Mailverkehr (97,8%), zur Informationssuche (90,4%) und zur Kontaktpflege (82,1%). Das Online-Nutzungsverhalten der Befragten entspricht dabei ziemlich genau der Internet-Aktivitätsverteilung der 20- bis 29-Jährigen Nutzer aus der ARD/ZDF-Onlinestudie 2010. 92 Prozent gaben dabei an, mindestens einmal wöchtenlich E-Mails zu versenden und zu empfangen und 9 von 10 Teilnehmern nutzten das Internet zur gezielten Informationssuche 38 . Doch nicht nur das Online-Nutzungsverhalten ist im abgefragten Heavy User Bereich sehr ähnlich, auch die Alters- und Geschlechterverteilung der Befragten ist bei beiden Studien vergleichbar. Unter den Teilnehmern der Blogstudie 2007 waren 60,5 Prozent Männer und 39,5 Prozent Frauen im Alter von 11 bis 73 Jahren ( 32 Jahre). Damit ist das Sample der Umfrage von 2006 annähernd vergleichbar mit der einzigen repräsentativen Studie zum Internetverhalten in Deutschland, der ARD/ZDF-Onlinestudie 39 .
3.1 Randerscheinung mit geringem Aktivierungspotential: Bekanntheit und Nutzung von Weblogs
Schon 2007 gaben neun von zehn Befragten, an Blogs zu kennen, wobei 79,8 Prozent der Teilnehmer angaben Blogs zumindest gelegentlich zu nutzen. Nur eine minimaler Anteil von 12,7 Prozent der Befragten konnte mit dem Begriff ,,Blog‘‘ nichts anfangen. Interessant sind vor allem auch die Angaben zu den Gründen für die Nichtnutzung der chronologischen Internetpublikationen. Hier zeichnet sich ab, dass das Überangebot der herkömmlichen Medien (70%), der fehlende Überblick über die Blogosphäre (47,8%) und die schwierige Auffindbarkeit interessanter Angebote (31,8%) die Hauptgründe für einen Nutzungsverzicht darstellen. Gerade im Kontext dieser Arbeit, die sich mit den Erfolgsfaktoren und dem Optimierungspotential von Blogs auseinandersetzt, sind diese Erkentnisse ein wichtiger Anhaltspunkt für akutes Verbesserungspotential. Auffallend ist auch, dass Web 2.0-Anwendungen wie Blogs zwar intensiv genutzt werden, das Aktivierungspotential aber stetig sinkt. Das Mitmachnetz versteht sich als eine Plattform, die von Partizipation, Vernetzung und Austausch lebt, aber nur noch 7 Prozent der Onliner gaben an ,,sehr
38 Vgl. Busemann, Gescheidle (2010), S.359.
39 Anmerkung: Rückgriff auf die Daten aus 2010, da vergleichbare Daten aus der ARD/ZDF-Onlinestudie
für das Jahr 2011 nicht vorhanden sind.
Arbeit zitieren:
Stephanie Julia Winkler, 2011, Fotoblogs - Eine Analyse der Erfolgskriterien mit umfragegestützter Pageoptimierung anhand eines Private Blog, München, GRIN Verlag GmbH
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