Inhaltsverzeichnis
Vorwort 5
Theoretische Grundlagen:
Beispielgliederung für die Werkanalyse 7
Übersicht über Gattungen der gegenständlichen Malerei 11
Landschaftsmalerei
11
Historienmalerei
12
Portr ät 13
Stillleben 13
14
Genremalerei
Komposition 15
Der Goldene Schnitt
16
Die Dreieckskomposition
16
Farbkontraste 17
R äumlichkeit 18
Typische Fehlerquellen und weitere Begrifflichkeiten 19
Exkurs : Plastik 21
2
Kunstgeschichtliche Übersicht: ............................................................................... 22
• Renaissance ..................................................................................................... 23
• Barock ............................................................................................................. 24
• Klassizismus ................................................................................................... 25
26 • Romantik .........................................................................................................
30 • Realismus ........................................................................................................
31 • Impressionismus .............................................................................................
32 • Wegbereiter der Moderne ...............................................................................
36 • Expressionismus .............................................................................................
• Kubismus ........................................................................................................
41
• Surrealismus ................................................................................................... 42
• Ausblick: Kunst nach dem 2. Weltkrieg .........................................................
Übungsteil mit Lösungen ........................................................................................ 45
1. Erster Eindruck ....................................................................................... 47
2.1 Bildanalyse - praktisch ............................................................................. 51
2.2 Bildanalyse - theoretisch ........................................................................... 55
2.2.1 Komposition ............................................................................................... 56
2.2.2 Farbgebung ................................................................................................ 58
2.2.3 Körperhaftigkeit und Räumlichkeit ........................................................ 61
63 2.2.4 Materialverwendung ................................................................................
65
3. Interpretation und kunstgeschichtliche Reflexion .................................
Nachwort .................................................................................................................... 69
Quellenangaben, Hinweise und Empfehlungen ........................................................... 70
Vorwort
___________________________________________________________________________
Als ich die Magister- und Examensprüfungen gerade erst abgeschlossen hatte, trat die nachfolgende Examensgeneration an mich heran, mit der Bitte, ihnen einen Crash-Kurs in Kunstgeschichte zu geben, so dass sie die Teilprüfung Werkanalyse im Ersten Staatsexamen bestehen würden.
Diese Bitte basierte darauf, dass viele innerhalb dieser Gruppe über kaum oder kein allumfassendes kunstgeschichtliches Grundwissen verfügten und noch nie eine schriftliche Bildanalyse verfasst hatten. Seitens der universitätsinternen Angebote des Lehrstuhls für Kunstgeschichte gab es zwar viele interessante, qualitativ hochwertige und umfassende Lehrveranstaltungen, jedoch keine konkret auf die Werkanalyseprüfung vorbereitende Unterrichtseinheit.
Innerhalb der examensbezogenen Kurse der Kunstpädagogik wurde durchaus auf die Werkanalyse eingegangen, wobei es aber kaum möglich ist, einen kompletten Grundstock an kunsthistorischem Basiswissen zu vermitteln UND die technischen und umgebenden Informationen UND ein Üben und Vertiefen an konkreten Werkanalysebeispielen zu gewährleisten, so dass anschließend alle auf einem gemeinsamen Wissenstand sind.
Diese Problematik beruht wohl auf den sehr unterschiedlichen Hintergründen der Schulausbildung einzelner Studenten: Während einige einen Leistungskurs Kunst besucht hatten und dabei sehr vertieftes Grundwissen erwerben konnten, hatten andere - teilweise durch den jeweiligen Zweig der Schule - Kunst nur noch als einstündiges Fach oder gar komplett abgelegt, so dass ihnen wesentliches Wissen bei Aufnahme ihres Studiums fehlte, welches dann allerdings vorausgesetzt worden war.
Gemäß meinen eigenen Erfahrungen, Unterlagen und den Ergebnissen des eingangs erwähnten Crash-Kurses habe ich dieses Buch zusammengestellt, um einen kompakten Überblick über die wichtigsten Grundlagen der Werkanalyse zu geben.
Natürlich sind die vorliegenden Informationen kein Garant für das Bestehen der Prüfung oder gar das einzige Medium, das zur Vorbereitung zu Rate gezogen werden sollte. Aber es gibt einen guten Überblick über die wesentlichen Faktoren, die einzelnen Elemente der Prüfung und die wichtigsten Epochen und Aspekte der Kunstgeschichte. Damit soll also ein solider Grundstock gegeben sein, von dem aus weiter recherchiert und gelernt werden kann, beziehungsweise eine Pocketversion an Grundwissen für unterwegs.
Damit wünsche ich viel Freude beim Schmökern, Lernen und Recherchieren sowie viel Erfolg für die Prüfung!
Manuela C. Müller
Beispielgliederung für die Werkanalyse
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Eine Gliederung ist das A und O einer umfassenden schriftlichen Examensleistung. Nicht nur für den Prüfling selbst, sondern auch für den Korrektor, bietet sie Übersichtlichkeit und eine kohärente Gedankenfolge. Daher sollte vor Beginn des Volltextes eine Gliederung verfasst werden, die anschließend ausformuliert wird.
Auf der folgenden Doppelseite findet sich eine bewährte Mustergliederung, wie sie für das Examen verwendet werden kann.
Innerhalb des Blockes zu Beginn der Übersicht findet sich die reine Gliederung, darunter eine informationsreichere Variante mit Hinweisen bezüglich des möglichen Inhalts der jeweiligen Abschnitte.
Natürlich kann diese Gliederung nicht für jede Aufgabenstellung verwendet werden. Sie bietet aber eine gewissenhafte und veränderbare Basis. Beispielsweise können je nach Prüfungsthema einer der Punkte 4 oder 5 weggelassen werden, auf einige Abschnitte kann intensiver eingegangen werden als auf andere. Darüber hinaus können auch Gliederungspositionen zusammengefasst behandelt werden.
Bei einem Bildvergleich empfiehlt es sich, die Gliederung in drei Obergruppen zu unterteilen. So würde ich empfehlen, unter Punkt A zunächst eine vollständige Analyse des einen Werkes vorzunehmen, bevor das andere Bild unter Punkt B in gleicher Weise abgehandelt wird. In einem dritten Abschnitt, Punkt C, kann dann der Bildvergleich erfolgen. Auf diese Weise kann ein Durcheinandergeraten zwischen den beiden vorliegenden Exponaten während der Analyse vermieden werden. Selbstverständlich gibt es aber auch Prüfungskandidaten, die eine parallele Analyse bevorzugen. Hier gilt es, den Überblick zu wahren und konsequent einen Gedanken nach dem anderen innerhalb der Gliederung durchzuarbeiten, so dass ein stimmiger Gesamttext entsteht.
Unter Punkt "3.1 Skizzen" wird das anfertigen praktischer Skizzen auf separaten Blättern verlangt. Diese sind nicht zwinglich, helfen aber oft den Blick für Details und Zusammenhänge im Bild zu schärfen. Da für Detailstudien oft die Zeit fehlt, verweise ich auf Kompositionsstudien, die den Bildaufbau mit einbeziehen.
Hierbei sollten in skizzenhafter Manier die Konturen des Bildes festgehalten werden. Anschließend werden in dieser Zeichnung mit verschiedenen Farben die vorzufindenden Richtungen im Bild vermerkt. In der aufgeführten Gliederung werden blaue Linien für die Waagrechten, gelbe für die Senkrechten sowie violette für Gefälle und grüne für Steigungen verwendet. Zudem kann in Orange das oder die Bildzentrum /-tren in entsprechender Form (Bsp. Dreieckskomposition) eingezeichnet werden.
Die Skizzen aus 3.1 eignen sich für die anschließende schriftliche Analyse der Komposition als Bezugsquelle und sollten daher auch im Fließtext erwähnt und mit einbezogen werden.
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• dddd
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8
Soweit zur Gliederung - und jetzt?
Nachdem die Hauptgrundlage - die Gliederung - nun vorgegeben ist, werden folgend Schritt für Schritt einzelne für die Analyse wichtige Elemente vorgestellt. Dabei wird vor allem Wert auf kompakte, schlüssige Überblicke anstelle von ausschweifenden und langen Erläuterungen gelegt. Schließlich ist es die Intention dieses Buches, in knappen Abhandlungen möglichst alle wichtigen Komponenten für eine vollständige Werkanalyse zusammengefasst aufzuzeigen. Wenn Ihnen die eine oder andere Passage zu kurz gehalten oder noch nicht ausreichend informativ erscheint, finden Sie unter dem Punkt Quellenangaben, Hinweise und Empfehlungen eine Vielzahl ausgewählter, weiterführender Literatur.
Ich möchte zudem noch einen letzten Tipp für die Vorbereitung geben: Lernen Sie nicht seitenweise Kunstgeschichte auswendig oder dieses Buch von A bis Z! Lesen Sie sich dieses Werk in Ruhe durch und stöbern Sie ganz nach Ihrem Interesse in den weiterführenden Literaturangaben. Wenn Sie etwas aus Interesse lesen, verinnerlichen Sie es um vieles besser, als es bei vorsätzlichem Auswendiglernen der Fall wäre!
Nehmen Sie sich außerdem die Zeit, hin und wieder einen Nachmittag einer Werkanalyse zu widmen. Suchen Sie sich ein Bild, das Sie interessiert, und beginnen Sie, es nach allen hier aufgeführten Möglichkeiten zu analysieren! Legen Sie sich gerne zu Anfang noch Hilfen parat, in denen Sie nachschlagen können. Sie werden merken, dass Sie mit learning by doing schnell Fortschritte im Wissensstand und im Ausformulieren einer Werkanalyse erreichen.
Gerade auch das Ausformulieren bedarf praktischer Übung. Zum einen soll ein flüssiger, stimmiger Gesamttext entstehen und nicht nur eine ausformulierte Aneinanderreihung von Stichpunkten. Zum anderen ist es oft schwierig und ungewohnt, derart detailliert zu schreiben, sich möglichst nicht zu wiederholen, aber dennoch Bezüge innerhalb des Textes herzustellen und in der vorgegebenen Zeit fertig zu werden. Üben Sie also mit Stoppuhr, versuchen Sie sich an kompletten Werkanalysen und tauschen Sie sich mit Ihren Kommilitonen aus. Je mehr Sie sich derart praktisch mit der Materie Werkanalyse befassen, desto weniger aktiven Lernaufwand müssen Sie betreiben.
Sind Sie dem Lernen in Gruppen weniger zugetan, empfehle ich Ihnen die Beispielwerkanalysen aus dieser Reihe KLARTEXTKUNST zu lesen und als Vergleichsmöglichkeit für Ihre eigenen Versuche zu verwenden.
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Übersicht über Gattungen der gegenständlichen Malerei
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Bei der Landschaftsmalerei steht, wie der Name
bereits verrät, die Landschaft im inhaltlichen Vordergrund. Wie diese schlichte Definition jedoch
im Bild vertreten wird, hängt stark von der jeweiligen Epoche ab. So gibt es Landschaftsbilder, die der Realität entsprechen, fantastische, dokumentarische, menschenleere, architektonische, rein des Zweckes der Hintergrundfülle dienende, bedeutungstragende, abstrakte etc. Ausführungen.
Landschaftliche Darstellungen sind seit der Antike überliefert und auch im Mittelalter erfreute sich das Naturstudium einer gewissen Beliebtheit. Von Landschaftsmalerei als eigener Gattung wird jedoch erst seit der Renaissance gesprochen. Dies lässt sich darauf zurückführen, dass erst durch die Errungenschaften der Renaissance, wie Perspektive im Bild, Ölmalerei und die Darstellung von sphärischem Licht sowie dem gänzlich neuen Weltbild eine Abbildung der Natur als bildwürdiger Inhalt möglich wurde. Während Giotto die Landschaft zunächst noch als reine Kulisse für seine Bilder verwendete, gilt Albrecht Altdorfers "Donaulandschaft mit Schloss Wörth" (um 1522) als erstes reines Landschaftsbild. Wirklich durchsetzen konnte sich diese neue Gattung jedoch noch nicht. Das Porträt war in der Renaissance vorrangig. So findet sich die Landschaft noch lange hauptsächlich als hintergrundfüllendes Element.
Im 17. Jahrhundert entwickelte sich aber eine beliebte Nische: die heroische Landschaftsdarstellung. Allen voran beschäftigten sich vor allem Nicolas Poussin und Claude Lorrain damit. Bei dieser Bildgattung wird der Mensch bereits zurückgenommen und die Natur dominiert, wenn auch nach wie vor meist als Kulisse der Szenerie, das Bild. Die gezeigte Landschaft ist nicht real, sondern nach strengen Kompositionskriterien komponiert und idealisiert. Es wird auf antike Architektur zurückgegriffen und diese als einzelne Elemente mit in das Gemälde integriert. Inhaltlich dominieren dabei antike Mythologien und Bibelszenen.
Die heroische Landschaftsmalerei legte den Grundstein für eine nach und nach menschenleerere Szenerie im Bild. Oft tauchte der Mensch nur noch als Staffage Figur im Werk auf. Das bedeutet, dass eine einzige Person als Miniatur im Bild regelrecht versteckt wurde, die Landschaft demnach dominierendes Bildelement war und der Mensch für den Betrachter nur als "Eye-catcher" fungierte.
Erstmals allumfassend intensiv befassten sich die niederländischen Künstler ab dem 17. Jahrhundert mit der Landschaft (Pieter Brueghel, Jan van Goyen, Jacob von Ruisdael). Dies geschah jedoch sehr individuell: See-, Meeres-, Ackerland-, Gebirgs- oder Waldlandschaften wurden in unterschiedlichen Stimmungen nicht nur gemalt, sondern auch radiert (Rembrandt). Im Italien des 18. Jahrhundert wurde die reine Landschaftsdarstellung um das Element der Architektur bereichert und es wurden vermehrt Veduten, also exakte Darstellungen einzelner Orte und Städte angefertigt. Künstler wie Canaletto, Belloto oder Guardi sind dafür heute noch international bekannt. Letzterer machte sich zusätzlich durch seine Capriccios einen Namen: Hier werden Landschaften dargestellt, die aus realen und erfundenen Elementen zusammengesetzt wurden.
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Der Beginn der Moderne wurde besonders in der Landschaftsmalerei sichtbar. William Turner, Caspar David Friedrich, Gustave Courbet, Paul Cézanne oder auch Vincent vanGogh stellten ihre Landschaften jeweils völlig unterschiedlich dar. Besonders für die Vertreter der Romantik rückte nun eine sinnliche Komponente in den intentionalen Vordergrund. Natur als zentrales Element der Romantik wird entweder glorifizierend gezeigt oder als Stimmungsträger verwendet. Ganz anders als im Realismus, wo auf eine fast fotorealistisch genaue Wiedergabe Wert gelegt wurde (John Constable, Karl Blechen, Camille Corot). Erst im Impressionismus lockerte sich dieser strenge, perfektionistische Charakter wieder zu Gunsten des Zeitgeistes auf. Künstlern wie Claude Monet war es wichtig, den spontanen Eindruck sowie das Spiel von Licht und Farbe im Bild einzufangen und nicht nur eine bloße Wiedergabe der Realität abzuhalten.
Ab dem 20. Jahrhundert findet sich eine Vielzahl unterschiedlichster, jedoch zeitlich parallel entstehender Versionen des Landschaftsbildes: exotisch (Paul Gauguin), expressiv (Ernst Ludwig Kirchner), fotorealistisch (Gerhard Richter), plakativ (David Hockney), abstrakt (Clyfford Still) usw.
oder Die Freiheit führt das Volk an bedarf es kaum einer weiteren Definition, denn Bildinhalt und Darstellung erklären bereits für sich, wofür der Begriff Historienmalerei steht. Dennoch soll natürlich hier eine Erklärung mit Bezugnahme auf hilfreiches Hintergrundwissen nicht fehlen.
Innerhalb dieser Gattung befassen sich die Künstler mit der Darstellung von Momenten aus der Geschichte, wobei ebenfalls solche von religiösem oder auch mystischem Hintergrund Berücksichtigung finden. Dabei wird vor allem auf das Einfangen und Wiedergeben der jeweils vorliegenden Stimmung Wert gelegt. Daher wird meist auch auf eine natürliche Darstellungsweise geachtet. Dies zog teilweise eine beinahe unerträgliche Bedrückung mit sich, wie sie die Verstorbenen, Halbtoten und Verzweifelten auf dem Floß der Medusa ihrem Betrachter auferlegen. Dennoch muss das Gezeigte nicht der Realität entsprechen: Da Historienbilder oft auch von Königen und Herrschern in Auftrag gegeben wurden, lag den Gemälden eine idealisierende Intention zu Grunde. In diesem Sinne wurde auch allegorisch gearbeitet, wie beispielsweise die Personifikation der Freiheit als kämpferische Frau mit erhobener, zerstörter Landesfahne in Die Freiheit führt das Volk an. Eine in das Bildzentrum gerückte Person, wie im eben erwähnten Kunstwerk, die als Heldenfigur fungiert, ist ebenfalls ein typisches Merkmal für die Historienmalerei. Es kann sich dabei auch um einen Antihelden handeln oder eine bereits tote Person, wie in Der Tod des Marat. Gerade dieses Bild sticht innerhalb dieser Gattung hervor, da der Bildraum sehr entleert ist und sich das Geschehen rein auf die Darstellung des Getöteten bezieht.
Von Historienmalerei wird erst ab dem 15. Jahrhundert gesprochen. Bis heute ist diese Gattung auch für Historiker von Bedeutung. Oft bedarf es künstlerischer Darstellungen bestimmter Ereignisse, um anderweitige Quellen vollständig dechiffrieren und deuten zu können.
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Beim Porträt handelt es sich gemäß des französischen Begriffes
portrait
um ein Bildnis. Nach allgemeinpopulärer Auffassung wird in der
Porträtmalerei eine oder mehrere Personen dargestellt. Der Fokus liegt dabei auf dem gezeigten Mensch, von dessen Körper unterschiedlich viel gezeigt werden kann. Im traditionellen Verständnis konzentriert sich das Porträt auf das Gesicht, jedoch werden je nach gewähltem Ausschnitt verschieden Porträtarten differenziert: Wird nur der Kopf gezeigt, spricht man von einem Kopfstück, dementsprechend erweitert sich der Ausmaß des Gezeigten schrittweise als Büste (oder Schulterstück), Brustbild, Hüftbild, Kniestück oder Ganzfigur. Von einem Studienkopf ist die Rede, wenn es sich lediglich um eine Skizze handelt. Je nachdem wie viele Personen dargestellt sind, kann dies zusätzlich je nach Anzahl als Doppel-, Dreifach- oder Gruppenporträt bezeichnet werden.
Möchte man ein Porträt überaus detailliert beschreiben, kann auch die Haltung des Kopfes erwähnt werden. Die Frontalansicht, also der zentrierte Blick auf das gesamte Gesicht von vorne, wird auch als en face bezeichnet. Geht man von dieser Position aus und lässt die Haltung allmählich ins Profil, also die seitliche Darstellung, übergehen, finden sich dazwischen das Dreiviertelprofil, Halbprofil sowie Viertelprofil. Ist das Gesicht kaum zu erkennen da der Blick des Betrachters nur eine Ansicht des Hinterkopfes mit spärlich dargestelltem Gesicht erlaubt, ist von einem verlorenen Profil die Rede. Grundsätzlich verfolgt das Porträt die Intention, den gezeigten Mensch beschreibend darzustellen. In Herrscherporträts wurden daher ebenso typische Symbole im Bild mit integriert wie auch bei der Darstellung einer Magd.
Die meisten Künstler befassten sich zu einem Zeitpunkt ihrer Laufbahn mit dem Porträt oder Selbstporträt, sei es zu Studienzwecken oder als geldbringende Auftragsarbeit. Besonders beliebt war diese Gattung im 17. Jahrhundert. Ab der Entwicklung und kommerziellen Nutzung der Fotografie erfreute sich die Gattung neuer Beliebtheit und ist bis heute nicht wegzudenken.
Detaillierter beschrieben ist vor allem die Entwicklung dieser Gattung sehr interessant, die erst einsetzen konnte, als nach der Gotik ein Umbruch in Denken, Wahrnehmung und Anspruch der Menschen stattfand. Die Malerei war nicht länger nur ein Mittel der Verbildlichung, sondern wurde erstmals auch als Zeigen des Könnens eines Künstlers verstanden. Dieses Können fand sein Maxim in einer möglichst naturalistischen Darstellung verschiedenster Gegenstände. Diesem Ziel wiederum lag ein erst jetzt von Bedeutung gewinnender Naturalismus zu Grunde. Zusätzlich entwickelte sich ein großer Gefallen an symbolischen Bildern, was durch diese neue Gattung wie durch keine andere erfüllt wurde. Besonders das Vanitas (=Vergänglichkeit) Stillleben war daher sehr beliebt: Hier werden Gegenstände wie heruntergebrannte Kerzen, Totenschädel, faulendes Obst, vertrocknete Blumen oder abgelaufene Sanduhren symbolträchtig arrangiert, um den Betrachter mit erhobenem Finger memento mori (=bedenke, dass du sterblich bist) zu mahnen. Eine Steigerung dessen fand sich in Frankreich, wo von Nature morte gesprochen wurde und der
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Manuela C. Müller, 2012, Ratgeber Werkanalyse, München, GRIN Verlag GmbH
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