Inhaltsverzeichnis
0. Prolog 2
1. Einleitung 3
2. Zur Person Karl Barths 4
3. Darstellung 5
3.1 KD III,3 §48: Die Lehre von der Vorsehung, ihr Grund und ihre Gestalt 5
3.1.1 §48,1: Der Begriff der göttlichen Vorsehung. 5
3.1.2 §48,2: Der christliche Vorsehungsglaube 6
3.1.2.1 Der christliche Vorsehungsglaube als Annehmen des Wortes Gottes 7
3.1.2.2 Der christliche Vorsehungsglaube als direkter Glaube an Gott selbst 7
3.1.2.3 Der christliche Vorsehungsglaube als Christusglaube 8
3.1.3 §48,3: Die christliche Vorsehungslehre 8
3.2. §49,3: Das göttliche Regieren 11
3.2.1 Zeichen und Zeugnisse der Weltherrschaft Gottes 15
3.2.1.1 Die Geschichte der Heiligen Schrift 15
3.2.1.2 Die Geschichte der Kirche 15
3.2.1.3 Die Geschichte der Juden 16
3.2.1.4 Die Begrenzung des menschlichen Lebens 18
4. Kritische Würdigung 20
4.1 Bundesgeschichte und Kreaturgeschichte 20
4.2 Theodizee 21
4.3 Die Zeugnisse für Gottes Weltherrschaft 24
4.4 Menschliches Gebet und göttliche Regierung 26
4.5 Von der Freiheit der Erwählten. 27
5. Fazit 28
6. Epilog. 30
7. Literaturverzeichnis. 31
1
1. Einleitung
„Der göttlichen Weltregierung auf der Spur“, so lassen sich wohl die Paragraphen 48 und 49 der Kirchlichen Dogmatik Karl Barths überschreiben. Als einer der wenigen Theologen des 20. Jahrhunderts legt Karl Barth in seiner Kirchlichen Dogmatik einen umfangreichen Entwurf einer Vorsehungslehre vor. Ziel dieser Arbeit soll es sein, die §48 sowie §49, 3 darzustellen, theologischkritisch zu würdigen und dabei auftretende Spannungen und Fragen anzureißen und zu diskutieren.
In der Zeit der Abfassung dieser Arbeit stellte eine Kommilitonin während einer Kaffeepause folgende, im Scherz gemeinte, Frage: „Warum hat Gott eigentlich sein Altes Testament nicht vernichtet, nachdem er das Neue fertig hatte?“ Diese Frage mutet auf den ersten Blick etwas absonderlich an, hat aber für die vorliegende Arbeit durchaus einen bedenkenswerten Kern. Barth stellt in seiner Lehre von der Vorsehung dar, welche Verbindungen es zwischen den Zeugnissen des Alten und des Neuen Testamentes gibt. Vor allem stellt er dar, welche Bedeutung diese Zeugnisse für die Vorsehungslehre haben. Barth versucht einen Bogen zu schlagen von der alles begründenden Erwählung Gottes, über seine biblisch belegten Selbstoffenbarungen, hin zum Wirken Gottes im Leben des Einzelnen. Ihre Relevanz bekommt diese Vorsehungslehre in ihrer christozentrischen Argumentation und in der biblischen Füllung des altprotestantischen Denkmodells der Vorsehungslehre.
Folgende Hinweise sollen zur Orientierung bei der Lektüre dienen: Nach einer kurzen Darstellung des Lebens von Karl Barth folgt die Darstellung der genannten Paragraphen. Die Zitierung des Originaltextes erfolgt dabei ausschließlich nach alter deutscher Rechtschreibung. Aufgrund des Umfangs der vorliegenden Arbeit wird, sofern dies möglich ist, auf die historischen Vergleiche Karl Barths verzichtet. Die Darstellung wird sich darum auch auf die wesentlichsten Inhalte zu beschränken haben. Weiterhin bietet Barths Kirchliche Dogmatik eine Fülle an Themen und Inhalten. Darin liegt die Schwierigkeit einer Kritik, dass sich sicherlich fast alle kritisch angefragten Fragen anderswo in seiner Kirchlichen Dogmatik beantwortet finden lassen. Ich werde mich, im Blick auf den begrenzten Umfang dieser Arbeit, bei meinen Ausführungen dennoch auf §§ 48 und 49, 3 beschränken und, soweit dies möglich ist, andere Ausführungen in Barths Dogmatik außen vor lassen. Dies mag die Gefahr in sich bergen, dass Probleme oder Fragen nur einseitig dargestellt und besprochen werden. Jedoch liegt der Fokus dieser Arbeit auf der Darstellung der Vorsehungslehre und auf Problemen und Fragen, die dem Verfasser bei der Darstellung derselbigen aufgefallen sind. Die angesprochenen Fragen und Probleme in Kapitel 4 können dabei jedoch nur als
3
Problemdarstellung und Denkansätze gelten. Eine erschöpfende theologische Bearbeitung dieser Probleme kann diese Arbeit kaum leisten. Letztlich sei erwähnt, dass sich alle Zitate von Karl Barth, wenn nicht explizit anders angegeben, auf Band III/ 3 der Kirchlichen Dogmatik beziehen.
2. Zur Person Karl Barths
Karl Barth, der am 10. Mai 1886 in Basel geboren wurde, gilt als einer der bedeutendsten Theologen seit Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher. 2 Sein Wirken und literarisches Werk hat das „Selbstverständnis der christliche[n] Theologie über die Konfessionsgrenzen hinaus erheblich verändert.“ 3 1908 schloss er sein Theologiestudium in Basel ab. 1911 trat er seine erste Pfarrstelle in Safenwil/ Schweiz an. Während seiner Zeit in Safenwil entstand eine enge Freundschaft mit Eduard Thurneysen. Die Freundschaft und Korrespondenz mit Thurneysen, sowie die Konfrontation mit der sozialen Notlage vieler Menschen in Safenwil prägten Barth und seine Theologie nachhaltig. In der Safenwiler Zeit kam es auch zu kurzzeitigen Kontakten mit dem religiösen Sozialismus.
Das Verhalten und die Verlautbarungen seiner theologischen Lehrer im I. Weltkrieg führten zu einem Bruch mit der liberalen Theologie. Obgleich ohne akademische Befähigung, wurde ihm 1921 eine Honorarprofessur für reformierte Theologie in Göttingen angetragen, die er auch annahm. Den Ruf nach Göttingen erhielt er nach der Veröffentlichung der ersten Auflage seines Römerbriefkommentars im Jahr 1919, dieser wurde zu einem „Aushängeschild“ der dialektischen Theologie. Bereits 1922 folgte eine völlig überarbeitete Auflage des Kommentars.
Von 1925 bis 1929 war Barth Professor für Dogmatik und Neutestamentliche Theologie in Münster, ab 1930 Professor für systematische Theologie in Bonn. Hier entstand auch der erste Band der Kirchlichen Dogmatik (KD). 4 Am 31.05.1934 wurde in Barmen die „Barmer Theologische Erklärung“ verabschiedet, die weitestgehend von ihm erarbeitet wurde. Im folgenden Jahr wurde er in den Ruhestand versetzt, da Barth sich weigerte den uneingeschränkten Eid auf den „Führer“ abzulegen. Bis zu seiner Emeritierung lehrte Barth in Basel. Barth verstarb am 10.12.1968 ebenda. Als sein Hauptwerk ist die unvollendet gebliebene Kirchliche Dogmatik zu nennen, die die Grundlage für die vorliegende Arbeit darstellt. 5
2 JÜNGEL, Eberhard: Karl Barth in: TRE 5, 251.
3 Ebd.
4 Vgl. a.a.O. 253.
5 Vgl. a.a.O. 254.
4
3. Darstellung
3.1 KD III,3 §48: Die Lehre von der Vorsehung, ihr Grund und ihre
Gestalt
Die „Lehre von der Vorsehung“ umfasst die die gesamte Weltgeschichte. Also die Geschichte eines jeden geschaffenen Seins. Die Vorsehungslehre beschreibt die Weltgeschichte in der Hinsicht, in der sie unter der Herrschaft Gottes verläuft, dessen Wille in seinem Bundesschluss und im Geschehen um Jesus Christus zum Ausdruck kommt. 6
3.1.1 §48,1: Der Begriff der göttlichen Vorsehung
Im dritten Teil seiner Kirchlichen Dogmatik stellt Karl Barth den Schöpfer mit seinem Geschöpf gegenüber. Daraus ergibt sich die Frage nach der Vorsehung 7 , der providentia dei. Er bringt die Vorsehungslehre in Zusammenhang mit der Lehre von der Schöpfung zur Sprache, und nicht - wie z.B. die Prädestinationslehre - mit der Lehre von Gott, wie es die Scholastiker taten. Die Prädestination ist ein „ewiges Dekret“ 8 , das die Voraussetzung des Schöpfungsaktes ist. Die Vorsehungslehre ist gleichsam die „Ausführung dieses Dekretes,“ 9 sie setzt aber den Schöpfungsakt als bereits geschehen voraus. Barth kann daher Vorsehung als „überlegene(s) Handeln des Schöpfers mit seinem Geschöpf, die Weisheit, Allmacht und Güte, in der er diese von ihm verschiedene Wirklichkeit als solche nach Maßgabe seines eigenen Willens in der Zeit erhält und regiert“ 10 definieren. Das Sein Gottes und seine „Gnadenwahl“ kommt in der Beziehung zwischen Schöpfer und Geschöpf zum Ausdruck. Aus diesem Grund muss die Vorsehungslehre auf dieses Verhältnis bezogen werden. Gott wäre als sich selbst untreu zu bezeichnen, wenn es nach dem Vollzug der Schöpfung die Vorsehungslehre nicht geben würde. 11
Aus der Verschiedenheit von Schöpfung und Vorsehung leitet Barth die Zusammengehörigkeit dieser beiden ab. Schöpfung ist ein „nicht wiederholter und nicht wiederholbarer, in und mit der Zeit anhebender und in der Zeit abgeschlossener Akt.“ 12 Das Geschöpf setzt mit seinem Sein diesen
6 Vgl. BARTH, Karl, Kirchliche Dogmatik III,3 §§48-49, 1. Im Folgenden beziehen sich alle Zitate von Karl Barth, wenn nicht explizit anders angegeben, auf Band III/ 3 der Kirchlichen Dogmatik.
7 Der Begriff der Vorsehung leitet sich aus den biblischen Texten Gen 22,14.8 ab. Die Diskussionen um diese Stelle sind weitreichend und können an dieser Stelle nicht weiter dargestellt werden. Vgl. BARTH, KD, 1.
8 A.a.O. 3.
9 Ebd.
10 A.a.O. 1.
11 Vgl. a.a.O. 3.
12 A.a.O. 4.
5
Akt voraus, es braucht allerdings zu seiner Erhaltung noch ein weiteres Handeln Gottes, die Vorsehung. „Die Vorsehung betreut und bestätigt das Werk der Schöpfung.“ 13 Schöpfung und Vorsehung sind also nicht identisch, vielmehr ist die Schöpfung die Begründung des Verhältnisses zwischen Schöpfer und Geschöpf. Die Vorsehung ist seine Weiterführung und Zuwendung, und somit ein Beweis der Treue des Schöpfers zu seinem Geschöpf. 14 Auch wenn die beiden Bereiche nicht identisch sind, so gehören sie doch eng zusammen, da es in beiden „um den gleichen Bereich des göttlichen Tuns und der christlichen Erkenntnis“ 15 geht - um das Verhältnis zwischen Schöpfer und seinem Geschöpf.
Der Sinn der Vorsehungslehre liegt nun darin, dass „Gott der Schöpfer als solcher sich in seinem Geschöpf als solchem im Akt der Schöpfung als Herr seiner Geschichte zugesellt hat und ihm als solcher treu bleibt. 16 Darin ist von einer „Koexistenz“ zu sprechen, in der der Schöpfer seinem Geschöpf koexistiert und sein Geschöpf in den von ihm gegebenen Voraussetzungen und Bedingungen leben darf. 17 Somit wird das Geschöpf, egal was ihm auch widerfährt und wie es auch handelt, „der Herrschaft seines Schöpfers weder entrinnen noch verloren gehen.“ 18 Ferner ist auch festgehalten, dass sich kein Ereignis außerhalb der göttlichen Herrschaft und außerhalb des göttlichen Willens vollzieht und vollziehen kann. 19
3.1.2 §48,2: Der christliche Vorsehungsglaube
„Der Glaube an Gottes Vorsehung ist die praktische Erkenntnis, daß dem so ist, wie wir es jetzt [in § 48,1] umrissen haben.“ 20 Im Vorsehungsglauben versteht das Geschöpf seinen Schöpfer als denjenigen, der ihn „erhaltend, mitwirkend und regierend voran, zur Seite“ 21 steht und vorangeht. Dieser Gedanke ist nicht als Gedankenspiel zu verstehen, sondern wird darin konkret, dass sich der Gläubige dankbar der Führung seines Schöpfers unterstellt. Was Vorsehungsglaube praktisch bedeutet, macht Barth an drei Punkten deutlich.
13 BARTH, KD, 4.
14 Vgl. a.a.O. 5 und 7.
15 A.a.O. 7.
16 A.a.O. 12.
17 Vgl. ebd.
18 Ebd.
19 Vgl. a.a.O. 13.
20 A.a.O. 14.
21 Ebd.
6
3.1.2.1 Der christliche Vorsehungsglaube als Annehmen des Wortes Gottes
Christlicher Vorsehungsglaube bedeutet ein „Hören, Vernehmen und Annehmen des Wortes Gottes,“ 22 nämlich insofern, das Gott die Geschichte des Geschöpfes lenkt und somit auch zu einer Geschichte seiner Heiligkeit macht. In dieser Hinsicht geht es nicht um ein Begreifen oder Behaupten, sondern um ein Glaubensbekenntnis. Der christliche Vorsehungsglaube grenzt sich von daher von der Vorstellung ab, er sei „eine Meinung, ein Postulat, eine Hypothese über Gott, die Welt, den Menschen […], als wäre er eine „fromme Weltansicht“ [...]“ 23 . Denn er ist allein auf Gottes Wort gegründet ist und kann nur von daher leben. Somit ist er ein „objektiver Sachverhalt“, der begründeter steht als jede „unstabile Weltansicht.“ 24 Christlicher Vorsehungsglaube ist auch darin Glaube, dass der Mensch sich nicht aus eigener Kraft anschickt an Gottes Herrschaft zu glauben, sondern dass er ausgewählt wurde, daran zu glauben. Aufgrund dieser Erwählung kann es der Mensch nicht unterlassen an Gottes Vorsehung zu glauben und diese zu bekennen.
3.1.2.2 Der christliche Vorsehungsglaube als direkter Glaube an Gott selbst
„Der christliche Vorsehungsglaube ist auch darin Glaube im strengen Sinn des Begriffes, daß er (nun im Blick auf seinen Gegenstand gesagt) einfach und direkt Glaube an Gott selber ist.“ 25 Der Gläubige kann sich daher darin bewusst sein, dass er es in allen Widerfahrnissen des Lebens und der Geschichte mit Gott zu tun hat, der darin der Weltregent ist. Somit kann auch nichts geschehen, was nicht Gotteswille ist. Damit ist auch ausgeschlossen, dass der Weltlauf an den Geschöpfen oder ihren Bestimmungen hängt. Dies ist wiederum ein Glaubenssatz, da die „Geschichte der Herrlichkeit Gottes“ und die Herrschaft im Weltgeschehen verborgen in und unter der Geschichte der Kreatur verlaufen und somit der Gläubige nur Gottes Wort glauben kann. 26 Der Glaubensgegenstand kann also immer nur Gott selber sein und nichts anderes kann an dessen Stelle treten. Somit kann der Weltlauf auch keine Geschichtsphilosophie oder eine menschliche Konzeption sein, die als Glaubensgegenstand gilt. 27 Der Vorsehungsglaube schließt solche Konzeptionen nicht aus, aber er begrenzt sie. Der Gläubige wird diese Konzeptionen gleichsam als Hilfsmittel verstehen, aber eben nicht an sie, sondern an Gottes Vorsehung glauben. Der entscheidende Unterschied zwischen einer Geschichtsphilosophie und dem christlichen Vor-
22BARTH, KD, 15.
23 A.a.O. 17.
24 Ebd.
25 A.a.O. 18f.
26 Vgl. a.a.O. 20f.
27 Vgl. a.a.O. 22.
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Jan Quenstedt, 2011, Der göttlichen Weltregierung auf der Spur, München, GRIN Verlag GmbH
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