Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung: Theodor Litt: Bildung vs. Erziehung 3
2. Theodor Litt: Führen oder Wachsen lassen 3
3. Kritik an Theodor Litt 6
4. Bildung und Erziehung in der Bundesrepublik Deutschland 6
5. Verbesserungsvorschläge und Fazit 7
Literaturverzeichnis 10
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1. Einleitung: Theodor Litt: Bildung vs. Erziehung
Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Streitfrage, wie Bildung und Erziehung zu sein haben und zu verstehen sind.
„Der einzelne Mensch ist in der Dynamik der großen kollektiven Mächte hineinverflochten, hat jedoch trotz dieser schicksalshaften Verflechtung sein je eigenes, unableitbares und unaufgebbares, mit persönlicher Verantwortung und Entscheidung beladenes Sein“ (Reble 1999: 369). Dieser Zusammenhang ist als existentielle Aufgabe zu bewältigen und muss anerkannt werden nach Theodor Litt. Die Erziehung soll dem Menschen dabei helfen durchzuhalten bei anthropologischen Spannungen und Einseitigkeiten und Selbsttäuschungen verhüten (nach Reble 1999: 369). Der Erzieher soll „Anwalt des Geistes“ als auch „Anwalt des Kindes“ sein. Das heißt, er setzt sich auseinander mit der geistlich geschichtlichen Gesamtlage und er zwängt dem Kind nicht seine Haltung auf. Weder führt er noch lässt er wachsen, sondern er führt in die „Welt der Werte, Gehalte und Aufgaben des Kulturlebens“ ein (Reble 1999: 371).
Um die demokratische Grundordnung zu schützen benötigt man Haltung und die Einübung des rechten Stils, die durch politische Bildung vermittelt werden soll. Litt „bestimmt die Pädagogik als Geisteswissenschaft, deren Organ das konkrete, lebenerfüllte, in der Ich-du-Beziehung wurzelnde >>Verstehen<< ist“ (Reble 1999: 370).
Erziehung als Führung zu identifizieren ist verhängnisvoll, wie das Dritte Reich zeigte. Jedoch ist Pädagogik als Wachsenlassen genauso verhängnisvoll.
2. Theodor Litt: Führen oder Wachsenlassen
Was ist Bildung und was ist Erziehung?
Theodor Litt meint mit führen die Erziehungsseite und mit wachsen die Bildungsseite.
Wachsenlassen ist „ein Geschehenlassen, das den Verzicht auf jeglichen Eingriff gleichkommt“ (Litt 1962: 17,18). Man schaut einfach nur zu und entbindet sich jeglicher Verantwortung. Das bedeutet man untersagt jegliche erzieherische
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Initiative. Selbsterziehung ist die Forderung des Wachsenlassens. Jedoch kann dies als Gleichgültigkeit des Erwachsenen gegenüber dem Kind oder Jugendlichen aufgefasst werden.
„[D]er Geist, der durch [die Menschen] wirkt [beim Wachsenlassen], ist […] ein im tiefsten Sinne bildnerischer Geist, weil er einerseits der Seele alles das zuführt, dessen sie bedarf, um wahrhaft Form werden zu können, zugleich aber nichts mit sich bringt, was diese Formwerdung eindeutig vorherbestimmte, mithin sie aus der Eigenrichtung des Werdens herausrisse“ (Litt 1962: 51). Die Sprache ist frei von Formbestimmung und „lebt nur im Gegenwärtigen, in der Besonderheit ihrer aktuellen Zeitgestalt, und ist doch zugleich in dieser ihrer Aktualität ein Überaktuelles“ (vgl. Litt 1962: 51). Das bedeutet, dass die Sprache den „idealen Gehalten der Bildung“ entspricht (vgl. Litt 1962: 52). Die Theorie der Bildung müht sich ab, „die Elemente unseres kulturellen Daseins zu einem befriedigenden Ganzen ineinanderzufügen“ (vgl. Litt 1962: 56). Dem Bildungsideal zu entsagen bedeutet hier der Erziehung Lebens- und Wirkungsbedingungen die gebotene Achtung zu erweisen (vgl. Litt 1962: 57). „[E]ine Erziehung, die ihre Einzelforderungen aus einem vorgefaßten Menschenideal als ihrem „Zweck“ herleiten wollte, würde unter Umständen die größte Not haben, diejenigen Gegenstände und Funktionen im Bildungsplan unterzubringen, die nicht sowohl in irgendwelchen idealen Motiven als vielmehr in den höchst realen Lebensnotwendigkeiten der staatlich-gesellschaftlichen Wirklichkeit ihre Grundlage haben“ (Litt 1962: 57,58). Zu Führen läuft demnach dem Geist echter Bildung zu wider (vgl. Litt 1962: 62). Wachsenlassen hat den „Anspruch, die Gestalt des Werdenden vorauszusehen, vorauszubestimmen [und wird] an allen Stellen und in jeder Form zurückgewiesen“ (Litt 1962: 63). Jedoch ist die „Begegnung von Leben und Idee, in der wir das Wesen echter Bildung fanden, doch nichts weiter als die einseitige Freisetzung dessen, was der Mensch „in“ sich mitbringt“ (Litt 1962: 63).
Zu Führen bedeutet zu wissen „wo das Ziel liegt“ und man „kennt den Weg, auf dem man zum Ziele gelangt“ (Litt 1962: 20). In der Haltung des Führers ist das Ziel ohne Weisungen nicht erreichbar. Der Führer ist Anwalt der Zukunft und sagt sich los von Gegenwart und Vergangenheit. Wer kann jedoch mit Sicherheit sagen, was die Zukunft sein wird? Geführt zu werden kann als Vergewaltigung oder
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Arbeit zitieren:
Nadja Buchelt, 2010, Theodor Litt: Bildung vs. Erziehung, München, GRIN Verlag GmbH
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