Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1
Formanalyse und Inhalt des Tageliedes Der helden minne 4
2
2.1 Inhalt 4
2.2 Metrik und Form 4
Interpretation nach Peter Wapnewski 5
3
Überblick über die Forschungsdiskussion 9
4
Fazit 10
5
Literaturverzeichnis 12
6
6.1 Primärliteratur 12
6.2 Sekundärliteratur 12
2
1 Einleitung
Wolfram von Eschenbach ist weithin für seine Tagelieder bekannt, die von leidenschaftlicher Intensität, spannungsreicher Dichte und vitaler Unmittelbarkeit personell erfüllter Liebe geprägt sind. 1 In der folgenden Arbeit wird näher auf sein fünftes 2 und letztes Tagelied Der helden minne, also der heimlichen Liebe, eingegangen. Dieses Tagelied steht am Ende eines Zyklus, zu dem noch genauer Stellung genommen wird, und nimmt sowohl dadurch als auch durch seine „Aussage“, die im Folgenden näher erläutert wird, eine besondere Stellung ein. Nachdem ein Überblick über die Form und den Inhalt des Tageliedes gegeben wurde, beschäftigt sich die Arbeit zu ihrem Großteil mit der Ansicht und Forschungsmeinung von Peter Wapnewski, der sich in seinem Aufsatz ‚Das fünfte Lied - Der helnden 3 minne’ in „Die Lyrik Wolframs von Eschenbach. Edition. Kommentar. Interpretation.“ mit eben diesem auseinander gesetzt hat. Bevor ein Fazit die Quintessenz zur Interpretation darzustellen versucht, gibt die Arbeit noch einen kurzen Überblick über die Forschungssituation. Doch was versteht man eigentlich genau unter der Gattung „Tagelied“? De Gruyter versuchte bereits 1887 das Tagelied folgendermaßen zu definieren: „Das tagelied - im weitesten Sinne gefaßt - hat zum gegenstand den lyrischen
ausdruck der empfindung liebender, die nach einem durch die nacht begünstigten zusammensein der tagesanbruch trennt.“ 4
Trivial gesagt: Tagelieder handeln vom Abschied Liebender nach einer gemeinsam verbrachten Nacht. 5 Der Tagesanbruch wird meist von einem Wächter verkündet, der die Liebenden mahnt, auseinanderzugehen. Wolfram nimmt nun, aufgrund der poetischen Exzeptionalität seiner fünf Lieder, eben angesprochener Wächterfrage
1 Vgl. Wapnewski, Peter: Die Lyrik Wolframs von Eschenbach. Edition, Kommentar, Interpretation. München 1972, S. 156.
2 Die Zählung der Tagelieder richtet sich nach ihrer Anordnung in der von Martina Backes ausgewählten, übersetzten und kommentierten Fassung von „Tagelieder des deutschen Mittelalters“, in der Der helden minne am Ende des Tageliederzyklus’ von Wolfram von Eschenbach als fünftes seiner Lieder aufgeführt wird.
3 Vgl. Backes, Martina: Tagelieder des deutschen Mittelalters. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart 2003, S. 249: helden = helnden, Partizip Präsens von heln ‚geheim halten, verstecken’.
4 W. de Gruyters, 1887, 1, in: Koop, Ulrich: Das mittelhochdeutsche Tagelied. Inhaltsanalyse und literarhistorische Untersuchungen, Marburg 1976, Marburger Beiträge zur Germanistik, Band 52, S. 3.
5 Vgl. Ruh, Kurt: Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur, Band 109, Wiesbaden 1980, S. 314.
3
und den chronologischen Verhältnissen, in der Tagelieddichtung eine Schlüsselstellung ein. 6
2 Formanalyse und Inhalt des Tageliedes
Wolfram von Eschenbachs Tagelied Der helden minne ist sowohl in der Weingartner Liederhandschrift in HS. B als auch in der Großen Heidelberger bzw. Manessischen Liederhandschrift in HS. C überliefert. Als gemeinsame Vorlage diente BC, in denen das Tagelied an vierter und fünfter Stelle steht, also von Parodie und Wächter-Selbstauffassung eingerahmt wird. 7
2.1 Inhalt
In Der helden minne lässt sich feststellen, 8 dass ein Sprecher-Ich zunächst die übliche Tagelied-Situation beklagt. Schlagwörter wie minne, klage, scheiden, morgensterne und wahtaere fallen. Liebe und Zärtlichkeit waren nur unter der Bedingung möglich, dass sich die Liebenden bei Tagesanbruch wieder trennen mussten: alsô empfienc / daz si sich muosen scheiden, -. Dem Wächter wird verdeutlicht, dass er schweigen möge, denn nur derjenige kann den neuen Tag in aller Ruhe erwarten, der sich nicht vor den Aufpassern fürchten und verstecken musste, wenn er die Nacht bei seiner Geliebten verbrachte. Und die einzige Liebe, die ohne ein solches Risiko auskommen kann, ist die eheliche Liebe: Ein offeniu
süeze wirtes wîp / kan sölhe minne geben.
2.2 Metrik und Form
Aber nicht nur inhaltlich, sondern auch formal nimmt das fünfte Tagelied eine Sonderstellung ein: Der helden minne besteht aus zwei Strophen mit jeweils zehn
6 Vgl. Koop, Ulrich: Das mittelhochdeutsche Tagelied. Inhaltsanalyse und literarhistorische Untersuchungen, Marburg 1976, Marburger Beiträge zur Germanistik, Band 52, S. 9.
7 Vgl. Wapnewski, Peter: Die Lyrik Wolframs von Eschenbach. Edition, Kommentar, Interpretation. München 1972, S. 148.
8 Vgl. Backes, Martina: Tagelieder des deutschen Mittelalters. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart 2003, S. 250.
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Arbeit zitieren:
Nicola Huber, 2011, Wolfram von Eschenbach: "Der helden minne" - Eine Interpretation nach Peter Wapnewski, München, GRIN Verlag GmbH
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