1 Einleitung
Wer kennt sie nicht, die Mehrkornroggenvollkornbrotmehlzulieferer; und auch die Feuerwehrrettungshubschraubernotlandeplatzaufseherin erfüllt einen wichtigen Beruf.
Doch wie kommt es zu Komposita, also zusammengesetzten Wörtern, wie diesen und vor allem: Gab es sie früher schon? Oder sind Wörter einem ständigen Wandel unterlegen? Wirft man einen Blick auf die deutsche Sprache der letzten Jahrhunderte, fällt einem auf, dass viele Wörter früher, im Alt-‐ oder Mittelhochdeutschen, anders zusammengesetzt waren als heute. Doch nicht nur die Komposita haben sich im Laufe der Jahrhunderte verändert, sondern auch die Suffixe.
Wenn es um die Erzeugung neuer Wörter geht, spricht man in der Morphologie von Wortbildung. Die Wortbildung ist ein wichtiger Teil der Morphologie, bei der man die Zusammensetzung von Wörtern untersucht.
Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich zunächst mit den morphologischen Grundbegriffen der Wortbildung; anschließend wird auf den Wortbildungswandel der deutschen Sprache eingegangen. 2 Wortbildung
Die Wortbildung ist ein Teil der Morphologie, bei der es um die „Bildung neuer Wörter aus bekannten Sprachelementen” (Draeger 1996: 8) geht. Somit kann diese als Wortschatzerweiterung angesehen werden. Neue komplexe Wörter werden auf der Basis bereits vorhandener sprachlicher Mittel gebildet.
2.1 Morphologische Grundbegriffe
Bei der Untersuchung der Wortbildung und des Wortbildungswandels ist es nötig, die morphologischen Grundbegriffe zu kennen. Das Morphem ist hierbei der wichtigste Grundbegriff. Unter einem Morphem versteht man die „kleinste bedeutungstragende sprachliche Einheit” (Römer 2006: 27). Das Wort “Kinder” ist zum Beispiel in die
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Morpheme “Kind” und “er” aufzuteilen. Den Wortkern bildet Kind mit der Bedeutung “Mensch, der sich in der Lebensphase der Kindheit befindet”, während es sich bei “-‐ er” um die Endung mit der grammatischen Funktion “Mehrzahl” handelt. Bei Morphemen unterscheidet man zwischen der Wurzel, dem unverzichtbaren lexikalischen Kern bei einem Wort, und den Affixen, die an die Wurzel gebunden sind. Im Gegensatz dazu kommen Wurzeln frei vor, was bedeutet, dass sie auch alleine stehen können. Bei den Affixen unterscheidet man zwischen zwei Formen: den Präfixen, die vor der Wurzel stehen, und den Suffixen, die hinter der Wurzel stehen. Ein wichtiger Unterschied zwischen Präfixen und Suffixen ist, dass Präfixe „oft >polygam< sind hinsichtlich der Wortart der Wurzel, vor die sie treten” (Meibauer, S.31). Im Gegensatz dazu sind „Suffixe tendenziell >monogam<, d.h. sie sind auf genau eine Wortart der Wurzel spezialisiert” (Meibauer 2007: 31). Des Weiteren wird bei Präfixen die Wortart beibehalten; so ist zum Beispiel sowohl klug als auch unklug ein Adjektiv. Bei Suffixen ändert sich allerdings sehr häufig die Wortart der Wurzel, so wird zum Beispiel aus dem Nomen Kind durch die Hinzufügung des Suffixes -‐ lich das Adjektiv kindlich und aus dem Verb ess-‐ durch Hinzufügung des Suffixes -‐ bar das Adjektiv essbar. Ein weiterer wichtiger Begriff neben der Wurzel ist der des Stamms. Ein Stamm ist ein Morphem oder „eine Morphemkonstruktion, an das bzw. an die Flexionsmorpheme treten können” (Meibauer 2007: 31).
Außerdem gibt es unikale Morpheme, die keine eigene Bedeutung haben und deswegen „ganz fest an ihren Wortkontext gebunden sind” (Meibauer 2007: 31), zum Beispiel Schorn(stein) und Him(beere).
Auch Fugenelemente tragen keine Bedeutung. Sie sind Verbidungselemente, die vor allem bei Nominalkomposita auftreten: Universität+s+gebäude, Staat+s+feind, Herz+ ens+ wunsch.
2.2 Arten der Wortbildung
Zu den Haupttypen der deutschen Wortbildung zählen die Komposition, die Derivation und die Konversion.
Bei der Komposition handelt es sich um ein Wort, das aus zwei oder mehreren vorhandenen Wörtern gebildet wird, z.B. Bilder+rahmen, Vogel+nest oder
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Haus+tür+schlüssel. Das folgende Beispiel beweist, dass deutsche Komposita sehr komplex sein können: Donau+dampf+schiff+fahrts+kapitäns+dienst-‐ handy.
Bei der Derivation unterscheidet man zwischen der expliziten und der impliziten Derivation. Von einer expliziten Derivation spricht man, wenn man ein Wort aus einem bereits vorhandenen Wort und einem Derivationsaffix bildet, z.B. An+pfiff oder lieb+lich. Es kann sich offensichtlich um Präfigierungen und Suffigierungen handeln. Eine Derivation nennt man implizit, wenn bei einem Wort ein Vokalwechsel stattfindet, z.B. werfen Wurf. Die implizite Derivation zählt zu der Konversion, bei deren Wörtern sich die Wortart ändert, z.B. V N: schau-‐ en Schau.
Neben der Komposition, Derivation und Konversion gibt es noch weitere Typen, u.a. die Kontamination. Bei der Kontamination handelt es sich um eine Wortkreuzung, bei der zwei Wörter so miteinander verschmelzen, „dass Wortmaterial aus den Originalwörtern
gelöscht wird” (Meibauer 2007: 33). Am Anfang oder am Ende des originalen Wortes wird Wortmaterial gekürzt, z.B. Eurasien (Europa + Asien) oder Bürotel (Büro + Hotel). 2.3 Wortstrukturen
Komplexe Wörter haben eine Struktur, die man in ihre Morpheme zerlegen kann, zum Beispiel die Derivation Herz-‐ lich-‐ keit. In diesem Fall ist Herz die Wurzel mit der Wortart Nomen, während -‐ lich und -‐ keit Suffixe sind. Auffallend ist, dass diese Elemente nur in dieser Reihenfolge auftreten können. Außerdem kann man erkennen, dass „bestimmte Elemente enger zusammengehören als andere” (Meibauer 2007: 34). Es gibt die Möglichkeit, diese Zusammengehörigkeit mit Hilfe von Klammern darzustellen: [herz+lich]+keit.
Des Weiteren kann man komplexe Wörter in Baumdiagrammen präsentieren:
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Arbeit zitieren:
Kira Wieler, 2008, Wortbildung und Wortbildungswandel, München, GRIN Verlag GmbH
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