Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Risiken für Kinder mit psychisch krankem Elternteil 5
2.1 Kindesvernachlässigung 5
2.2 Selbsterkrankungsrisiko der Kinder 6
2.3 Psychosoziale und kognitive Defizite 7
3. Handlungsansätze 8
3.1 Rechtliche Grundlagen 9
3.2 Unterstützung von Anfang an - Frühe Hilfen 10
3.3 Familienhilfe als pädagogische Dimension 12
3.4 Ein Netzwerk schaffen - Kooperation und Organisation
der Institutionen 13
4. Schluss 14
5. Literaturverzeichnis 16
2
1.Einleitung
„Als meine Mutter kurz nach der Geburt meines Bruders an Schizophrenie erkrankte, war ich
knapp drei Jahre alt. Meine Mutter war deshalb das erste und einzige Mal zwei bis drei
Monate in einer Klinik. Sie kam völlig verändert nach Hause. […] Sie war manchmal völlig
abwesend, saß nur auf dem Sofa und war nicht ansprechbar. Meinen Bruder, der ja noch ein
Baby war, behandelte sie nach Aussage meiner Tanten wie einen Gegenstand. Sie war nicht
in der Lage sich um ihn zu kümmern. Mein Vater war beruflich eingespannt und den ganzen
Tag über im Büro.“ ( Scherber, 2008, S. 14).
So oder so ähnlich beginnen viele Biographien von Kindern psychisch kranker Menschen. Hochrechnungen zufolge beläuft sich die Zahl der Betroffenen jährlich auf etwa drei Millionen, das heißt, „dass in der Bundesrepublik Deutschland etwa drei Millionen Kinder im Verlauf eines Jahres einen Elternteil mit einer psychischen Störung erleben.“ (Mattejat, 2008, S. 75). Deutlich zeigen sich die Hauptbelastungen, die mit einer Erkrankung mindestens eines Elternteils einher gehen. In jedem Fall ist ein „normales“ Familienleben nur begrenzt möglich. Nun liegt der Fokus aber meist auf der erkrankten Person. Oft werden Angehörige und Familie nur am Rande wahrgenommen, insbesondere wenn zwischen psychiatrischer Hilfe, sei es ambulant oder stationär und (sozial-) pädagogischen Angeboten kein adäquater Austausch herrscht. Dass aber gerade die Kinder hohen Belastungen ausgesetzt sind bleibt oft ungesehen. Deshalb ist es wichtig auch für sie schon früh eine Betreuung anzubieten, um die Gefahr von Verhaltensauffälligkeiten oder einer Selbsterkrankung im weiteren Lebenslauf zu minimieren. Hier kann nur ein Netzwerk greifen, das die Problemlagen aller Beteiligten mit einbezieht.
Aus diesem Grund beschäftigt sich diese Arbeit mit den Risiken, denen explizit die Kinder psychisch Kranker ausgesetzt sind und wie dem aus professioneller Sicht Abhilfe geschaffen werden kann, genauer: Wo und wie angemessen schon früh Unterstützung angeboten werden kann und welchen Problemen sich Institutionen und Eltern dabei gegenübergestellt sehen. Dabei gilt: Je eher diese greift, desto größer ist die Chance für das Kind eine stabile Entwicklung zu durchlaufen und schmälert das Risiko selbst zu erkranken.
3
Das erste Kapitel im Hauptteil dieser Hausarbeit beleuchtet die vielfältigen Risiken und Belastungen für Kinder, die in Familien mit einem psychisch erkrankten Elternteil vorherrschen. Es werden die drei wichtigsten Problemfelder näher beleuchtet. Zu Beginn fällt die Kindesvernachlässigung in den Fokus. Nach der Klärung des Begriffs wird die Frage beantwortet, wieso gerade in diesen Familien Kindesvernachlässigung beziehungsweise -misshandlung gehäuft vorkommt. Das Selbsterkrankungsrisiko der Kinder, welches zu zusätzlichen Ängsten und Unsicherheiten seitens der Eltern führen kann ist das zweite Problemfeld. Hier werden die Forschungsbeiträge der High-Risk-Forschung zur genetischen Vererblichkeit psychischer Störungen und den beeinflussenden Umweltfaktoren kurz erläutert. Kapitel zwei schließt mit den psychosozialen und kognitiven Defiziten von Kindern in psychisch belasteten Familien, die in solchen Konstellationen vermehrt auftreten. Dies beginnt schon im Säuglingsalter und kann bei fehlendem Eingreifen im weiteren Lebenslauf zu Entwicklungsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten führen. Kapitel drei beschäftigt sich mit den Handlungsansätzen, die Fachkräften und Professionellen bestimmter Institutionen wie Jugendhilfe oder Psychiatrie zur Unterstützung zu Verfügung stehen. Zunächst werden rechtliche Grundlagen der Gewährung von Hilfen und der Abwendung von Kindeswohlgefährdung seitens der Jugendhilfeeinrichtungen einleitend geklärt. Danach werden in Kapitel 3.2 Zugangswege und Beispiele für frühe Hilfen und ihre Wirkweisen erläutert. Im Zentrum steht hier die Hilfe für Eltern. Ein konkretes Hilfsangebot bildet die Familienhilfe, die Thema des nächsten Kapitels ist. Fachkräfte können unmittelbar mit ihren Kompetenzen in der Familie ansetzen, sehen sich jedoch zunächst gewissen Ausschlusskriterien, die die psychische Erkrankung der Eltern mit einbezieht, gegenüber gestellt. An einem konkreten Beispiel wird in Kapitel 3.4 die Planung und Umsetzung eines für die umfassende und direkte Hilfe so wichtigen kooperativen Netzwerks zwischen den einzelnen Institutionen veranschaulicht. Das Schlusskapitel fasst die Ergebnisse noch einmal zusammen und diskutiert und hinterfragt sie.
Im Folgenden werden der Übersichtlichkeit halber nur Familien mit jeweils einem erkrankten Elternteil beschrieben, da sich im Falle einer psychischen Erkrankung beider wiederum andere Problemfelder ergeben, die hier zu weit führen würden.
4
2. Risiken für Kinder mit psychisch krankem
Elternteil
Die Gefährdung für Kinder mit psychisch krankem Elternteil kann sehr vielseitig ausfallen. Wie das einleitende Beispiel zeigt ist es den Erkrankten oft nicht mehr möglich die Grundversorgung für ihr Kind zu gewährleisten, geschweige denn es durch eine gesunde Eltern-Kind-Beziehung in seiner Entwicklung zu fördern. Somit kann sich in extremen Fällen nicht nur eine psychische Vernachlässigung sondern auch eine physische ergeben. Deshalb soll im Folgenden das Hauptaugenmerk auf eben diesen Risiken liegen.
2.1 Kindesvernachlässigung
Es gibt verschiedene Ansätze Vernachlässigung zu beschreiben. Neben der körperlichen gibt es weiterhin die erzieherische und emotionale Komponente. Sie unterscheiden sich wesentlich in ihren Auswirkungen auf das Kind. Die körperliche Vernachlässigung zeichnet sich durch mangelnde Grundversorgung, also Ernährung, Hygiene, medizinische Versorgung etc. aus. Erzieherische und emotionale Vernachlässigung, nicht minder schwerwiegend, beinhalten das Fehlen von erzieherischen Maßnahmen, nicht genügend Aufmerksamkeit, Mangel an Feingefühl und Wärme um nur einige Beispiele zu nennen (Lenz, 2008, S. 21). Ein Charakteristikum der Vernachlässigung, im Gegensatz zur Kindesmisshandlung, ist „die andauernde oder wiederholte Unterlassung fürsorglichen Handelns sorgepflichtiger Personen […], welches zur Sicherstellung der physischen und psychischen Versorgung des Kindes notwendig wäre.“ (Schone, 2000, S. 445). Gerade Säuglinge und Kleinkinder, die in jeder Beziehung abhängig von ihren Eltern sind, treffen diese Arten der Vernachlässigung besonders schwer. Sie können ihre Mangelsituation nicht kompensieren oder öffentlich ausdrücken. Der Grundpfeiler für das Kindeswohl ist die Basisversorgung. Das Fehlen führt unweigerlich zu einer
5
Arbeit zitieren:
Martina Rona, 2011, Frühe Hilfen für Kinder mit psychisch krankem Elternteil, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Sozialpädagogik / Sozialarbeit: Frühe Hilfen für Kinder mit psychisch krankem Elternteil ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Sozialpädagogik / Sozialarbeit: neuer Titel erschienen: Frühe Hilfen für Kinder mit psychisch krankem Elternteil
Martina Rona hat einen neuen Text hochgeladen
Rechtliche Rahmenbedingungen u...
Thomas Meysen, Lydia Schönecker, Heinz Kindler
Frühe Hilfen für Familien und soziale Frühwarnsysteme
Pascal Bastian, Annerieke Diepholz, Eva Lindner
Wenn Eltern psychisch krank sind...
Kindliche Lebenswelten und ins...
Reinhold Schone, Sabine Wagenblass
Kinder mit psychisch kranken Eltern
Klinik und Forschung
Silke Wiegand-Grefe, Fritz Mattejat, Albert Lenz
Psychisch auffällig, krank, behindert - Was nun?
Gunter Adams, Norbert Beck, Ellen Plume, Andreas Reichert, Andreas Warnke
0 Kommentare