Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Kultur 5
2.1. Ein Beispiel 5
2.2. Das Eisbergmodell 7
3. Modelle der Interkulturellen Kompetenz 7
3.1. Pyramidenmodell 8
3.2. Prozessmodell 10
4. Soziale Arbeit im interkulturellen Kontext 11
5. Professionalität 13
5.1. Sozialarbeiterische Professionalität 13
5.2. Organisationelle Professionalität 15
6. Kritik 15
7. Schluss 17
8. Literaturverzeichnis 18
8. 18
2
1. Einleitung
Deutschland wandelt sich mehr und mehr zu einer multikulturellen Gesellschaft, welche durch die verschiedenartigen kulturellen Hintergründe, Konfessionen, Ethnien und dem verschiedenen Aussehen der Menschen geprägt ist. Dass diese Unterschiede ebenso Probleme mit sich bringen und damit die Unterstützung durch die Sozialen Arbeit rechtfertigen, werden die zwei nachfolgenden Tabellen des Statistischen Bundesamtes verdeutlichen, die zum einen den Grad des Schulabschlusses und zum anderen den Anteil des Erwerbslebens in Bezug auf die Migration darstellen:
So zeigt sich in Abbildung 1 „Bevölkerung 2009 nach Migrationsstatus und höchstem allgemeinen Schulabschluss“, dass 82 Prozent weniger Menschen mit Migrationshintergrund (9.927) einen Schulabschluss besitzen als die Einheimischen (55.554). Der Bevölkerungsanteil ohne Migrationshintergrund, der einen Schulabschluss erreicht hat, weist zudem einen deutlich geringeren Grad des erreichten Abschlusses da, was im Vergleich zu der Anzahl der Oberschul-Abitur- Realschul- Fachhochschul- und Hauptschulabschlüsse erkennbar wird. Demnach erhalten z.B. 76 Prozent weniger Menschen mit Migrationshintergrund das Abitur als Menschen ohne Migrationshintergrund.
Abb. 1 Statistisches Bundesamt, Bevölkerung 2009 nach Migrationsstatus und höchstem allgemeinem Schulabschluss 1
1 Statistisches Bundesamt (2009): Bevölkerung 2009 nach Migrationsstatus und höchstem allgemeinem Schulabschluss
3
Dieser Trend zeichnet sich ebenfalls in der Abbildung 2 ab, in der die Beteiligung am Erwerbsleben von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund verglichen wird. Die Gegenüberstellung zeigt auch hier deutlich, dass große Unterschiede im Migrationskontext bestehen, wie hier bei dem Anteil der Erwerbslosen. Der Statistik zufolge sind 6,3 Prozent der Menschen mit Migrationshintergrund erwerbslos, was einen beinahe doppelt so hohen Anteil ausmacht, als bei den Migrationslosen mit 3,4 Prozent.
Dass ein Verlangen und eine Forderung nach einer besondere Form der Kompetenz im Hinblick auf internationale Faktoren besteht, erkennt man daran, dass „die interkulturelle Zusammenarbeit und Förderung der Verständigung von Personen unterschiedlicher kultureller Herkunft und Zugehörigkeit […] für viele Menschen zum Gegenstand persönlicher Ausbildungsziele, beruflicher Zukunftsperspektiven und des zivilgesellschaftlichen Engagements avanciert“ (Otten/Scheitza/Cnyrim, 2009:15). Dies zeigt, dass der interkulturelle Faktor viele Bereiche des Lebens wie Ausbildung, Arbeit und Umfeld umfasst und somit in allen Gebieten integriert wird. Damit diese Zusammenarbeit gelingen kann, ist die interkulturelle Kompetenz nötig, die im Berufsfeld der Sozialen Arbeit in die Professionalität mit impliziert sein muss. 3
2 Statistisches Bundesamt (2009): Bevölkerung 2009 nach Migrationsstatus und Beteiligung am Erwerbsleben
3 Vlg. Otten, M., Scheitza, Al, Cnyrim, A. (2009): Interkulturelle Kompetenz im Wandel 1, S. 15 4
2. Kultur
In der Literatur sind zum Stickwort Kultur unzählige Definitionen und Versuche der Eingrenzung zu finden. Dass dies aber kaum möglich ist, bekräftigt Eagleton folgendermaßen:
„Das Wort
<
An einem Beispiel von 1985, das auf einen Vergleich zu heute bezogen wird und dem Eisbergmodell von Brake/Walker/Walker weiter verdeutlichen, um was es sich bei Kultur und Kulturunterschiede handelt.
2.1. Ein Beispiel
Dass im Umgang mit den oben festgestellten und bestehenden Ungleichheiten zwischen Einheimischen und Migranten im Hinblick auf den Auslandskontext Kompetenzen benötigt werden, kurz gesagt Interkulturelle Kompetenz, verdeutlicht der Artikel „Gefährliche Komplimente - Für den Umgang mit Ausländern sind deutsche Polizisten schlecht gerüstet“, den Spiegel 1985 veröffentlichte. Dieser zeigt die damals herrschende Nichtkompetenz der Polizei gegenüber ausländischen Einwanderern:
Im Falle des Polizeibeamten Frank Giesler (24 Jahre) und Dieter Rudolf (22 Jahre) geriet ein Routineeinsatz außer Kontrolle, als die beiden gegen Abend kurz nach Weihnachten gerufen wurden. Sie sollten dabei lediglich einen Streit zwischen einem Postbeamten und dem arbeitslosen Cevat Karaxayli (34 Jahre) schlichten, da sich der Türke weigerte, die Rate des neugekauften Staubsaugers zu zahlen, die der Postbeamte nach Dienstschluss in dessen Wohnung kassieren wollte. Doch anstatt die Situation zu entschärfen, hielten sie ihn gewaltsam fest und forderten daraufhin Verstärkung an. Als die Kollegen nach einer knappen Viertelstunde eintrafen, hatten die zwei jungen Polizeibeamten den Fall bereits auf andere Weise erledigt: Der Polizist Frank Giesler hatte den sechsfachen Familienvater unversehens erwürgt. 4 Es stellt sich nun die Frage, ob es zu diesem Unglück kam, da die Polizisten nicht über die nötigen Kompetenzen im Umgang mit fremden Kulturen verfügten und sie sich folglich nicht in der Lage befanden, aus der Sichtweise des türkisch stämmigen Familienvaters zu agieren und
4 Vgl. DER SPIEGEL 9/1985 5
damit die Situation friedlich zu klären. 1985 galten Polizisten „im Umgang mit Türken, Jugoslawen oder Italienern als schlecht gerüstet, reagieren maßlos, neigen zu Aggressionen und Gewalt. Vorurteile, mangelndes Einfühlungsvermögen und Sprachbarrieren führen zu Konflikten zwischen Ausländern und Polizisten. Selbst bei gewöhnlichen Personen- oder Verkehrskontrollen kommt es zu handgreiflichen Auseinandersetzungen“ (DER SPIEGEL 9/1985). Es ist offensichtlich, dass zu jener Zeit nur vereinzelt Polizisten in Fortbildungsseminaren auf Konfrontationen mit Ausländern vorbereitet wurden. 5
Dass es Jahre später auch anders geht, zeigt der Artikel „Einwanderer - Eins, zwei, Mulikulti-Polizei“ von Jan Söfjer, der heute das genaue Gegenteil zum obigen Fall darstellt. Hier werden gezielt Polizeibeamte aus Einwandererfamilien gesucht, bei denen der bereits bestehende kulturelle Hintergrund geschätzt wird, der in ihrer täglichen Arbeit mit Mitmenschen mit Migrationshintergrund positiv zum Ausdruck kommt. Das besondere am Projekt ist dabei, dass früher vor allem der Notendurchschnitt entschied, wer Polizist werden konnte und wer nicht, heute gibt es nur noch Tests: Ein Online-Vortest, ein Einstellungstest, ein Interview, einen Sporttest und eine Tauglichkeitsuntersuchung. 6 Dabei wird im Hinblick mit dem in der Einleitung festgestellten Grad des erreichten Schulabschlusses unter Jugendlichen mit
Migrationshintergrund auf dessen schlechte Vergleiche zu Deutschen eingegangen und diese in den Hintergrund gerückt, so dass sich die negative Schullaufbahn nicht auch im Erwerbsleben (wie unter Abb. 2) weiter vollzieht.
Um die Kulturunterschiede in dem Beispiel der zwei Polizisten zu verdeutlichen, müssen wir auf die Kultur und ihre Besonderheiten der türkischen Nation eingehen. So sollte ein Polizist, der die Wohnung einer türkischen Familie betritt, besonders einfühlsam vorgehen, um Konflikte zu vermeiden: "Begrüßt der Beamte zuerst die Frau", warnt Hans-Joachim Jankus, Ausländerexperte bei der Berliner Polizei, "macht er einen entscheidenden Fehler." Belebt er das Gespräch gar mit einem Kompliment an die Dame des Hauses, beleidigt er den Ehemann, anstatt ihm zu schmeicheln. Zudem sei es in türkischen Familien nicht üblich, dass Postbeamte am Abend nach Dienstschluss noch vorbei kommen um zu kassieren. So lässt sich zumindest im Polizeidienst feststellen, dass von 1985 bis 2011 bereits ein gravierender Wandel im Hinblick auf die kulturelle Kompetenz erzielt wurde.
5 Vgl. DER SPIEGEL 9/1985
6 Vgl. DER SPIEGEL: Söfjer, J. (2011): Einwanderer: Eins, zwei, Multikulti-Polizei
6
Arbeit zitieren:
Daniela Brieschenk, 2011, Interkulturelle Kompetenz und sozialarbeiterische Professionalität, München, GRIN Verlag GmbH
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