das andere übergeht. Das kommunikative Gedächtnis beschreibt die Geschichtserfahrung im Rahmen der individuellen Biographie (vgl. S. 120), derweil sich der Mensch diese Erinnerungen mit seinen Zeitgenossen teilt. Er kann also mit ihnen über das aktuelle und vergangene Erleben kommunizieren und gibt bei Bedarf jedes kleine Detailsofern er sich daran erinnern kann -bekannt. Allerdings wird das kommunikative mit einem Kurzzeitgedächtnis gleichgesetzt, denn diese Erinnerungen bleiben nur so lang bestehen, solang die Zeitzeugen noch am Leben sind. Sie können ihr Wissen an jede Generation weitergeben, die parallel zu ihnen lebt. Daher umfasst das kommunikative Kurzzeitgedächtnis meist nur 3-4 Generationen, bis das unerschöpfliche Wissen mit dem Tode ein Ende findet. Nach dem Aussterben einer Generation bleiben nur die überlieferten oder festgehaltenen Erfahrungen übrig, die mit Hilfe von Medien zu einem kulturellen Langzeitgedächtnis übergehen. Die Medien ermöglichen durch die Speicherung der Erinnerungen, dass auch späteren Generationen zu Zeugen der Vergangenheit werden und sich ein Urteil darüber bilden können. Durch die Archivierung objektiver Daten wird das kulturelle Gedächtnis gebildet und findet seine Ausformungen in Traditionen wie Riten oder Festen. Anders als bei dem kommunikativen Gedächtnis ist die Zeitstruktur hier von der Dauerhaftigkeit seines medialen Trägers abhängig, denn die Daten werden so lang erhalten, bis das Medium zerstört wird und damit auch die gesamte Erfahrung. Diese externe Speicherung dient vorrangig einem Zweck: Der „Sicherung und Kontinuierung einer sozialen Identität“ (vgl. S. 121). Wir fixieren beispielsweise Gesetzestexte, um die Ordnung in unserem Land auch für die Zukunft beizubehalten, dokumentieren bestimmte Traditionen, damit sie von den nachfolgenden Generationen fortgeführt werden oder schreiben Geschichtsbücher, sodass traumatische Ereignisse wie die vom Zweite Weltkrieg erinnert werden und sich nicht wiederholen. Dabei kommen wir zum nächsten wichtigen Faktor des sozialen Gedächtnissesder Erinnerungspolitik.
Eine soziale Identität entsteht immer dadurch, dass sich Individuen einer Gruppe oder einer Nation zugehörig fühlen. Sie berufen sich auf die Vergangenheit ihrer Vorfahren und können einerseits positiv oder negativ beeinflusst werden. Jedes Regime auf der Welt ist darin versucht, eine „eigene Version der Vergangenheit als offizielles Gedächtnis des Staates in verschiedenen Medien zu propagieren“ (vgl. S. 125). Schon in der Antike legitimierten sich Herrscher in Denkmälern oder Münzen, um an ihre Taten zu erinnern und um sich in der Zukunft zu verewigen. Die Deutung der Geschichte zielt vor allem auf eines ab: das offizielle und nationale Gedächtnis zur Deckung zu bringen,
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Nicole Friedrich, 2009, Das Soziale Gedächtnis - Jan und Aleida Assman (1994), München, GRIN Verlag GmbH
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