Inhaltsverzeichnis:
Thema : Seitenzahl:
1. Thema
3
2. Gemeinschaft und Gesellschaft
4
2.1. Gemeinschaft 4
2.2. Gesellschaft 7
2.3. Abriss der Gemeinschaft und der Gesellschaft 9
3. Kosmopolitismus
10
4. Einführung in die Idee der Entwicklung von Gemeinschaft
12
Gesellschaft und Kosmopolitismus
12
5. Die Weltrisikogesellschaft in der zweiten Moderne
14
5.1. Die Zweite Moderne 14
5.2. Reflexivität der Modernisierung 15
5.3. Risikogesellschaft 16
6. Entwicklung der Gesellschaft zum Weltbürgertum
17
6.1. Grenzen der Gesellschaft 17
6.2. Kosmopolitismus- eine andere, globale Form der Gesellschaft? 18
6.3. Die Überlagerung der Gesellschaft durch den Kosmopolitismus 18
7. Resümee
20
8. Quellen
22
2 S e i t e
Wie entwickeln sich die Formen der Gemeinschaft und der Gesellschaft in einer reflexiven, Zweiten Moderne des Kosmopolitismus?
1. Thema
Die Frage nach der Entwicklung der gemeinschaftlichen und gesellschaftlichen Formen des sozialen Zusammenlebens in einer reflexiven, Zweiten Moderne des Kosmopolitismus, setzt voraus, dass es sich dabei nicht um ein starres Gefüge des Zusammenlebens handelt. In der vorliegenden Hausarbeit werden die Zusammenhänge und die Entwicklung von Gemeinschaft, Gesellschaft und Kosmopolitismus näher betrachtet. Kosmopolitismus wird in der als reflexiv bezeichneten Epoche der Zweiten Moderne ermöglicht. Um die Frage zu erörtern, wird zunächst die Sichtweise von Tönnies und Plessner auf die Begrifflichkeiten Gemeinschaft und Gesellschaft dargelegt. Weiterhin wird darauf eingegangen, durch was die Formen der Gemeinschaft und der Gesellschaft begrenzt sind. Anschließend werden die im Kontext der Hausarbeit wichtigen Erkenntnisse aus diesem Teil zusammengefasst. Der folgende Abschnitt behandelt die Idee des Kosmopolitismus, orientiert an Luhmann und in diesem Kontext wird explizit auf Luhmanns Systemtheorie eingegangen. Danach wird erörtert, wie sich die Formen Gemeinschaft, Gesellschaft und Kosmopolitismus im Zusammenspiel entwickeln und der Gedanke einer möglichen Begrenzung der Gesellschaft wird angedeutet. Dieser Gedanke wird im Verlauf der Hausarbeit erneut aufgenommen. Im Anschluss wird der Begriff der Zweiten Moderne nach Beck eingeführt, weiter wird darauf eingegangen warum Beck die Moderne als reflexiv betrachtet und was unter Reflexivität zu verstehen ist. Über die Reflexivität der Zweiten Moderne wird bei Becks Vorstellung einer Weltrisikogesellschaft eingegangen. In diesem Kontext werden seine Idee der Risikoverteilung und die damit verbundenen Konfliktsituationen erläutert. Unter der Vorstellung, dass Gesellschaft und Institutionen im Zusammenhang stehen wird aufgezeigt, wieso die Entwicklung eines Kosmopolitismus in der Verantwortung aller Individuen gesehen werden kann. Danach werden zwei Sichtweisen auf den Kosmopolitismus vorgestellt, zum Einen im Sinne einer Weltgesellschaft und zum Anderen als Weltbürgertum. Im folgenden Abschnitt wird unter Zuhilfenahme von Luhmanns Systemtheorie die Vorstellung von einem Kosmopolitismus im Sinne eines Weltbürgertums erläutert. Abschließend folgt eine Zusammenfassung aller Erkenntnisse
3 | S e i t e
An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass ich neben der ausführlichen Zitation der Autoren auch einige Begrifflichkeiten von Tönnies, Plessner, Luhmann und Beck übernommen habe. Um den Umfang der Hausarbeit auf ein angemessenes Niveau zu begrenzen, musste ich weiterhin einige weiterführende Gedanken Außen vorlassen.
2. Gemeinschaft und Gesellschaft
2.1. Gemeinschaft
Unter Gemeinschaft kann grundlegend eine Gruppierung von Individuen verstanden werden, die etwas verbindet. Gemeinsamkeiten wie Ideen, Ziele und Interessen oder auch Herkunft, eben eine Gruppierung von in irgendeiner Weise gleichgesinnten Personen. Gemeinschaften existieren in vielfältigen Ausprägungen wie Familien, Vereine, Freundeskreise, Studentenverbindungen oder Religionsgemeinschaften. Nach Tönnies basiert der Begriff der Gemeinschaft auf den grundlegendsten Formen des Zusammenlebens, den Familienverhältnissen. Er unterscheidet zwischen verschiedenen Sozialen Beziehung innerhalb der Familienverhältnisse, der Grundbaustein dieses sozialen Raumes ist für ihn die Beziehung zwischen Vater und Kind. Der Vater nimmt hier, laut Tönnies, die Herrschaftsstellung in der Gemeinschaft ein. Die Beziehung liegt zum Einen auf einer organischen Ebene, wie bei der Beziehung zwischen Mutter und Kind. Zum Anderen basiert sie auf Ungleichheit wie die Beziehung zwischen Vater und Mutter, der Ehe. Durch die Mentale Ebene ähnelt sie der Beziehung zwischen Geschwistern, die auf Gewöhnung beruht. Der Vater ist in diesem Sinne ein Patriarch, der das Kind erzieht, lehrt und Erfahrungen aus dem eigenen Leben mitteilt und dadurch an der Entwicklung des Kindes teilnimmt. Auf dieser Ebene basiert die Beziehung auch auf der gegenseitigen Gewöhnung 1 . Insgesamt sieht Tönnies Interaktionen auf diesen grundlegenden Ebenen der Gemeinschaft als „ein wechselseitiges Bestimmen und wechselseitiges Dienen der Willen“ 2 , dass aus der Wechselwirkung zwischen Arbeit und Genuss resultiert. Diese Wechselwirkung liegt im Idealfall laut Tönnies immer in einem Gleichgewicht. Eine übergeordnete Kraft, die zum Wohle der Menschen eingesetzt wird, die in der Hierarchie niedriger stehen, bezeichnet Tönnies als Würde. Das Gleichgewicht lässt sich damit um die Konstanten Würde und
1 Vgl. Tönnies, F. (1935): Gemeinschaft und Gesellschaft. Grundbegriffe der reinen Soziologie. Darmstadt:
Wissenschaftliche Buchgesellschaft. S. 7-33
2 Ebd. S. 11 4 | S e i t e
Autorität erweitern 3 . Über den Grundstein der Gemeinschaft der Familie, der „Gemeinschaft des Blutes“ 4 unterscheidet Tönnies weiter „die Gemeinschaft des Ortes“ 5 , im Sinne der Nachbarschaft oder der Dorfgemeinschaft welche zum größten Teil auf Gegenseitige Gewohnheit beruht und im Idealfall ein autarkes System bildet und der „Gemeinschaft des Geistes“ 6 , welche bezeichnend ist für Freundschaften und der Stadtgemeinschaft am Nächsten kommt. Jede Art der Gemeinschaft besitzt bezeichnender Weise einen gemeinschaftlichen Mittelpunkt, laut Tönnies ist dieser beispielsweise die Küche bzw. der Herd in der Hausgemeinschaft. Bezüglich der Eigenständigkeit der Hausgemeinschaft unterscheidet Tönnies weiterhin das isolierte Haus welches sich weitgehend selbst versorgen muss, das Bauernhaus, dessen Platz in einer Dorfgemeinschaft anzusiedeln ist und welches zusätzlichen Austausch mit der Dorfgemeinschaft pflegt, und das städtische Haus, das von dem Austausch mit der Stadtgemeinde lebt 7 . Die verschiedenen Arten der Gemeinschaft an sich, ob Hausgemeinschaft, Dorfgemeinschaft oder Stadtgemeinschaft, sieht Tönnies, als Systeme die bestrebt sind ihren Warenkreislauf geschlossen zu halten 8 . Grundlegend hierfür ist „gegenseitiger Besitz und Genuss und ist Besitz und Genuss gemeinschaftlicher Güter“ 9 . Diese Art des gemeinschaftlichen Warenaustausches bezeichnet Tönnies als „ökonomisch, d.h. gemeinschaftlich (kommunistisch)“ 10 . Als prägenden Begriff für die Art des gemeinschaftlichen Zusammenlebens steht der „Kürwillen“ 11 dieser beschreibt den gemeinsamen Willen mehrerer Personen eine Gemeinschaft bedingungslos als höhere Instanz und somit wichtiger als die individuellen Ziele und Vorstellungen anzusehen.
Plessner beschreibt den Begriff der Gemeinschaft im Gegensatz zu Tönnies sehr philosophisch. Er sieht die Gemeinschaft als Ethos in der Art des Zusammenlebens. Dieser
3 Vgl. Tönnies, F. (1935): Gemeinschaft und Gesellschaft. Grundbegriffe der reinen Soziologie. Darmstadt:
Wissenschaftliche Buchgesellschaft. S. 7-33
4 Ebd. S. 12
5 Ebd. S. 12
6 Ebd. S. 12
7 Vgl. Ebd. S.22-25
8 Vgl. Ebd. S.30-33
9 Ebd. S.20
10 Ebd. S.31
11 Zit. nach Tönnies in: Clausen, L.& C. Schlüter (1991): Hundert Jahre „Gemeinschaft und Gesellschaft“.
Ferdinand Tönnies in der internationalen Diskussion. Opladen: Leske u. Budrich S. 41
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„Ethos der Gemeinschaft“ 12 erscheint reaktionär und widersprüchlich. Er lehnt künstliche Hilfsmittel und moderne Technik ab, dennoch ist die Gemeinschaft auf ein gewisses Maß an künstlichen Hilfsmitteln und Technik angewiesen. Der „Ethos der Gemeinschaft“ 13 basiert weiterhin einerseits auf einer Lebensbejahenden Philosophie, andererseits führt er, zumindest auf einem Wege, dem der „Blutsmäßigen Verbundenheit“ 14 zur Ausgrenzung bestimmter Personengruppen. Dieser Begriff schließt allerdings nicht nur biologische Verwandtschaft ein, sondern auch gleiche Gesinnung. Die Gemeinschaft erhält ihren internen Zusammenhalt, ihr „besonderes Lebensgefühl“ 15 durch ein zeremonienartiges Aufnahmeritual, zum Beispiel die Taufe in der Katholischen Glaubensgemeinschaft. Begründet ist dieses Hochgefühl durch liebe zu einer Sache oder zu einer Person. Die „Blutsmäßigen Verbundenheit“ 16 ist in diesem Sinne auf den ersten Blick in der Liebe zu einer abgegrenzten Personengruppe begründet, da man aber laut Plessner in einer bestimmten Personengruppe nicht jede Person in gleicher Weiße lieben kann, fördert diese Art der Gemeinschaft den Personenkult, „Echtes Herrentum schafft Gemeinschaft“ 17 . Diese Art des Gemeinschaftsethos ist nach Plessner ein Nährboden für Diktaturen, faschistische Diktaturen ebenso wie kommunistische Diktaturen. Neben der „Blutsmäßigen Verbundenheit“ 18 gibt es auch den Weg der „Gemeinschaft der Sache“ 19 . Als Beispiel hierfür nennt er den Kommunismus, da dieser sich nicht durch eine Personengruppe abgrenzt, er hat zum Ziel die gesamte Weltbevölkerung zu assimilieren. Die Sachgemeinschaft begründet sich durch ein gemeinsames Wertverständnis und Gerechtigkeitsempfinden. Hier werden auch die Grenzen deutlich. Laut Plessner wäre eine kommunistische Weltgemeinschaft, die alle Menschen unter ihrem Banner vereint, keine Gemeinschaft mehr, sie wäre eine Weltgesellschaft, da keine Öffentlichkeit einer
12 Plessner, H. (1924): Grenzen der Gemeinschaft. Eine Kritik des sozialen Radikalismus. Bonn: Friedrich Cohen
S. 40
13 Ebd. S. 40
14 Ebd. S. 44
15 Ebd. S. 45
16 Ebd. S. 44
17 Ebd. S. 43
18 Ebd. S. 44
19 Ebd. S. 50 6 | S e i t e
Arbeit zitieren:
Florian Buchholz, 2011, Wie entwickeln sich die Formen der Gemeinschaft und der Gesellschaft in einer reflexiven, Zweiten Moderne des Kosmopolitismus?, München, GRIN Verlag GmbH
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