Inhalt
Allgemeiner Teil
1. Einleitung 1
2. Stil 1
2.1. Vorläufige allgemeine Definition des Stilbegriffes 1
2.2. Erweiterte Definition des Stilbegriffes 3
2.2.1. Senderbezogene Definition des Stilbegriffes 3
2.2.2. Empfängerbezogene Definition des Stilbegriffes 4
2.2.3. Nachrichtenbezogene Definition des Stilbegriffes 4
2.2.4. Dualismus 5
2.2.5. Monismus 6
3. Ansätze und Methoden der Stilistik 7
3.1. Die Prager Schule und ihr Stilkonzept 7
3.1.1. „Intellectualization“ 7
3.1.2. “Automatization und „Foregrounding“/“Deautomatization 7
3.2. Der Sprachstatistische Ansatz 8
3.2.1. Die Dimensionen der Variation 9
Empirischer Teil
4. Einleitung 13
5. Analyse 14
5.1. Essay: „On Liberty“ 14
5.1.1. Statistisches 14
5.1.2. Nomina 15
5.1.3. Verben 16
5.1.4. Adjektive 16
5.1.5. Satzstrukturen 17
5.2. Brief: “To William George Ward 18
5.2.1. Statistisches 18
5.2.2. Nomina 19
5.2.3. Verben 20
5.2.4. Adjektive 21
5.2.5. Satzstrukturen 22
5.2.6. Andere Merkmale 23
6. Vergleich 23
7. Literaturverzeichnis 25
8. Anhang
„On Liberty“
“To William George Ward
II
Allgemeiner Teil
1. Einleitung
Diese Arbeit befasst sich mit dem Stil in der sprachwissenschaftlichen Analyse. Zunächst einmal soll versucht werden, zu klären, was sich hinter dem Begriff Stil verbirgt und wie er definiert werden kann. Anschließend soll an jeweils einem Beispiel Ansätze und Methoden der sprachwissenschaftlichen Stilistik dargestellt werden.
Anhand von zwei ausgewählten Textauszügen aus verschiedenen Genres von John Stuart Mill soll schließlich im zweiten, empirischen Teil der Arbeit erarbeitet werden, ob sich etwas wie „der Stil Mills“ bestimmen lässt, und wenn ja, was ihn kennzeichnet.
2. Stil
2.1. Vorläufige allgemeine Definition des Stilbegriffes
In seiner grundsätzlichen Bedeutung wird als Stil eine bestimmte Art und Weise bezeichnet, etwas zu tun oder zu gestalten. Bezogen auf das Sprachsystem heißt das: Stil ist die Art, wie Sprache von einer bestimmten Person, in einer bestimmten Situation oder einem bestimmten Zusammenhang benutzt wird. Man kann also sagen, Stil ist die für eine bestimmte Gelegenheit getroffene Auswahl aus dem Gesamtsystem der Sprache. Deutlich wird er jedoch erst im Vergleich mit einer anderen Wahlmöglichkeit, die nicht realisiert wurde. Die Betrachtung und Untersuchung eines Stils bedarf also grundsätzlich des Vergleichs:
[1] Peter is a close friend of mine. [2] Peter is my buddy.
Im Vergleich wird deutlich, dass [1] im Kontrast zu [2] einen gehobeneren Sprachstandard darstellt. Dennoch beschreiben beide Sätze die gleiche Begebenheit, den gleichen Umstand. Sie stellen also folglich zwei Beschreibungen ein und desselben Inhalts dar. Es ergibt sich nun für den solche Aussagen Untersuchenden die Frage, aus welchen Gründen und Motiven eine Formulierung den Vorzug vor einer anderen Erhält. Die Aussage von [1] und [2] scheint identisch zu sein, beide bekunden ein freundschaftliches Verhältnis des die Aussage treffenden zu
1
Peter. Dennoch scheint [1] uns beispielsweise wesentlich angemessener, um Peter bei einer Pause in der Staatsoper einigen Freunden vorzustellen, als dies bei [2] der Fall wäre. Hier ist es also offenbar die Situation, in der eine Aussage gemacht wird, die die Entscheidung für eine bestimmte Formulierung beeinflusst.
Was wiederum bewegte John Stuart Mill, folgenden Satz auf diese Art zu formulieren:
[2] The questions you put to me I will with pleasure attempt to answer.
Nahe liegender - und für den Leser natürlicher - wäre sicherlich gewesen:
[3] I will with pleasure attempt to answer the questions you put to me.
Satz [3] scheint leichter, flüssiger lesbar zu sein. Hat sich durch die Änderung der Satzstellung noch mehr geändert, als ein gewisses Stutzen im Lesefluss? Ist die Aussage geändert? Hat Mill einen bestimmten Zweck verfolgt, als er den Satz so formulierte? Mill weicht in [2] also offensichtlich von einer bestimmten Erwartung von Seiten des Rezipienten ab. Dies verdeutlicht, dass nicht nur die Bevorzugung einer bestimmten Formulierung kann einen Stil ausmachen kann, sondern z.B. auch die Abweichung von der sprachlichen Norm (Short 1994: 4276).
Es ergibt sich die Frage, in welchem Zusammenhang Sprache in Hinblick auf Stilmerkmale untersucht werden soll. Traditionell hat die Stilistik hierbei ihr Hauptaugenmerk auf den geschriebenen Text, literarischer oder auch nichtliterarischer Natur, gelegt, auch wenn Untersuchungen dieser Art auch für das gesprochene Wort möglich wären (Leech/Short 1981: 11). Innerhalb dieses Bereiches lassen sich weitere Unterteilungen treffen, so nach dem Stil eines Autors („der Stil Umberto Ecos“), einer Epoche der Literaturgeschichte („der Stil des Dramas der Aufklärung“) oder etwa eines bestimmten Genres („Abenteuerroman“) usw. Es sollte an dieser Stelle jedoch auch angemerkt werden, dass ein Text sich nicht an einen homogenen Stil halten muss, dieser sich vielmehr auch durchaus ändern kann (Short 1994: 4377). Stil ist jedoch immer nur dann wirklich erkennbar, wenn Texte in Beziehung zueinander gesetzt werden, ein Vergleich stattfindet.
Innerhalb der Stilistik ist die Sichtweise dessen, was als und wie Stil definiert ist jedoch keineswegs einheitlich. Die verschiedenen Definitionen leiten sich aus den verschiedenen Perspektiven her.
2
2.2. Erweiterte Definition des Stilbegriffes
Der ästhetische Gebrauch von Sprache findet innerhalb eines Rahmens von Sprachfunktionen statt, die jeweils mit einem Faktor der Kommunikation verknüpft sind. Eine gute Orientierung beim Versuch der Definition des Stilbegriffes bietet deshalb das Kommunikationsmodell nach Jakobson, das die verschiedenen Faktoren der Kommunikation aufzeigt (Cureton 1992: 82):
2.2.1. Senderbezogene Definition des Stilbegriffes
Der Sender wählt aus den im System der Sprache bestehenden Möglichkeiten eine Variante, um einen Inhalt in einer bestimmten Form, einem Stil, wiederzugeben. Dies kann sowohl in gesprochener wie auch geschriebener Form passieren. Eine getroffene Wahl beinhaltet jedoch verschiedene Intentionalitätsgrade, das heißt, Stilvarianten können sowohl bewusst als auch unbewusst vom Sender gewählt worden sein (Cureton 1992: 82). Ein Dialekt kann zum Beispiel stellt eine unbewusste, nicht intentionale Wahl durch den Sender darstellen. Jedoch kann auch die Abweichung von einer sprachlichen Norm („foregrounding“, siehe 3.1.2.), zum Beispiel die Anweichung von der Norm Hochdeutsch hin zum Dialekt Bayerisch, intentional sein, um eine bestimmte Bedeutung oder Wirkung zu erzeugen.
„Fingerabdruck“ des Autors Textart Nicht intentional intentional
unbewusst bewusst
3
2.2.2. Empfängerbezogene Definition des Stilbegriffes
Die empfängerbezogene Stildefinition basiert auf einem alten rhetorischen Konzept, dem der Erwartung beziehungsweise der enttäuschten Erwartung des Empfängers. Als Stil im Sinne dieser Definition ist alles zu bezeichnen, was für den Empfänger als abweichend von einer Norm auffällig oder markiert ist, sofern er in der Lage ist, diese Abweichungen von einer Norm überhaupt wahrzunehmen. Dies können, neben anderen, zum Beispiel Neologismen oder Abweichungen von der Syntax sein (Cureton 1992: 82).
Diese Abweichung von der gedachten sprachlichen Norm wird von der so genannten „Prager Schule“ als „foregrounding oder „deautomatization“ bezeichnet, man kann sie auch als „markiert“ im Gegensatz zu die erwartete Norm erfüllenden unmarkierten sprachlichen Mittel bezeichnen. Markiert heißt in diesem Sinne also, dass der Rezipient durch eine besondere, in irgendeiner Weise auffällige Verwendung sprachlicher Mittel überrascht und aus seinem automatisierten Aufnahmevorgang gelöst wird (Leech/Short 1981: 28, 139):
Die so in die Aufmerksamkeit des Rezipienten gebrachten oder aber markierten sprachlichen Mittel stellen, neben anderen, als auffallende Elemente das dar, was eventuell als der Stil zum Beispiel eines Autors wahrgenommen wird. Andererseits kann natürlich auch eine nicht vor-handene Abweichung von der Norm wiederum ein bewusst eingesetztes Stilmittel darstellen.
2.2.3. Nachrichtenbezogene Definition des Stilbegriffes
Mit Nachricht („message“) ist in dieser Stildefinition nicht der Inhalt eines Textes gemeint, also das, was mit ihm zum Ausdruck gebracht werden soll, sondern vielmehr seine spezifische Form. Sie ist es, die zum Beispiel den einen Text von einem anderen unterscheidet. Stil könnte hiernach vereinfacht definiert werden als „the sum of linguistic features which distinguish one text from another“ (Birch 1994: 4378). Innerhalb dieses Konzeptes existieren zwei verschiedene Beziehungen, zum einen die horizontal-paradigmatische, zum anderen die vertikalsyntagmatische:
4
Arbeit zitieren:
Niels Meyer, 2001, STIL - Untersuchungen am Beispiel John Stuart Mills, München, GRIN Verlag GmbH
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