2.Hauptteil
2.1.Definition der Metonymie
Das Wort Metonymie kommt aus dem Griechischen „µετονοµάζειν“ und bedeutet wortwörtlich ‚umbennen‛ (GLÜCK 2006:408). Bereits in der Antike war das sprachliche Phänomen der Metonymie bekannt und wurde als rhetorischer Tropus, d.h. als „Mittel der uneigentlichen Ausdrucksweise“ ( GLÜCK 2006:408) von bekannten Redner wie Quintilian und Cicero zum Ausschmücken der Rede verwendet. Schon in der Antike war man sich darüber bewusst, dass „ Figuren wie Metapher, Synekdoche und Metonymie nicht nur ad-hoc Techniken sind, [...] sondern die auch über Habitualisierung, also ständige Wiederholung, das heißt Zunahme der Verwendungsfrequenz, zu lexikalischem Bedeutungswandel führen.“ (Gévaudan 2007:20) Zur Unterscheidung von ad-hoc Metonymien und solchen, die zum Bedeutungswandel führen, werde ich später im Text noch genauer eingehen.
2.2.Funktionsweise der Metonymie
Der Metonymie wurde über einen langen Zeitraum hinweg in der Sprachwissenschaft wenig Beachtung geschenkt und oftmals mit der Metapher, obwohl sie auf einem anderen Assoziationsprinzip beruht, gleichgesetzt. Dabei ist die Metonymie ein wichtiger Teil unserer Alltagssprache, auch wenn wir sie als Sprecher und Hörer oftmals nicht wahrnehmen. Seitens der Sprachforscher existieren viele verschiedene Definitionen zur Metonymie, ich finde folgende Definition sehr zutreffend: „Metonymische [...] Ausdrücke [...] rufen neben dem Konzept, das normalerweise mit ihrer Bedeutung verbunden ist (Quellkonzept), ein weiteres Konzept (Zielkonzept) auf.“ (Kern 2010: 3) Das Quellkonzept ist bereits fest mit einem sprachlichen Zeichen verbunden und lexikalisiert, während dem Zielkonzept der Prozess der Lexikalisierung noch bevor steht.
2
2.2.1.Das Assoziationsprinzip der Kontiguität
Das Assoziationsprinzip, das der Metonymie zugrunde liegt, ist die Kontiguität. Den Begriff kann man aus dem lateinischen contingere ableiten, was so viel wie ‚berühren‛ bedeutet. Bildlich gesprochen ist Kontiguität damit eine Art von Nachbarschaftsbeziehung. Terminologisch lässt sich diese Beziehung zwischen Quellkonzept (x) und dem Zielkonzept (y) folgendermaßen ausdrücken: x hat zu tun mit y.
Betonen sollte man dieser Stelle auch, dass Kontiguität nur zwischen bereits aufeinander bezogenen Konzepten besteht und nicht zwischen Wörtern, bzw. Bedeutungen und Objekten. 2 „Konzepte ermöglichen den Sprechern, Gegenstände [...] zu kategorisieren.“ (WALTEREIT 1998:9)Nehmen wir folgendes Beispiel zur Verdeutlichung der Metonymie bzw. der Kontiguität: Die Reise kostet 350 Euro pro Kopf.
Jeder der diesen Satz liest oder hört, wird sofort verstehen, dass der Ausdruck „pro Kopf“ nicht wortwörtlich zu nehmen ist, sondern im übertragenen Sinne zu verstehen ist und bedeutet, dass die Reise 350 Euro pro Person kostet. Es lässt sich sagen, dass das Konzept des Kopfes (Quellkonzept) kontig zum Konzept Person ( Zielkonzept) ist. Die beiden Konzepte stehen in einem Erfahrungszusammenhang, das heißt, dass es zu unserem Wissen über das Konzept Kopf gehört, dass dieser Teil des menschlichen Körpers und damit Teil einer Person ist.
2.3.Enzyklopädisches Wissen
Wie oben bereits bemerkt, ist Kontiguität auf konzeptueller Ebene zu verorten und nicht etwa auf der Ebene der realen Welt und der Ebene der Sprache. Generell gilt es, dass lexikalisches Wissen über das
2 Vgl. Gévaudan, Paul ( 2007): Typologie des lexikalischen Bedeutungswandels. Bedeutungswandel, Wortbildung und Entlehnung am Beispiel der romanischen Sprachen, Tübingen: Stauffenburg ,94. Vgl. Kern, Beate ( 2010): Metonymie und Diskurskontinuität im Französischen, Göttingen: De Gruyter, 3-18. 3
Sprachzeichen, bestehend aus signifié und signifiant von
dem enzyklopädischem Wissen über das Designat bzw. von dem Konzept voneinander zu trennen. Enzyklopädisches Wissen entspricht dem außersprachlichen Wissen. Man kann zwei Arten von außersprachlichem Wissen ausmachen: Zum einen die Konnotationen, jene persönlichen Assoziationen, die man von einem Wort hat und zum anderen das Weltwissen, das stark von der Kultur und den persönlichen Erfahrungen abhängig ist. 3
2.4.Die Kognitive Semantik
2.4.1. Das Modell der frames
Zur Verdeutlichung der Metonymie bzw. des dahinter stehenden Assoziationsprinzips der Kontiguität, verwendet man das aus der künstlichen Intelligenz stammende Modell der frames ‚Wissensrahmen‛, das vorzugsweise im Bereich der Kognitven Lingusistik Anwendung findet. Als Vertreter der künstlichen Intelligenz-Forschung gelten Marvin Minky und Charles Fillmore. Die Kognitive Linguistik bzw. Semantik hat herausgefunden, „dass zum semantischen Wissen eines Wortes auch Außersprachliches, Wissen um den Referenten gehört“. 4 (BLANK 2001:71)
Frames sind „ [...]stabile konzeptuelle Zusammenhänge[...]“ (DETGES 1999: 36), die sich von reinen Aufzählungen unterscheiden.
Un frame è dunque un contest globale e olistico, dinamico o statico, che dipende dalla cultura nella quale viviamo. I frames sono utilissimi per venire a capo delle ‚situazioni standard‛ della vita senza dover ristabilire la realtá concepita ogni volta di nuovo dal nulla. 5
3 Vgl. Blank, Andreas ( 1997): Prinzipien des lexikalischen Bedeutungswandels Beispiel der romanischen Sprachen,Tübingen: Niemeyer, S. 63 f.
Vgl. Blank,Andreas (2001):Einführung in die lexikalische Semantik, Tübingen: Niemeyer, 9. Vgl. Kern,Beate ( 2010): Metonymie und Diskurskontinuität im Französischen, Göttingen: De Gruyter, 18.
4 Vgl. Gévaudan, Paul (2007): Typologie des lexikalischen Bedeutungswandels. Bedeutungswandel, Wortbildung und Entlehnung am Beispiel der romanischen Sprachen, Tübingen: Stauffenburg, 83.
5 Vgl. Blank, Andreas (1997): „Il senso di una semantica dei prototipi e dei frames: osservazioni decostruttive e riscostruttive“, in:Società di linguistica italiana (Hrsg.), Linguaggio e cognizione, Roma: Bulzoni, 89-104.
4
Dass ein frame kulturabhängig ist, zeigt sich beispielweise an dem frame„Frühstück“ (s. Anhang, Abbildung 1). Jeder Kulturkreis hat seine eigenen Vorstellungen davon, was zu einem typischen Frühstück dazu gehört. Engländer beispielsweise bevorzugen ein üppiges Frühstück mit Eier, Speck, Würstchen, Orangensaft, Pfannenkuchen etc., während der frame eines Italieners eher spartanisch mit Espresso und Gebäck aussieht. Allgemein ausgedrückt ist folgende Aussage von Andreas Blank korrekt, wenn er behauptet: „ Je weniger scharf umrissen die perzeptuelle Gestalt eines Konzepts oder einer Frames ist, desto größer wird der Spielraum für kulturgegebene Unterschiede.“ (BLANK 1997: 58) Die These lässt sich leicht an meinem Beispiel bestätigen. Der frame „ Frühstück“ ist ein Wissensrahmen, der Raum für viele mögliche Assoziationen lässt, weil er eben so weit gefasst ist.
Das vorherrschendeAssoziations-
bzw.Strukturierungsprinzip der frames ist die Kontiguität, ferner gilt es auch festzuhalten: “ Concepts within frames can build a complex network of contiguity, but they are also related to the frame itself and to other contiguous frames.”(BLANK 1999: 173) So sind die Konzepte innerhalb des frames „Frühstück“ kontig zueinander, aber auch der frame „Frühstück“ kann kontig zu einem anderen frame, wie zum Beispiel „Mittagessen“ sein.
2.4.2. Verbindung der Prototypentheorie mit dem Modell der frames
Es besteht auch eine Verbindung zwischen der Prototypentheorie, bei der der beste Vertreter einer Klasse bzw. einer Kategorie von Referenten als Prototyp bezeichnet wird und der frame- Theorie. Die Similarität verschiedener Referenten einer Kategorie, hinsichtlich eines Prototypen, entscheidet über die Prototypikalität dieser Referenten. Wenn die Ähnlichkeit zu einem bestimmten Prototypen besonders gering ist, gelten diese Referenten als randständige Vertreter.„[...] Frames [...] sind selbst prototypisch, insofern sie als typisch erfahrene Lebenssituationen erfassen und zentralere, typischere
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Arbeit zitieren:
Nina Wiegand, 2011, Die Metonymie, München, GRIN Verlag GmbH
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