Inhalt
Einleitung 1
1. Begriffsklärung 1
1.1 Asymmetrie 2
1.2 Macht und Dominanz 3
2. Der institutionelle Kontext 4
2.1 Rahmenbedingungen 5
2.2 Interaktionsdynamik 6
2.2.1 Machtressourcen der Institution 6
2.2.2 Machtressourcen des Moderators 8
2.2.3 Machtressourcen der Gesprächsteilnehmer 9
3. Sekten, Gurus und Gehirnwäsche - Eine empirische Untersuchung anhand eines Beispiels aus
„Hart aber fair“ 12
3.1 Asymmetrien zugunsten der Institution 12
3.2 Asymmetrien zugunsten des Moderators und der Gesprächsteilnehmer 14
3.2.1 Zeile 1-9 14
3.2.2 Zeile 9-20 16
3.2.3 Zeile 20-34 17
Fazit 18
Bibliografie 20
Anhang 21
Anhang 21
Anhang 21
Einleitung
Macht findet sich immer dort, so Foucault (Thornborrow 2002:7), wo mehrere Menschen in einem Netzwerk von sozialen und diskursiven Beziehungen interagieren. Machtstrukturen sind also in jeder alltäglichen Situation zu beobachten. Diese Arbeit wird sich jedoch mit der Frage der Machtbeziehungen im Gespräch in einem bestimmten Kontext beschäftigen, nämlich dem des Mediengesprächs. Die Rolle des Moderators und die Rollen der Gäste sind in diesem Kontext üblicherweise deutlich voneinander abgegrenzt, was sich, so ist zu vermuten, auch in der Struktur des Gesprächs widerspiegelt. Ob diese angelegten Rollen sich tatsächlich auch empirisch in der konkreten Interaktionsdynamik erkennen lassen, ist jedoch eine andere Frage. Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit soll also die Beziehung zwischen „power in discourse and power behind discourse“ (Fairclough 1989 :43) sein, d.h. die Untersuchung, ob es tatsächlich möglich ist, die zu vermutenden Asymmetrien anhand des Diskurses herauszukristallisieren.
Um jedoch diese Problematik genauer untersuchen zu können, bedarf es zunächst der Klärung einiger wichtiger Begriffe. Es wird demnach zunächst einmal die Begriffsklärung von Macht, Dominanz und Asymmetrie/Symmetrie der eigentlichen Diskussion vorgeschaltet, um eine differenzierte Betrachtung zu gewährleisten. Nach der folgenden theoretischen Betrachtung, die den aktuellen Forschungsstand aufgreifen soll, folgt abschließend die Analyse eines Ausschnitts aus der Sendung „Sekten, Gurus und Gehirnwäsche“ des Formats „Hart aber fair“.
1. Begriffsklärung
Alexander Brock/Dorothee Meer erkannten eine „weitgehen ungeklärte, häufig inkonsistente Verwendung“ der Begriffe „A-/Symmetrie, Macht, Hierarchie und Dominanz“ (2004:185). Fakt ist, dass die Begriffe selten eindeutig definiert werden und somit in der Forschung mitunter unscharf gebraucht werden. Demnach sollen zunächst einmal Macht, Dominanz, Asymmetrie/Symmetrie und Konflikt, die im Folgenden von besonderer Bedeutung sein werden, kurz definiert werden.
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1.1 Asymmetrie
Laut Thornborrow wird Asymmetrie in der Conversation Analysis 1 als „distribution of different types of turns between different participants“ (2002:3) bezeichnet. Habermas hingegen sehe Asymmetrie vielmehr in der unterschiedlichen Verteilung von “social power and status” (Thornborrow 2002:3). Es wird demnach bereits deutlich, dass es keinen Konsens über die Definition von Asymmetrie gibt. Während in der CA Asymmetrie in der konkreten Interaktion betrachtet wird, sieht zum Beispiel Habermas` Asymmetrie eher durch institutionelle Rollen bedingt. Lediglich die Annahme, dass institutionelle Gespräche eher zur Asymmetrie neigen, findet sich recht einheitlich in der Forschungsliteratur wieder. Auch Brock/Meer greifen die Unschärfe der Definition von Asymmetrie auf. Aus ihrer Sicht wird A-/Symmetrie meist „synonym mit Un-/Gleichheit“ (B/M 2004:186) gebraucht, jedoch nicht näher spezifiert. So sei eine Unterscheidung zwischen globalen und lokalen Asymmetrien sowie eine Unterscheidung zwischen „horizontalen oder vertikalen Asymmetrien“ (ebd.) notwendig. Global und lokal müsse unterschieden werden, da eine lokale Asymmetrie nicht auf eine globale Asymmetrie, d.h. eine das gesamte Gespräch umfassende Asymmetrie, hindeuten müsse. Vertikal und horizontal differenzieren des Weiteren ein generell hierachisches Verhalten von einem an sich hierarchieneutralen Verhältnis. (vgl. ebd.) Aus diesem Grund sei der Begriff Asymmetrie eher dazu geeignet, generelle Ungleichheiten bei z.B. der Turn-Verteilung - wie auch bereits oben erwähnt - zu erfassen.
Damit einhergehend nennen Brock/Meer das noch weitgehend unerforschte Verhältnis zwischen der „beobachtbaren kommunikativen Oberfläche“ und „dem jeweiligen institutionellen Rahmen“ (2004:187). Auch Brock beschäftigt sich mit diesem Verhältnis zwischen Asymmetrie im Gespräch und Asymmetrie bezüglich des institutionellen Rahmens. Hierbei erkennt Brock beispielsweise eine globale Asymmetrie zugunsten der Institution, die durch die „technische, organisatorische und kommerzielle Situierung gegeben ist“ (1992:167), sowie eine lokale Asymmetrie zugunsten des Moderators, die zum Beispiel durch ritualisierte Elemente wie „Gesprächsanfänge und -enden“ (ebd.) entsteht. Diese Asymmetrien zugunsten der Institution sind, so Brock, recht stabil (vgl. ebd.). Jedoch alle anderen Asymmetrien, die sich auf der Mikroebene (z.B. Themensteuerung)
1 im Folgenden abgekürzt CA. ‐2-
niederschlagen, sind durch ihren Aushandlungscharakter geprägt (vgl. Brock 1992:175) und nicht notwendigerweise stabile Größen (ebd.:156).
Anhand dieser kurzen Skizzierung der wichtigsten Diskussionen in der Forschung wird bereits deutlich, dass insbesondere zwischen institutionell angelegten Asymmtrien und den konkret auf der Mikroebene ausgehandelten Asymmetrien unterschieden werden muss. Die lokalen Asymmetrien müssen zwar nicht auch zu einer globalen Asymmetrie führen, können dieses jedoch, wenn wiederholt lokale Asymmetrien beobachtet werden können, bewirken. Da die Asymmetrien also nicht „straight forward or one way“ (Hutchby 1996:493) sein müssen, wird es Aufgabe dieser Arbeit sein, zu untersuchen, wie die konkret beobachtbaren Asymmetrien mit dem institutionellen Rahmen in Verbindung stehen, oder, wie Thornborrow beschreibt, die Untersuchung des "interplay between their institutional status and identity and their interactional and discursive role“ (2002:5). Des Weiteren werden die genannten Asymmetrien auf konkrete Bereiche bezogen werden, um der begrifflichen Unschärfe entgegenzuwirken.
1.2 Macht und Dominanz
Auch die Begriffe Dominanz und Macht erscheinen zunächst einmal im normalen Sprachgebrauch nach keiner genauen Definition zu verlangen. Betrachtet man jedoch insbesondere den Begriff Macht genauer, wird deutlich, dass es einige unterschiedliche Konzepte von Macht gibt. Thornborrow zeichnet die verschiedenen Konzepte kurz nach, wovon die wichtigsten für den Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit hier wiedergegeben werden sollen.
Nach Thornborrow war Althusser 1971 einer der Ersten, der Macht als Diskursphänomen bezeichnet hat. Althusser sah Macht manifestiert in der Konstruktion von kronkreten Rollen der Subjekte im Diskurs. Poststrukturalistische Theorien, die multiple Identitäten und Rollen für die Gesprächsteilnehmer erkennen, widersprechen ihm jedoch in dieser Hinsicht. Bourdieu wiederum, erstellte ein anderes Modell von Macht, nach dem er Macht als „‘symbolic capital‘“ (Thornborrow 2002:6) bezeichnet, „whereby some social practices take on more value and status than other, and where knowledge of and acces to those practices put some people in potentially more powerful position than others“ (ebd.). Hier kann man demnach bereits Verbindungen zwischen Sprache und Macht erkennen, da auch
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die Sprachkompetenz und die Kenntnis sprachlicher Normen, in einer sprachlichen Interaktion eine Machtressource darstellt.
Auch Foucault entfernt sich von der klassischen poststrukturalstischen Betrachtungsweise, die Macht hauptsächlich in Dominanz und Ideologien manifestiert sieht, und betrachtet sie nicht als etwas, das man besitzt, sondern vielmehr als etwas Potentielles (vgl. z.B. Mills 2003:35; Hutchby 1996:495). Macht ist nach Foucault „a continuously evolving web of social and discursive relations“ (Thornborrow 2002:7). Macht findet sich also in jeder Art von alltäglicher Interaktion, oder wie Mills es ausdrückt „power […] as a major force in all relations within society“ (Mills 2003:35). In dieser Interaktion wiederum hat jede Gesellschaft verschiedene Formen, die sie akkzeptiert und als wahr betrachtet. Man erkennt hier also eine Verbindung zu Bourdieus symbolic capital. Thornborrow führt diese Beziehung weiter und beschreibt, wie diese akkzeptierten sozialen Bräuche durch Diskurse konstruiert werden können. Außerdem beschreibt sie, dass einige sprachlichen Praktiken „more powerful“ (ebd.) und akkzepierter sein können als andere (vgl. Bourdieu), und greift Foucaults Ansicht auf, dass dort, wo Macht sich manifestiert, es immer auch Widerstand gibt, der sich wiederum auch im Diskurs niederschlägt (vgl. Hutchby 1996:495). Macht und ihre Verteilung sind also nicht“simply reducible to a master-slave relation, or an oppressorvictim relationship“ (Mills 2003:40), sondern, wie auch Asymmetrien, durchaus der Aushandlung unterworfen. Wenn man nun also Mediengespräche bezüglich der verschiedenen Machtverhältnisse untersuchen möchte, ist es notwendig zu untersuchen, inwiefern Macht in Gesprächen angelegt ist, wie sie aktiviert wird und inwiefern ihr widerstanden werden kann. Der Begriff Dominanz soll in dieser Untersuchung, nach Tiittula, als Ausdruck von Macht in der konkreten Interaktion verstanden werden (2001:1363).
2. Der institutionelle Kontext
Wenn man die Verbindung zwischen den institutionell angelegten Rollen und den tatsächlichen Rollen im Gespräch untersuchen möchte, ist es zunächst einmal notwendig den institutionellen Rahmen und die daraus resultierenden Rollen der einzelnen Gesprächsteilnehmer genauer zu betrachten. Hierbei soll zunächst einmal auf die
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Arbeit zitieren:
Kirsten Hinzpeter, 2010, Asymmetrie, Macht und Dominanz in Mediengesprächen, München, GRIN Verlag GmbH
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