Gliederung
1. Einleitung - Finnland im PISA Spiegel 4
2. Finnland - Einige Hintergrundinformationen S.5-8
2.1 Finnland - Land und Leute S.5-6
2.2 Finnland - ein mehrsprachiges Land S.6-8
3. Institutionelle Zuständigkeiten im Bildungswesen S.8-11
3.1 Ministerium für Bildung bzw. „Unterrichtsministerium“ S.9-10
3.2 „Utbildningsstyrelsen“ - Zentralamt für Unterrichtswesen
als Expertenbehörde S.10
3.3 Regionalverwaltung S.10-11
4. Das Bildungswesen Finnlands S.11-18
4.1 Grundstruktur des Bildungswesens. S.11
4.2 Vorschulunterricht S.12
4.3 Primarstufe und Sekundarstufe I S.12-13
4.4 Sekundarstufe II - Gymnasium und Berufsausbildung S.13-16
4.5 Universität und Fachhochschule S.16-17
4.6 Erwachsenen- bzw. Weiterbildung S.18
5. Ein Versuch, die Stärken des finnischen Bildungswesens
im Vergleich zu Deutschland herauszustellen S.19-25
5.1 „Pioniergeist“ im Land S.19-20
5.2. Flexibilität innerhalb des
Bildungssystems -
Autonomie der Bildungseinrichtungen S.20-21
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5.3 Höhere Investitionen im Schulwesen als der
OECD -Durchschnitt und fast zweimal so
hoch wie in Deutschland S.21-22
5.4 Intensive Bemühungen, nicht nur im Bildungswesen,
eine Informationsgesellschaft aufzubauen S.22-23
5.5 Die Finnen setzen auf Internationalisierung S.23
5.6 Kontinuierliche Selbst-Auswertung und
Qualit ätskontrollen - landesweit S.22-24
5.7 Klare Zielsetzungen - Klare Sprache S.24
5.8 Leistung ist erstrebenswert und nicht anrüchig S.24-25
5.9 Motivierte Lehrerschaft -
hoher Status in der Gesellschaft S.25
6. Schlusswort S.25-26
7. Bearbeitete und zitierte Literatur S.27-28
Anmerkung : Die statistischen Angaben in dieser Arbeit spiegeln, wenn
nicht anders ausgewiesen, den Stand 2001, direkt nach der Publikation der
PISA Ergebnisse.
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1. Einleitung - Finnland im PISA Spiegel
Im Jahr 2001 publizierte das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin die zentralen Befunde der PISA 2000-Studie. PISA steht für „Programme for International Student Assessment“ - ein Programm zur zyklischen Erfassung grundlegender Kompetenzen der nachwachsenden Generationen. PISA wird von der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) durchgeführt. PISA Studien beziehen sich auf die Bereiche Lesekompetenz, mathematische Grundbildung, naturwissenschaftliche Grundbildung und fächerübergreifende Kompetenzen. Der Schwerpunkt der 2000-Studie lag im Bereich Reading Literacy, also Lesekompetenz. Zielpopulation der PISA sind 15-jährige Schülerinnen und Schüler, also eine Altersgruppe, die in fast allen OECD-Mitgliedsstaaten noch der Vollzeitschulpflicht unterliegt.
Die Ergebnisse der Studie erschütterten das bildungspolitische Deutschland und richteten viele Augen auf ein kleines skandinavisches Land (5 Millionen Einwohner) im Norden Europas. Während Deutschland mit 484 Punkten unter dem OECD-Durchschnitt (Mittelwert 500 Punkte) landete, befand sich Finnland an der Spitze mit 546 Punkten (OECD, 2001). Noch verblüffender war die geringe Streuung zwischen den besten und schlechtesten Leistungen in Finnland, besonders im Vergleich zu Deutschland. Während Finnland mit dem Mittelwert 89 Punkte die geringste Streuung unter dem OECD Ländern aufwies, hatte Deutschland mit 111 Punkten die größte Streuung überhaupt. Offensichtlich gelingt es Finnland, die Chancengleichheit besser zu verwirklichen.
Es stellt sich natürlich die Frage: Sind die finnischen Schulen besser als deutsche und wenn, dann warum? Was steht hinter dem exzellentem Abschneiden Finnlands? Wo liegen die Stärken des Bildungswesens dieses Landes? Kann das bildungspolitische Deutschland von Finnland lernen? Gibt es etwas in dem Bildungssystem Finnlands, was auf deutsche Verhältnisse übertragbar wäre? Dass diese Frage viele deutsche Bildungspolitiker und Pädagogen beschäftigt, zeigen die Fernseh- und Pressemeldungen über die zahlreichen Studien-Besuche in Finnland, die nach der Veröffentlichung von PISA von Deutschland aus unternommen wurden. Die Bundesbildungsministerin Gabriele Behler hat im Mai 2001 mit einer Delegation von sechs Kultusministern eine Woche lang Finnland und auch Schweden bereist, und wie in den Nachrichten gemeldet wurde, war sie von dem finnischen Schulsystem
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begeistert. Auch NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement hat Finnland mit gleichem Ziel einen Besuch abgestattet.
Die oben gestellten Fragen, denke ich, sind für alle Pädagogen und Bildungspolitiker auf allen Ebenen interessant, weil ein solches „Versagen“ Deutschlands, eines des modernsten Länder der Welt, nicht einfach hingenommen werden kann. Im Rahmen einer Hausarbeit kann man eine so umfangreiche Thematik nur kurz anreißen, dies möchte ich jedoch aus einem gewissen Grund versuchen. Ich habe in Skandinavien gelebt und gearbeitet und beherrsche Schwedisch (die zweite Sprache in Finnland), wodurch ich mit originalen Dokumenten aus Finnland arbeiten kann, um die für die Thematik wesentlichen Antworten zu finden, zumindest aber ein paar Aspekte etwas näher zu beleuchten. Dazu möchte ich zuerst einmal einige Hintergrundinformationen über das Land und seine Einwohner liefern, um auf die spezifischen Bedingungen Finnlands aufmerksam zu machen.
2. Finnland - Einige Hintergrundinformationen
2. 1 Finnland - Land und Leute
Die Republik Finnland, das Land der Tausend Seen (genau genommen 55 000), Sümpfe und Wälder ist ein relativ großes, dünn besiedeltes Land. Mit ihrer Fläche von 338 145 km 2 ist es nur wenig kleiner als Bundesrepublik Deutschland (357 022 km 2 ) hat aber nur 5,2 Millionen Einwohner. Das ergibt eine Bevölkerungsdichte von 15 Einwohner/ km 2 (Deutschland: 230/ km 2 ). Während in Deutschland 88% der Bevölkerung in den Städten lebt, ist die Rate in Finnland 65%; und ein Viertel der Bevölkerung lebt im Großraum Helsinki. Dies stellt natürlich Finnland und das finnische Bildungswesen vor andere Probleme, wenn es um die Entwicklung und Unterhaltung des Bildungssystemnetzes geht wie auch um das Problem des regionalen Ausgleichs geht, um allen Bürgern den gleichwertigen Zugang zur Bildung zu garantieren.
Finnland liegt in Skandinavien, aber Sprache und Kultur der Finnen unterscheiden sich deutlich von den skandinavischen Nachbarn wie auch von den sie von der anderen Seite umringenden slawischen Sprachen. Schwedisch, Norwegisch, Dänisch, Isländisch haben viele sprachlich/grammatikalische Gemeinsamkeiten und zweifellos einen gemeinsamen Ursprung.
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Finnisch ist eine grammatisch und phonetisch völlig andere Sprache. Die meisten Sprachwissenschaftler gehen heute davon aus, dass es eine gemeinsame finnisch-ugrische Grundsprache gegeben hat. Als dem Finnischen verwandt, gilt das Estnische und im weiterem Sinne ebenso das Ungarische. Auch die Sprache der im Norden Skandinavien lebenden Lappen gehören zur dieser Sprachfamilie.
Die Geschichte Finnlands wurde jahrhundertelang von den beiden Großmächten-Nachbarn Schweden und Russland bestimmt. Im 11. Jahrhundert wurde Finnland in das schwedische Herrschaftsgebiet eingegliedert. Bildung befand sich in der Hand der Kirche und fand in Latein statt. Erst im Zuge der lutherischen Reformation entstand der Gedanke des Unterrichts in eigener Sprache. Im 15. Jahrhundert kam das erste ABC-Buch auf Finnisch, und im Jahre 1640 wurde die erste finnische Universität in Åbo gegründet.
Ab 1809 gehörte Finnland Russland als eigenständiges Großfürstentum an. Das Bildungssystem musste sich nicht nach den russischen Bildungsgesetzen richten. Im Jahre 1869 wurde ein nationales Amt für Schulwesen gegründet, und damit wurde die Bildung aus der Verwaltung der Kirche genommen.
Im Jahr 1917 ist Finnland ein selbständiges Staat geworden und im Jahre 1919 führte man die Schulpflicht ein, verbunden mit der Garantie auf gebührenfreie Grundbildung. Bis in die 70-er Jahre umfasste die Schulpflicht die 6-jährige Volksschule. Erst Ende der 70-er Jahre wurde die heutige 9-jährige Einheitsschule, die Pflicht ist, eingeführt. In den relativ wenigen Jahren der Selbständigkeit hat sich Finnland von einem bitterarmen Land zur einer modernen Industrie/Dienstleistungs-Nation entwickelt und ist seit 1995 Mitglied der Europäischen Union.
2.2 Finnland - ein mehrsprachiges Land
In der Bevölkerung Finnlands (Ausländer ausgenommen) werden drei Sprachen gesprochen: Finnisch, Schwedisch und Sämisch (die Sprache der Lappen im Norden Finnlands). Die Hunderte von Jahren dauernde schwedische Herrschaft hat verschiedene Spuren hinterlassen, darunter auch hunderttausende von Schweden, die sich da niederließen. In Skandinavien werden sie „Finnschweden“ genannt. Viele von diesen Finnschweden wanderten in den 50er, 60-er, 70-er und auch noch 80-er Jahren in das reichere Schweden aus. Die verbliebenen
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machen heutzutage einen Anteil von ca. 7% aus. Die „reinen“ Lappen (Samen) schätzt man auf 5000, was ca. 1% ausmacht. Insgesamt gibt es 30.000 -70.000 Lappen, die in dem nordischen Skandinavien über die Grenzen von Finnland, Schweden und Norwegen wandern, da sie teilweise immer noch als Nomaden oder Halb-Nomaden leben.(Statistics and Indicators, Nr.7 im Verzeichnis.)
Die Richtlinien der Bildungspolitik stellen fest, dass die Gesellschaft dazu verpflichtet ist, der finnischsprachigen wie der schwedischsprachigen Bevölkerung gleiche Rechte und Möglichkeiten zu Bildung und Pflege der eigenen Kultur zu geben. So wird beiden Bevölkerungsgruppen gleiches Recht auf Unterricht in der Muttersprache zugestanden und realisiert. Dies wird in Praxis und nach Bedarf so umgesetzt, dass es schwedischsprachige und finnischsprachige Schulen gibt, wie auch Schulen, in denen in beiden Sprachen unterrichtet wird. So sind von Finnlands 20 Universitäten 2 schwedischsprachige, und in 6 benutzt man beide Sprachen als Unterrichts- und Prüfungssprachen.Die Schweden lernen schwedisch als Muttersprache, und Finnisch als Zweitsprache und umgekehrt.
Nach dem 1922 erlassenen Sprachgesetz, das die Benutzung der beiden Sprachen bei Behörden, Ämtern und im Bildungswesen regelt, werden alle Gemeinden grundsätzlich nach folgendem Muster eingeteilt:
1. Einsprachige finnische Gemeinden 2. Einsprachige schwedische Gemeinden 3. Zweisprachige Gemeinden mit finnischsprachiger Majorität 4. Zweisprachige Gemeinden mit schwedischsprachiger Majorität
Nach dieser Einteilung richtet sich die Pflicht der Gemeinden bzgl. Organisation und Umsetzung des Unterrichts in den beiden Hauptsprachen des Landes. Die schwedische Bevölkerung konzentriert sich grundsätzlich auf die Åland Inseln, auf Finnlands Ostseeküste sowie auch auf den Großraum Helsinki. In den zweisprachigen Gemeinden wird von den im Bildungswesen Tätigen (wie auch in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens) verlangt, dass sie beide Sprachen beherrschen. So muss z.B. ein Schulrektor in einer zweisprachigen Gemeinde mit finnischsprachiger Majorität auch wenigstens Grundkenntnisse in Wort und Schrift in Schwedisch besitzen. Alle Gesetze, Vorschriften etc. in Bereich des Bildungswesen, wie auch Richtlinien der Bildungspolitik oder Lehrpläne, im Prinzip alles was schriftlich fest
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Arbeit zitieren:
Magister der Philologie (PL) Kristina Bornemann, 2000, Das finnische Bildungswesen, München, GRIN Verlag GmbH
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