Inhalt
1. Einleitung 1
2. Ulrich Becks Sicht auf die globalisierte Welt 3
3. Ulrich Becks Idee zur Rettung des Staates - Eine Rekonstruktion 13
4. Kritik an Ulrich Beck - Eine wirtschaftsethische Sicht 19
5. Fazit 31
Literaturverzeichnis 33
I
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 2.1: Becks Sicht auf die Lage vor der Globalisierung
Abbildung 2.2: Becks Sicht auf die Lage nach der Globalisierung
Abbildung 3.1: NGOs helfen dem Staat
Abbildung 4.1: Trade-off Denken
Abbildung 4.2: Pareto-inferiores Nash-Gleichgewicht
II
1. Einleitung
Der deutsche Soziologe Ulrich Beck hat sich in zahlreichen seiner Werke Gedanken über die Globalisierung gemacht. Die Welt hat sich in den Augen Becks stark verändert. Nichts ist mehr wie es mal war. Er glaubt, bestimmte Probleme erkannt zu haben, die im Zuge dieses Prozesses auftauchten. Laut Beck beginnt ein Ringen um Macht und Vorherrschaft auf der Welt, welches die Wirtschaft zu gewinnen scheint. Die Lösung Becks für diese Entwicklung heißt „Kosmopolitischer Realismus“ 1 und zielt vor allem darauf, Staaten international zu stärken und ihnen Hilfe im Kampf gegen die Ökonomie zu suchen. 2
Das Thema dieser Arbeit wurde gewählt, um sich intensiv mit den Theorien Ulrich Becks auseinanderzusetzen. Beck ist ein bedeutender Vertreter der Soziologie und macht in der heutigen Zeit häufig mit Auftritten in Zeitungen und im Fernsehen auf sich aufmerksam. Besonders nach dem 11. September 2001 und dem damit verbunden Anschlag auf New York hörte man immer mehr von Beck in den Medien. „Terrorgruppen als neue globale Akteure“ 3 titelte der Soziologe und schien damit den Nerv der Zeit zu treffen. Die Welt hat sich in den letzten Jahren verändert und Ulrich Beck scheint eine Antwort auf viele Fragen unserer Zeit zu haben. Das macht den bekannten Soziologen so interessant.
Ziel dieser Bachelorarbeit soll es ein, sich mit den Theorien Ulrich Becks kritisch und aus einem wirtschaftsethischen Blickwinkel heraus zu beschäftigen. Am Ende werden seine Ideen widerlegt. Zu Beginn jedes Kapitels wird aus diesem Grund noch einmal explizit auf die zu bearbeitenden Thesen eingegangen. Deshalb ist es besonders wichtig, zuerst die wesentlichen Punkte von Ulrich Becks Ideen zusammenzufassen. Besonders sein Buch „Macht und Gegenmacht im globalen Zeitalter“ wird im Laufe dieser Arbeit eine wesentliche Rolle spielen, da er in diesem Werk seine Idee des „Kosmopolitischen Realismus“ am ausführlichsten erörtert. Nach der Zusammenfassung der wesentlichen Inhalte soll zunächst die Lösung von Ulrich Beck dargestellt werden.
Neben zahlreichen Ideen, die besonders das Miteinander der Staaten betreffen und das Ausbrechen aus dem nationalen Denken, geht es besonders darum, dass die Nichtregierungsorganisationen (NGOs) dem Staat helfen sollen, sich aus seiner Krise zu befreien. Die NGOs sollen den Staaten die nötige Waffe an die Hand geben, um sich gegen
1 Beck (2002; S.177f).
2 Vgl. Beck (2002; S.23f).
3 Beck (2002; S.33).
1
die Wirtschaft aufzulehnen. Politik und Zivilgesellschaft müssen sich im Kampf gegen die Übermacht des Kapitals vereinen. 4 Ein schweres Unterfangen, bedenkt man, dass Kapital nicht territorial gebunden ist und sich jederzeit frei bewegen kann. Ein Problem, welches auch Beck erkannte und durch sein Spiel von Macht und Gegenmacht zu lösen versucht. Die Macht der Wirtschaft kann durch die Gegenmacht der NGOs in Zusammenarbeit mit den Staaten geschwächt werden. Becks Idee ist vor allem auf eines ausgerichtet: Die Wirtschaft so stark wie möglich zu schwächen und unter die Kontrolle der Staaten zu stellen.
Nach den theoretischen Grundlagen wird die Lösung von Beck einer wirtschaftlichen Kritik unterzogen. Anhand mehrerer Grafiken wird der Beweis unternommen, dass Beck im Trade-Off denkt. Beck schafft es nicht, eine Win-Win Situation mit seiner Lösung zu erreichen. Der Soziologe verbessert das Problem nicht, er kehrt lediglich die Richtung des Denkens um. Diese Theorie wird auch anhand einer spieltheoretischen Matrix genauer untersucht. Ziel dieser Analyse ist es zu beweisen, dass Beck letztlich falsch gedacht hat. Seine Vorschläge führen am Ende zu einem Gefangenendilemma und einem pareto-inferioren Nash Gleichgewicht. Beck übersieht eine Situation, in der es für alle Beteiligten möglich wäre, sich zu verbessern. Der Soziologe will, dass sich der Staat gegen die Unternehmen stellt. Damit widerspricht er jedoch seinen eigenen Aussagen. Er übersieht Situationen die er selbst als richtig erachtet. Darauf wird in der Kritik genauer eingegangen.
Ein weiterer Punkt wird die Untersuchung der Normativität in den Analysen von Beck sein. Dabei fällt auf, dass Ulrich Beck häufig mit wertenden Aussagen arbeitet. Der Grund dafür ist darin zu suchen, dass der Soziologe selbst merkt, dass seine Ideen keine Lösung darstellen. Er versucht an die Vernunft und an die Moralvorstellungen der Menschen zu appellieren, um sie doch noch von sich überzeugen zu können. Aus wissenschaftlicher Sicht ist dieses Vorgehen stark zu kritisieren. Mithilfe einiger Beispiele soll diese Behauptung gestützt werden.
Schließlich wird noch eine kurze Kritik aus soziologischer Sicht unternommen. Zwar ist die Kritik aus diesem Blickwinkel der Wissenschaft nicht ausschlaggebend für diese Arbeit, dennoch aber wichtig, um Beck auch aus seinem eigenen Fachgebiet heraus zu beurteilen. Letztlich gibt es zwischen dem wirtschaftlichen und dem soziologischen Blickwinkel einige Gemeinsamkeiten, die kurz herausgestellt werden. Am Ende der Arbeit wird eine Zusammenfassung mit Fazit stehen.
4 Vgl. Beck (2002; S.30).
2
2. Ulrich Becks Sicht auf die globalisierte Welt
Die Welt befindet sich im Wandel. Was einst vom Staat als demokratisch legitimierter Machthaber gelenkt und entschieden wurde, wird heute wesentlich von Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) mitgestaltet. So sieht laut Ulrich Beck die Gegenwart aus und so lässt sich seiner Meinung nach die Globalisierung beschreiben. Unternehmen und NGOs haben ihren Einfluss auf die Weltbevölkerung längst über den gesamten Globus erstreckt und können dank geschickter Schachzüge die politischen Entscheidungen der Staaten mitbestimmen. Beck sieht neue Probleme auftauchen, neue Krisen entstehen und neue Akteure im Ringen um die globale Macht gegeneinander kämpfen. 5 Becks Ansicht zu den veränderten Machtarchitekturen in der globalisierten Welt soll anhand folgender These zunächst genauer untersucht werden: Die Globalisierung führt zu einer Verschiebung der Machtpositionen. Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) erhalten weltweit immer mehr politischen und wirtschaftlichen Einfluss.
„Man kann als (politischer) Nichthandler (politisch) handeln, und zwar äußerst effektvoll, mit der Macht, die Tatsachen schafft.“ 6 Was Beck damit meint, wird schnell klar. Auch wenn weltweit agierende Akteure nicht direkt der Politik angehören, treffen sie dennoch wesentliche politische Entscheidungen, die die Macht des Staates untergraben können. Die Wirtschaft und die globale Zivilgesellschaft erhalten immer mehr politischen Einfluss. Ein neues Spiel von „Macht und Gegenmacht“ 7 entsteht und ein Ringen um die besten Positionen und die Vorherrschaft in der globalisierten Welt. Laut Beck wird „Politik entgrenzt und entstaatlicht, mit der Folge, dass zusätzliche Spieler, neue Rollen, neue Ressourcen, unbekannte Regeln, neue Widersprüche und Konflikte auftauchen.“ 8 Beck unterscheidet dabei im Wesentlichen drei große Akteure, die an diesem Machtspiel teilnehmen. Die Staaten, weltwirtschaftliche Akteure oder auch das Kapital sowie die Akteure der globalen Zivilgesellschaft, die NGOs. 9 Aber nicht nur neue Akteure treten auf die internationale Bühne.
Auch das Spiel verändert sich. Beck vergleicht das Ringen um Macht und Gegenmacht mit einem Dame- und einem Schachspiel. Gab es bei dem alten Damespiel vor der Globalisierung immer nur einen Spielzug pro Spieler, gibt es in Zeiten der Globalisierung eine Vielzahl von
5 Vgl. Beck (2002; S.23f).
6 Beck (2002; S.187).
7 Beck (2002; S.185).
8 Beck (2002; S.24).
9 Vgl. Beck (2002; S.21).
3
Strategien, Zügen und Zielen. Die Globalisierung gleicht dem Schachspiel. 10 Doch dabei bleibt es nicht. Beim Schach steht das Ziel fest, beim neuen internationalen Spiel um das Ringen von Macht nicht. Alles verändert sich: Strategien, Ziele, Institutionen, Machtverhältnisse. Die Welt befindet sich in einem ständigen Wandel:
Weder die alten Basisinstitutionen und Spielregelsysteme noch die spezifischen Organisationsformen und Rollen der Handelnden liegen fest, sondern werden im laufenden Spiel aufgebrochen, umgeschrieben, ausgehandelt; wie weit das geht, ist ebenso unklar, abhängig von kontingenten Umständen, wie die Ziele und Alternativen von Politik überhaupt. 11
Dadurch ist jeder Spieler gezwungen sich ständig mit anderen zu messen und kluge Strategien für sich selbst zu entwickeln. Um die Aussagen von Beck besser zu verstehen, sollen nun die einzelnen Akteure vorgestellt und ihre Möglichkeiten beim Kampf um Macht und Gegenmacht erläutert werden.
Die besten Chancen in diesem Spiel und damit die besten Möglichkeiten, eine starke Position in der Welt einzunehmen, haben die Unternehmen, die durch die „Macht des Neins“ 12 ein mächtiges Instrument an die Hand bekommen haben, welches ihnen erlaubt auch ohne demokratische Wahlen legitimiert zu sein, politisch aber legal zu handeln. Weltweite Firmen haben sich aus dem Griff des Nationalstaates gelöst und sind laut Beck zum „Spieler ohne Gegenspieler im Raum weltstaatlicher Politik“ 13 geworden. Alles in allem haben sich die Machtpositionen der Weltgesellschaft dramatisch verschoben, worauf nun genauer eingegangen werden soll. 14
Ein Unternehmen ist laut Beck schon lange keine vom Staat und Politik abhängige Organisation mehr. Er spricht immer wieder von einer Veränderung der „Machtarchitektur“ 15 zwischen dem Territorialstaat und der Wirtschaft. Die Wirtschaft ist ein mächtiger Akteur in einem globalen Spiel um Macht geworden. Den Grund dafür sieht Beck in der Entgrenzung von Politik, Zivilgesellschaft und Ökonomie, in dem sich neue Herrschaftsformen herausbilden. 16 Beck beschreibt diesen Machtkampf wie folgt:
10 Vgl. Beck (2002; S.24).
11 Beck (2002; S.25).
12 Beck (2002; S.187).
13 Beck (1998; S.32).
14 Vgl. Beck (1998; S.19f).
15 Beck (2002; S.98).
16 Vgl. Beck (2002; S.16).
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Arbeit zitieren:
Sebastian Rhein, 2010, Globalisierung und Governance, München, GRIN Verlag GmbH
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