Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Ludwig von Mises- Kritik am
Klassenbegriff 2-5
3. Karl R. Popper- Karl Marx ein
Wunschdenker 6-9
4. Vergleich der Kritiker- Unwissenschaftlichkeit in Karl Marx
Arbeit 10-11
5. Fazit- Unwissenschaftlichkeit in Marx´
Arbeit 12
Literaturverzeichnis 13
I
1.Einleitung
In dieser Seminararbeit wird die Kritik von Ludwig von Mises und Karl R. Popper an Karl Marx erläutert. Ausgehend von den Ausführungen Karl Marx´, die er im „Manifest der Kommunistischen Partei“ verfasst hat, wird ein Versuch unternommen, die zentralen Gegenargumente der Kritiker herauszuarbeiten. Dabei wird bewusst darauf verzichtet, die Schriften von Marx explizit zusammen zufassen. Stattdessen werden die kritisierten Punkte zu Beginn eines jeden Kapitels aus der Perspektive von Karl Marx dargestellt.
Am Anfang soll die Analyse der Kritik von Ludwig von Mises stehen, die sich vor allem auf die von Marx vorhergesagten Klassenkämpfe stützt. Mises Beurteilung bezieht sich auf die Definition einer Klasse. Der Ökonom vertritt die Ansicht, dass Karl Marx nie bewusst war, was unter diesem Konstrukt zu verstehen ist. Innerhalb seiner Argumentation unternimmt Mises selbst den Versuch, diesen Begriff zu definieren und erläutert aus rein ökonomischer Sicht, was das Wesen einer Klasse ausmacht. Anhand dieser Ausführungen meint er, Karl Marx in all seinen Aussagen wiederlegen zu können.
Anschließend soll Karl R. Popper, als zweiter Kritiker, im Focus dieser Arbeit stehen. Dieser äußert seine Meinung zum Manifest und hegt dabei große Zweifel an der Wissenschaftlichkeit des Historizismus. Mit Hilfe dieser Methode glaubt Marx, aus Regelmäßigkeiten in der Vergangenheit, die er erkannt haben wollte, Prognosen für die Zukunft herleiten zu können. Popper hegt großen Zweifel an der Arbeitsweise und wirft Marx vor, viele Dinge übersehen zu haben. Er stellt seine Kritikpunkte nacheinander dar und erläutert sie schrittweise. Seine Herangehensweise soll auch in dieser Arbeit berücksichtigt und eingebracht werden.
Am Ende soll ein Vergleich der beiden Kritiker stehen. Deren wesentliche Gemeinsamkeit wohl darin zu suchen ist, dass sowohl Mises als auch Popper, Karl Marx Unwissenschaftlichkeit vorwerfen. Beide sind der Meinung, dass Marx´ Methoden falsch und im höchsten Maße unwirklich sind. Der größte Unterschied zwischen den beiden Kritikern ist nicht im Inhalt ihrer Ausarbeitungen zu suchen, auch wenn beide unterschiedliche Aspekte von Marx´ untersuchen, sondern in ihrer Herangehensweise. Betrachtet Mises alles aus einem rein ökonomischen Blickwinkel, geht Popper aus wissenschaftstheoretischer Sicht an die Schriften von Marx heran. Dadurch gelangen beide zu unterschiedlich harten Aussagen über den Philosophen.
Am Ende der Arbeit soll ein persönliches Fazit stehen, in dem Gründe für die unterschiedlichen Betrachtungen gesucht werden.
1
2. Ludwig von Mises´ Kritik am Klassenbegriff
Die Kritik Mises lässt sich in einer These zusammenfassen: Karl Marx hat die Klassenkämpfe nicht wissenschaftlich beschrieben. Weiter noch, der Philosoph hat nie verstanden, was unter einer Klasse zu verstehen ist und ist nie über die bloße Aufstellung eines Stichworts hinausgelangt. Zunächst wird diese These Schritt für Schritt analysiert. Die Argumente Mises sollen erkennbar und am Ende in einen Zusammenhang gebracht werden.
Mises´ Kritik an Karl Marx bezieht sich auf dessen Rekonstruktion und Darstellung der Klassenkämpfe. Laut Marx bestand die „Geschichte aller bisherigen Gesellschaften aus Klassenkämpfen“ 1 . Der Philosoph ging davon aus, dass sich im Kapitalismus die Gesellschaft, als Resultat dieser Kämpfe, in zwei Gruppen teilen wird. Die Bourgeoisie, also die Kapitalisten und das Proletariat, die einfachen Arbeiter. Laut Marx, befinden sich die gesamten Produktionsmittel und das Kapital in den Händen Weniger, nämlich im Besitz der Bourgeoisie. Doch die Mehrheit der Gesellschaft bezeichnet der Philosoph als Besitzlose. Das gesamte Proletariat würde daher von den Unternehmern unterdrückt werden, da sie nur ihre Arbeitskraft haben und gezwungen sind diese, zu schlechten Konditionen, an die Kapitalisten zu verkaufen. Diese Missstände müssen nach der Ansicht Marx´ zu einem Zusammenschluss des Proletariats führen. Der Mittelstand, Bauern und der einfache Arbeiter bilden diese Klasse, die sich durch die gleiche soziale Lage und hohe Solidarität untereinander auszeichnen soll. Eben an dieser Theorie hegt Mises große Zweifel, er sieht Fehler in der Denkweise von Karl Marx. 2
Mises stellt bei seiner Argumentation vor allem den Begriff der Klasse in den Mittelpunkt. Er behauptet, dass Marx nie verstanden hat, was unter einer Klasse zu verstehen ist: „Noch im Kommunistischen Manifest weiß Marx nicht zwischen Stand und Klasse zu unterscheiden.“ 3 . Und weiter noch: „… aber er ist nicht dazu gekommen, zu sagen, was unter einer Klasse zu verstehen ist.“ 4 . Eben daran knüpft Mises an und stützt dadurch seine Kritik an dem Philosophen. Er ist der Ansicht, dass Marx´ Argumente schlicht falsch sein müssen, wenn die Begriffsdefinition von Mängeln behaftet ist. Mises selbst unternimmt den Versuch und legt
1 Vgl.Marx (1827,1999; S. 19)
2 Marx (1827,1999;S.5ff)
3 Mises (1927,2002 ; S.142f)
4 Mises (1927,2002; S.143)
2
dar, was eine Klasse nach seiner Ansicht ausmacht. Durch die von ihm aufgestellten Gesetzmäßigkeiten leitet er eine schlüssige Argumentation ab, die aus zwei Schritten besteht. 5
Zunächst argumentiert Mises anhand der Solidarität, die nach der Ansicht des Ökonomen zwischen den Mitgliedern einer Klasse bestehen muss. Laut Marx, schließen sich die Besitzlosen zu einer gemeinsamen Klasse zusammen. „So rekrutiert sich das Proletariat aus allen Teilen der Bevölkerung“ 6 . Karl Marx ist der Ansicht, dass Maschinen den Lohn immer weiter drücken und die besitzlose Bevölkerung zunehmend ins Elend getrieben wird. Durch dieses gemeinsame Leid und der dadurch wachsenden Solidarität untereinander, verdichtet sich das Proletariat zu einer mächtigen Einheit, die den Kampf gegen die Minderheit der Kapitalisten nicht scheut, so die Ansicht von Marx. Doch eben genau darin glaubt Ludwig von Mises einen großen Denkfehler in der Argumentation des Philosophen entdeckt zu haben. Zwar streitet Mises nicht ab, dass sich die Mitglieder des Proletariats in einer ähnlichen, wenn nicht sogar identischen sozialen Lage befänden, dies führe aber auf keinen Fall zu einer Solidarität unter den Arbeitern. Das Gegenteil muss laut Mises der Fall sein. Die Arbeiter befinden sich zunächst in einem Konkurrenzkampf. Mises erklärt diesen Fakt dadurch, dass es durchaus auch im Proletariat Arbeiter gibt, die unter besseren Bedingungen leben und arbeiten können als andere. Diese sind zunächst bestrebt, ihren Lebensstandard beizubehalten. Sie wollen um jeden Preis verhindern, dass Konkurrenten aus den eigenen Reihen sie verdrängen. So würden diejenigen, die unter besseren Bedingungen leben, Gefahr laufen, die von ihnen erarbeiteten Privilegien zu verlieren. „Der Arbeiter zum Beispiel, der unter besseren Bedingungen arbeitet, als durchschnittlich vorhanden sind, hat das Interesse, den Zuzug des Konkurrenten, der sein Einkommen auf das Durchschnittseinkommen ermäßigen könnte, fernzuhalten.“ 7 . Dadurch versucht Mises zu beweisen, dass jeder Mensch zunächst seine eigenen Interessen verfolgt. Das Bedürfnis sich für alle einzusetzen, sieht Mises klar hinter den persönlichen Wünschen eines jeden Arbeiters. Marx spricht zudem von einer zunehmenden internationalen Solidarität des Proletariats. Laut Mises wird eine solche weltweite Verbundenheit gar nicht erst möglich sein. Der Ökonom ist auch hier der Meinung, dass jeder zunächst daran interessiert ist, seinen Lebensstandard beizubehalten, bevor er Gefahr läuft, dass sich dieser durch einen Konkurrenten verschlechtert. Belegbeispiele sieht er in der Einwanderungspolitik eines jeden Landes und in den Gewerkschaften, die den „Zuzug
5 Vgl.Mises (1927,2002; 142ff)
6 Marx (1827,1999; S.28)
7 Mises (1927,2002; S.143)
3
Arbeit zitieren:
B.Sc. Sebastian Rhein, 2009, Ludwig von Mises' Ökonomischer Liberalismus, München, GRIN Verlag GmbH
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