1.Einleitung
Jeder Mensch führt jeden Tag eine Reihe von Handlungen aus. Meist welche über die er sich keine Gedanken machen muss. Doch wenn man beginnt darüber nachzudenken, welche Handlung angebracht und moralisch richtig ist und welche nicht, überlegt man vielleicht auch wo der Ursprung für die eigene Handlung liegt. Man wird oft für seine Handlungen gelobt oder kritisiert, aber worauf basiert dieses Lob / diese Kritik?
Ich folge in meiner Hausarbeit weitgehend der Gliederung von Aristoteles, weil mir diese als sehr sinnvoll erscheint. Ich beginne also mit dem Begriff des Gewollten (hekousios) indem ich die Kriterien zu Zwang und Wissen einzeln abarbeite. Danach geht es um den Begriff des Vorsatzes und seine Abgrenzung. Zum Schluss werde ich das Gewollte (hekousios) und den Vorsatz (prohairesis) vergleichen.
2.Begrifflichkeiten
2.1 Der Begriff des Gewollten
2.1.1 Unterscheidung zwischen gewollten und ungewollten Handlungen
Aristoteles begründet die Untersuchung des menschlichen Handelns damit, dass die Tugend (arete) offensichtlich damit zu tun hat, wie ein Mensch handelt. Denn größtenteils durch sein Handeln beweist ein Mensch seine Tugendhaftigkeit für die er Lob erfahren wird, doch falls er mit seinen Handeln zeigt dass er keine oder wenig Tugendhaftigkeit besitzt wird er Tadel erfahren. Die Handlungen sind also durch Lob und Tadel mit der Tugend (arete) verbunden.
- 1 -
Als nächstes stellt sich die Frage durch welche Handlungen ein Mensch Lob und durch welche Handlungen er Tadel erfahren wird. Beides, sowohl Lob als auch Tadel wird man nur erfahren, wenn die Handlung eine gewollte ist. Nur wenn man eine Handlung aus eigenem Wollen tätigt kann man dafür gelobt oder getadelt werden. Hier kommt der Begriff des Ungewollten ins Spiel, denn für ungewollte Handlungen kann man nicht gelobt oder getadelt werden. Wenn beispielsweise ein Kollege einem anderen Schaden will, indem er z.B. eine ihm negativ scheinende Sache dem Arbeitgeber verpetzt, diese sich aber als Etwas für den Arbeitgeber Positives herausstellt kann er dafür nicht gelobt werden, da er nur ungewollt etwas Gutes getan hat und eigentlich Schlechtes tun wollte. Nehmen wir diesen Fall nun so an dass jemand nicht ungewollt Gutes tut sondern ungewollt Schlechtes tut, wird er dafür auch nicht getadelt werden. Ihm wird verziehen werden, weil er offensichtlich nicht wollte dass es so geschieht. Auf ungewollte Handlungen folgt also statt Lob oder Tadel eher Verzeihung oder sogar Mitleid. Diese Umstände bewegen Aristoteles dazu, das Gewollte (hekousios) vom Ungewollten (akousios) zu unterscheiden.
2.1.2 Ungewolltes Handeln durch Zwang
Da nun geklärt wurde, warum ungewollte von gewollten Handlungen unterschieden werden müssen, beschäftigt sich Aristoteles mit den Kriterien für gewolltes Handeln. Das erste ist die Abwesenheit von Zwang. Aristoteles definiert den Zwang dadurch, dass bei erzwungenem Verhalten die Bewegungsursache (arche) außerhalb liegt, das heißt so beschaffen ist, dass der Handelnde oder Erleidende gar nichts beiträgt (NE 1110a, 3) Aristoteles nennt hier das Beispiel vom Wind irgendwo hin getragen zu werden oder in der Gewalt anderer Menschen zu sein. Handlungen, die ein Mensch selbst ausführt um z.B. Schlimmeres zu verhindern, gelten allerdings nicht zu den erzwungenen, da es dort bei ihm (ep auto) liegt sie zu tun oder nicht zu tun (NE 1110a, 17), da er
- 2 -
seine Körperteile eigenständig bewegt. Man kann also davon ausgehen, dass Aristoteles von physischem und nicht psychischem Zwang spricht.
2.1.3 Gemischte Handlungen
Gemischte Handlungen sind Handlungen, bei denen es nicht eindeutig ist, ob sie gewollt oder ungewollt genannt werden sollten. Hier ist die Handlungssituation (kairos) entscheidend, und das Ziel (telos) das sich nach ihr richtet. Wenn jemand bei einem Sturm Güter von einem Schiff wirft scheint diese Handlung zunächst ungewollt, denn niemand wirf freiwillig Güter weg. Bei genauerer Betrachtung der Handlungssituation und dem Zeitpunkt der Handlung stellt sich allerdings raus, dass das Ziel ist die Menschen an Bord dadurch zu retten. Diese Handlung führt Aristoteles als eine gemischte, aber durch Berücksichtigung der Handlungssituation und des Ziels eher gewollte Handlung an. Ein weiteres Besipiel wäre, dass jemand etwas Niedriges (aischron) tut, um seine Kinder zu retten, weil ein Tyrann sie in der Gewalt hat und sie töten würde, wenn die Handlung nicht ausgeführt wird. Eine gemischte Handlungen bzw. der Zweifel darüber ob eine Handlung gewollt oder ungewollt ist entsteht also aus Furcht vor größeren Übeln oder im Hinblick auf etwas Werthaftes (kalon) (NE 1110a, 5)
2.1.4 Tadel und Lob
Wie in 2.2.1 schon erwähnt können ungewollte Handlungen nicht gelobt oder getadelt werden, die in 2.2.3 beschriebenen Handlungen allerdings schon. Es gibt also Handlungen für die man Lob erfahren kann, welche für die man Tadel erfahren kann und welche für die man Verzeihung erfahren kann.
Lob erfährt man dann, wenn man etwas Niedriges (aishron) auf sich nimmt um große oder edle (kalon) Dinge zu vollbringen. Im Extremfall kann man hier von Heldentaten sprechen. Denn Helden nehmen Unangenehmes auf sich oder bringen sich selbst in Gefahr um anderen Menschen zu helfen, was wiederum
- 3 -
Quote paper:
Tamara Mödersheim, 2011, Aristoteles - prohairesis und hekousion, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 25 Pages
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 35 Pages
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 15 Pages
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 25 Pages
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 20 Pages
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Termpaper, 14 Pages
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Script, 46 Pages
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 39 Pages
Philosophy - Philosophy of the Ancient World: Aristoteles - prohairesis und hekousion is now available as a printed book
Philosophy - Philosophy of the Ancient World: new text published: Aristoteles - prohairesis und hekousion
Tamara Mödersheim has uploaded a new text
0 comments