1. Einleitung
Wir brauchen gemeinsames Handeln in vielen Lebenslagen. Menschen müssen gemeinsam Handeln um ihre Ziele zu erreichen. Denken wir zum Beispiel an Sportarten. Dort müssen die Akteure gemeinsam Handeln um die Tätigkeit überhaupt ausüben zu können. Alleine kann niemand ein Fußballspiel bestreiten. Gemeinsam jedoch, kann ein Team gewinnen oder verlieren. Aber nicht nur für kooperative Handlungen, die man nur gemeinsam tun kann, ist gemeinsames Handeln im Fokus, vor Allem Handlungen, bei denen man die Wahl hat, sie gemeinsam oder alleine zu tätigen, sind interessant zur Charakterisierung kollektiven Handelns.
Margaret Gilbert zum Beispiel analysiert dies am Beispiel von zwei Menschen die zusammen spazieren gehen, oder nur unabhängig voneinander nebeneinander herlaufen. Je nachdem, ob sie die Handlung nun gemeinsam oder alleine ausführen. Die Frage die sich hier stellt ist: was unterscheidet den Fall gemeinsamen Spazierengehens von dem Fall, dass jeder für sich spazieren geht 1 ?
In meiner Hausarbeit möchte ich genau Dies erläutern. Nämlich was gemeinsames Handeln von parallelem individuellem Handeln unterscheidet und wozu wir es brauchen. Ich habe mich entschieden, mich in meiner Erläuterung für gemeinsames Handeln auf die Analyse geteilten kooperativen Handelns von Michael E. Bratman zu beziehen, da ich seine Analyse für die umfassendste und am meisten einleuchtende halte. Allerdings gehe ich nicht auf Details, wie die Unterscheidung von kooperativ neutralen und kooperativ beladenen Typen ein, da der Umfang
1 vgl. Schmid, Hans Bernhard: Schwerpunkt: Kollektive Intentionalität und gemeinsames Handeln, in: DZPhil, Berlin 55 (2007)3,S.404-408
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meiner Hausarbeit dies nicht erlaubt. Ich möchte ihn nur dafür benutzen geteiltes kooperatives Handeln zu erklären. Das hat lediglich den Zweck, gemeinsames Handeln von parallelem individuellen besser unterscheiden zu können.
2. Paralleles individuelles Handeln
Jeder Mensch handelt jeden Tag individuell. Er beginnt damit beim Aufstehen, wenn er seinen Wecker ausschaltet und seine Zeitung liest, seine letzte individuelle Tätigkeit besteht darin, abends die Zähne zu putzen und sich seinen Schlafanzug anzuziehen. Steht neben diesem Menschen abends nun ein zweiter Mensch und putzt sich ebenfalls die Zähne, unabhängig davon ob der andere es tut, liegt paralleles individuelles Handeln vor. In diesem Fall hat Person 1 die Absicht sich die Zähne zu putzen und Person 2 hat die Absicht sich die Zähne zu putzen.
Würde eine Person beim Abendessen zu der anderen sagen: "lass uns jetzt schnell die Zähne putzen und ins Bett gehen", könnten wir nicht mehr von individuellem parallelem Handeln sprechen, aber dazu später mehr.
Margarethe Gilbert benutzt zum Aufzeigen parallelen individuellen Handelns das Beispiel des nebeneinander Hergehens, ohne mit der anderen Person zusammen spazieren zu gehen. Ist dies der Fall, handeln die beiden Personen parallel individuell.
Ich definiere paralleles individuelles Handeln nun als das Handeln, welches eine Person gleichzeitig mit anderen Personen ausführt, ohne dass die Notwendigkeit besteht, dass die anderen es ausführen. Die individuelle Person würde die Handlung auch alleine ausführen, dass gerade ein anderer Mensch oder mehrere andere
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Menschen das Selbe tun, hat nichts mit der Absicht der individuellen Person zu tun.
2.1 Individuelle Handlungen, die gemeinsame Handlungen
voraussetzen
Wie in der Einleitung bereits erwähnt, gibt es Dinge, die wir nur gemeinsam Tun können, wie zum Beispiel ein Fußballspiel spielen oder Tango tanzen. Des Weiteren gibt es Dinge, bei denen wir entscheiden können, ob wie Sie alleine oder gemeinsam tun wollen. Zum Beispiel ein Haus streichen, ein Lied zusammen singen oder zusammen Unkraut jäten. Zu beachten sind allerdings auch Dinge, die eine gemeinsame Handlung voraussetzen, damit eine Person auf der Grundlage der gemeinsamen Handlung individuell Handeln kann. Stellt man sich einen Fußballspieler vor, der gerade einen Elfmeter schießt, würde man zunächst auf die Frage, ob dies nun eine individuelle oder gemeinsame Handlung ist, ganz klar sagen, dass es sich um eine individuelle Handlung handelt. Denn der Elfmeter schützen schießt den Ball alleine, unabhängig davon ob der Torwart gerade auch handelt, indem er versucht den Ball zu fangen, oder einfach in der Gegend herumsteht und der Schützen unbehindert seinen Elfmeter schießen lässt. Bei weiterem Hinsehen wird allerdings klar, dass die gemeinsame Handlung des Fußballspiels. Vorraussetzung dafür ist, dass der einzelne Spieler seinen Elfmeter schießen kann. Manche Philosophen sind sogar der Auffassung, dass die hier beschriebene Situation überall gegenwärtig ist, also, dass alle Handlungen in irgendeinem Kontext mit gemeinsamem Handeln stehen. 2
2 vlg. Schmid, Hans Bernhard, Schweikard, David : Kollektive Intentionalität Begriff, Geschichte, Probleme, in: Kollektive Intentionalität, Eine Debatte über die Grundlagen des Sozialen, Surkamp Taschenbuch Verlag, S.12
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3. Gemeinsames Handeln
Peter und Hans gehen die Straße entlang. Sie könnten beide individuell parallel handeln, aber da Peter Hans zuvor gefragt hat, ob er einen Spaziergang mit ihm unternehmen möchte, handeln sie gemeinsam. Nicht wie bei einem Fußballspiel, bei dem Sie dazu gezwungen sind gemeinsam zu handeln, da es sonst gar nicht zu Stande kommen würde, denn sie haben auch die Möglichkeit alleine spazieren zu gehen. Also hat Peter sich dagegen entschieden die Handlung des Spazierengehens individuell auszuführen und hat Peter zu einer gemeinsamen Handlung aufgefordert.
3.1 Bedingungen für geteiltes kooperatives Handeln in Bezug auf Bratman
Wie in der Einleitung erwähnt, beziehe ich mich bei der Erläuterung geteilten kooperativen Handelns auf Bratman. Geteiltes kooperatives Handeln erfordert angemessene
Verhaltensweisen. Wenn uns die Handlung des anderen nicht kümmert oder wir gar nicht wissen, dass er das Gleiche tut, handeln wir nicht kooperativ 3 .
Bratman erläutert die typischen Merkmale für geteiltes kooperatives Handeln. Diese lauten: „Gegenseitiges Aufeinandereingehen“, „Festlegung auf gemeinsames Handeln“, „Festlegung auf gegenseitige Unterstützung“.
3 vgl. Bratman, Michael: Schwerpunkt: Kollektive Intentionalität und gemeinsames Handeln, in: DZPhil, Berlin 55 (2007)3, S.176
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Tamara Mödersheim, 2011, Wozu brauchen wir gemeinsames Handeln und wie unterscheidet es sich von individuellem parallelem Handeln?, Munich, GRIN Publishing GmbH
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